Seite 2.
Mitteldeutsche Sonntagszeitung.
die Lehre des Sozialismus von der heit alles dessen, was Menschen⸗ antlitz trägt“ ist die Bürgichaft für die
große Zukunft der Menschgeit. Wird es dem Sozialismus gelingen, bald siegreich seinen Rundgang über di ganze Erde zu thun, oder
werden ihm seine mächtigen Zegner immer ge⸗ waltigere Hindernisse in den Weg legen? Werden die Gegner kein Mittel unversucht lassen, um den Sozialismus niederzuhalten, werden sie selbst vor den grausamsten nicht zurücksch ecken, oder werden sie trotz alledem und alledem zu schwach sein, cht: 0 Menschheit, das Fest des wirklichen Frie⸗ dens, der vollendeten Menschenliebe zu verhin⸗ dern? Die erfreuliche Thatsache, daß sich heute schon, über die weite Erde zum Theil zerstreut, Millionen zu der Weltanschauung des Sozialis⸗ mus begeistert bekennen, giebt uns den Muth zu der Annahme, daß nichts im Stande sein wird, seinen endgültigen und baldigen Sieg zu verhindern. Mit ihm kein Krieg, kein Massenmord, kein Blut⸗ vergießen, keine Unterdrückung, keine Knccht⸗ schaft, keine Ausbeutung, keine religibse Heuchelei, mit ihm das Recht, die Gerechtigkeit, die Freiheit, mit ihm die Meuschlich⸗ keit in ihrem vollen Umfange, mit ihm die Sonnenwende des Glückes und des Wohlergehens auf Erden, mit ihm
das fröhliche Jubelfest der ganzen Menschheit!
Politische Bundscchau. Gießen, 21. Dezember.
Echtheit der Hunnenbriefe.
Der preußische Kriegsminister bestritt be⸗ kanntlich im Reichstage die Echtheit der zahl⸗ reichen Hunnenbriefe, er war sogar so frei, den von Bebel aus der„Fränkischen Tagespost“ zitirten als„eine Mache“ zu erklären. Durch die Uebereinstimmung der einzelnen Briefe standen aber für Jeden die in denselben mitge⸗ theilten Thatsachen fest. Die Echtheit der Briefe wird aber jetzt auch von einem Ordnungsblatt erster Güte, den„Hamburger Nachrichten“, be⸗ stätigt. Und sie haben ihre Kenntniß aus bester Quelle, von den ersten Hunnen⸗ kriegern, welche vorige Woche aus China zu- Crückgekehrt sind.
Alle Leute dieser Truppe, die befragt wur⸗ den, haben nach den„Hamb. Nachr.“ die Briefe als echt bezeichnet. Wenn sie nicht noch eigenes Material zur Ergänzung dieser Zeugnisse gegeben haben, so geschah das nicht, weil sie etwa nichts hätten. Sie haben jedenfalls genug davon, aber sie dürfen es nicht bekannt werden lassen! Den Mannschaften ist nämlich nach der„Frkf. Ztg.“ schon auf der Rückreise auf dem Dampfer streng verboten worden, irgend etwas über den Krieg Zeitungsberichterstat⸗ tern zu er zählen.
Ein zweiter Beweis für die Wahrheit dessen, was die Hunnenbriefe berichteten, was das deutsche Volk schaudernd, scham- und zorn⸗ erfüllt erfahren hat.
Wie lange nun wohl der Kriegsminister noch gebrauchen wird, um aus seinen Akten zu erfahren, was in China vorgekommen ist, zu wissen, was alle Welt weiß! Und wie lange es wohl noch dauern wird, bis energisch dafür gesorgt wird, derartige Hunnenthaten zu ver— hindern!
Kriegszug bei Rheinwein und Champagner.
Wie Graf Waldersee in China reist, be⸗ schreibt ein Berichterstatter der römischen„Tri⸗ buna“ unterm 17. Oktober:„Graf Waldersee befindet sich sehr wohl und macht die ganze Reise(nach Peking) zu Pferde, obwohl ihm ein sehr bequemer, von vier prächtigen Maulthieren gezogener Wagen folgt, in welchem jetzt die Frühstückskörbe und die Kisten mit Champagner ein Asyl finden. Der Graf und sein Stab trinken nämlich nur Rhein⸗ wein und Champagner. Es folgen ihm zwei Gardekürassire, die ausländischen Offi⸗
ziere, eine sehr hübsche Uanenschwadron und ein Riesenzug mit Bagage. Sowohl er wie seine Offiziere tragen unter dem Uniform⸗ rock einen vollständigen Leder panzer, den sie selbst beim Schlafengehen nicht ausziehen. Das
„Gleich⸗ Gefolge ist außerordentlich prächtig. Trotz dem Marschallstab und der kaiserlichen Fahne, die dem Grafen überall hin folgen, ist er sehr bescheiden und höflich. Als ich ihn zu seiner Er⸗ nennung und zu seinen Erfolgen beglückwünschte,
sagte er, indem er das Lob abwehrte:„Oh, wissen Sie, man muß nur Glück haben!“— Also nur Rheinwein und Champagner! In den Soldatenbriefen liest man von der⸗ artigen Getränken nichts, vielmehr wird wie⸗ derholt mitgetheilt, daß die Soldaten das Wasser trinken mußten, in dem Menschen- und Thier⸗
leichen schwammen.
das große Weihnachts fest der
Die Landtagswahlen in Württemberg.
