Ausgabe 
23.9.1900
 
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Nr. 39.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 5.

setzeshütern keine zu sehen bekommen haben.

Sollte dieses aber hier oder da der Fall sein, so danken wir den betr. Polizisten und Gens⸗ darmen für die Agitation, welche sie wider Willen für die Sozialdemokratie verrichtet haben.

Im Uebrigen möchten wir aber dieHess. Landesztg. fragen, ob die Meinungsäußer⸗ ungen Göhres jetzt, nachdem er Sozialdemokrat geworden, von geringerer Bedeutung sind, als früher, wo sie ihn als ihren Parteiführer verehrte?

Arbeiterrisiko. Bei dem Bauunter⸗ nehmer Weishaupt ereignete sich in der Werk⸗ stätte ein schrecklicher Unglücksfall. Einem an einer Hobelmaschine beschäftigten Arbeiter wurde die Hand total abgeschnitten, so daß sich seine Ueberführung in die Klinik nothwendig machte.

Zusammenkunft der Parteigenossen am Sonntag, 23. September, Nachmittags von Zein⸗ halb Uhr ab auf Hansenhaus links. a

Militärische Rücksichtslosigkeit. Trompetengeschmetter und Hörnerklang ꝛc. weckte die Bewohner Marburgs in der Nacht von Diens⸗ tag auf Mittwoch aus ihrem Schlafe. Das Jägerbattaillon kehrte um Mitternacht aus dem Manövergelände wieder in seine heimathlichen Penaten zurück und dies wurde dann der Ruhe liebenden Marburger Bevölkerung durch schon oben gekennzeichnete Musik bekannt gegeben. Jedenfalls wäre es aber angebracht gewesen, wenn der Militarismus dem Marburger Publi- kum gegenüber so viel Einsicht gehabt hätte, daß die Spielerei in der Nacht unterblieben wäre. Wie immer bei solchen Gelegenheiten, hatte sich auchviel Volk eingefunden, welches die Sol⸗ daten mit fortwährendemHurrahgeschrei zur

Kaserne begleitete. Aus der letzten Stadtverord⸗

netensitzung. Erwähnenswerth ist die Neu⸗ regelung des Nachtwächterdienstes. Es werden angestellt ein Nachtwachtschutzmeister und sechs Nachtschutzleute, und zwar vom 1. Oktober ab. Der Nachtwachtdienst erstreckt sich auf die Zeit vom 1. Oktober bis 1. April bis Morgens 6 Uhr, für die übrige Zeit bis Morgens 4 Uhr; außerdem befindet sich von Abends 710 Uhr eine Nachtwache im Rathhause. Stadtv. See⸗ binger ist der Meinung, daß die Nachtschutzleute humaner verfahren sollten, wie bisher. Der Sberbürgermeister, als Chef der Polizei, er⸗ klärte, er sei mit dieser sehr zufrieden und müßte die Polizei ihre Pflicht thun, nämlich alles an⸗ zuzeigen, was ihrunter die Nase kommt!!!

Kleine Mitteilungen.

In Wetter erbrachen gestern zwei fremde Radfahrer, die sich Eingang in die Kirche ver⸗ schafft hatten, den Kirchenkasten und suchten mit ihrem Raube das Weite. 8

Messerstecherei. Gelegentlich des Kirch⸗ weihfestes am vergangenen Sonntag in Leid⸗ hecken wurde ein junger Mann von einem 17jqährigen Burschen durch Stiche mit einem Knicker so schwer verletzt, daß er nach Gießen in die Klinik gebracht werden mußte. Dort ist er in vergangener Nacht gestorben. Der jetzt im Gerichtsgefängniß zu Gießen inhaftirte Thä⸗ ter machte sofort, nachdem er die That begangen, einen Selbstmordversuch; er hatte sich aufge⸗ hängt, wurde aber vom Bürgermeister entdeckt und abgeschnitten.

* Braunfels. Unter den Begrüßungs⸗ telegrammen, die dem sozialdemokratischen Par⸗ teitage in Mainz zugingen, befand sich auch ein solches der Genossen in Braunfels im Kreise Wetzlar.

Selbstmord eines Rechtsanwaltes. Der Rechtsanwalt Dr. S. Marx in Frank⸗ furt stürzte sich, nachdem er versucht hatte, fich durch Oeffnen der Pulsadern das Leben zu nehmen, aus dem Fenster seines im vierten Stock, Goethestraße 5, gelegenen Geschäftslokals in den Hof hinab. Ins Bürgerhospital ver⸗ bracht, starb er bald darauf. Zu dem Selbst⸗ mord soll er durch Unregelmäßigkeiten von

Konkursverwaltungen und große Spekulations⸗ verluste veranlaßt worden sein.

