Ausgabe 
22.7.1900
 
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Seite 4.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Nr. 30

Re formwerks erwuchsen. Keine andere Industrie der Welt ist derart zu Gunst en der Arbeiter belastet wie die deutsche, und keine Industrie der Welt muß größere Anfeindungen über sich ergehen lassen als die deutsche Seitens einer Clique von bezahlten Hetzern, die es mit Ingrimm erfüllt, so oft der deutsche Name in der Welt mit Ehre und Auszeichnung genannt wird. Und da die deutsche Industrie sehr häufig in die Lage gerät, so ist der Fanatismus des Hasses, wo⸗ mit sie von der internationalen Umsturzpartei beehrt wird, um so größer. l Unverschämter sind wohl noch selten die Thatsachen verdreht worden! Als ob man den Patriotismus des Unternehmertums nicht genügend kennte! Der Fabrikant oder Hüttendirektor, der in obigen paar Zeilen diese Menge Unwahrheiten häufte, weiß offenbar nichts von denpatriotischen Schienenflicker Baare, der durch Lieferung minderwerthigen Materials sein Vaterland und Gott und die Welt betrog, Staat und Gemeinde außerdem um die Steuern prellte! Unbekannt scheint ihm zu sein, daß deutsche Soldaten in China durch deutsche Waffen und Geschosse hingeschlachtet werden! Deutsche Unter nehmer liefern aus Profit⸗ sucht den Feinden Deutschlands die Waffen! Wiepatriotisch undopferwillig handelte auch der Reeder Schiff in Elsfleth, der nach dem Untergange eines seiner Schiffe schrieb:Ich freue mich, die Assekuranzprämie eingeheimst zu haben; die Mannschaft ist leider gerettet. Die Mannschaft mußte er nämlich auf eigene Kosten in die Heimat zurückbefördern und ihr obendrein die Löhne bis dahin zahlen. Traurig, sehr traurig wäre es ja, wenn al le Unternehmer vom gleichen Kaliber wären, das soll hier auch gar nicht behauptet werden; un wahr ist es aber, wenn gesagt wird, das Unternehmerthum sei durch die sogenannte Sozial⸗Reform belastet worden. Die Profite sind im Gegentheil von Jahr zu Jahr gestiegen, während jährlich das Leben von Tausenden braver Arbeiter geopfert

wird, weil dieopferwilligen Unternehmer es.

aus Profitgier unterlassen, für die nöthigen oder wenigstens die vorgeschriebenen Schutzmaß⸗ regeln zu sorgen. Man denke nur an die zahl⸗ reichen Bergwerkskatastrophen!

Ein Beispiel der immer steigenden Gewinne des Kapitals liefert der Geschäftsbericht der Schlesischen Aktiengesellschaft für Bergbau und Zinkhüttenbetrieb in Lipine für das Geschäftsjahr 1899, den wir schon früher einmal erwähnten. Dieses seit 1872 mit einem Grundkapital von 23½ Mill. Mark arbeitende Unternehmen hat seit seinem Bestehen stets mit anständigem Gewinn gear⸗ beitet, besonders aber seit 1888 macht es immer steigende Riesengewinne. Die Dividente betrug in den Jahren 18881898 jährlich: 9, 13, 18, 15, 12, 9, 11, 15 und 18 pCt.

Viel riesiger war aber der Gewinn im Jahre 1899 und zwar wesentlich in Folge erhöhter Verkaufspreise. Der Rohgewinn belief sich auf 9,6 Millionen Mark, der Reingewinn auf 7,33 Millionen Mark. Davon bekommen die Aktionäre als Kapitaldividende 27 Prozent, die Summe von 6,352,830 Mark. Die Dividende beträgt demnach in den letzten zwölf Geschästsjahren 170 Prozent. Das ist der reine Kapitalgewinn, für den die Empfänger keinen Finger zu rühren brauchen.

