Ausgabe 
25.11.1900
 
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Seite 2.

Mitteldeutsche Sonntagszeitung.

Nr. 48

Die zehn Dampfer des ersten Truppentrans⸗

ports sind mit 11 829 000 Mark, die acht Damp⸗ ser für den Nachschub mit neun Millionen

Mark bezahlt worden.

Die zwölf Dampfer zur Beförderung der Materialien erhielten 6187000 Mark.

Die Beförderung von 12 Offizieren, Feld⸗ postsekretären usw. ab Genua kostete 45 000

Mark.

Die Rhedereien haben einen hübschen Batzen Geld verdient. Die Begeisterung für den Rache⸗ zug ist bei den Herren Rhedern also sehr er⸗ klärlich. 1

Graf Waldersee erhielt persönlich ein ein⸗ maliges Mobilmachungsgeld in der Höhe von 12000 Mark, sein Monatsgehalt be⸗ trägt 2 500 Mark, dazu eine Dienstzulage von monatlich 10 000 Mark mithin jährlich 150 000 Mark.

Mithin kann er die 10000 Mark für seinen Koch schon zahlen!

Bei dem Divisionskommandeur betragen die Mobilmachungsgelder 2880 Mark und beläuft sich die monatliche Feldbesoldung auf 5 120 Mark.

Die Leutnants im Frontdienst erhalten mo⸗ natlich 300 bezw. 240 Mark Feldbesoldung und 1200 Mark Mobilmachungsgelder.

Die Sergeanten und Unteroffiziere erhalten monatlich 40,50 bezw. 36 Mark, die Gefreiten 16,50 Mark, die Gemeinen 13,05 Mark Feld⸗ besoldung. Vom Feldwebel abwärts gab es kein Mobilmachungsgeld.

Waldersee hat außer seinem Gehalt noch einen Wirthschaftsfonds von monatlich 370 Mk. Wenn die Chinageschichte noch lange dauert, kann der Graf ein schwer reicher Mann werden.

Hungcumedaille.

Bekanntlich verlangt die Regierung im Nach⸗

tragsetat 70 000 Mark für Anschaffung von

Auszeichnungen für die Hunnenkrieger. Un⸗ ser Parteiorgan in Halle wandte sich gegen diese Forderung in einem mitWahrzeichen der Schmach überschriebenen Artikel. Darauf⸗ hin wurde die betreffende Nummer des Blat⸗ tes beschlagnahmt, doch ist die Beschlagnahme ba wieder aufgehoben worden, weil, wie dem Blatte amtlicherseits mitgetheilt wurde, der Ar⸗ tikel eine Beleidigung der in China kämpfen⸗ den Truppen, nicht aber eine Majestäts⸗ beleidigung enthalte. Also hatte man eine

Majestätsbeleidigung in dem Artikel gesucht!

Die staatsanwaltschaftliche Mühe war aber ver⸗ geblich angewandt worden. Eigentlich soll⸗ ten wir uns überlegen, ob wir nicht im Inter⸗ esse des Publikums für diese Forderung ein⸗ treten sollten, wenn den so Ausgezeichneten die Verpflichtung auferlegt wird, die Medaille wets zu tragen. Denn bei der Verrohung und Verwilderung, der die Soldaten nach den zahlreichen Mittheilungen anheim gefallen sind, ist das Schlimmste nach Rückkehr derselben zu fürchten. Müssen sie aber ein Abzeichen tragen, so können ihnen andere Leute wenigstens aus dem Wege gehen oder sich sonst in ent⸗ sprechender Weise vor Rohheitsausbrüchen schützen.

Was das Volk alles bezahlen soll.

Vor einiger Zeit schenkte die elsässische Stadt Schlettstadt dem Kaiser die in ihrer Nähe ge⸗ legene Hohkönigsburg, eine alte, gänz⸗ lich zerfallene Ruine. Daß sie je wieder her⸗ gerichtet werden könne, hat kein Mensch ge⸗ glaubt. Jedoch der Kaiser läßt sein nunmehriges Eigenthum ausbauen, aber die nicht ge⸗ ringen Kosten soll das Reich bezahlen: im diesjährigen Etat werden für diesen Zweck nicht weniger als 150 000 Mark als er ste Baurate gefordert und auch der Landes- ausschuß von Elsaß-Lothringen soll eine gleichhohe Summe bewilligen. Selbst die Köln. Volksztg. bezeichnet diese Forderung als eine starke Zumuthung. Voraussicht⸗ lich lehnt sie der Reichstag ohne Weiteres mit großer Mehrheit ab. Das Reich kann doch wohl noch die Steuergroschen des Volkes zu etwas Besserem, als zum Ausbau alter Ruinen ver⸗ wenden, die ihm noch gar nicht einmal gehören.

