Ausgabe 
21.1.1900
 
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Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

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Nr. 4.

Unterhal

* Herausforderung.

O Welt von Bürgern schlau und ehrenwert, Die Geld anhäufen und bequem sich betten, O welt von Millionären, wohlgenährt,

Und zierlichen Koketten;

O Welt von Frau'n, hysterisch, schlank und blaß,

Die um den Liebsten geh'n zur Messe offen;

O Welt voll Treubruch, voll Raub und Naß Und trügerischem Hoffen;

Bist du es also, lügnerische Welt,

Die Licht und Ideal mir will verleiden,

Bist du es, feiger Swerg, der drauf verfällt, Die Flügel mir zu schneidend..

Du kriechst, ich fliege, gähnst du, singe ich,

Verachte deine Ränke, deine gen;

Der Sauber der Begeist'rung schwebt um mich, Du bleibst im Schlamme liegen.

O welt von Thoren und von Schlangenbrut, Du feige Welt, mein Fluch hallt dir entgegen, Den Blick gewandt auf der Gestirne Glut,

So folg' ich meinen Wegen.

Allein und wehrlos, voller Durst nach Licht

Sieh' ich dahin. Und magst du, skeptisch trübe

Surück mich halten, aus der Brust doch bricht Das hohe Lied der Liebe.

Geh' üpp'ge Welt, zieh durch den Aether fort, Verworfenheit und Geldsucht mit dir jagen: Als Geißel schwing' ich das entflammte Wort, Dir ins Gesicht zu schlagen. Ada Negri.

Das Abenteuer der Neujahrsnacht. Novelle von H. Zschokke.

(Fortsetzung.) Philipp wußte anfangs nicht, was er auf diesen Antrag erwidern sollte. Endlich, während der Finanzminister, auf Antwort wartend, eine Brillantendose hervorzog und eine Prise nahm, sagte Philipp:Wenn ich Sie recht verstehe, Herr Graf, so wollen Sie das Land ein wenig aushungern, um meine Schulden zu tilgen! Denken Sie auch daran, wieviel Elend Sie anrichten! und wird es der König zugeben?

Wenn ich im Amte bleibe, so lassen Sie das meine Sorgen sein, gnädigster Herr! So⸗ bald die Preise der Lebensmittel steigen, wird der König sogleich von selbst an eine Korn⸗ sperre denken, und die Getreideausfuhr mit schweren Zöllen hemmen. Dann gibt man dem Hause Abraham Levi Ausfuhrbewilligungen für zehn Säcke, und es führt hundert aus. Nichts leichter, als das. Allein, wie gesagt, kommt der Greifensack ans Ruder, so wird daraus nichts. Ehe er sich ins Fach hinein⸗ studiert, vergehen Jahre. So lange wird er aus Not den ehrlichen Mann spielen, um nach⸗ her den König und das Land desto ärger zu prellen. Er muß erst sein Terrain kennen. Es gibt keinen ärgeren Wucherer, als den Greifen sack. Sein Geiz ist stinkend.

Schöne Aussichten! sagte Philipp.Wie lauge glauben Sie, daß ein Finanzminister am Ruder sein muß, bis er es versteht, das Volk zu scheren, um für sich und unsereins etwas zu erübrigen?

Hm, wenn er Kopf hat, bringt er's in einem Jahre weit.

So sollte man dem Könige raten, alle zwölf Monate einen neuen Finanzminister zu 855 wenn er immer ehrlich bedient sein

ill. 5Ich hoffe, gnädigster Herr, seit ich die Finanzen führe, ist dem Könige und dem Hofe nichts abgegangen.

Das glaub' ich, Graf, aber dem armen Volte desto mehr. Es weiß die Menge der

Steuern und Auflagen kaum noch zu erschwingen.

Sie sollten ein wenig barmherziger mit uns umgehen!

Mit uns? Thue ich nicht alles für den Hof?

Nein, barmherziger mit dem Volke sollten Sie verfahren, meine ich!