Arbeiterbewegung.

Streik der Lederarbeiter in Mainz. Nach einem Abkommen mit den Lederwerken

ist am Donnerstag Morgen die Arbeit wieder aufgenommen worden. Die Gekündigten, da⸗ runter sämmtliche Vorstandsmitglieder des Ver⸗ bandes der Fabrikarbeiter wurden nicht wieder eingestellt.

Aussperrung der Hamburger Werftarbeiter. Kapitalistenblätter berichten, bei der am Mitt⸗ woch stattgefundenen Besprechung der Arbeiter⸗ delegirten mit den Vertretern der Unternehmer hätten letztere erklärt es sei ihnen unmöglich, Lohnerhöhungen oder sonstige Verbesse⸗ rungen der Arbeitsbedingungen zu bewilligen; dagegen erklärten sie sich bereit, die ausstän⸗ digen Arbeiter zu den alten Bedingungen wie⸗ der einzustellen, falls die Arbeiter in ihrer mor⸗ gigen Versammlung beschließen, die Arbeit wie⸗ der aufzunehmen. Die Unternehmerbrutalität tritt in dieser Erklärung unverhüllt zu Tage.

Ende des Münchener Schreinerstreiks.

Eine stark besuchte Versammlung der Strei⸗ kenden beschloß gegen einzelne Stimmen, den nun bereits Monate lang andauernden Aus⸗ stand für beendet zu erklären. Im Kampfe für den Neunstundentag sind die Arbeiter un⸗ terlegen.

Im Lohnkampfe der Buchbinder

ist es in mehreren Orten auf Grund der Ver⸗ sammlungen einer Einigungskonferenz, welche die Unternehmer⸗ und Arbeitervertreter in Leipzig abhielten, zu einer Einigung gekommen. In Berlin sind die Arbeiter mit den Abmach⸗ ungen nicht einverstanden und nahmen die Ar⸗ beit noch nicht auf.

Streikbrecher ist keine Beleidigung.

Wiederholt wurde der AusdruckStreik brecher als Beleidigung bestraft. Das Amts⸗ gericht in Greiz lehnte jedoch kürzlich die Er hebung einer Anklage gegen einen Mann, der einen Arbeitswilligen mitStreikbrecher be⸗ zeichnet hatte aus folgenden Gründen ab:Un⸗ terStreikbrecher versteht man denjenigen, welcher, nachdem er an einem von seinen Be⸗ rufsgenossen zur Erlangung besserer Lohnbe⸗ dingungen veranstalteten Streik theilgenommen hat, aus irgend welchen Gründen das Lager der Streikenden verläßt und die Arbeit wieder auf⸗ nimmt. Nun ist zwar nicht zu verkennen, daß die Arbeitsniederlegung ein erlaubtes Mittel ist, um eine Lohnerhöhung herbeizuführen oder sonstige standes- oder berufliche Interessen zu wahren, es liegt aber zu Tage, daß kein Arbeiter mehr zur Theilnahme an der Lohnbewegung von seinen Standesgenossen gezwungen werden kann, und folgerichtig, daß es sodann Aus⸗ ständigen unbenommen sein muß, einer besseren Einsicht folgend, die Arbeit wieder für sich auf⸗ zunehmen. Diese Rückkehr ist als durchaus be⸗ rechtigt anzuerkennen; daß aber der Streik⸗ brecher durch seine Lossagung unter Umständen die Interessen seiner Standesgenossen gefähr- den, ihnen zuwiderhandeln kann, mag richtig sein, kann aber unter keinen Umständen dazu führen, daß er in den Augen vernünftiger Leute und nur auf die Anschauung solcher kommt es an verächtlich wird. Die Bezeichnung Streikbrecher allein kann daher als eine Eh⸗ renkränkung nicht aufgefaßt werden, sonstige begleitende Nebenumstände, aus denen auf die Absicht der Kränkung geschlossen werden könnte, sind nicht behauptet worden.

Partei⸗ Nachrichten.

Versammlungs⸗Kalender. Samstag, 22. September:

Gießen. Holzarbeiter abends 9 Uhr bei Löb, Wiener Hof. Gießen. Metallarbeiter abends 9 Uhr bei Orbig. Montag, 24. September:

Gießen. Schneider abends 9 Uhr bei Orbig.

Der heutigen Nummer unseres Blattes liegt ein Katalog der bekannten, seit dem Jahre 1880 bestehenden En- gros-Firma Gebr. J. P. Schulhoff, München bei, welche besonders für Wiederverkäufer der Weiß⸗ Woll⸗, Schnitt⸗ und Kurzwaarenbranche eingerichtet ist.

Die Elektrotechnik auf der Pariser Weltausstellung.

