Seite 6.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Anterhaltungsteil.

Der Zukunft Krone.

Dem Manne der Arbeit und ob er schwingt

Die Axt in der nervigen Rechten,

Und ob er das Gold aus der Erde ringt,

Aus des Bergwerks dämmernden Schächten,

Ob er lehrt und schafft und die Feder hält

Und den Meißel führt ihm gehört die Welt, Ihm gehört der Zukunft Krone!

Wir haben gebeugt in Frohn und Joch Den trutzigen Nacken lange, Und heimlich glühte das Herz uns doch Bei des Hammers ehernem Klange. Der Schweiß, der nieder die Stirn uns rann, Er adelt uns alle, Weib und Manu, Und giebt uns der Zukunft Kront!

Wir wollen kein feiges, kein halbes Geschlecht, Kein tröstendes Wort, uns zum Hohne: Wir wollen für Jeden sein heiliges Recht, Für Jeglichen Arbeit, die lohne, a Und Freude, wo brennend die Thräne jetzt fällt, Und Frieden der ganzen, der seufzenden Welt

Und dem Volke der Zukunft Krone!

Klara Müller.

In Fesseln. 61 Novelle von Elise Schweichel.

Anton schaute eine Weile finster vor sich hin. Dann sagte er:Julius würde nicht so viel Bedenken haben, wenn es ihm paßte, sich von Ihnen zu trennen.

Das wäre auch etwas anderes. Ich bin gesund und kann mich allein durchschlagen. Aber sehen Sie, fuhr Johanna mit festerer Stimme fort,sollte dies jemals der Fall sein, ich meine, daß Julius selbst die Trennung von mir wünschte so bin ich die Ihrige. Sind Sie zufrieden?

Sie reichte ihm die Hand hin.

Anton saß aufgestützt da und rührte sich nicht. Sie ließ die Hand und das blonde Haupt mutlos sinken.

Zufrieden! murrte er. Dann aber wandte er sich lebhaft zu ihr, indem er die verschmähte Hand ergriff.Nicht als ob ich jemals anders denken und fühlen würde, Johanna. Ich bin ein zäher Mensch, Sie wissen es. Aber es empört mich, daß unser Glück von ihm ab⸗ hängen soll.

Und mein Stolz und Ehrgefühl verbieten mir, Ihnen, gerade Ihnen ach, Sie verstehen mich einen kränklichen Bruder, der Ihnen unsympathisch ist und der auch Sie nicht zu würdigen weiß, aufzuhalsen. Das kann nicht sein darf nicht sein! setzte sie mit großer Energie hinzu.

Dann war es lange still im kleinen Stübchen. Nur das Pfeifen der Schwalben, die draußen ihre Kreise zogen, war vernehmbar.

Das Geräusch eines Tropfens, der auf das Zeichenpapier fiel, machte Anton aufschauen.

Du weinst, o Liebe, Teure! rief er, und schon kniete er neben ihr, nahm sie in seine Arme und küßte ihr die Thränen vom Auge. Johanna, edles, großherziges Mädchen, zu meinem Unglück muß ich Dich immer mehr lieben und bewundern. Aber ich gebe Dich nicht auf; ich betrachte Dich als meine Braut, und wo ich auch immer sein mag, wenn Du mich rufst, ich komme. Ich gehe fort, denn hier bleiben kann ich nicht, nach England, nach Amerika, aber Du sollst immer von mir Kunde haben.

Johanna hatte sich aus seinen Armen frei gemacht.

iJa, Anton, ja das ist das Beste. Gehen Sie in die Welt. Ein junger, kräftiger, intelli⸗ genter Mann muß sich erst im Leben umschauen, ehe er sich an die Scholle bindet. Wäre ich ein

Mann, ich thäte es auch. Aber es wird spät,!

Anton, Sie müssen gehen schloß sie, sich von ihrem Stuhle erhebend. a

Anton sprang auf seine Füße, er fuhr sich mit der Hand über das Gesicht und stand eine Weile wie verloren da; dann riß er das Mäd⸗ chen nochmals an sich und stürzte fort.

Auf dem Hofe ward es von den Heimkehren⸗ den laut und wieder still Johanna rührte sich nicht. Erst ein Mondstrahl, der durch das Fenster fiel, weckte sie aus ihrer Versunkenheit. Julius war noch nicht zurück, allein sie ängstigte sich nicht um ihn, sie dachte kaum an ihn. Erst als sie ihn kommen hörte, rückte er wieder in den Mittelpunkt ihrer Gedanken.Herr Gott, unsereins kann doch auch recht egoistisch sein, dachte sie fast beschämt und eilte ihm entgegen.

