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Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Nr. 39.
Errichtung einer solchen Handelshochschule als
Sitz derselben Mainz, die bedeutendste Handels⸗ stadt des Landes, wählen?
Zu dem bevorstehenden Quartalswechsel ersuchen wir unsere Leser, rechtzeitig das Abonnement zu erneuern. Jeder Genosse hat die Pflicht, für die Ausbreitung unserer Presse zu wirken!
Gießener Angelegenheiten.
Eine Versammlung von Inhabern hiesiger Zigarrengeschäfte beschäftigte sich am Dienstag Abend mit dem Ladenschluß. Man hielt den 8 Uhr-Ladenschluß für im Sommerhalbjahr schädigend, erklärte sich entschieden dagegen und beschloß, die Verwaltungsbehörde um Geneh— migung der gesetzlich zulässigen Ausnahmen für den Zigarrenhandel zu ersuchen und die Verkaufszeit von 8 Uhr morgens bis 9 Uhr abends im Sommer und Winter gleichmäßig festzusetzen.
Gegen den ehemaligen Klubdiener Fink der wegen Unterschlagung angeklagt war aber in dem ersten Termin den ganzen Gerichtshof wegen Befangenheit ablehnte, weil die Richter sämmtlich Mitglieder des geschädigten Vereins (des Klubs) waren, ist jetzt endgiltig Termin in Darmstadt anberaumt worden.
Der Spielwaaren händler, in dessen Laden am Seltersweg vorige Woche ein Brand ausgebrochen war, wurde wegen Verdachts der Brandstiftung festgenommen und befindet sich noch immer in Haft.
Der Bürgermeister von Butzbach,
Herr Jouttz legte vor einiger Zeit sein Amt nieder, weil, wie es damals hieß, die Anfein— dungen, denen er von Seiten eines Theiles seiner Mitbürger ausgesetzt war, ihm dasselbe verleidet hatten. Jetzt theilt ein Nauheimer Blatt mit, daß Joutz sich um die Bürgermeisterstelle in Gießen beworben habe.
Volks⸗Versammlung für Krofdorf und
Gleiberg.
Am nächsten Sonntag, den 23. Sept., findet Nachmittag. Zeinhalb Uhr im Gasthaus zum schwarzen Walfisch eine Volksversammlung statt, in welcher Genosse Gewehr-Elberfeld über: „Die Weltmachtspolitik und ihre Folgen“ spre— chen wird. Gewehr, der Redakteur des Elber— felder Parteiorgans, ist als ein sehr guter Redner vortheilhaft bekannt, unsere Genossen in Glei— berg und Krofdorf wollen deshalb für zahlreichen Besuch der Versammlung sorgen.
In Wetzlar
soll am 9. und 10. Okt. der Parteitag der Christ⸗ lich⸗Sozialen(Stöckerianer) stattfinden. Auf der Tagesordnung steht unter anderem: Die„Ge— werkschaftsfrage; selbstverständlich die Bekämpfung der Sozialdemokratie; Christenthum und Weltpolitik.— Der„Wetzl. Anzeiger“ fühlt sich veranlaßt, vor Ankauf der Schundliteratur, besonders des jetzt erschiene— nen Schauerromanes:„Geheimnisse des chine— sischen Kaiserhauses“ zu warnen. Er bemerkt dazu:„Ein solcher Unsinn, wie dort zusam— mengeschrieben ist, wird so leicht nicht gefun— den. Das Blut u fließt selbstverständ⸗ lich in Strömen und Greuelscenen scheuß— lichster Art, untermischt mit geschickt verschlei— erten Unsittlichkeiten, bilden den Inhalt des ersten Heftes; was werden noch die anderen bringen? Wir halten es für unsere Pflicht, ausdrücklich vor solcher Schundliteratur zu war⸗ nen, die sich einen patriotischen Anstrich giebt, aber nur geeignet ist, Herz und Gemüth zu vergiften.“
Ganz recht! Aber die Hunnenbriefe der Sol— daten in China, die der„Wetzl. Anz.“ mit Vergnügen abdruckt, stehen auch auf derselben Stufe.
Beispielsweise könnte die schöne Feldwebel— Dichtung, d ie wir in der vorletzten Nummer aus dem„Wetzl. Anz.“ zitirten, ebensogut in dem Schauerroman stehen.
In Heldenbergen
begingen am vergangenen Sonntage eine Anzahl U 0 83 Mi o eo. 9 eee Burschen aus Windecken arge Ausschreitungen.
