Ausgabe 
23.12.1900
 
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ag · Kammer betr. die

* Ne. 52.

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Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 3.

Gegen die Aeußerung des Abgg. Schill, daß die Leute doch nichts lernten, zu welcher Zeit auch immer der Unterricht stattfinden möge, wendet sich ausführlich Ministerialrath Eisen⸗

hut h. Das leibliche und sittliche Wohl der

Schüler erfordere, daß der Unterricht Abends 7 Uhr beendet sei. Im Laufe der weiteren De⸗ batte, die am 14. Dez. fortgesetzt wird, bemerkt Abg. Köhler⸗Darmstadt, Jeder wisse, wie noth⸗ wendig es sei ein gewisses Maß von Wissen ins Leben mitzubringen. Opfer dafür wären nicht nutzlos. Die Sozialdemokraten wüßten am allerbesten, was es heißt, daß Wissen eine Macht ist. Abg. Ulrich bemerkt, Abo Weidner habe sich durch seine Bemerkung, mau soll sich davor

hüten, daß alle anderen Stände durch das Pro⸗

letariat ausgebeutet werden, geradezu unsterb⸗ lich gemacht. Redner ist der Meinung, daß die jungen Leute in der Fortbildungsschule lernen, was sie fürs Leben brauchen, und daher seine Stellungnahme zu der Sache. Köhler-⸗Langsdorf ist von der Verfügung der Regierung nicht erbaut. Er will also, daß die Fortbildungsschüler sich von 79 Uhr

Abends in die Schule setzen sollen. Beim Un⸗

terricht schlafen sie dann ein.

Eine Anfrage des Abg. Frenay, betr. die Besteuerung der Waarenhäuser, beantwortet Finanzminister Gnaut h. Diese Frage, führt er aus, sei noch keineswegs ge⸗ flärt. Es müßten erst Erhebungen hierüber stattfinden. Abg. Molthan schildert in längeren Ausführungen das Geschäftsgebahren der Waarenhäuser und konstatirt, daß die große Mehrheit der Gewerbetreibenden ihre Existenz durch eine Waarenhaussteuer geschützt wissen wissen will.

Abg. Haas(Mainz) ist der Meinung, daß man, wenn man den Standpunkt der Vorred

ner einnehme, nicht bei den Großbazaren stehen.

bleiben, sondern weiter gehen und sich auch gegen die großen Spezialgeschäfte wenden muͤsse, denn auch diese seien eine Schädigung des Kleinhandels. Man müßte auch vorgehen gegen die Großindustriellen, die großen Han⸗ delsherren und die Großgrundbesitzer, die . den sog. Mittelstand schädigen. Aber die Regierungen seien eng koailirt mit diesen großkapitalistischen Unternehmern. Die Besteue⸗ rung der großen Waarenhäuser werde die Er⸗ richtung weiterer Waarenhäuser nicht verhin⸗

der Strecke Offenbach⸗Hanau

ung der Interpellation über das Binger, oder auch tausend Mann Verstärkungen bedeuten,

Bootsungläück wird verschoben. Eine längene Debatte verursacht die Anfrage über das Offenbacher Eisenbahnunglück. Minister Gnauth antwortet mit der Exklä⸗ rung, daß ein endgiltiges Urtheil, weil die Un⸗ tersuchung noch schwebt, noch nicht abgegeben werden könne. Eine demnächst stattfindende Konferenz werde Maßnahmen zur Hebung der Verkehrssicherheit berathen. Abg. Brentano kritisirt die mangelhaften Einrichtungen auf und die mise⸗ rablen Bahnhofsverhältnisse in Offenbach. Die preußische Verwaltung spare am unrechten Ort und thue nichts für die Sicherheit des Verkehrs. Abg. Ulrich schließt sich dem Vorredner an und verlangt, daß festgestellt werde, wen die Schuld daran treffe, eine Rangierlokomotive dem Schnellzuge die Einfahrt in den Offenbacher Bahnhof versperren durfte. Dadurch sei das Unglück herbeigeführt worden. Es sei zu befürchten, daß die Erklä⸗

wo bisher Hunderttausende nicht viel ausrichten konnten? Das Maximum dessen, was England an Truppen schicken kann, ist bereits in Afrika. Eine Verdoppelung der dortigen Truppen ist unmöglich und während die Zuversicht und der Muth der Buren in ganz unerwarteter Weise und Stärke zurückkehren und wachsen, sehen die Unternehmer des Krieges ihr Ansehen und ihre Macht rapide sinken, wie die Armee Eng⸗ lands langsam, aber sicher zusammenschmilzt.

Ueber das Gefecht selbst berichtete Lord Kit⸗

angegriffen. daß zur kritischen Zeit Bu ren,

chener am 13. Dez.: General Clements wurde bei Tagesanbruch bei Nooitgedacht am Magaliesberge von den Kommandos De

lareys und Beyers, insgesammt 2500 Mann,

rung des Herrn von Thielen die gerichtliche

Untersuchung in bedauerlicher Weise beeinflußt

und eine baldige Klarstellung erschwert hätte.

dern, sie werde also nicht dem beabsichtigten

Zwecke dienen, sondern es werde nur erreicht, daß man ein Ausnahmesteuergesetz für eine ge⸗ wisse Klasse der Bevölkerung schafft.