Er war sehr aufgeräumt. b N

Denke Dir, Hans, ich bin wirklich in der Oper gewesen. Ach, solchen Genuß soll man sich doch von Zeit zu Zeit gewähren. Man ist gleich ein ganz anderer Mensch

Ich habe Dir auch etwas mitzuteilen, sagte Johanna nach einer Pause, während sie dem Bruder Butterbrötchen strich.Etwas, das Dir angenehm sein wird.

Dann schieß mal los, mein Kind, sagte er kauend.Was ist's?

nur erst, nachher sag' ich es Dir.

Wie Du willst. Er sprach wieder vom Tannhäuser und von der heutigen Aufführung. Daß er hinter den Koulissen gewesen, sagte er nicht, auch nicht, daß er in Suschens Begleitung nach Hause gekommen.

Nun, Deine Neuigkeit, sagte er, als er gesättigt war und eine Zigarre anzündete.Ich kann sie mir übrigens denken. Anton hat Dir eine Liebeserklärung in aller Form gemacht. Die Mine schien heute geladen.

Und?

Und Du hast ihn natürlich abgeblitzt. Oder hast Du Dich etwa überrumpeln lassen? Er sah sie über die Lampe hinweg forschend an.

Wenn Johanna die leichtfertige Art, mit der er eine Sache behandelte, die ihr Lebensglück betraf, tief in die Seele schnitt, so schmerzte sie noch mehr die Geringschätzung Antons, die aus seinen Worten sprach. Nein, diese beiden Men⸗ schen konnten nimmermehr zusammen leben. Sie hatte recht gethan, einen und den andern davor zu bewahren, wenn auch um den Preis des eigenen Glücks.

Ich habe seine Bewerbung zurückgewie sen, sagte sie mit leiser Stimm'.

Na, da gratuliere ich, Hans. Du kannst noch allemal eine andere Partie machen. Gottlob, so find wir endlich den lästigen Gesellen los. Er reckte sich recht behaglich in seinem Lehnstuhl.

Ich habe ihn Deinetwegen zurückgewiesen, sagte Johanna mit gepreßter Stimme.

Meinetwegen? Ei, sieh doch, Du Schalk. Als ob Du nicht auch Deinen Stolz hättest. Wir sind zwar sehr demokratisch, hm, hm, aber ein Grafensohn ist uns doch lieber, als ein Schneidersohn, was?

Da irrst Du sehr. Ich kenne zwar keinen Grafensohn, aber diesen Schneidersohn stelle ich den Besten gleich und Du hättest alle Ursache, es auch zu thun.

Ich? Nun, das laß meine Sorge sein. Mir ist der Mensch zuwider, und ich bin froh, daß es endlich zum Klappen gekommen ist. Ich ahnte so was, weißt Du, und ging deshalb aus.

Johanna ertrug es nicht länger. Sie räumte den Tisch ab, sagte ihm gute Nacht und ging. Draußen stand sie eine Weile, die Hände fest auf das Herz gepreßt. War es denn möglich, daß Julius so hohl und herzlos war? Nein, nein, nur blind war er blind, wie es ein Menschendarsteller nicht sein sollte. Er ahnte den Zustand ihres Herzens nicht, nicht was sie geopfert hatte. Wenn er es ahnte, er würde

ganz anders gewesen sein das Opfer vielleicht nicht einmal angenommen oder sie doch wenigstens voll Mitgefühl ans Herz geschlossen haben. Aber er sollte nie erfahren, wie es um sie stand. Für sie blieb es sich doch gleich so oder so, sie war durch die heiligste Pflicht an ihn gefesselt. Noch lange saß sie, mit solchen

Gedanken beschäftigt, in ihrem Stübchen un blickte in den schweigenden, mondhellen Hof.

IV.

Die Musterzeichnung war von der Baronesse nach mancherlei Ausstellungen schließlich gut ge⸗ heißen worden, und Johanna saß nun außer den Unterrichtsstunden in der Schule den ganzen Tag und oft bis tief in die Nacht an ihrem Stickrahmen. Um Julius konnte sie sich nur so weit kümmern, als seine nächsten Bedürfnisse in Betracht kamen. Er hatte sich gewöhnt, allein auszugehen; zuweilen holte iha auch ein Be⸗ kannter zu einem Spaziergang ab oder Suschen Champagner begleitete ihn.

