————
——
r
noch nicht da.
ä— ů ů——
Seite 2.
Witieldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Nr. A.
des Kapitalismus. Herr Krupp, der als Industriemagnat bei jeder Flottenvermehrung den Löwenanteil einheimst, zählt zu den Führern einer Bewegung, die eine mit allen Mitteln skrupelloser Agitation und Verhetzung erfolgte Verstärkung der deutschen Seemacht ausschließlich zu dem Zwecke einer Bekriegung und Unterdrückung des englischen Staates herbei⸗ geführt wissen will. Und derselbe Herr Krupp hält es mit dieser Führerrolle für ver⸗— einbar, die Macht desselben„treulosen“ und verabscheuten Englands nach Maßgabe seiner Mittel im Interesse seines privaten Profits direkt zu stärken. Nackte Interessenpolitik, die von Fall zu Fall bei Freund und Feind nimmt, was sie findet.
Begeisterung ist keine Pökelware.
Den im Dienste Krupps stehenden Organen, die für Geld und gute Worte Flottenpropa⸗ ganda machen, arbeitet die Regierungsmaschinerie nicht schnell genug. Sie beklagen sich darüber, daß die Flottenvorlage immer noch nicht vor⸗ gelegt ist. Krupp hat's eilig. Die Granaten⸗ lieferung nach England soll ihm verpfuscht werden und nun fürchtet er, daß schließlich auch das Millionengeschäft mit der Flottenver⸗ größerung flöten gehen könne, wenn die„Flotten⸗ begeisterung des Volkes“, von der seine Tinten⸗ kulis schwindeln, nicht bald ausgenützt würde. In einem der flottentollsten Unternehmerblätter wird gesagt: infolge der Beschlagnahme deut⸗ scher Schiffe durch England sei die Stimmung der Bevölkerung für den Kriegsschiffsbau:
„Aber auch hier heißt es, das Eisen schmieden, so lange es heiß ist. Auch Flottenbegeisterung ist keine Ware,
die man ohne weiteres einpökeln kaun, um sie je nach Bedarf hervorzu— holen und zu gebrauchen. Sie muß namentlich bei uns zu Lande, wo man nur schwer und unvollkommen in Begeisterung zu geraten pflegt, recht schnell ausgenützt werden, sonst verfliegt sie wieder und ist nicht mehr da, wenn man sie braucht.“
Die Interessenten halten also den richtigen Augenblick für gekommen, das deutsche Volk auszubeuteln. Sie bilden sich ein, durch ihren täglichen Spektakel von den englischen Ueber⸗ griffen u. s. w. den deutschen Michel in die nötige Stimmung versetzt zu haben. Schnell soll gehandelt werden, bevor Michel wieder zu sich selber kommt. Die Schlauberger!
Aber sie täuschen sich dennoch. Begeisterung für eine abenteuerliche Eroberungspolitik läßt sich nicht nur nicht einpökeln, sie läßt sich auch nicht leicht hervorrufen und— bis jetzt ist Begeisterung für den Wassermilitarismus herrscht nur in den Spalten der aus der Krippe der Kanonenpatrioten ge⸗ speisten Zeitungen, bei den Mordwaffenfabri⸗ kanten und deren freiwilligen Reklamemachern, zu denen außer einigen Professoren auch die flottensozialen Naumänner gehören. Aber wer steht hinter all diesen„Wasserbegeisterten“? Hinter den Professoren niemand! Und hinter den Naumännern? So viel, daß sie nicht im stande waren, für das ganze Deutsche Reich ein einziges zeitgemäßes Tages⸗ Zentralblatt über Wasser halten zu können. Möglich, daß sie gerade deshalb ein„größeres Deutschland“ anstreben, damit ihr Abonnenten⸗ — noch weiter abgesteckt werden ann.
Die vorhandene Begeisterung wiegt feder— leicht im Vergleich zu dem Widerwillen, der die große Masse des Volkes nicht nur gegen die Flottenvorlage, sondern gegen die ganze heutige Regierungspollitik beseelt.
Unsere Kolonial⸗Herrlichkeit.
Zu den„Plätzen an der Sonne“, deren uns die Welkmachtspolitiker noch weit mehr bescheren wollen, gehört auch die schöne Gegend Deutsch⸗Ostafrika. Dem Reichstag ist darüber jetzt ein Bericht zugegangen. Danach sieht es recht traurig aus iu diesem Gebiet, von dem die Kolonialfexe behaupteten, es würde
sich dereinst zur Ausiedelung deutscher Bauern eignen.
Die Gesamtzahl der Deutschen in dem weiten
Gebiet von Ostafrika beträgt nicht mehr als 81 Personen, Frauen und Kinder einbegriffen. Von diesen 881 kommen aber 222 auf die Zivilverwaltung des Schutzgebietes und 172 auf die Schutztruppe. Kaufleute finden sich auf diesem weltpolitisch errungenen Besitz ganze 55, Pflanzer 62, Handwerker 53, Händler und Gastwirte 11. Missionare sind 153 thätig.