Im Laufe dieser Woche haben die Stich⸗ wahlen in Württemberg stattgefunden. Wie wir bereits früher mittheilten, war unsere Partei an zehn Stichwahlen betheiligt, von denen etwa die Hälfte günstige Aussichten für uns boten. Unsere Genossen siegten jedoch nur in drei Wahlkreisen. In Stuttgart⸗Stadt wurde Genosse Kloß mit 14000 gegen 11 500 deutschparteiliche Stimmen wiedergewählt. Fer⸗ ner siegte der ehemalige Pastor Genosse Blu m⸗ hardt in Göppingen und Genosse Keil, Redakteur der„Schw. Tagw.“ in Ludwigs⸗ burg ⸗Amt. In Eßlingen unterlag leider Ge⸗ nosse Schlegel; die Volkspartei hat hier, wie in den übrigen Bezirken, wo sie den Ausschlag zu geben hatte, offenbar zum großen Theil für die Konservativen gestimmt. Das zeigt uns wiederum, wie wenig wir uns auf die Hülfe auch der Demokraten bei den Stichwahlen ver⸗ lassen können; wir müssen so arbeiten, daß wir im ersten Wahlgange siegen!— Nach dem Ge⸗ sammtresultat werden die Parteien in folgen⸗ der Stärke in den Landtag einziehen: Volks⸗ partei 26(bisher 29), Sozialisten 5(bis⸗ her 1), Zentrum 18(18), Deutsche Partei 12 (14), Bündler und Konservative 5(5), Wilde 2(3). Wir gewannen also vier Sitze.
Ueber die abgegebenen Stimmen waren un⸗ sere neulichen Mittheilungen nicht ganz zu⸗ treffend. Nach einer Berechnung des„Merkur“ vertheilten sich dieselben wie folgt:
1900 1895 „Nationales“ Kartell 100493 95516 Zentrum 77279 95 926 Volkspartei 77523 94705 Sozialdemokratie 38666 32269
Gegen die letzte Wahl stieg also unsere Stim⸗ menzahl im Prozentverhältniß ausgedrückt von 10,94 Prozent auf 18,58 Prozent. Für uns ein recht erfreuliches Resultat!
Bei den ebenfalls dieser Tage stattgefundenen Gemeindewahlen in Stuttgart un⸗ terlagen unsere Genossen. Sie wurden von den Volksparteilern nur sehr lau unterstützt, während fünf Volksparteiler ihren Sieg den Sozialdemokraten verdanken.
Wir marschiren!
Auch die Landtagswahlen in dem ziemlich vermuckerten Lippe⸗Detmold sind in der dritten Wählerklasse für unsere Par⸗ tei gut ausgefallen; unsere Genossen kommen in folgenden Kreisen in die Stichwahl: 1. Wahl⸗ kreis(Städte Detmold, Lage, Horn): Stich⸗ wahl zwischen Obier(Soz.) und Wißmann (freis., bisheriger Abgeordneter). 2. Wahlkreis (Städte Lemgo, Blomberg, Bartrup, Salzuf⸗ uflen): Stichwahl zwischen Jacke(Wild), und Schmuck(Soz.). 3. Wahlkreis(Aemter Brake, Blomberg, Detmold zum Theil): Stichwahl zwischen Moritz(freis.) und Becker(Soz.). 7. Wahlkreis(Aemter Schötmar, Oerlinghau⸗ sen): Stichwahl zwischen Becker(Soz.) und
Während bei den Reichstagswahlen im Jahre Ellerkamp(christl.⸗soz.).
1898 im ganzen Fürstenthum nur 1973 sozial⸗ demokratische Stimmen abgegeben wurden, kam unsere Partei bei der Landtagswahl, bei der doch viele Reichstagswähler nicht stimmberech⸗ tigt sind, auf 2173 Stimmen.— Der lippesche
Landtag zählt 21 Mitglieder, die in drei Klassen direkt gewählt werden.— Vier unserer Kan⸗
didaten kommen in Stichwahl.
Eine Niederlage erlitten die freien Gewerkschaften bei den Ge- werbegerichtswahlen in Dortmund.
Von 3516 Arbeitnehmern, die in den Listen ein⸗ getragen waren, stimmten nur 1820 ab. Davon
erhielt die Liste der Gewerkschaften nur 876, während die Liste der katholischen Vereine, die sich mit den evangelischen und den Hirsch⸗ Dunter'schen Vereinen verbunden hatten, mit
g ö f ö f 3
betr.
929 Stimmen die Mehrheit erhielten. Offenbar laben es unsere Leute an der nöthigen Or⸗
ganisation fehlen lassen. Hoffentlich lassen sie
sich den Ausfall dieser Wahl zur Warnung
dienen 7 Antisemitische Leuchte.
