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Nr. 21.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Seite 5.
ist es Pflicht der älteren Gewerkschaften, die jungen Sprößlinge vorderhand zu unterstützen, damit in Bälde die jüngst gegründeten Organisationen sest wie eine Mauer stehen.
Ausflug. Am Himmelfahrtstag(24. Mai) findet morgens 5 Uhr ein Ausflug nach dem Frauenberg statt.(Nicht nach Spiegelslust, wie in dem Inserat angegeben.)
Kleine Mitteilungen.
* Gießen. Die Staatsanwaltschaft Gießen erläßt einen Steckbrief gegen den Grafen zu Altleiningen⸗Westerburg Friedrich Wichprecht Franz, geb. 30. Dezember 1863. Gegen densel ben 0 eine durch Urteil der Straf⸗ kammer am Landgericht Gießen vom 16. Nov. 1898 erkannte Gefängnißstrafe von 6 Monaten vollstreckt werden. Die Strafe rührt aus dem bekannten Ehebruchsprozeß her. Der Herr Graf hat sich schon vor Monaten nach Wien in Sicher⸗ heit gebracht, wo er ein echt gräfliches Leben führt. Um solche Herren hinter Schloß und Riegel zu bringen, muß man et was früher auf⸗ stehen.
. Marburg. Professor Rathgen, einer der bedeutendsten Nationalökonomen, hat einen Ruf nach Heidelberg erhalten und wird demselben Folge leisten. — Unglücksfall. Der Klempnermeister Albonesy
stürzte am 12. Mai von dem Neubau des Pfarrhauses und erlitt außer sonstigen Vertetzungen drei Rippenbrüche.
* Vom Schlachtfeld der Arbeit. In Hanau wurden am Westbahnhofe dem 74 Jahre alten Schlosser Heck von Dörnigheim beide Beine abgefahren. Der Mann war mit Reparaturarbeiten unter einem Wagen beschäftigt, als plötzlich eine Rangiermaschine gegen diesen Wagen stieß, sodaß ihm die Räder über die Beine gingen. Er wurde in ein Kranken⸗ haus gebracht, doch starb er bereits am andern Tage. Heck war bereits über dreißig Jahre im Eisenbahndienst beschäftigt.
* Ein entsetzliches Unglück wird aus Gerol⸗ stein gemeldet: In der Gewerkschaft Jünker⸗ rat kippte ein Kessel mit flüssigem Eisen um, wodurch 23 Mann verunglückten, 7 sind vollständig verbrannt.
* Weiter verunglückten in Bremen drei
Arbeiter dadurch, daß sie bei den Kanali⸗
sationsarbeiten durch herabfallende Erdmassen verschüttet wurden. Zwei davon erstickten, der dritte wurde gerettet.
* Trichinen. In Löbtau bei Dresden wurde im Schauamt ein Schwein beschlag⸗ nahmt, welches so stark mit Trichinen durchsetzt war, daß in einem Stückchen Fleisch wie ein Haferkorn groß bis über 60 Trichinen enthalten waren.
Arbeiterbewegung.
In Frankfurt streiken noch ca. 500 Holzarbeiter. 59 Geschäfte mit etwa 450 Arbeitern haben die Forde⸗ rungen bewilligt. Ein Einigungsversuch vor dem Ge werbegericht scheiterte, weil die Arbeitgeber die Auf⸗ gabe der Forderung der neunstündigen Arbeitszeit von den Arbeitern verlangten.
Partei-Dachrichten.
Versammlungs⸗Kalender.
Samstag, 19. Mai: Gießen. Holzarbeiterverband abends 8¼ Uhr bei Löb,„Wiener Hof“. Montag, 21. Mai: Gießen. Schneiderverband abends 8 ½ Uhr bei Orbig. Sonntag, 27. Mai:
Großen⸗Linden. Nachmitt. 4 Uhr Versammlung der nichtgewerblichen Arbeiter. Die Berg⸗ und Ziegelei⸗ arbeiter sind besonders eingeladen.
