Ausgabe 
20.5.1900
 
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Seite 6.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Nr. 21.

Ort und Stelle zu rekognoszieren. Die Mutter,

eine jener Frauen, die ewig Kinder bleiben, er⸗ klärte sich körperlich und geistig unsähig dazu.

Herr Storbeck, der Vater, hatte den Tod gefunden, weil er nicht allein sein Vermögen, sondern auch das seines Kompagnons, eines Schneiders, der vom kaufmännischen Geschäft nichts verstand und Herrn Storbeck vollständig freie Hand gelassen, in gewagten Börsenspekula⸗ tionen verloren hatte. So liebevoll und für⸗ sorglich er als Familienvater, so rechtlich war er als Kaufmann gewesen, bis er der Versuchung, sich ohne Arbeit zu bereichern, erlegen war. Nachdem er den ersten großen Fehler seines Lebens begangen hatte, beging er den zweiten, indem er, statt jenen soviel wie möglich gut zu machen, die Flinte ins Korn warf und sich in den Tod flüchtete.

Seine Frau blieb mit den beiden halb⸗ erwachsenen Kindern, Johanna und Julius, völlig mittellos zurück. Ihre Brüder, die große Familien und selbst nicht viel einzubrocken hatten, legten ein kleines Jahrgeld für sie zusammen. Das war alles. Mutter und Tochter fiel es nicht schwer, zu entbehren. Sie waren beide bedürfnislose Naturen, jede in ihrer Art: die Erstere aus angeborener Apathie, die Letztere aus angeborener Selbstlosigkeit. Aber da war Julius, der Augapfel der Familie, der von seiner Geburt an kränkliche Knabe, dem weder Mutter noch Schwester etwas versagen konnten. Zudem forderten seine geistigen Anlagen eine entsprechende Erziehung. Er konnte nicht irgend welchen unter⸗ geordneten Beruf ergreifen, er mußte studieren. Einflußreiche Freunde der Mutter verschafften ihm Freischule. Das war eine große Erleich⸗ terung, und allmählich fing Johanna an, auch etwas zu verdienen. Sie hätte, wie tausend andere, Musiklehrerin werden können, denn sie besaß viel Talent und eine für ihre Jahre be⸗ merkenswerte Fertigkeit auf dem Klavier; sie selbst hielt sich jedoch nicht für befähigt genug, Unterricht zu erteilen, denn ihre Studien waren jäh unterbrochen worden, da der kostbare Flügel, den Herr Storbeck seiner Tochter angeschafft hatte, bei der Geschäftsregulierung zur Konkursmasse geschlagen worden war. Aus dem Hause zu gehen und Erzieherin zu werden, daran konnte sie der kindischen Mutter und des kränklichen Bruders wegen nicht denken, trotzdem sie ihr Lehrerinnenexamen gemacht. So warf sie sich auf die Handarbeit. Sie besaß nicht nur außer⸗ ordentliches Geschick dazu, sondern auch Er⸗ findungsgabe. Ihre Stickereien waren nicht nach der Schablone gefertigt und hatten etwas Künft⸗ lerisches, sodaß sie bald die Nächte zu Hülfe nehmen mußte, um alle Aufträge, die sie erhielt, ausführen zu können. Dies that sie jedoch als

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Aus dessen Studium wurde indessen nichts. Nachdem er ein Jahr auf der Universität ge⸗ wesen, wo er sich nicht sowohl mit der Wissen⸗ schaft als mit Entwürfen zu Dramen und Ro⸗ manen beschäftigt hatte, die seine Kommilitonen mit dem Prädikatgenial bezeichneten, erklärte er eines Tages den Frauen, daß er Beruf zum Dichter in sich spüre und hierauf seine Zukunft bauen wolle. Ihrem Widerspruch wußte er da⸗ durch zu begegnen, daß er ihnen eine sehr baldige, reichliche Mithülfe zum Verdienst in Aussicht stellte, wogegen sie, wenn er weiter studierte, noch jahrelang die Last allein tragen müßten. Johanna namentlich konnte sich nur schwer darin finden, daß das mit so vielen Opfern erreichte Ziel, den Bruder auf der Universität zu sehen, ganz vergebens erstrebt sein sollte. Und besaß Julius wirklich jenes dichterische Talent, welches er sich zuschrieb? Sie hatte eine hohe Vor⸗ stellung von einem Dichter, denn obgleich sie nur wenig gelesen, waren es zufällig nur gute gewesen. Sollte ihr Julius wirklich zu diesen Gottbegnadeten gehören?

Ihre Zweifel schwiegen indes, als jener den Seinigen ein mit seinem Namen unterzeichnetes Feuilleton einer größeren Zeitung vorlegte und einen Brief des Redakteurs derselben, worin dieser Julius aufforderte, von Zeit zu Zeit ähn⸗ liche Proben seines schönen Talents einzusenden. Beide Frauen fühlten sich hierdurch nicht wenig geschmeichelt, und waren sie schon früher auf Julius stolz gewesen, so wurden sie es jetzt um so mehr. Und in der That sein erstes schrist⸗ stellerisches Debüt konnte große Hoffnungen er⸗ regen. Das jugendliche Feuer, die geistige Frische und Naivetät. mit denen das Feuilleton geschrieben war, schienen Originalität und poetische Begabung zu bekunden, und die Kowplimente, welche der junge Autor zu hören bekam, bestärkten ihn in der Ueberzeugung, daß die Musen an seiner Wiege gestanden.

Sehr bald erschien auch ein zierliches Bänd⸗ chen mit Goldschnitt, das den Namen Julius Storbeck trug. Es enthielt anmutige Sächelchen in gebundener und ungebundener Sprache, welche bei der Kritik und dem Publikum freundliche Aufnahme fanden, die Taschen unseres Autors aber leer ließen. Trotzdem dünkte sich dieser bereits auf dem Wege zum Parnaß, und nun ging es an die Komposition eines Romans, der ihn, wie er wähnte, mit einem Schlage zum litterarischen Löwen des Tages machen sollte.

(Fortsetzung folgt.)

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* Es giebt Verbrechen, die unschuldig, selbst rühmlich durch Glanz, und Größe werden; da⸗

her kommt es, daß Diebstahl vor aller Augen

Geschicklichkeit, und ungerechte Wegnahme von Ländern Eroberung heißt. *

Sobald ich das Wort Gnade höre, fahre ich sogleich zurück, denn da hat die Vernunft ein Ende, und es hat nur unter Verbrechern und Dummköpfen Sinn.(Seume.)

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