Mein Prinz, ich weiß, welche Achtung ich Ihren Worten schuldig bin! Der König mit seiner erlauchten Familie ist das Volk, dem ich diene; das, was man Volk nennt, kann in keinen Betracht kommen. Das Land ist des Königs Eigentum. Völker sind rur insofern achtbar, als sie, gleich anderen Nullen, die der Hauptzahl folgen, den Wert derselben vergrößern. Aber es ist hier nicht der Augenblick, den ab⸗ gedroschenen Wortkram über den Wert der Völker zu erneuern, sondern ich bitte um gnädigsten Bescheid, ob ich die Ehre haben soll, Ihre Schulden auf die bewußte Weise zu be⸗ seitigen?

Antwort: nein, nein und nimmermehr auf Unkosten von hunderttausend und mehr armen Familien! f

Königliche Hoheit, es geht ja nur auf Rechnung des Hauses Abraham Levi! Und wenn ich dies Haus nötige, Ihnen noch zu den Quit⸗ tungen Ihrer Schulden fünfzigtausend Gulden bar zuzulegen? Ich denke, es läßt sich machen. Das Haus gewinnt durch die einzige Operation so viel, daß

Vermutlich auch für Sie, Herr Graf, noch ein artiges Trinkgeld herauskommt.

Ihre Königliche Hoheit belieben zu scherzen! Ich gewinne dabei nichts. Ich brenne nur vor Begierde, Ihre Huld wieder zu erhalten.

Sie sind sehr gütig!

Also darf ich hoffen, mein Prinz?

Herr Graf, ich werde thun, was recht ist; tlun Sie Ihre Pflicht!

Meine Pflicht ist, Ihnen zu dienen. Morgen lasse ich den Levi rufen, schließe den Handel mit ihm ab, und habe die Ehre, Ihrer Königlichen Hoheit die besagten Quittungen nebst Anweisung auf fünfzigtausend Gulden zu überreichen.

Gehen Sie! Ich mag davon nichts hören.

Und Ihre Königliche Hoheit wenden mir Ihre Gnade wieder zu? Denn ohne Minister zu bleiben, könnte ich dem Abraham Levi un⸗ möglich

Ich wollte, Sie und Ihr Ministerium und Ihr' Abraham Levi säßen alle drei auf dem Blocksberg. Das sag' ich Ihnen, entsteht eine Kornsperre, läßt die Teuerung der Lebens⸗ mittel nicht auf der Stelle nach, verkauft Ihr Levi nicht das aufgespeickerte Getreide um den Ankaufspreis: so gehe ich ohne weiteres zum Könige, decke ihm alle Schelmereien auf und helfe Sie samt dem Abraham Levi aus dem Lan de jagen. Verlassen Sie sich darauf; ich halte Wort!

Philipp wandte ihm den Rücken, ging in den Tanzsaal und ließ den Finanzminister ganz versteinert stehen.

WIE

Wann befehlen Ihre Königliche Hoheit, daß der Wagen vorfahren soll? flüsterte ihm eine Stimme zu, als er durch die Masken im Saale entlang ging. Es war ein dicker holländischer Kaufmann mit einer Stutzperrücke, der die Worte an ihn richtete.

Ich fahre nickt!

Es ist halb zwölf vorbei, Prinz! Die 11 Sängerin erwartet Sie, Sie hat Lange weile.

So mag sie sich etwas singen.

Wie, Prinz, hätten Sie Ihren Sinn ge⸗ ändert? Die reizende Rollina wollten Sie im Stich lassen? Den goldenen Augenblick verlieren, nach dem Sie seit zwei Monaten vergebens seufzten? Ihr Billet, das Sie diesen morgen durch mich an Signora Rollina mit der Brillantenuhr schickten, that dieses Wunder. Die stolze Spröde ergiebt sich. Sie waren den Mittag noch so hoch entzückt, und nun mit einem Male so kalt wie Eis? Was ist mit Ihnen vorgegangen? Die Verwandlung begreife ich nicht.

Das gilt mir gleich!

Sie haben mir aber hefohlen, Sie um halb zwölf Uhr zu begleiten. Hätten Sie andere Engagements?

Freilich!