Es ist aber auch wirklich nicht zu verwun⸗ dern, daß die deutsche Bevölkerung in Ostafrika nicht höhere Ziffern aufweist. Denn was die Denkschrift über die Gesundheitsverhältnisse er⸗ zählt, ist im höchsten Grade abschreckend. Der offizielle Sanitätsbericht für das gesamte Schutz⸗ gebiet spricht von großen Heuschrecken— schwärmen und von Hungersnot. Der letzteren sind viele Menschen zum Opfer gefallen. Furchtbar gewütet hat die Kuhr und andere Darmkrankheiten.„Ein allgemein verbreitetes Leiden gerade unter den durch Hunger und Elend meist völlig gleichgiltig und apathisch gewordenen Notleidenden waren ausgedehnte Zerstörungen von Fingern und Zehen durch Vereiterungen, die aus Sandfloh⸗Geschwüren entstanden waren, wodurch nicht wenige Leute zum Krüppel geworden sind.“ Außerdem herrschten die Pocken und Lepra(unheilbarer Aussatz). Befürchtet wird die Einschleppung der Pest. 5
Merkwürdig, daß die Begeisterung für die Flottenvergrößerung, die Voraussetzung weiterer Kolonienerwerbung, noch nicht mehr um sich gefressen hat. Das Heer derjenigen, die nicht alle werden, ist doch so groß.
Spaßige Flottenmänner.
Die von den Flottenaposteln arrangierten Versammlungen werden miserabel besucht. Um nun für Berlin, wo sich absolut nichts von Flottenbegeisterung bemerklich machen will, ein neues Zug⸗ und Paradestück zu schaffen, war die Berliner historische Vereinigung auf den Ausweg verfallen, eine große Flottenver⸗ sammlung zu veranstalten, in der vier Pro⸗ fessoren und vier sozialdemokratische Abgeordnete zur Flottenfrage sprechen sollten.
Prof. Delbrück sagte einen Vortrag zu und die Professoren Wagner, Schmoller und Sering wollten, wenn möglich, an der Debatte teil— nehmen. Von unseren Genossen wurden Bebel, Auer, Heine und Schippel zur Teilnahme ein⸗ geladen, sie haben aber bestens gedankt. Wenn die Wasserapostel mit aller Gewalt gern einmal zum Volk sprechen wollen, mögen sie in die sozialdemokratischen Versammlungen kommen. Daß unsere Genossen zu ihnen, die niemand hinter sich haben, kommen sollen, um ihren Versammlungen guten Besuch zu sichern und dieselben interessant zu machen, können sie wirk⸗ lich nicht verlangen.
Naumann abgeblitzt.
Eine stark besuchte Volksversammlung tagte am Freitagabend in Oberlungwitz bei Chemnitz. Pfarrer Naumann, der Führer der National- sozialen, sprach in einer zweistündigen Rede für die Flottenvorlage. Gen. Schöpf— lin⸗Chemnitz trat Herrn Naumann entgegen. Eine von Herrn Naumann eingebrachte Reso⸗ lution, die sich für die Vorlage erklärte, wurde abgelehnt.
So kommt es, wenn die Sehnsucht der Herren nach dem Volk einmal Erfüllung findet. Sie sind gescheit genug, nicht zu uns zu kommen; erscheinen wir aber einmal bei ihnen, so erleiden sie klägliche Niederlagen.
Eine wichtige Mission.
Täglich wird Nachricht aus England er⸗ wartet wegen der Beschlagnahme des„Bundes— rat“ in der Delagoabai. Die Stimmung in Deutschland wird für England immer un— günstiger. Selbst in Kreisen, die sich gänzlich frei wissen von dem albernen Englandhaß nimmt die Eutrüstung zu. Da kommt folgen⸗
des Telegramm aus Berlin:
„Der Chef des Marine⸗ Kabinetts, Vizeadmiral Freiherr von Senden⸗Bibran, ist vom Kaiser in besonderer Mission nach London gesandt und hat die Reise
dorthin am Samstag früh angetreten.“
Aha, jetzt wird Ernst gemacht. Die Wasser⸗ politiker und alle übrigen Wasserköpfe atmen freudig auf. Jetzt wird den Engländern gezeigt, was eine Harke ist u. s. w.— Da kommt wieder ein Berliner Telegramm:
„Vizeadmiral von Senden⸗Bibran ist, wie alljährlich um diese Zeit, zusammen mit dem Kontreadmiral Eisendecher nach England ge— reist, um dort für den kaiserlichen Jacht⸗ klub das Programm für die Regatten dieses Jahres, besonders für die Regatta nach En land, mit den maßgebenden eng⸗ lischen Persönlichkeiten festzustellen.“ Ae—ä-äh! Also doch nicht. Nur eines
Vergnügungszweckes wegen. Die langen Gesichter bei denen, die ihre Zukuaft auf dem Wasser wähnen.