Korell erklärt sich für eine solche Steuer. Ausführlich geht Abg. David auf diese Frage ein. Er widerlegt das Gerede, unsere Partei wolled en Mittelstand vernichten. Mit Unrecht werfe man den Großbetrieben unreelle Geschäfte vor, auch der Kleinhandel sei heutzutage ge⸗ wöhnt, den Kunden etwas aufzuhängen. Was die Angestellten angehe, seien diese bei den Waarenhäusern durchschnittlich so bezahlt, wie dies bei Kleinbetrieben nicht der Fall sei. Daß man die großen Spezialgeschäfte anders wie die Bazare behandeln wolle, begreife er nicht, gerade diese seien dem Kleinbetrieb gefährlich, Es habe gewiß keinen Sinn, ein Geschäft mit Stiefelknechten und ein solches mit Hüten mo⸗ ralisch, ein solches mit beiden Gegenständen zu⸗ sammen für unsittlich zu erklären. Die großen Gerbereien, Biebrauereien usw. hätten alle den Kleinbetrieb ruinirt. Der Umsatz sei in ver⸗ schiedenen Branchen sehr verschieden, daher sei dessen Besteuerung falsch. Richtig sei nur eine Steuer auf das Einkommen. Diese sowie die Vermögenssteuer müsse progressiv eingeführt werden. In den Jahren 18821895 habe die Bevölkerung im Reiche um 14,5 Proz. die Zahl der Handelsbetriebe um 40 Proz., in Hessen erstere um 11, letztere um 27,6 Proz. zu⸗

genommen. Jede unproduktive Arbeit sei ein Fehler. Die Segnungen dieses modernen Wirthschaftslebens müßten der großen

Masse zu Gute kommen, hierin liege eine richtige Mittelstandspolitik. Unsere Zeit sei auf allen Gebieten eine solche der ge⸗ nossenschaftlichen Orgonisation. Hinter den Waarenhäusern ständen die Einkaufsvereini⸗ gungen derselben, die allein ganze Fabriken be⸗ schäftigen und deshalb wohl in der Lage seicg⸗ einen Druck auf diese ausüben zu können. Er Ge daß unsere Regierung abwarte, welche fahrung man in Preußen mache.

In der weiteren Debatte treten sichtspunkte nicht zu Tagle. Die

neue Ge⸗ Besprech⸗

Nach weiteren Bemerkungen des Abg. Oriol a und Bähr schließt die Sitzung. Die Be⸗ richte über die Sitzungen vom 18. und 19. Dez. müssen wir bis zur nächsten Nummer zurück⸗ stellen. F

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Der Krieg mit China.

Der Einzug der zurückgekehrten Chinakrieger hat am vorigen Sonntag in Berlin stattgefunden. Die Leute sahen, berichtet wird, krank und angegriffen aus. Nach Mittheilung derFreis. Ztg. waren es meistens Matrosen von Kriegsschiffen, die also am Kriege selbst fast gar keinen Antheil gehabt haben. Für den Einzug selbst war nach demselben Blatte die denkbar größte Reklame gemacht worden. Alle öffentlichen Gebäude waren angewiesen, zu flaggen. Trotzdem war die Betheiligung des Publikums nicht so stark, als sonst bei ähnlichen Angelegenheiten. Der Kaiser hielt eine Ansprache an die Zurückge kehrten.

DieVerbündeten. Es wird wieder einmal versichert, daß die Mächte sich jetzt einig

seien. Wie lange die Herrlichkeit dauert, bleibt

wie

Der erste Angriff der Bu⸗ ren wurde abgeschlagen; es gelang den den Gipfel des Magalies⸗ berges zu nehmen, welcher von vier Kom⸗ pagnien der Northumberland-Füsiliere verthei⸗ digt worden war. Die Buren beherrschten somit das britische Lager. General Cle⸗ ments zog sich daher nach Heeckpoort zurück

und nahm auf einem Berge mitten im Fluß⸗

dahingestellt. Damit sonst noch etwas geschieht,

werden von WalderseeExpeditionen ausge⸗ rüstet; ob zum Schaden oder Nutzen, kein Mensch weiß es. Zum zweiten Male hat Rußland dem Grafen offiziell die Absicht kundgegeben, alle russischen Soldaten aus der Provinz Tschli zu⸗ rückzuziehen. Die Zurückziehung der Truppen

solle noch vor dem russischen Neujahr erfolgen.

Das sieht nicht sehr nachEinigkeit aus.

man nicht sprechen, höchstens von Friedensver⸗ zögerungen.

Engländer, die Schwierigkeiten machen. Die

Uneinigkeit der Mächte ist so groß wie nur je⸗

mals. Die Engländer ziehen ihre Truppen aus Peking zurück, um die von den Russen ver⸗ lassene Schanhaikwan⸗Eisenbahn zu besetzen und zu schützen. Li⸗Hung⸗Tschang ist an der Influenza erkrankt und wird von dem deut schen Gesandtschaftsarzt behandelt.