Die Gesellschaft bezahlt aber auchan st ä n⸗ dige Arbeitslöhne; zwar, man verstehe uns recht: was sie ihren Kohlengräbern, Hüttenleuten ꝛc. bezahlt, darüber deckt der Geschäftsbericht den Mantel der christlichen Liebe; man weiß nur allgemein, daß die Löhne dieser armen Sklaven in Oberschlesien 900 Mark im Jahr kaum erreichen, bei der Mehrzahl sogar weit darunter bleiben. Dagegen erfahren wir, was die Herren Aussichtsräte für ihre mühevolle und aufreibende Thätigkeit bekommen. Der Anteil des Aufsichtsrats an dem diesjährigen Rebbach des Werkes belief sich auf 413,362 Mark. In diese Summe teilen sich 13 Herren, so daß auf jeden der respektable Jahresverdienst von 31,797 Mark entfällt.

Solche Beispiele lassen sich noch viele anführen. Wozu aber? Die Arbeiter kennen die Opfer- willigkeit des Unternehmertums zur Genüge, es bedarf dazu keiner bezahlten Hetzer, solche brauchen vielmehr die industriellen Kapitalisten zur Bekämpfung berechtigter Arbeiterforderungen. Oder bezahlt etwa nicht der Bund der Berliner Metallindustriellen seinem Viktor Schwein burg jährlich 15,000 Mark dafür, daß er all⸗ wöchentlich einen Schimpfartikel gegen die Ar⸗ beiter schreibt?

Von Nah und Fern.

Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit willkommen

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Die Kreiskonferenz

für den 1. hess. Wahlkreis Gießen⸗-Grünberg⸗ Nidda faud am vergangenen Sonntag in Großen⸗ Buseck statt. Durch einen Fehler in der letzten Be⸗ kanntmachung ver zögerte sich die Eröffnung derselben etwas, erst kurz vor zwei Uhr konnte der zweite Vorsitzende Gen. Orbig die Konferenz für eröffnet erkläfcen. An⸗ wesend sind 28 Delegirte aus 15 Orten, außerdem drei Mitglieder des Vorstandes und zwei der Preßkommission. Nach Begrüßung der Delegirten durch den Vorsitzenden und erfolgter Bureauwahl erstattete der Vertrauensmann Bock den Geschäfts⸗ und Kassenbericht. Mit der Ein⸗ richtung, wie sie jetzt seit zwei Jahren besteht führt Bock aus könne man zufrieden sein. 500 Mitglieder zählte der Wahlverein; im Verhältnis zu der Zahl der bei der Reichstagswahl abgegebenen Stimmen erschiene dies als zu wenig, wir dürften in der Agitation zur Gewin⸗ nung neuer Mitglieder nicht nachlassen. Der ungünstige Ausfall der Landtagswahl beweise, wie notwendig eine Vertiefung des sozialistischen Gedankens sei. Das Heuchel⸗ heimer Vorkommnis beweise, wie unangebracht zu große Siegeszuversicht sei. An Maizeitungen wurden 200 mehr als voriges Jahr verkauft Die Abrechnung ergiebt in Einnahme inklusive des Kassenbestandes v. Mk. 87,13 vom vorigen Jahre Mark 420.55; in Ausgabe Mark 423,55 mithin besteht ein Defizit von Mark 3.. Die Mehrausgabe ist durch die Kosten der Landtagswahl her⸗ vorgerufen. Baum bestätigt als Revisor die Richtigkeit der Abrechnung. Bei der Vorstandswahl wird auf Antrag Krumm der bisherige Vorstand wiedergewählt und an Stelle Scheidemanns Beckmann zum Vo r⸗ sitzenden bestimmt. Zum zweiten Punkte der Tages⸗ ordnung: Landeskonferenz und Parteitag weist der Referent Orbig auf die Zweckmäßigkeit und den Nutzen der Landesorganisation hin, ohne die eine gründ⸗ liche Agitation nicht betrieben werden könne. Das Landeskomitee habe seine Schuldigkeit gethan, die Landes⸗ organisation sich bewährt. Im Interesse weiterer Aus⸗ gestaltung sei Betheiligung an der Landeskonferenz Pflicht aller Parteiorte. In Bezug auf den Partei⸗ tag befürwortet Orbig, daß wie bisher ein Delegirter enisandt werden möge. An das Referat schließt sich eine unwesentliche Debatte, an der sich Beckmann, Vetters, Bock und Libch⸗Heuchelheim betheiligen. Anträge sind weder zur Landeskonferenz noch zum Parteitag ge⸗ stellt, weshalb zur Wahl des Delegirten zum Partei- tag geschritten wird. Als solcher wird, nachdem mehrere Vorgeschlagene ablehnen, Genosse Orbig gewählt. Von der Aufstellung eines Reichstagskandidaten wird vorläufig noch Abstand genommen. Krumm referirt hierauf über:Unsere Presse. Auch die größeren Parteiblätter führt er aus, haben im Verhältniß zu den in den betreffenden Kreisen abgegebenen Stimmen noch eine zu geringe Abonnentenzahl. Bei uns sei es ebenso. Als besonderer Mißstand muß angeführt werden, daß immer, wenn der Spediteur eines Ortes aus irgend einem Grunde den Vertrieb derM. S.⸗Ztg. aufgiebt, Unregelmäßigkeiten eintreien, manchmal sogar alle Abonnenten des betr. Ortes verloren gehen. Solches müßten die Genossen am Orte verhüten. Redner wendet sich dann gegen die sogenannten unparteiischen Blätter, die wohl die Groschen der Arbeiter gerne annehmen, im Uebrigen aber deren Interesseu mit Füßen treten. Oft halten sogar die Frauen der Genossen die kirsch⸗ lichen Blätter, die ihre Hauptaufgabe in der Be⸗ schimpfung unserer Partei erblicken. So wenig er dafür sei, der Frau in dem, was sie lesen wolle, Vor⸗ schriften zu machen, so entschieden würde er es ablehnen, mit seinen rerdienten Groschen ein Blatt zu unter⸗ stützen, das seine Partei mit Schmutz bewerfe. Hier höre dann die Toleranz auf. Ferner müßten auch die Genossen der einzelnen Orte von Vorkommnissen, die von allgemeinem Interesse sind, berichten. Nur, wenn so verfahren wird, können wir unseren Kampf erfolgreich durchführen! schloß Redner unter lebhaftem Beifalle. An der Debatte betheiligen sich Vetters, Rudolph⸗Daub⸗ ringen, Lindenstruth⸗Wieseck u. A. Eine im Sinne des Referats gehaltene Resolution gelangt zur einstimmigen Annahme. Als nächster Konferenz Ort wird Daub⸗ ringen bestimmt. Mit einem begeistertenHoch auf die Sozialdemokratie wird die Konferenz hierauf geschlossen.

Gewerkschaftsfest.

-g. Nach dem Beschlusse des Gewerkschafts⸗ kartells findet am 12. August ein allgemeines Gewerkschaftsfest statt. Befreundete Vereine und die gewerkschaftlichen Organisationen werden er⸗

