Ausgabe 
23.9.1900
 
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Nr. 39.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 3.

insignien, denn die alte, historische ruht in Franz Josephs Schatzkommer in Wien. NationalliberalesZweckessen.

Den schon längst im unaufhaltsamen Nieder⸗ gang begriffenen Nationalliberalis mus bemühen sich seine Anhänger durch Jugendver eine wieder auf die Beine zu bringen. Was man damit für Geschäfte machte, ging aus dem Bericht hervor, den auf dem Kongresse der Jugend vereine in Edenkoben der Mann⸗ heimer Vertreter erstattete. Dieser bemerkte, die Verhältnisse seien so trübe, daß er am liebsten gar nicht Bericht erstatten möchte. In der hunderttausend Einwohner zählenden Stadt seien ganze vierzig Personen dem Ver⸗ eine beigetreten und davon erscheine zu den Versammlungen nur ein halbes Dutzend. Um die Leute herbeizuziehen, habe man alles Mögliche versucht, u. A. wurde ein Vortrag über die Kartoffeln gehalten und sogar ein Gratisessen mit Kartoffelklößen ver⸗

anstaltet. Aber selbst dieses Mittel hat nicht verfangen. Nun soll der Vereinneu organisirt werden. DieBerl. Volksztg. empfiehlt

launig dazu, für die nächste Versammlung den Kartoffeltlößen noch Speck und Backobst hinzu⸗ zufügen. Bielleicht hilfts dann. Gegen den fliegenden Gerichtsstand der Presse

hat sich der in Baumberg tagende deutsche Juristentag ausgesprochen. Er nahm gegen zwei Stimmen folgenden Antrag des Referenten, Oberlandesgerichts-Präsidenten Geheimen Justiz⸗ raths Hamm, an:

1) Begründet der Inhalt einer im Inlande erschienenen Druckschrift den Thatbestand einer strafbaren Handlung, so ist für deren Ver⸗ folgung im Wege der öffentlichen Strafklage dasjenige Gericht ausschließlich zu⸗ ständig, in dessen Bezirk die Druck⸗ schrift erschienen ist. 2) Das gilt nicht, sofern es sich um eine weitere selbständige Ver⸗ breitung der Druckschrift handelt.

Auch der Oberreichsanwalt Dr. Ols⸗ hausen Leipzig war der Ansicht, daß es so nicht bleiben könne; als Ort der begangenen That müsse der des Erscheinens des Preßer⸗ zeugnisses angesehen werden. Das allgemeine Rechisbewußtsein dränge dahin, daß dem heutigen Zustand ein Ende gemacht werde.

Christ und Sozialdemokrat.

Wie zu erwarten war, ist der Konsistorial⸗ rath a. D. Frank, der, wie wir in voriger Nummer berichteten, in einem Vortrage in einer sozialdemokratischen Versammlung in Danzig auseinandersetzte, daß ein Christ sehr wohl Sozialdemokrat sein könne und der auch sonst der Kirche bittere Wahrheiten sagte, wegen dieser Rede von konservativ-christlicher Seite heftig angegriffen worden. Jetzt sendet er dem frommen Reichsboten, der ihn der Verwirrung der Ge wissen beschuldigt hat, diese Erklärung:

Kann ein Christ Sozialdemokrat sein? Ueber dieses Thema bin ich von Führern der hiesigen sozialdemokratischen Gruppe gebeten worden, ihnen einen Vortrag zu halten. Man wünschte also ein Gutachten von mir, ob die Bestrebungen der Sozialdemokratie dem Christen thum widerstritten oder nicht. Eine solche Bitte durfte ich als Geistlicher nicht ablehnen. Ich würde sie gegebenen Falles auch den An gehörigen jeder anderen Partei gewährt haben.

Für ein solches Gutachten bedurfte es aber nicht einer Erb terung der unter den Sozial- demokraten herrschenden religiösen Anschauungen, auch nicht einer Darlegung des Wesens des Christenthums. Denn daß die naturalistische Weltanschauung unter den Sozialdemokraten, eben wie auch in anderen Parteien, weit ver⸗ breitet ist, bildet kein Hinderniß für den Christen, Sozialdemokrat zu werden, da bekanntlich diese Anschauung in das sozialdemokratische Partei- Programm nicht aufgenommen ist. Es bedurfte für mein Thema nur des Nachweises, daß die Bestrebungen der Sozialdemokratie, also ihre volkswirthschaftlichen Grundsätze, dem Christen⸗ thum nicht widersprächen. Diesen Beweis habe ich geführt durch kurze Zusammenstellung der sozialen Gebote Jesu und die Apostel. Daraus

ergab sich von selbst die Antwort: Ein Christ kann sehr wohl Sozialdemo krat sein!