Weltpolitik in der Kirche.

Bei dem in der protestantischen Domkirche zur Eröffnung des Reichstages veranstalteten Gottesdienste, zu dem sich außer den befohlenen Hofdeamten freiwillig einige evangelische Abge⸗ ordnete eingefunden hatten, hielt der Hof⸗ prediger Ohly eine Rede über eine neue Epoche der Weltgeschichte, in die wir nach seiner Mittheilung getreten sein sollen. Dies sei eine Epoche der Welte robe rung Es gelte jetzt, dahin zu wirken, daß deutsches Wesen sieghaftdie ganze Welt durch⸗ drin ge. Das deutsche Wesen sei ein Evan⸗ gelium! Wenn es war sei, daß die Welt am deutlschen Wesen genesen solle, dann sei es Pflicht der evangelischen Volksvertreter, mit voller Kraft dafür einzutreten, daß der Schatz dieses Evangeliums nicht verloren gehe. Es sei eine heilige Pflicht, darin dem Throne nachzueifern. Die parlamen⸗ tarischen Christen, die dieser Evangeliums Kündung beigewohnt, sollen sich eigene Ge⸗ danken über diese kriegerische Rede gemacht haben, die auch im gegenseitigen Austausch der Gesühle unzweideutig zum Ausdruck gekommen sein sollen.

Das neuesteAttentat,

Bei der Anwesenheit des deutschen Kai⸗ sers in Breslau warf am vorigen Freitag ein Frauenzimmer, die unverehilichte Selma Schnapka ein Handbeil(J) nach dem kaiser⸗ litt en Wagen. Das Beil prallte am Hinterrad ab. Natürlich wurde die Attentäterin sofort verhaftet. Es stellte sich heraus, daß sich die Verhaftete bisher kümmerlich durch Haussir⸗ handel ernährte. Aus ihrer Wohnung war sie exmittirt worden, weil sie die Miethe nicht be⸗ zahlt hatte. Am anderen Tage hatte sie sich zufällig vor dem Schöffengericht wegen Be⸗ leidigung eines Schutzmannes c. zu verank⸗ worten. Bei dieser Verhandlung trat chre Gei⸗ stesstörung klar zu tage. Nach ihrer Angabe ist sie 41 Jahre alt, seit zwanzig Jahren in Breslau und nur einmal im Jahre 1895 we⸗ gen Beleidigung mit 50 Mark Geldstrafe be⸗ straft. Sie war am 20. Sept. dieses Jahres auf die Polizeiwache bestellt, um eine wegen einer Gewerbekontravention über sie verhängte Haftstrafe von einem Tage zu verbüßen. In der Wachtstube soll sie sich nun so ungebühr⸗ lich betragen haben, daß die oben angedeutete Anklage gegen sie erhoben worden ist.

Auf die Frage des Vorsitzenden, ob sie gestern ein Attentat auf den Kaiser versucht habe, antwortete sie mit einem gewissen Stolz: Jal und gab als Motiv der That an, daß sie seit langer Zeit auf Betreiben der Kaiserin heimlich verfolgt werde. Daraufhin beschloß der Gerichtshof, die An⸗ geklagte auf ihren Geisteszustand untersuchen zu lassen. Wie unverschämt die reaktionäre Presse bei solchen Anlässen lügt, geht daraus hervor, daß dieMünch. Allg. Ztg. meldete, ein als Frau verkleideter Italie⸗ ner habe ein Attentat auf den Kaiser verübt. Während es in den ersten Meldungen hieß, der Kaiser wäre tiefernst nach der Kürassirka⸗ serne zurückgefahren, ist jetzt festgestellt, daß er den Vorfall gar nicht bemerkt habe! Und Blätter, die immerwährend Mord und Todtschlag verherrlichen, erklären, die Sozial⸗ demokratie trüge die moralische Verantwortung für die That der Schnapka! Derselbe blödsin⸗ nige Schwindel wie 1878, und wie bei jedem Verrücktenstreich!

Semeine Denunziation.

Wegen Majestätsbeleidigung wurde der Berliner Stadtverordnete Marggraf von einem ungenannten Lump angezeigt, weil er bei einem in der Stadtverordneten⸗Sitzung ausgebrachten Kaiserhoch sitzen geblieben ist. Daß der Schurkenstreich von einem Tribünen⸗ Besucher ausgeht, glaubt man nicht, vielmehr muß auf Grund verschiedener Umstände ange⸗ nommen werden, daß der Angeberei Mitthei⸗ lungen von Stadtverordneten zu Grunde liegen. Nicht weit vom Sitzplätze Marggraf's

befinden sich diejenigen der antisemitischen

Stadtverordneten Pretzel und Ulrich. Also

sind nicht einmal die Stadtväter in ihrem Kol⸗ legium vor dem elenden Denunziantengesindel sicher. Bei den Verhandlungen könnte über⸗ haupt die Hochschreierei wegbleiben.