Wenn die deutsche Industrie auf irgend einem Gebiete einen Erfolg in Paris errungen hat, so auf dem der Elektrotechnik. Deutsch⸗ land ist das klassische Land der Elektrizitäts⸗ verwendung, hier wurden zum großen Theile die theoretischen Grundlagen geschaffen, hier die wissenschaftlichen Ergebnisse frühzeitig schon und mit stets wachsendem Erfolge praktisch ver⸗ wendet. Vor nun zweiundeinemhalben Menschen⸗ alter bauten Ganß und Weber in Göttingen (1833) die erste telegraphische Anlage der Welt, Steinheil in München entdeckte die Verwend⸗ barkeit der Erde zur Rückleitung des Stromes, zur selben Zeit, als Jacobi die Grundlagen der Galvanotechnik entdeckte. Aber erst 1866 vollendete Werner Siemens, der zu den großen Wohlthätern der Menschheit zählt, durch die Aufstellung des dynamo⸗elektrischen Prinzips die Verbindung zwischen Technik und Elektrizität, die seither so überreiche Erfolge getragen hat. Die Dynamomaschine bot uns zuerst die Ge⸗ legenheit, große Mengen von elektrischer Energie einfach, billig und sicher zu erzeugen. Aber seither haben weder die deutschen Gelehrten noch die Techniker geruht und gerastet, sondern haben in Verbindung mit einer hochstehenden und in jeder Beziehung kräftig vorwärts strebenden Arbeiterschaft der Welt fast in jedem Jahre neue große Errungenschaften dargeboten.

Freilich ein Reservatrecht haben die Deutschen auf diesen Gebiete nicht, wollen wir auch nicht haben: die Technik ist wie die Wissenschaft international; seitdemm Davy im Jahre 1810 das erste, allerdings praktisch nicht verwendbare Bogenlicht ersann und seitdem Dal Negro 1834 einen ebenfalls praktisch nicht verwendbaren Elektromotor schuf, haben auch die Söhne fremder Länder auf dem Gebiete der Elektrotechnik wacker mitgearbeite; wenn wir auf unsere Ganß, Weber, Siemens. Helmholtz, Wiedemann, Herz, Röntgen und wie sie Alle heißen, stolz sind, so die Anderen auf ihre Edison, Jablochkow, Tesla und ähnliche. Ein rüstiger Wettkampf, in der nur eigene Tüchtigkeit, eiserner Fleiß und Ge⸗ wissenhaftigkeit im Arbeiten den Erfolg sichern, ist entbrannt was mit ihm errungen und er⸗ reicht wird, kommt der ganzen Menschheit zu Gute, selbst unter dem heutigen System unserer Wirthschaft, wo der Profit des Kapitalisten das Vehikel des Fortschritts abgibt.

Es sind, wie wir schon erwähnten, kaum dreißig Jahre seit dem Erfinden des dynamo⸗ elektrischen Prinzips vergangen, und schon hat sich die Elektrizität fast alle Gebiete der Technik dienstbar gemacht. Drei Probleme hatte die Elektrotechnik im Grunde zu lösen: das der Stromerzeugung, das der Stromübertragung und das der Stromverwendung. Wir können auf die hochinteressante geschichtliche Seite dieser Probleme und ihrer Lösungsversuche hier natür⸗ lich nicht näher eingehen; nur so viel sei be⸗ merkt, daß das erste und das dritte früher ge⸗ löst wurden, als das zweite. So viele ver⸗ schiedene Systeme der Erzeugung elektrischer Ströme erfunden und ausgeführt wurden, das eine gemeinsame Bestreben dokumentirte sich in Allem: möglichst große Kraftmengen an einer Ursprungsstelle zu erzeugen. Und darin hat man es so weit gebracht, daß wir heute vielleicht schon an der Grenze des überhaupt Erreichbaren stehen; noch vor zehn Jahren be⸗ obachtete man den Bau einer Dynamomaschine, die 1000 Pferdekräfte erforderte, als etwas Un⸗ gewöhnliches, Erstaunliches, dann ging man stufenweise auf 1500, 1800, 2000, 2500 und endlich auf 3000 Pferdekräfte; man schien am Ziele zu sein aber, siehe da, der Unter⸗ nehmungsgeist rastete nicht und heute werden auf der Weltausstellung Dynamomaschinen mit 4500 Pferdekräften vorgeführt. Viertausend und fünfhundert Pferdekräfte spricht sich ebenso leicht aus, wie vierzig oder fünfzig Pferdekräfte: aber es ist etwas Ungeheueres damit und das Ge lingen einer solchen gewaltigen Maschine ist eine Kulturthat allerersten Ranges.(F. f.)