Arbeitersekretariate. Nach einer vom Vorstande der sozialdemokratischen Partei in Berlin erfolgten Zu⸗ sammenstellung bestehen zur Zeit in Deutschland in fol⸗ genden Städten Arbeitersekretariate:
Altenburg(S.⸗A.), Unterm Schlosse 1. Altona, Große Bergstraße 204, 1. Beuthen(D..) Klucko⸗ witzerstraße 10. Bremen, Osterthorstr. 26, l. Breslau, Messergasse 18/19, J. Darmstadt, Elisabethstraße 81. Frankfurt a. M., Schnurgasse 45, I. Halle a. S., Geiststr. 21. Hannover, Leinstr. 17. Hildesheim, Judenstr. 5. Jena, Saalbahnstr. 3. Mannheim, S. 3, 10. München, Isarthorplatz 6. Nürnberg,
Egydienplatz 22. Posen, Grünstr. 7. Stuttgart, Eßlingerstr. 17/19. Waldenburg, Schl. Töpferstr. 1
Die Interessenten werden ersucht, den Parteivorstand 5 der Vervollständigung des Verzeichnisses zu unter⸗ stützen.
Cetzte Nachrichten.
Reichstag. Donnerstag wurde die am 17. März abgebrochene Beratung der Lex Heinze bei außerordentlich starker Vesetzung des Hauses fortgesetzt. Verschiedene Anträge der Sozialde⸗ mokraten wurden mit großer Mehrheit abgelehnt. Die Tribünen sind überfüllt. Zwischenfälle sind nicht vorgekommen.
7 Unserer heutigen Gesamt⸗Auflage liegt ein Prospekt des Wareuhauses A. Baer, Gießen, bei.
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Am Sonnabend, 12. Mai, abends 6½ Uhr verschied nach langen, schweren Leiden im Alter von 29½ Jahren Frau
Elise Käser
geb. Kreuder
in ihrer Heimat, Vadenrod, wo die Ent-
schlafene hoffte, ihre Gesundheit wieder zu erlangen. Um ein ehrendes Andenken 850 und stille Teilnahme bittet im Namen der
Hinterbliebenen 5
Der tleftrauernde Gatte:
Karl Käser, Maschinenmeister und Kind Hugo.
Vadenrod, Cassel, Stuttgart, den 14. Mai 1900.
Die Beerdigung fand am Dienstag Mittag 1 2/ Uhr zu Vadenrod statt. 9
Anterhaltungsteil.
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In Fesseln. Novelle von Elise Schweichel. 1
Eine der Straßen Leipzigs, die sich von dem Körper der Stadt, Fühlhörnern gleich, in das Land hinaus und der nächsten Ortschaft ent⸗ gegenstrecken, brach mit einem umfangreichen Grundstück ab. Dem Anschein nach war es ein ehemaliger Maierhof, der, auf halbem Wege zwischen Dorf und Stadt gelegen, bereits von der Häuserzeile erreicht worden war. Die stall⸗ ähnlichen Gebäude, welche den großen Hof um⸗ gaben, sprachen für diesen Ursprung, und auch das nach der Straße gelegene Wohnhaus, das man vom Hofe her betrat, paßte sich nur not⸗ dürftig den städtischen Bedürfnissen an.
In den Hofgebäuden hatten sich verschiedene Handwerke angesiedelt. Die großen Schuppen mit ihren Doppelthüren boten Raum und Licht genug zu Werkstätten, deren Inhaber über den⸗ selben in roh aufgemauerten Kammern mit ihren Familien wohnten. An der Seite, die dem Hause gegenüber lag, sah man durch das geöffnete Scheunenthor einen Tischler hobeln, hämmern und sägen; daneben stopfte ein Tapezierer, der unter seine Roßhaare gern etwas von des Nach⸗ bars Hobelspähnen mischte, alte Matratzen und Sofas auf. Rechts neben dem Hofthor und vor einer Thür, die früher zum Hühnerstall ge⸗ führt haben mochte, stand Tag für Tag der dreibeinige Schemel einer Wäscherin mit dem Faß voll dampfender Seifenlauge, und links hämmerten ein Schlosser und ein Klempner ihre zweistimmige Weise im Baß und im Tenor.
Der Klempner war der Eigentümer des Grundstückes. Das Geld zum Kauf desselben hatte er in Mexiko und in den Vereinigten Staaten von Nordamerika erworben, von wo er erst seit wenigen Jahren mit seiner Frau, die ihn auf seinem Wanderzug begleitet hatte, nach seiner Vaterstadt zurückgekehrt war. Obgleich er
reichlich zum Leben und keine Familie hatte, legte der noch in den besten Jahren stehende Mann doch nicht die Hände in den Schoß. Er schaffte rüstig weiter und führte dabei zugleich die Aufsicht über den Hof, in welchem es von Kindern jedes Alters schwärmte, während seine Frau im Vorderhause die Ordnung aufrecht erhielt.