Was ist in den Mann gefahren? ruft da der Reichsbote aus. Aber hätte der Verfasser des Artikels, anstatt eine Predigt von mir über den Spruch, den ich im Vortrage gar nicht be⸗ rührt habe, heranzuziehen, sich die Mühe ge⸗ nommen, nur einen flüchtigen Blick in die sozialen Zeitpredigten zu werfen, die ich unter dem TitelFriede auf Erden 1888 heraus- gegeben habe, dann hätte er gefunden, daß ich schon vor 12 Jahren auf Grund der Worte Jesu dieselben Gedanken ausgesprochen habe, wie im Vortrage. Mit der Verkündigung dieser Gottes gedanken aus Jesu Mundeverwirrte ich nicht die Gewissen. Aber alle die, welche in ihrer Schriftauslegung und öffentlichen Ver⸗ kündigungen stets das verschweigen, was den Reichen und den Mächtigen mißfällt, die der ihnen verhaßten Partei Bestrebungen unterschieben, die sie nicht hat, ja, die verwirren die Gewissen.

Zünftlerische Mißerfolge.

An dem Segen der Zwangsinnungen und des Befähigungsnachweises beginnen jetzt die Mittelstandsretter selbst zu zweifeln. Die bösen Erfahrungen, die mit dem neuen Hand- werkergesesetze gemacht wurden, haben also doch eine gute Wirkung gehabt. DieKreuzztg. schließt einen Artikel über die Haadwerks⸗ kammern mit der skeptischen Wendung, daß nach Erlaß des Gesetzes und nach den seither ge machten Erfahrungen es gut sei, die Verhält⸗ nisse im Handwerkerstande so zu betrachten, wie sie thatsächlich sind, und zu prüsen, ob die Forderung der obligatorischen Zwangs inn ung und des Befähigungs⸗ nachweises heute noch berechtigt ist.

Dafür wird das Junkerorgan von der eben⸗ falls reaktionärenTagesztg. gehörig angebellt. Das letzte Handwerkergesetz und seine Aus⸗ führung hätten bewiesen, meint das Blatt, daß die Voraus setun; einer wirksamen Innung nur der Befähigungs nachweis sein könne. Sollte die Kreuzztg. wider Erwarten zu einem anderen Schlusse kommen, so würde sie kaum befugt sein, im Namenihrer Partei zu reden; denn unseres Wissens steht die konservattve Partei wohl ohne wesentliche Ausnahmen heute noch auf dem Boden der Forderung des Be fähigungsnachweises. Gewiß, dadurch fängt die konservative Partei die Stimmen der Zünftler, der Leute, die nichts gelernt und nichts ver

gessen haben. Unerhörtes Urtheil.

Wegen Majestätsbeleidigung wurde der Redakteur derThür. Tribüne, Genosse Levy vou der Erfurter Strafkammer zueinem Jahre Gefängniß verurtheilt. Er hatte eine Bemerkung desSüdd. Postillon abge⸗ druckt, wegen der letzteres Blatt noch nicht ein⸗ mal unter Anklage gestellt war. Derartige Ur⸗ theile heben das Ansehen der Monarchie nicht im Geringsten, beweisen vielmehr, wie noth⸗ wendig die Beseitigung des Majestätsbeleidigungs⸗ Paragraphen ist.

Der Krieg mit China.

Immer verworrener gestaltet sich der Stand der Chinafrage. Sicher ist, daß Rußland mit der Räumung Pekings begonnen hat, ob⸗ wohl seine bekannte Anregung nur geringen Beifall gefunden hat und neuerdings auch Ame⸗ rika ausweichend sich dazu geäußert hat. Un⸗ gewiß ist, ob sämmtliche russischen Truppen aus Peking zurückgezogen werden sollen. Nach dem Reuter'schen Bureau soll General Lene⸗ witsch die übrigen Befehlshaber benachrichtigt haben, daß der größte Theil seiner Truppen in Peking überwintern werde. Das steht im Widerspruch zu einer anderen Meldung, wo⸗ nach die russischen Truppen Peking so bald als möglich verlassen werden. Auffällig ist ande⸗ rerseits das geschäftige Bestreben Rußlands, die Person des Friedensunterhändlers Lihung⸗ tschang sozusagen unter russischen Schutz stel⸗

len zu wollen, wogegen England Einspruch er-

hoben haben soll.