Wer hat Interesse an Kriegen?
Lediglich ehrgeizige Gewalthaber und der Kapitalismus. Ein belgisches Blatt stellt jetzt fest, daß der englische Kolonialminister Cham⸗ berlain, der den brutalen Krieg mit den Buren angezettelt hat, Aktieninhaber zahlreicher Gesellschaften ist, die teils Kriegswaffen liefern, teils in Südafrika Geschäfte machen. Aber nicht nur der Minister selbst, sondern auch seine ganze Verwandtschaft ist geschäftlich sehr an diesem Kriege interessiert. Krassér ist wohl noch nie das gewissenlose Spekulantentum beleuchtet worden als in diesem Fall. Buren und Eng⸗ länder müssen sich gegenseitig abschlachten, weil es im Interesse skrupelloser Kapitalisten liegt. Ein schmachvoller Zustand.
Ein neuer Wahlsieg.
In Reuß ä. L. ist die Landtagswahl für den 3. Wahlkreis zu gunsten der Sozial⸗ demokraten ausgefallen. Damit wird in den Landtag des Fürstentums Reuß ä. L. der erste Sozialdemokrat einziehen, und zwar das Ge— meinderatsmitglied Feustel⸗Greiz. Nun ist von den Landtagen der acht thüringischen Staaten nur noch derjenige zu Sondershausen ohne sozialdemokratischen Abgeordneten.— Der wird noch kommen!
Wird Miquel leichtsiunig?
Der neue Etat des preußischen Handels⸗ ministeriums verzeichnet bereits die im Reichs⸗ tag von Posadowsky angekündigte versuchs— weise Einstellung zweier weiblicher Hilfskräfte für die Gewerbeinspektion, je eine in Berlin und M. Gladbach, mit einem Jahresgehalt von je 2400 Mk.
Wie vorsichtig die Preußen sind, wenn es sich um eine Maßregel handelt, die im Interesse der Arbeiter liegt, die anderswo längst als gut befunden ist. Zwei Inspekt rinnen für zusammen 4800 Mark in dem gewaltigen Preußen. Und nur versuchsweise! Ja, man hört schon munkeln, daß der Miquel in seinen Mußestunden die Konkursordnung studiert.
Antisemiten für den Heringszoll.
Die„Staatsbürgerzeitung“ bedauert es, daß der Reichstag in seiner Sitzung vom 9. d. M. den Kommisstonsantrag, eine Petition betr. die Erhöhung des Heringszolls, dem Reichs— kanzler als Material zu überweisen, abgelehnt und den Antrag auf Uebergang zur Tages⸗ ordnung angenommen hat. Eine Erhöhung des Heringszolles würde, wie wir schon ein⸗ gehend dargelegt haben, dem arbeitenden Volke ein unentbehrliches Nahrungsmittel verteuern zum Vorteil der kapitalistischen Hochsee⸗ fischerei. Es ist sehr charakteristisch, daß es immer die Antisemiten in Gemeinschaft mit den Hochkonservativen sind, die in dieser Weise ihre Volksfreundlichkeit bekunden.
Ausländisches.
Italien. Der Sohn des mehrmaligen Ministerpräsidenten Crispi, der ins Ausland geflüchtet ist, wurde wegen eines Juwelendieb⸗ stahls zu 4 Jahren Zuchthaus verurteilt. In Italien hängt man auch die Kleinen und die Großen läßt man laufen. Wenn man dort die Großen fassen wollte, müßte der alte Crispi längst hinter Schloß und Riegel sitzen.
3 1
.
At
au g Witwe uni f Hegele 1 angel, 0 10 Abele 0 nulewafel. 1 71 alle kur füt Wiwen⸗ ul grislich 50 Hliebenen der Versich Arrariern Die 8 glcdowi 100 Mill den unge lecht; dal auf den 3 Kasernel, Mulionen, nach im tausend u berwen nal und Hunt Zweckes, 9 slonen Nl wäte eilte luer andere Ne und Waise und sehr und die Mit g lution St Regierung wird. 2 der Rege die Witw Ii beralung, Gen. Re der Loht in der t. Cenosse Verhältn bon 23 und auß selbst l sodaß ein Dutzen! Sozialde Nacht m es nicht kommt essen sunst ni wie die Für ein fd die (Hört, Haurige Holzscn den thll den Arb Es ist! emal sch an schieten, dulden. Sta daß in warenin Reglern etwas f Lcbeng keinen beuhle bei den dem 0 Ge ei für
Leute ö


