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22.4.1900
 
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Nr. 17.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 3.

gezahlt werden können; denn diese Herren haben ja in einem anderen Berufe nichts zu versäumen. Andererseits aber würde dieser Modus der Ent⸗ schädigung keinen beschämenden Eindruck machen und gleichwohl allen Denen, die in der That durch die Uebernahme eines parlamentarischen Mandats ein materielles Opfer bringen, genügen können.

Das wäre gefundenes Fressen für die Junker. Die Herren Landwirte in Glacehand schuhen wür⸗ den sich für daheim versäumte Jagden und Vergnügungen natürlichVersäumnißgebühren bezahlen lassen. Denen aber, welche die Haupt⸗ arbeit im Parlament und in den Kommissionen leisten, würde man die Entschädigung in den meisten Fällen verweigern. Wer aber sollte die Entscheidung über die Berechnung des Anspruches an dieVersäumnißgebühren treffen?

Alle diese Vorschläge sind Winfelzüge, um der berechtigten Forderung auszuweichen, die da⸗ hin geht, daß das Reich, welches die Dienste der Parlamentarier in Anspruch nimmt und nehmen muß, verpflichtet ist, sie für die damit verbundenen Aufwendungen schadlos zu halten.

Erneute Scharfmacherei.

Gewisse Kreise können die glücklich verscharrte Zuchthausvorlage noch immer nicht vergessen. Das geht aus folgender Refolution hervor, welche die Handelskammer in Halberstadt ange⸗ nommen hat:Auf allen Gebieten unsres gewerb⸗ lichen Lebens zeigt sich ein energisches Vorgehen der organisirten Arbeiterschaft auf Erweiterung ihres Machtbereichs. Mögen diese zielbewußten Bestrebungen, sofern sie mit erlaubten und lauteren Mitteln betrieben werden, an sich als berechtigt anzuerkennen sein, so hat doch die Art und Weise ihrer Bethätigung vielfach zu Miß⸗ ständen geführt, welche bei Gewährung der in Betracht kommenden Rechte nicht vorausgesehen werden konnten und einer Beseitigung dringend bedürftig erscheinen. Es hat sich gezeigt, daß die organisirte Arbeiterschaft mit großem Erfolge einen weitgehenden Zwang ausübt, welcher die Rechte der übrigen Arbeiter völlig aufzuheben geeignet ist, und daß sie jede Gelegenheit benutzt, den Einfluß und die Machtstellung der Organi⸗ sationsleitung überall in einem durch die wirt⸗ schaftlichen Verhältnisse nicht gerechtfertigten Maße zu stärken.

Wir halten es daher für unsere Pflicht, im Interesse des sozialen Friedens der verschiedenen Berufsstände und einer gedeihlichen und ruhigen Entwickelung der heimischen Industrie auf die bedenklichen Zustände hinzuweisen, welche in Folge der Lücken in der bestehenden Gesetzgebung entstanden sind und wünschen, daß dementsprechend eine Gesetzesreform zur Durchführung gelangt, welche insbesondre dem cuhigen und besonnenen Teil der Arbeiterschaft den erforderlichen und lange vermißten Schutz der Staatsgewalt gegen⸗ über den diktatorischen Anordnungen gewerbs⸗ mäßiger Hetzer in vollem Umfang gewähr⸗ leistet.

Vorläufig dürften wohl die christlichen Wünsche der Halberstädter Scharfmacher ohne Berücksich⸗ tigung bleiben. Um die Rechteder übrigen Arbeiter scheert sich das Unternehmertum doch sonst den Teufel und das ist es wohl auch jetzt nicht, was die Herren so sehr bekümmert. Ihnen kommt es nur darauf an, die Arbeiterklasse zu knebeln, damit die Ausbeutung der Arbeiter in aller Ruhe betrieben werden kann.

Unternehmer⸗Terrorismus.

Ein Ring der Seifenfabrikanten macht in der Oeffentlichkeit viel von sich reden. Der Ring, dem ca. 85 Prozent aller Seifen⸗ fabriken angehören, hat binnen weniger Monate den Preis der Tonne(240 Pfd.) Oelseife um 5 Mark erhöht und will allen Nichtmitgliedern den Bezug der Rohmaterialien abschneiden. Einem Fabrikanten legte der Vertrauensmann des Ringes, Herr Lippert⸗Magdeburg, nahe, der Vereinigung beizutreten, aus seiner Ablehnung würde ihm nur Nachteil erwachsen, denn es sei beschlossen worden, seine Offerten bei der Kundschaft der Vereinigung in allen Fällen zu unterbieten. Ein zweites Schreiben erhielt derselbe Fabrikant von

einer Hamburger Rohprodultenfirma, die ihm mitteilt, der Ring habe beschlossen, allen Nicht⸗ mitgliedern die Rohfette abzuschneiden. Es wird ihm deshalb geraten, seinen Bedarf an Fett und Oel auf einige Zeit zu decken, ehe die Händler und Mühlen verpflichtet würden, ihre Lieferungen an die Nichtmitglieder einzustellen. Gegen diesen Terrorismus wird jedenfalls ebenso wenig ein⸗ geschritten werden, wie gegen das Treiben des Tapetenringes.