Das letztere sah Johanna jedoch nicht gern. Es hatte sich zwischen beiden ein burschikoser, familiärer Ton eingeschlichen, der ihr höchlichst mißfiel. Der braven Wäscherin zu Liebe duldete sie jedoch die Besuche des Mädchens.

Von Auton hatte sie einen langen Abschieds⸗ brief erhalten, den sie jeden Abend, bevor sie sich zur Ruhe legte, wieder las. Es war ihre Andachte stunde, ihr stiller Gottesdienst, an den sie den ganzen Tag mit heimlicher Wonne dachte. Anton hatte sie in jenem Brief an ihr Wort gemahnt, ihm gehören zu wollen, sobald sie ihrer schwesterlichen Pflichten ledig wäre. Glaubte sie auch nicht, daß dies je der Fall sein würde, so war es doch so süß, zu wissen, daß es Einen gab, der darauf hoffte, von dieser Hoffnung lebte. Da stand es ja von seiner lieben Hand geschrieben, und schon die äußere Form der Worte erfüllte sie mit Entzücken. Sie wurde nicht müde, den Brief wieder und wieder zu lesen, und so mit dem Fernen beschäftigt, verfloß ihr die schwere Arbeitszeit wie ein Traum.

Anton hatte sich nach England gewandt.

Die Stickerei nahte ihrer Vollendung. Nach drei Wochen unermüdlichen Fleißes war es end⸗ lich so weit, daß sie dieselbe abliefern konnte. Eines Tages packte Johanna, nachdem sie aus der Schule gekommen, ihre Arbeit sorgfältig ein und begab sich abermals in das aristokratische Haus.

Diesmal wurde sie von der alten Kammer- frau empfangen und sogleich in das Wohnzimmer der Baronesse geführt. Dasselbe war leer, aber in dem anstoßenden Salon hörte man laut und lebhaft sprechen. Die Kammerfrau öffnete respekt⸗ voll die Thür und meldete Johanna an.

Lassen Sie die Storbeck ihre Arbeit aus⸗ packen, Eichler, hörte sie die Baronesse sagen. Die Herrschaften wollen die Güte haben, die Stickerei in Augenschein zu nehmen.

Johanna breitete ihr Werk auf dem runden Tisch, der in der Mitte des Zimmers unter der Gaskrone stand, mit der größten Seelenruhe aus, während die Kammerfrau, die Hand auf dem Drücker, in devoter Haltung das Nahen der Herrschaften erwartete.

Nicht lange, so trat die Baronesse mit drei älteren Damen, in lebhafter französischer Kon⸗ versation begriffen, ins Zimmer. Ohne von Johanna Notiz zu nehmen, stellten sie sich, teils mit Klemmern, teils mit Lorgnetten bewaffnet, um den Tisch, um die Arbeit zu mustern.

Johanna wußte von ihrer Schulzeit her noch so viel Französisch, um die Unterhaltung, welche geführt wurde, in der Hauptsache zu verstehen, zumal man mit der gewohnten, jede Silbe be⸗ tonenden Langsamkeit sprach. Nur eine kleiue Dame mit starken, männlichen Zügen und einem nicht unansehnlichen Schnurrbärtchen auf der Oberlippe mußte wirklich eine Französin sein, denn Johanna vermochte aus dem Strom ihrer Rede nur hier und dort ein bekanntes Wort wie: magnifique, artistique, excessivement bien fait heraus zu hören.

Sie konnte gar nicht zweifeln, daß diese Aus⸗

drücke ihrer Arbeit galten, auch gaben die Mienen

der übrigen Damen Beifall kund. Nur die Baronesse schien zu kritteln. Endlich verabschiedete sich die kleine Französin und die anderen Damen folgten ihrem Beispiel. Johanna war nun mit der Baronesse allein.

* Prächtig, künstlerisch, außergewöhnlich gut gemacht.

.

ite 97

Die

un, iber die 0

Johan

gend

lt 9 g g l 5

Ver Gule ert schinen Hoffmann den Erfo so lebend Jusiinkti hach der, in Berül si sich Daumen heraus, schtei. schen ar chen in Gewohr beibehal so gelan dieser S

Fuankhei

lchen, je lun, wi euhaltent sißlhe idem di lat inn. N18 Mu botderen unn nag huhnheit de Ver csc bindet 0 Mill a 10 Ne dier 0 Nieht Shisel 1921 agelleid Fach 0 w igen i Gef