sucht, für diesen Tag von Veranstaltungen ihre seits abzusehen. gegeben. Nach China rückten am Sonntag früh ca. 50 Mann der Gießener Garnison ab, die sich als Teilnehmer zu dem Rachezug gemeldet hatten. Die Soldaten wurden unter Begleitung von Regimentsmusik und vielen Offizieren, ferner einer großen Anzahl hiesiger Einwohner an die Bahn gebracht. Das nächste Reiseziel ist Darmstadt. wo die Einkleidung erfolgt. Wie uns mitgeteilt wird, zeigte der größte Teil Abreisenden Niedergeschlagenheit, einige weinten. Von Begeisterung für den Rachekrieg ist im Volke überhaupt nichts zu spüren; in allen Kreisen, bei Bauersleuten sowohl wie in der Stadt hört man absprechende Urtheile über die gepanzerte Faust⸗Politik. Mit Mühe und Not versuchen Landräte und ausge⸗ diente oder Reserve⸗Offiziere bei Kriegervereins⸗ festen durch schwungvolle Reden Stimmung zu machen, allein die so erzeugte Begeisterung ist keine echte und teilt sich weiteren Volkskreisen nicht mit. Das Volk ist vom Chinakoller nicht befallen. Der Streik der Weißbinder in Gießen ist beendet und zwar zu Ungunsten der Arbeiter. Es fanden sich soviel Arbeits⸗ willige, daß die Unternehmer ihre noth wendigsten Arbeiten ausführen konnten. Als dann der Maurerausstand hinzukam, gestaltete sich die Situation für die Weißbinder noch ungünstiger. Mögen die Arbeiter hieraus wieder lernen, wie nothwendig der Anschluß Aller an die Organi⸗ sation ist! Dem Gewerbe⸗Inspektor für die Provinz Oberhessen, Herrn Engeln, ist von der Hess. Regierung vom 1. Aug. ab ein dreiwöchentlicher Urlaub und ein entsprechender Betrag für Reiseunterstützung zum Besuche der Pariser Weltausstellung bewilligt worden. Derselbe hat nach seiner Rückkehr ein⸗ gehend Bericht zu erstatten, ob und inwieweit sich das dort in Bezug auf Gewerbe⸗Aussicht Vorgeführte hier praktisch verwerten und durch⸗

führen läßt. Die Geschäste der hiesigen In⸗

spektion werden während dieser Zeit von Herrn Gewerbeinspektor Baensch in Mainz wahr⸗ genommen.

Zur Errichtung einer Heilstätte für Lungen⸗

kranke

im Regierungsbezirk Coblenz erläßt auch das Wetzlarer Landratsamt einen Aufruf, in welchem auf die Gefahren, welche dem Volke durch die Tuberkulose drohen und auf die Er⸗ folge, die durch Anstalten dieser Art in der Be⸗ kämpfung der Lungenschwindsucht erzielt wurden, hingewiesen und ferner die Aufforderung an alle Bewohner des Regierungsbezirks gerichtet wird, an dem Kampfe gegen die große Gefahr teil⸗ zunehmen und durch Leistung von Beiträgen die Errichtung einer Lungenheilstätte zu ermöglichen. Das ist gewiß alles ganz gut und schön; die Erfolge solcher Anstalten sollen nicht in Abrede gestellt werden, man darf aber auch ihren Nutzen nicht überschätzen. Es werden dadurch immerhin nur die Erscheinungen, nicht die Ur⸗ sachen des Uebels bekämpft. Will man das Uebel an der Wurzel fassen, so muß man für eine bessere Lebenshaltung der Arbeiterklasse sorgen. Wo aber je die Arbeiter zusammentreten, um sich eine solche zu erkämpfen, ihren Lohn um ein paar Pfennige zu erhöhen und die Arbeitszeit um eine halbe Stunde zu vermindern trachten da sehen wir die Be⸗ hörden in den meisten Fällen gegen die Ar⸗ beiter Stellung nehmen. Wenn die Behörden die oberen, wie die unteren dahin wirken würden, daß die schrankenlose Ausbeutung der Arbeiter durch das Unternehmertum einigermaßen eingedämmt, daß ferner der schamlose agrarische

Lebensmittelwucher verhindert würde, so bekämpften

sie dadurch die Lungenschwindsucht weit wirk⸗ samer, als dies durch Errichtung von Heil⸗ stätten geschieht.

Oberbürgermeister Brink von Offenbach hat im Kampfe mit der Stadt⸗

Weiteres wird noch bekannt

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