Auf dem Wege von Heldenbergen nach Windecken überfielen sie den Feldschützen von Heldenbergen, der während der Obstzeit den Nachtdienst ver- sieht, schlugen ihn mit Knüppeln, traktirten ihn mit Steinwürfen, sogar mit Revolvern wurde geschossen. Ein Weinhändler Tob. Pauly aus Heldenbergen, der desselben Weges kam und dem bedrohten Wächter zu Hilfe kommen wollte, wurde verletzt; auch der Schütze F. Wei ß— becker trug Wunden davon. Die Strafe für diese Hunnenthaten wird wohl nicht ausbleiben.
Die Offenbacher Wirren.
Die Stadtverordneten zu Offenbach hatten in ihrer Sitzung vom 28. Juni beschlossen, den Stadtverodneten Ulrich mit der Vertretung der Versammlung in Sachen der Beanstandung des Stadtverordneten-Beschlusses, die Abgabe der amtlichen Bekanntmachungen an das „Abendblatt“ betr., zu beauftragen. Diesen Be— schluß hat der Oberbürgermeister bean⸗ standet, weil er den Stadtverordneten Ulrich, der zugleich Verleger des„Abendblatt“ ist, als betheiligt erachtete. Der Kreis ausschuß ver- kündete nun in Erledigung dieser Beanstandung, daß derselben keine Folge zu geben sei, Ulrich also als nicht betheiligt anzusehen ist. Eine weitere Beanstandung führte zu einer drei— stündigen Verhandlung vor dem Kreisausschuß. Die Stadtverordneten hatten die Bildung von Ausschüssen beschlossen, in denen aus⸗ schließlich Stadtverordnete den Vor⸗ sitz führen sollten. Auch dieser Beschluß wurde als im Widerspruch mit der Städteordnung stehend beanstandet. Nach einstündiger Be— rathung gab der Ausschuß bekannt, daß er seine Entscheidung in 8 Tagen verkünden werde.
Verbandstag deutscher Gewerbegerichte.
se. In Mainz traten am Mittwoch, den 19. September, Vertreter und Delegirte der Ge— werbegerichte aus allen Theilen Deutschlands zusammen, um sich über den gewerblichen Ar- beitsvertrag und die damit zusammenhängenden gesetzlichen Bestimmungen auszusprechen. Ober⸗ bürgermeister Dr. Gaßner, der den Vorsitz führte, wies in seiner Begrüßungsrede auf die sozialpolitische Bedeutung der Gewerbegerichte und auf deren außerordentliche Erfolge bei Bei— legung von Lohnstreitigkeiten hin. Stadtrath Dr. Flesch- Frankfurt erstattete den Geschäfts⸗ und Kassenbericht, der gutgeheißen wurde. Die verschiedenen Referate lagen vornehmlich in den Händen von Juristen, auch die Diskussion wurde hauptsächlich von solchen geführt. Neue Gesichtspunkte traten kaum zu Tage. Bei Be⸗ rathung des Verbots der Aufrechnung bei Lohn— forderungen und des Zurückhaltungsrechtes nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch und der Gewerbe— Ordnung vertraten alle Redner den Standpunkt, daß dieses Verbot nicht in dem Sinne zu ver— stehen sei, wie es Stadthagen in seinem„Ar⸗ beiterrecht“ vertritt. Stadthagen ist der Ansicht, daß eine Aufrechnung und Zurückbehaltung des Lohnes unter allen Umständen unstatthaft sei. Er beruft sich dabei auf die Kommissionsbe— schlüsse und die Motive zum§ 616 des Bürgerl.
Gesetzbuchs. Im zweiten Theil der Verhand— lungen rechtfertigte Rechtsanwalt Trimborn—
Köln die Stellung des Centrums zur Gewerbe— gerichtsnovelle. Ihm tritt Gen. Matißek-Leipzig entgegen. Als Letzterer auf die Bestimmungen über das Alter der Wähler und Beisitzer ein— ging, schienen die Ausführungen verschiedenen Herren nicht zu gefallen und man schloß die Debatte. Nach mancherlei nützlichen Anregungen aus der Versammlung konstatirte der Vorsitzende, daß die Konferenz ihren Zweck vollkommen er— füllt habe, und schloß die Sitzung.
Wieder ein Schwindelpastor.
Die Strafkammer des Braunschweiger Land⸗ gerichts verurtheilte den Pastor Schaumann aus Heimburg bei Blankenburg wegen Unterschlagung von Kirchenkassengeldern zu vier Monaten Ge⸗ fängniß. Schaumann, über dessen Vermögen inzwischen der Konkurs verhängt worden ist, hatte seit dem Jahre 1886 die mit einem Jahres⸗ gehalte von 4800 Mk. dotirte Pfarrstelle in Heimburg inne und nebenbei die dortige Kirchen⸗ kasse zu verwalten. Aus dieser hat Schaumann e.wa 2400 Mk. unterschlagen. Innerhalb der fünfzehn Jahre seiner seelsorgerischen Thätigkeit in Heimburg hat er das 25000 Mk. be⸗ tragende Vermögen seiner Frau aufgebraucht und zahlreiche Darlehen von 5000 Mk. und darunter sich zu verschaffen gewußt.