Dreschgraf Pückler giebt wieder Gastvor⸗ stellungen. Neulich beglückte er Magdeburg mit seiner Anwesenheit. Von dem, was er dort ver⸗ zapfte, wird folgendes mitgetheilt:
„Der Zusammenstoß der germanischen und semitischen Rassen wird ein furchtbarer und blutiger sein. Die Richter und An⸗ wälte sollten sich endlich ermannen und ihren frechen, unverschämten jüdischen Kollegen die Akten um die Ohren schlagen, daß ihnen die Schwarte knackt. Zieht das Schwert, das scharfe, blitzende und haut mal auf die Judenbande, daß die Kerls heulen und schreien. Die Paläste der Juden müssen zerstört werden. Wir müssen zur Peitsche greifen und mit Keulen drein⸗ schlagen. Befolgen wir das Beispiel, das Christus im Tempel gab, nehmen wir den Stock und hauen wir das ganze Gesindel heraus. Warum haben wir denn so starke, so kolossale und mächtige Fäuste erhalten von unserem Gott, doch nur, daß wir uns wehren, daß wir uns gewaltig wehren, wenn man uns verdrängt. Wer uns die Herrschaft streitig macht, der kann ganz Io lossale und gewaltiges dei kriegen.“
Und in Berlin, wo vor einiger Zeit eine Pücklerversammlung aufgelöst wurde, sprach er die Ueberzeugung aus, daß er bald wieder Amtsvorsteher sein werde, dann sei er selbst Polizei. Dann werde er eine große Volksversammlung nach Kl.⸗Tschirne einberufen und mit 24 Zentimetergeschützen auf die Juden los feuern.
„Dazu lade ich sie alle herzlich ein, wenn ich wieder in Kl.⸗Tschirne regiere, so werde ich drei Paragraphen Gesetzge⸗ bung erlassen: 1. Jeder Jude kann durch⸗ gehauen werden. 2. Jeder freche Jude kann rausgeschmissen werden. 3. Jeder sehr freche Jude kann sogar aufgehangen werden. Pas⸗ sen Sie auf, dann sind wir in acht Tagen die Judenbande los.“
Merkwürdigerweise ist der Mensch noch im⸗ mer nicht in ein Irrenhaus gesperrt. Auch die Magdeburger Polizei, die doch den Sozialdemo⸗ kraten gegenüber sehr empfindlich ist, ließ den Verrückten ruhig gewähren.— Zahlreiche, den „besseren Kreisen“ angehörige Zuhörer be⸗ jubeln stets den gräflichen Blödsinn.— Ein antisemitisches Blatt fällt über den Dresch⸗ grafen folgendes Urtheil:„So ein Zwitter von Narretei und Streberei war bisher in so⸗ zusagen idealster Ausprägung noch nicht er⸗ reicht.“
Be ssisehe r Landtag.
Am 12. Dezember genehmigte die Kammer die Abänderung des Gesetzes betr. die Hundesteuer nach dem Ausschußantrage. Nach Artikel 3 werden diejenigen Personen von der Steuer für je einen Hund befreit, die in Folge ihres Berufes oder Gewerbes einsam wohnen und ein Einkommen von weniger als 2600 Mark versteuern.— In der Sitzung am 13. Dez. verliest der Finanzminister Gnauth zunächst den Budget-Entwurf für 1901/2.
Die neuen Steuern bringen höhere Erträge als vorgesehen, aber auch die Ausgaben seien größer Angesichts des eigenthümlichen Ueber⸗
gangscharakters glaube man jedoch zunächst
von einer Steuererhöhung absehen zu sollen, die Regierung schlage vielmehr vor, das Aus⸗ gabeplus aus früheren Ueberschüssen zu decken. Zum Schluß seines Vortrags richtet der Mi⸗ nisterialpräsidenr die Bitte an das Haus, den diesem demnächst zugehenden Etat schleunigst zu erledigen und dabei eingedenk zu sein der star⸗ ken Steigerung der meisten Ausgabeposten und der Leistungsfähigkeit unseres Landes und seiner Bewohner.
Staatsminister Rothe beantwortete hierauf die Anfrage der Abgg. Schill und Diehl, die
Fortbildungsschule In der Beantwortung wird besonders hervorgehoben, daß die gegebenen Bestim⸗ mungen nicht die Stunde des Fortbildungs-
unterricht, festsetzen, sondern nur die Zeit be⸗
stimmen, bis zu welcher der Unterricht beendet sein soll(Abends 7 Uhr).
—
Abends ktticht Eine Festen Heanttbo! Fage, 12 0 suttfinde Figeren er Waa Jlurhei buch e 1 lssen ö Wg. an, v fer einn hleiben, gegen qllsse, bes Ale gen d ö e bbenfall die f er lg de lihtung an, f Jecke ß ng ise g No Mae ein. E oled ferfe! bur, g
. = —
— S . —
——— à¹wgô—.