Nationalsoziale Arbeiterfreundlichkeit.

k. Die national sozialeHilfe schreibt über den Schuhmacherausstand aus Tuttlingen:Im Unterschied von den beiden letztjährigen Streikbewegungen wird die gegen⸗ wärtige nicht blos von der gesammten Bürger⸗ schaft, sondern auch von allen besonnenen Elementen der Arbeiterschaft als thatsächlich unberechtigt, als sozialdemokratische Mache verurteilt. Das Flugblatt der Streik⸗ leitung enthält maßlose lügenhafie Uebertreibungen und kennzeichnet die Kampfweise der Gewerkschaftsführer, die Vorsitzenden des Gesammtverbands miteingeschlossen.. Speziell der in dem Flugblatt angeführte Fall mit einer Stepperin ist durch eine Entgegnung des Fabrikantenvereins in klares Licht gestellt, Die betreffende Arbeiterin hat trotz wiederholter Warnung minderwertiges Material verwandt und ist deshalb gestraft worden.

Diesozialdemokratische Mache besteht nur in der Phantasie national⸗ sozialer Schwindelreporter. Uns wun⸗ dert übrigens die einseitige unternehmerfreundliche Stellung derHilfe nicht. Zu dem flotten⸗ tollen Inhalt des Blättchens gehört als Zugabe eine kleine Portion Schimpfen über Sozialdemo⸗ kratie und Gewerkschaften, das giebt dem ganzen erst diehöhere Weihe.

Im übrigen ist niemals ein Streik aus besseren Gründen geführt worden, wie dieser in Tuttlingen, daran ändern die Schimpfereien der Hilfe nicht das geringste.

DieVerrohung des Volkes.

k. Eine stehende Rubrik bildetDie Ver⸗ rohung des Volkes, in den kirchlichen und konser⸗ vativen Blättern. Die Stastitik für Preußen be⸗ weist nun grade des Gegenteil:

In 34 Zuchthäusern und 1121 Gefängnissen befanden sich am 31. März 1899 im ganzen etwa 58 000 Gefangene. Außerdem waren in 5Erziehungsanstalten 572Zöglinge im Alter von 12 bis 18 Jahren untergebracht, die wegen mangelnder Einsicht freigesprochen waren.

Die Zahl der Zuchthausgefangenen belief sich 1898/99 auf 23 464 und war die kleinste in dem Zeitraum seit 1869. Die Zuchthaus⸗ kriminalität war nach den imReichs⸗Anzeiger gemachten Angaben 1898/99 um 31,5 Prozent günstiger als 1859 und um 46,5 Prozent günstiger wie 1881/82, in welchem Jahrgange der höchste Stand der ganzen Periode erreicht wurde. Die Zuchthauskriminalität ist also in ent⸗ schiedenem, seit Jahrzehnten an⸗ dauerndem Sinken begriffen. Diese amt⸗ lichen Feststellungen sind besonders wertvoll gegenüber dem fortgesetzten Verlangen gewisser Kreise nach Verschärfung des Strafvollzuges. Auch die Zahl der Vorbestraften unter den Zucht⸗ hausgefangenen ist gesunken und zwar die Zahl der Vorbestraften überhaupt, wie die der mehr als dreimal Vorbestraften. Im übrigen befanden sich unter den 1898/9 neu aufgenommenen Zuchthausgefangenen 87,20 Proz. rückfällige Männer und 77, 52 Proz. rückfällige Frauen.

Das wird unsereFrommen allerdings nicht abhalten, das alte Geschrei fortzusetzen. Die Schwärmer für die Prügelstrafe haben allerdings keinen Teil in derBesserung des Volkes, sie würden der ganzen Nation die Roheit einprügeln, wenn man sie gewähren ließe.

Orthodoxe und Liberale.