Nachrichten über kriegerische Ereig- nisse sind wieder aus der Provinz Petschili gekommen.

Nach amtlicher deutscher Meldung aus Ti⸗ entsin wurde Liang von den deutschen See⸗ bataillonen erobert und niedergebrannt. Vier⸗ zig bengalische Lanzenreiter hatten sich den deut⸗ schen Truppen angeschlossen. 500 Boxer wur⸗ den getödtet. Die in der Stadt Liang gewese⸗ nen regulären chinesischen Truppen, etwa 100 Mann, waren vorher entflohen. Auf deut⸗ scher Seite ein Todter und fünf Verwundete. Liang oder vielmehr Liang⸗-hiang ist eine südwestlich von Peking gelegene Ortschaft.

In Peking ist das Kollegium der Kommandeure endlich zu⸗ sammengetreten und hat Vorsorge getroffen, daß die Kriegsführung mit Sengen, Brennen und Plündern ein Ende nimmt. Vier Stun⸗ den hat man berathen, ehe dieser Entschluß ge⸗ faßt wurde.

Ueber die Friedensverhandlungen der Mächte verlautet, daß verlangt werden soll: 1. Daß die ganze Mandschurei und der ganze Distrikt von Tientsin temporär unter die Ver⸗ waltung der Verbündeten gestellt werden; 2. die chinesische Regierung muß die Führer der Boxer verhaften und sie den Mächten zur Be⸗ strafung ausliefern; 3. die Vizekönige im Hang⸗ tsethal sowie in den anderen Provinzen wer⸗ den dahin instruirt, daß alle See- und Yangtse⸗ flußhäfen von den verbündeten Truppen besetzt werden.

Graf Bülow's Cirkularnote an die Mächte verlangt als Vorbedingung für die Frie⸗ densverhandlungen nur die Auslieferung der Hauptanstifter und Leiter des Boxeraufstandes. Auf die Zahl der Bestraften käme es weniger an,eine Massenexekution würde dem zivili⸗ sirten Gewissen widersprechen. Also soll doch nicht so ganz hunnenmäßig vorgegangen werden

Der Weltgeneral Graf Waldersee ist in Hongkong eingetroffen und alsbald mit dem SchiffHertha weitergereist.

Der Krieg in Südafrika.

In den letzten Tagen haben die Dinge in Südafrika eine für die Buren recht ungünstige Wendung genommen. Der Präsident Krüger verläßt Transvaal, um sich nach Europa zu begeben. Er soll die Absicht haben, eine euro⸗ päische Macht zur Intervention zu veranlassen. Ein hoffnungsloses Beginnen. In Lorenzo⸗ Marques wurde er von den portugiesischen Be⸗ hörden festgehalten. Seine Freilassung erfolgte erst, als die Vertreter der Mächte bei der por⸗ tugiesischen Regierung vorstellig wurden. Die portugiesische Regierung soll anfangs gewillt gewesen sein, auf Grund der bestehenden Ge⸗ heimverträge mit England Krüger auszuliefern. Außerdem sind die besten Führer der Buren todt oder gefangen.

Nach neueren Telegrammen bestätigt sich der Tod Dewets. Dieser habe bei dem Kampfe bei Pitschestroom einen Schuß durchs Herz er⸗ halten, der ihn sofort tödtete.

Weiter wird berichtet, daß General Botha sich den Engländern unterworfen habe. Einem Telegramm aus Pretoria zufolge soll sich das Hauptkommando der Buren nach Rusten⸗ burg begeben haben.

Lord Roberts soll am 1. Oktober nach England abreisen.

Von Nah und Fern. Zur Errichtung einer Handelshochschule in Hessen.

Die Landtagsabgeordneten Molthan, Dr. Freund, Dr. Schmitt und Schlenger haben in der zweiten Kammer der Stände folgende Interpellation eingebracht:

Die Unterzeichneten richten hiermit an

die großherzogliche Regierung folgende An- frage: Ist die großherzogliche Regierung Willens, demnächst der Gründung einer Handels hoch- schule in Hessen näher zu treten? Wird die großherzogliche Regierung für den Fall der