Etwa ein Souper bei der Gräfin Born? Sie ist nicht zum Ball erschienen; wenigstens ist hier unter allen Masken keine Spur von ihr. Ich könnte sie an ihrem Gang und ihrer eignen Art, das niedliche Köpfchen zu tragen, unter Tausenden unterscheiden. Wie, Prinz?

Und wenn es wäre, müßt' ich's Ihnen anvertrauen?

Ah, ich verstehe und schweige. Wollen Sie aber die Signora Rollina nicht wenigstens wissen lassen, daß Sie nicht kommen werden?

Hat Sie mich zwei Monate nach ihr seufzen lassen. so mag sie auch einmal zwei Monate nach mir seufzen. Ich gehe nicht.

Also aus dem prächtigen Halsschmuck, ben Sie ihr zum Neujahrsgeschenk bestimmten, wird nun vermutlich auch nichts!

Wenn's auf mich ankommt, schwerlich. 8 12 5 Sie gunz mit ihr brechen, gnädigster

err?

Ich habe mit ihr noch nicht angebunden.

Nun denn, Prinz so darf ich offen sein. So darf ich die Wahrheit sagen, die Sie viel⸗ leicht aber schon wissen. Ich vermute es wenistens aus Ihrer schnellen Sinnesänderung. Nur Ihre Leidenschaft für die Rollina schreckte mich ab, es Ihnen früher zu gestehen. Sie sind betrogen!

Von wem?

Von der listigen Operistin. Sie würden die Gunst derselben mit einem Juden teilen

müssen. Mit einem Juden? Nun ja, mit dem Sohu des reichen

Abraham Levt!

Ist der Schelm den überall?

Sie wissen also noch nicht? Ich sage Ihnen die heilige Wahrheit. Wären Ihre Königliche Hoheit nicht dazwischen gekommen, der Jude würde die feile Schöne öffentlich unterhalten. Es thut mir um die Uhr leid!

Mir nicht! e

Die Dirne verdient den Staupbesen!

Es wird mancher nicht nach dem Verdienst gewürdigt.

Königliche Hoheit, nur zu wahr! Zum Beispiel, ich habe neulich ein Mädchen entdeckt o Prinz, die ganze Stadt und das ganze Königreich hat nichts Schöneres, nichts Locken⸗ deres aufzuzeigen. Aber wenige Menschen kennen das himmlische Geschöpf. Puh, was ist die Rollina daneben! Eine alte Hexe von Denner! Sehen Sie, ein Mädchen, schlank und biegsam wie ein Rohr; eine Farbe, eine zarte Haut, wie Abendrot auf Schnee; ein Paar Augen, wie Sonnen; ein goldner dicker Haar⸗ wuchs kurz, in meinem Leben sah ich nichts Schöncres. Aber wer würdigt diese Venus? Es ist eine Liebesgöttin in bürgerlicher Haube. Auf diese müssen wir Jagd machen!

Also ein Bürgermädchen?

Freilich nur eine Grisette, aber nein, Sie müssen Sie sehen, und Sie werden brennen. Was hilft da mein Schildern und Preisen! Was Sie sich je in den schönsten Träumen Entzückendes einbilden konnten, ist da in der Natur verkörpert, und dabei noch die liebste, zarteste, unentweihteste Unschuld! Man steht stie aber selten. Sie weicht selten von ihrer Mutter. Doch kenne ich ihren Sitz in der Kirche und den Sonntagsspaziergang, den sie gewöhnlich mit ihrer Mutter vor das Ulmer⸗ thor macht. Auch habe ich schon ausgespürt, daß ein junger, hübscher Kerl, ein Gärtner, ihr den Hof macht. Er kann sie aber nicht hei⸗ raten, weil er ein armer Teufel ist, und das Mädchen hat auch nichts. Die Mutter ist Witwe eines an der Auszehrung gestorbenen Leinwebers.

Wie heißt die Mutter?

Witwe Bittner im Milchgäßchen, und ihre Tochter schön wie eine Rose, heißt, was sie in der That ist, Röschen.

Dem guten Philipp wurde es bei diesem Namen kalt und warm. Er hätte bald Lust

gehabt, den Erzähler mit der geballten Faust auf den Kopf zu schlagen.

Sind Sie des

Teufels? rief Philipp.

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