Konitz.
Von der Anklage, bei der Ermordung des Gymnasiasten Winter Beihilfe geleistet zu ha⸗ ben, wurde der Abdecker Israelski von der Strafkammer freigesprochen. Wie jetzt berichtet wird, hat der Staatsanwalt gegen das Urtheil Revision eingelegt.
Bergwerks⸗Katastrophe.
Bei einer am Mittwoch in der„Frisch⸗ Glück“-Zeche bei Dux in Böhmen erfolgten Explosion sind zahlreiche Bergleute verunglückt, deren sich 83 im Schachte befanden. Bis jetzt sind zwei Leichtverletzte und 18 Schwerverletzte, darunter der Betriebsleiter, geborgen. Von die⸗ sen sind bereits 5 gestorben. 30 Leichen wur⸗ den noch im Schacht gefunden, konnten jedoch nicht herausgeholt werden, weil das Feuer sich als gefährlich erweist. Weitere fünf Personen werden noch vermißt.
Bei dem letzten Bergarbeiterstreik wurde von den Arbeitern vielfach auf die mangelhafte Schutzvorrichtungen hingewiesen.
Ausbreitung der Volkskrankheiten.
Ueber die Ursachen der Sterbefälle im deut⸗ schen Reiche und über die Ausbreitung unserer gefährlichsten Volkskrankheiten enthalten die Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesund⸗ heitsamt folgende bemerkenswerthe Daten. Es starben im Jahre 1897 im deutschen Reiche bei einer Einwohnerzahl von 52 Millionen im Ganzen 1120 000 Menschen, davon an Lung⸗ entuberkulose 110 200, an Diphtherie und Kroup 26 500, Keuchhusten 21600, Masern 11 600, Scharlach 6800, Typhus 6000, an Te⸗ tanus(Starrkrampf) starben 467, an Toll⸗ wuth 13 Personen. Die Zahl der Selbstmörder betrug 10 700.
Aus dem Wahlkreise Marburg⸗ Kirchhain. W. Marburg, 20. Septbr.
Parteiversammlung. Auf die am Sonnabend, 22. Sept. abends 8.30 Uhr im Lo⸗ kal des Herrn Felsberg stattfindende Partei⸗ versammlung werden die Genossen noch an die⸗ ser Stelle besonders aufmerksam gemacht. An An Stelle des Genossen Scheide mann⸗ Nürnberg, welcher durch dringende Redaktions- geschäfte verhindert ist, zu erscheinen, tritt Ge— nosse Gewehr-⸗Elberfeld.
Flugblatt-Verbreitung. Die am Sonntag, 16. Sept. in einem Theile unseres Wahlkreises stattgefundene Flugblatt-Verthei⸗ lung ist gut verlaufen. Ueberall wurden unsere Genossen freundlich aufgenommen. Von der früher auf dem Lande üblichen, fanatischen Hetze gegen Alles, was sozialdemokratisch heißt, oder auch nur aussieht, war kaum etwas zu verspüren Nur eines Falles soll Erwähnung gethan werden welcher sich in dem erzkatholischen Dorfe Schröck ereignete, wo eine Frau ihrem Aerger über die Sozialdemokratie in solch gemeinen Worten Luft machte, welche hier nicht wiederzugeben sind. Von vielen Landbewohnern wurde der Wunsch ausgedrückt, sich öfters auf dem Lande sehen zu lassen, da die Schriften immer gerner gelesen würden. Bei verschiedenen Gesprächen mit den Bauern wurde auch der Chinapolitik Erwähnung gethan und dieser Rachefeldzug fast allgemein verurtheilt. Die„Hess. Landesztg.“ schreibt über die Flugblattvertheilung folgen- dermaßen:
„Flugblätter des Pastors Göhre:„Wa⸗ rum ich Sozialdemokrat wurde?“ wurden gestern und vorgestern massenhaft in Marburg und Umgegend verbreitet. Die Polizisten und Gens⸗ darmen sind eifrig dahinter her, die ausgestreu⸗ ten Flugblätter wieder einzufangen. Ob ihnen das bei allen gelingt, halten wir etwas für zweifelhaft. Jedenfalls aber erhalten die Flug⸗
blätter durch das polizeiliche Haschen nach ihnen
eine Bedeutung, die sie ohne dies sicher nicht gehabt haben würden.“
Konstatirt muß werden, daß den Verbreitern nichts davon bekannt ist, daß Polizisten und Gensdarmen die Flugblätter wieder eingesam— melt haben, da die Betreffenden von diesen Ge⸗
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