Wieder ein sozialdemokratischer

Wahlsieg.

Bei den Stadtverordnetenwahlen in Mag⸗ deburg haben, wie wir schon in der vorigen Nummer erwähnten, unsere Genossen bedeu⸗ tende Erfolge zu verzeichnen. In den Stadt⸗ theilen Sudenburg und Neustadt sind am Donnerstag von unseren Genossen in der dritten Abtheilung die drei freigewordenen Mandate erobert worden. Die sozialdemokra⸗

tische Stadtverordneten-Fraktion in Magdeburg

zählt nunmehr acht Mann, von denen einer, der Genosse Schmidt, im Gefängniß weilt. Im Vergleich zur vorigen Wahl haben auch die für die sozialdemokratischen Kandidaten abge⸗ gebenen Stimmen bedeutend zugenommen.

Zum internationalen Sekretariat

delegirte die deutsche Sozialdemokratje die Ge⸗ nossen Auer und Singer; die italienischen Genossen ernannten zu Mitgliedern desselben Enrico Ferri und Turati.

Das Proportionalwahlrecht in Belgien.

Der gegenwärtig in Brüssel tagende bel⸗ gische sozialdemokratische Parteitag beschloß mit 336 gegen 108 Stimmen an dem Proportional⸗ wahlrecht festzuhalten. Die Minderheit, welche besonders aus Vertretern der Genossen von Mons und Charlervi gebildet wurde, erklärte sich dem Beschlusse fügen zu wollen. Hierzu muß erläuternd bemerkt werden, daß in Belgien das Proportionalwahlrecht nicht in der Form be⸗ steht, in der wir es in Deutschland als eine unserer Programm Forderung erstreben. Dort ist es verquickt mit dem Plu ra l stimm⸗ recht, d. h. die Wähler verschiedener Klassen, natürlich vorzugsweise der besitzenden, verfü⸗ gen über zwei und mehr Stimmen. Die Gegner⸗ schaft eines Theiles unserer Genossen wird da⸗ durch erklärlich; die Mehrheit hält nur aus Zweckmäßigkeitsgründen am gegenwärtigen Sy⸗ stem fest.

Gründliche Abfuhr der Nationalisten.

In der französischen Deputirtenkammer kam am Montag eeine Interpellation zur Verhand⸗ lung, die die Regierung um Aufklärung ersuchte über den Ordensschacher, den die antisemi⸗ tischen Blätter dem Kolonialminister Decrais vorwerfen. Letzterer wies die Anklagen mit aller Energie zurück. Er verliest die Akten über die betreffenden Auszeichnungen und schließt mit einem Appell an die Gerechtigkeit der Kammer gegenüber den Verdächtigungen der nationalisti⸗ schen Presse, deren tägliche Nahrung Lüge und Verleumdung sei. Die Ausführungen des Mi⸗ nisters fanden stürmischen Beifall. Die Anti⸗ semiten Drumont, Faure u. Millevoye wagten nicht, die Anschuldigungen zu vertreten, trotzdem sie von Millerand(dem man auch

Ordensverkauf vorgeworfen hatte) und Anderen zur offenen Aussprache provozirt wurden. Dies nagelte der Minister-Präsident W aldeck⸗ Rousseau gebührend fest. Die ganze Ge⸗ schichte von dem Ordensschacher sei erfunden und bezwecke nur, die Regierung zu diskredi⸗ tiren; er warnt die republikanische Mehrheit

in ungemein scharfen Worten, vor den reaktio⸗

nären Manövern auf der Hut zu sein. Mit 379 gegen 31 Stimmen wurde der Regierung das

Vertrauen ausgesprochen. Auch die deutschen

Antisemiten werden nicht müde, die französi⸗ sche Regierung zu beschimpfen. Und doch ist

dieses bürgerliche Ministexium noch das beste von allen, die in Frankreich je am Ruder waren. DieNationalisten sind die Freunde der P faf⸗ fen und Monarchisten, die aus dem fran⸗ zösischen Volke Milliarden zu ihrem Vortheil herauspreßten. Für unsereTeutschen ist's be⸗

zeichnend, daß sie mit dieser Gesellschaft gute Freundschaft halten.

Arbeitslöhne und Kohlenpreise. Die Blätter der Kohlenbarone sowie auch der übrigen kapitalistischen Presse bemühen sich, wenigstens einen Theil der Schuld an den hohen

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