-m. Schlimmer wie die Hannoverschenganz Frommen dem Prediger Weingart, haben die Hamburgerhalb Frommen, genanntLibe⸗ rale, ihrem Pastor Hillmann mitgespielt. H. hatte das unglaublicheVerbrechen begangen

(genau wie Christus) auf der Kanzel den Reichen ins Gewissen zu reden; er hat sogar den ketzerischen Gedanken ausgesprochen, daß die Begier nachirdischem Gut dem Trachten nachhimmlischen Gütern sehr oft hinderlich sei. So etwas muß gerochen werden; und so beschloß Hillmannsliberaler Kirchen vorstand, ihm den Stuhl vor die Thür zu setzen. Während die hannoverschenFrommen wenigstens noch die Form wahrten und ordentliches Gericht über denundogmatischen Geistlichen hielten, warfen die HamburgerLiberalen Hillmann einfach ohne Gericht und Urteil vor die Thür, nicht weil er gegen das christliche Dogma, son⸗ dern gegen denMammonismus ein paar sanfte Worte gesprochen hatte. nun mit Heine nachrufen:

Sie haben Dir übel mitgespielt

Die Herren vom hohen Rate.

Wer hieß Dich auch reden so rücksichtslos Von der Kirche und vom Staate.

Geldwechsler, Bankiers hast Du sogar Mit der Peitsche gejagt aus dem Tempel, Unglücklicher Schwärmer, jetzt hängst Du am Als warnendes Exempel.[Kreuz

Der Mord in Konitz.

Vor längeren Zeit verschwand in Konitz in Ostpreußen der 19 jährige Gymnasiast Ernst Winter. Man fand kurze Zeit darauf einen zerstückelten menschlichen Körper im Mönchsee bei Konitz. Da Kopf und Glieder des Leichnams fehlten, konnte vorerst nicht einmal mit Gewiß⸗ heit festgestellt worden, ob die Fundstücke Kör⸗ perteile des Vermißten waren. Ein Arm wurde später auf dem evangelischen Friedhofe gefunden. Jetzt wird berichtet, daß auch der Kopf des Ermordeten durch spielende Knaben in einem Graben bei Konitz aufgefunden worden ist. Bei genauer Absuchung der Fundstelle fand man ein feines Taschentuch mit dem Buch⸗ staben A gezeichnet. Die früher gefundenen Körperteile waren ebenso wie der Kopf in braues Packpapier eingewickelt. Weitere Unter⸗ suchungen eer Körpertheile ergaben, daß ver⸗ schiedene Knochen durchsägt waren und die Zerteilung überhaupt von sachkundiger Hand aus⸗ geführt sein mußte. Trotz fieberhafter Thätig⸗ keit der Behörden ist es bis jetzt noch nicht gelungen, den Mörder zu ermitteln. Dies und der Umstand, daß sich die Fundstelle des Rumpfes unweit der Synagoge befindet, hat bei der auf⸗ geregten Bevölkerung den Verdacht erweckt, daß man es hier mit einem jüdischrituellen Morde zu thun habe. Dieser Verdacht wird durch anutise⸗ mitische Flugblätter, die in Konitz in Massen verbreitet worden sind, genährt und so die Auf⸗ regung auf's höchste gesteigert. Und obgleich jeder Anhalt darüber fehlt, wer den grauenvollen Mord begangen hat, steht für die antisemitische Presse fest, daß Juden dabei beteiligt waren und es wird eine frische fröhliche Judenhetze in Scene gesetzt. Verschiedene Exzesse haben infolge⸗ dessen schon stattgefunden. Von der antisemitischen Presse wird das albernste Zeug überjüdische Ritualmorde kolportiert; dieStaatsbürger⸗ Zeitung machte sogar Reklame damit in ihrer Abonnementseinladung. Ueber die Entstehung der Blutmärchen sendet uns ein Freund einen Artikel, den wir in der heutigen Nummer zum Abdruck bringen.

Herr H. kann

Das Mürchen vom Bitualmord.

Motto: Dem bösen Geist gehört die Erde, nicht dem Guten.

(Aus Schillers Wallenstein.)

XV. Das Wort von Karl Marx bleibt ewig wahr: Alle Geschichte ist die Geschichte von Klassenkämpfen.

Aber neben den Klassenkämpfen sehen wir die Herrschaft von Vorurteilen, Irrtümern, Wahnwitz, Aberglauben. Die großen, welt⸗ erlösenden Gedanken, die Wahrheit, die Menschen⸗ liebe, die Fürsorge für den Schwachen, Armen und Elenden machen nur mühsam Fortschritte. Wenn die große Masse, das Proletariat, und