Vom Eise befreit. Sämmtliche deut⸗ schen Kriegsschiffe haben das Eis auf der Taku⸗ Rhede durchbrochen und die eisfreien Häfen Tschifu und Tsingtau erreicht.

Der Krieg in Südafrika.

England befindet sich in großen Nöthen. In der Hoffnung, bald die Gefangennahme des Burengenerals Dewet melden zu können, ist zord Kitchener,. 0 das Oberkommando in Südafrika über⸗ nahm, gründlich getäuscht worden. Dewet hat sich nicht nur glücklich aus der Schlinge heraus⸗ gezogen, die Buren haben den Engländern auch eine schwere Niederlage beigebracht. Die erst angezweifelten tigten sich. Man ist stürzung und die Aufregung f wie in den Tagen von Ladysmith. isterrath wurde 1 5 fh, daß beschlossen wurde, alle auf dem Heimweg befindlichen Truppen zurückzu⸗ beordern und weitere Truppen naa, Südafrika zu entsenden. Was sollen aber etliche hundert

in London in großer Be⸗ soll so groß sein, Der Mi⸗

Nachrichten darüber bestä-

sofort zusammenberufen, und

der nach Lord Robert's Heim⸗

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Ant ifemitische

thale Stellung; der Kampf war sehr heftig. Oerst Legge un drei Hauptleute wurden ge⸗ tödtet. Die vier Kompagnien Northumberland⸗ Füsiliere mit General Broadwood sind von den Buren eingeschlossen. Sie mußten sich Weg ent Mangel an Mi

geben. Weitere Nachrichten bestätigen, daß

zu gleicher Zeit ein Generalangriff der Buren auf sämmtliche wichtige Eisenbahnpunkte statt⸗ fand. Alle Eisenbahnverbindungen mit der Kapkolonie sowie der englischen Hauptkorps un⸗ tereinander sind zerstört. Die Buren haben die Orte Lichtenburg, Bethlehem, Vrede und Vry⸗ heid angegriffen. Die Lage der Engländer ist eine äußerst bedenkliche.

Nach den neueren Nachrichten hat sich die Lage der Engländer noch bedenklicher gestaltet. Es ist Dewet gelungen, mit 600 700 Bu⸗ ren über den Oranjefluß(südliche Grenze des Freistaates) in die Kap-Kolonie l(also eng⸗ lisches Gebiet) einzudringen, nachdem er vor⸗ her einen siegreichen Kampf mit den Engländern bei Rouxville bestanden hatte. Möglich, daß hierdurch die Afrikander in der Kapkolonie ver⸗ anlaßt werden, sich ebenfalls gegen die Eng⸗ länder zu wenden. Die Unruhe in den nörd⸗ lichen Distrikten der Kapkolonie hat zugenom⸗ men. Das englische Kolonialamt macht bekannt, es sei beschlossen, 5000 Mann südafrikanische Konstablertruppe in England zu rekrutieren. In Südafrika will sich niemand zum Polizei⸗ dienst melden. Die englischen Truppen sind des Krieges vollständig müde und thun nur mit dem größten Widerwillen Dienst. Gehor⸗

samsverweigerungen sind nicht selten. Das Von Friedensver handlungen kann

macht die Lage der Engländer, einem so ent⸗

N N ä 5 In den letzten Tagen sind es die schlossenen und geschickten Feinde, wie den Bu

ren gegenüber, doppelt bedenklich. Infolge dieser Reihe neuer Niederlagen ist die Stim⸗ mung in England ene sehr g drü gte und wette Kreise verlangen angesichts der riesigen Opfer an Geld und Menschenleben eine baldige Been digung des Krieges.

Von Nah und Fern.

Gießener Angelegenheiten. Versammlung. ImLöwen sprach am Sonntag der anti⸗ semitische Reichstagsabgeordnete Dr. Vogel. Ueber die angekündigtenZeit- und Streit⸗ fragenKonitz,Sternberg undDreyfus sprach Redner nur einige Worte, in welcher er die Behörden tadelt, daß sie den Juden zu wohlgesinnt seien. Dann behandelte er das Programm seiner Partei, stellte sich als Freund des Genossenschaftswesens, der Arbeiterorgani sation, als echter Agrarier, Feind der Waaren⸗ häuser und lauer Freund der Welt- und Kolo⸗ nialpolitik vor. Daß er nebenbei die Bestre⸗ bungen unserer Partei größtentheils ver- urtheilte, daß die sozialdemokratischenJuden Marx, Lassalle, Singer Adler usw. ihr Theil abbekamen, versteht sich am Rande. Ohne das giebt's bekanntlich keine antisemitische Rede. Zu erregten Auseinandersetzungen kam es zwi⸗ schen dem ersten Diskussionsredner, dem na tionalsozialen Redakteur Erdmanns⸗ dörffer und dem Leiter der Versammlung,

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