Herr und Frau Bartels waren gutmütige, freundliche Leute, die mit ihren Mietern auf dem besten Fuße standen. Vor der Werkstatt des Klempners wurde es nie leer. Es gab immer den einen oder anderen Hofbewohner, der im Vorübergehen stehen blieb, um mit dem welt⸗ erfahrenen kleinen Mann mit den klugen, runden Augen ein Gespräch anzuknüpfen, auf welches jener stets gern, aber ohne seine Arbeit ruhen zu lassen, einging. Oder es sammelte sich ein Rudel Kinder vor seiner Thür, mit dem er plauderte und scherzte, denn der Klempner war ein großer Kinderfreund.
Ebenso populär wie Herr Bartels auf dem Hofe, war es seine Frau im Vorderhause. Ganz das Gegenteil ihres Gatten in der äußeren Er⸗ scheinung, eine große, starkknochige, wohlbeleibte Frau, hatte sie gleich ihm„dort drüben“ Welt und Menschen und die beste Art, sie zu neh men, kennen gelernt.
Ganz kürzlich war in das Vorderhaus ein Geschwisterpaar eingezogen, das sich von den übrigen Mietern, sogenannten kleinen Leuten, in vieler Beziehung unterschied. Der Bruder, ein feiner junger Mann von etwa zweiundzwanzig Jahren, sah sehr leidend aus und hinkte ein wenig. Er bedurfte frischer Luft, einer freien, grünen Aussicht und vornehmlich der Ruhe, denn er war, wie er sagte, Schriftsteller.
Unter dem weiblichen Teil der Mieter er⸗ regte dieser neue Mitbewohner förmliche Sensation, Wo sich zwei Frauenzimmer trafen, sei es auf den Treppen, den Fluren oder im Hofe, blieben sie stehen und sprachen von ihm.
„Haben Sie ihn schon gesehen? Gott, diese
blauen Augen, und wie er sie aufschlägt! Diese
22 55 diese Leidensmiene, der reine Christus⸗ op 15
„Und das buschige, goldbraune Haar zu dem blassen Gesicht! Sütiger Himmel, muß der Mann schöne Geschichten schreiben!“
„Woher er nur das Hinken haben mag? Aber gleichviel, es trägt dazu bei, ihn noch interessanter zu machen. Das Herz thut Eiuem weh, wenn man ihn am Arm der Schwester gehen sieht.“
Die Schwester selbst, welche mit dem Bruder gleichalterig schien, jedoch um einige Jahre älter war, trat über jenen ganz iu den Hintergrund. Niemand beachtete sie, obgleich sie ein schönes Mädchen von großer, stattlicher Gestalt war. Sie hatte ebenso blaue Augen wie der Bruder, nur daß die ihrigen verständig und klar und ohne Schwärmerei in die Welt blickten, eine fein geschnittene Nase und einen nicht eben kleinen, aber hübschen, volllippigen Mund mit zwei Reihen kleiner, milchweißer Zähne. Das Haar, welches minder üppig, als des Bruders, aber von der⸗ selben goldbraunen Farbe war, trug sie hinten und vorne hoch heraufgekämmt und zu einem Knoten geschlungen. Ihre Kleidung war die einfachste. Zu Hause trug sie ein dunkelgraues, und wenn sie ausging, ein schwarzes Kleid, einen ebensolchen Umhang und dunklen Strohhut. Und sie ging alle Tage aus. Sie war Handarbeits⸗ lehrerin an einer vornehmen Privatschule, und zu Hause machte sie die kunstvollsten Stickereien.
Die Geschwister hießen Julius und Johanna Storbeck. Der Name Storbeck war Herrn Bartels nicht unbekannt. Als er Leipzig verließ, gab es am Markt ein großes Konfektionsgeschäft unter der Firma Storbeck u. Comp. Jetzt war es eingegangen. Einer der Geschäftsinhaber, welcher der Vater seiner Mieter war, hatte ein trauriges Ende genommen. Eines Tages hieß es, er sei verschwunden, und mehrere Wochen darauf zog man ben Leiche bei Grimma aus der Mulde. Der damals erst fünfzehnjährigen Johanna fiel die schreckliche Aufgabe zu, den bereits in Verwesung übergegangenen Körper an
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