Ausgabe 
20.5.1900
 
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Nr. 21.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 3.

sich zwar nicht davon; aber man glaubt, daß der Ordensschmuck die Landarbeiter über Hunger, Wohnungsnot und junkerlichen Hochmut hinweg⸗ trösten wird. Entschädigung eines unschuldig Verurteilten.

Im Jahre 1892 wurde von dem Schwur⸗ gericht in Gera der Gerbereibesitzer Brehm wegen Brandstistung und Urkundenfälschung zu 5 Jahren Zuchthaus und 10 jährigem Ehrver⸗ luste verurteilt. Nachdem er den größten Teil der Strafe verbüßt, kam er wieder auf freien Fuß und betrieb nun energisch das Wiederauf⸗ nahmeverfahren. Er hatte auch Erfolg damit; im November 1899 wurde er freigesprochen. Während seines Aufenthaltes im Zuchthause war sein Geschäft in Konkurs geraten, seine Frau war mit ihren vier Kindern dem Elend preis- gepeben. Brehm beanspruchte Schadenersatz vom Staate in der Höhe von 350000 Mk. Das Oberlandesgericht Jena sprach ihm jedoch nur eineEntschädigung von ganzen 2260 Mk. für 1427 Tage zu, indem es seiner Berechnung den 1418 Mk. betragenden Wochenlohn eines Gerbergesellen zu Grunde legte. Angesichts des Umstondes, daß der Mann durch den Instiz⸗ irrtum wirtschaftlich ruiniert wurde, erscheint die sogenannteEntschädigur gssumme gradezu lächerlich.

Ein neuer Don Quixote.

Von allen antisemitischen Agitatoren ist wohl Graf Pückler, auch der Dreschflegelgraf ge⸗ nannt, der originellste. Meistens in Gemein⸗ schaft mit Herrn Bindewald, dem Abgeord⸗ neten für Alsfeld⸗Lauterbach, zieht er von Ort zu Oct, um überall da, wo sich ein Häuflein teutscher Gesinnungsgenossen zusammenfindet, seinenVortrag zu halten. Das ist nun zwar ein und derselbe seit Jahr und Tag, dafür aber äußerst inhaltschwer. Wollten die Zuhörer seine Worte in die That umsetzen, so wäre der Bürger⸗ krieg die unausbleibliche Folge. Das Gräflein stand bekanntlich schon einmal wegen Aufreizung zu Gewaltthätigkeiten vor Gericht, er wurde jedoch freigesprochen; Zuhörer bestätigten als Zeugen, daß sie ihn nicht ernst genommen hätten. So werden es auch alle vernünftigen Leute halten. Trotzdem scheint die antisemitische Partei mit den gräflichen Reden einver- standen zu sein, sie sind bisher von der anti⸗ semitischen Presse und auch von dem Abgeord⸗ neten Bindewald, dem ständigen Begleiter des Radaugrafen unwidersprochen geblieben. Deshalb wollen wir auch unseren Lesern nicht vorent⸗ halten, was er kürzlich in Leipzig von sich gab, wo er sich zugleich als der schon so lange zur Vernichtung der Sozialdemokratie gesuchte starke Mann vorstellte. Hören wir also, wie wir vernichtet werden:

Die Juden müßten hinausgetrieben werden aus Deutschland, sagte er, durch eine allgemeine, große Volkserhebung. Die Juden sitzen uns im Fleische, wie ein giftiges Geschwür. Die Sozial⸗ demokratie ist keine vorübergehende Erscheinung. Hinter ihr stehen die Juden und geben das Geld dazu; sie haben es verstanden, sich aus den Ar⸗ beiternfeine Judengarde heranzubilden. Heute zählt die Sozialdemokratie schon über zwei Millionen Anhänger, in 3040 Jahren wird sie sich ver⸗ doppeln, wenn nicht Schritte dagegen gethan

werden. Die Kerle muß man aber an die Wand drücken, daß ihnen die Schwarte knackt. Die Sozialdemokraten

unternehmen die zahllosen Streiks; die Juden veranlassen die Arbeiter hierzu, um sie an den Gedanken des Losschlagens zu ge⸗ wöhnen, Das zeigt ja auch der sächsische Kohlen⸗ arbeiterstreik. Die Arbeiter werden immer frecher und unverschämter und wissen nicht mehr, was sie wollen. Wenn ich die Macht hätte, dann würde ich bei dem nächsten Streik ein paar Bataillone Sol⸗ daten anrücken und die Kerle zusammen⸗ schießen lassen.(Zwischenrufe: Pfui! Das ist Euer Deutschtum, Euere Nächstenliebe!) Es müssen eiserne und drakonische Gesetze gegen die Sozialdemokratie geschaffen werden. Wenn es nach mir ginge, so würde ich folgendes Gesetz

vorschlagen:§ 1. Die sozialdemokratischen Führer werden ausgewiesen.§ 2. Die sozialdemokratische Presse hoͤrt auf, zu erscheinen. 8 3. Das Versammlungsrecht ist für die Sozialdemo⸗ kratie aufgehoben.§ 4. Die sozialdemokra⸗ tische Partei hat aufgehört, zu existieren. Nachsicht der Herrscher sei ein schweres Uebel; die Kanaille(das Volk) muß geschlagen werden, daß die Fetzen fliegen, bis sie zu Kreuze kriecht. Dann kamen die Juden wieder an die Reihe. Ein Volk mit solchen Sittengesetzen, wie der Talmud, sei schlimmer wie eine Räuberbande. Der Konitzer Mord ist ein Ritualmord und zeigt das Judentum in seiner infernalischen Bosheit. Möge Gott es schlagen mit seiner ge waltigen Faust. Der Deutsche darf aber nicht nachlassen im Kampfe gegen die Judenbande. Wir müssen das Gesindel zu Boden schmettern, koste es, was es wolle. Herr Bindewald sprach dann über den Burenkrieg. Er hatte, wie bemerkt, gegen die Rede des verrückten Grafen nichts einzuwenden.

Dieser gräfliche Agitator stand jüngst vor dem Bezirksaus schuß seiner Heimat, der darüber ent⸗ scheiden sollte, ob dieser Mann fernerhin geeignet sei, als Amts vorsteher in Klein⸗Tschirne zu fungieren. Hier holte der Edle zu einer ge⸗ waltigen Verteidigungsrede aus. Wir müssen leider Raummangels halber davon abstehen, diese Leistung unsern Lesern ebenfalls vorzuführen, und sie so um einige vergnügte Minuten bringen. Einzelne Sätze derselben könnten getrost in Cer⸗ vantes' berühmten Roman als Aeußerungen des sinnreichen Junkers von der Mancha des Ritters von der traurigen Gestalt, stehen. So zum Beispiel wenn er sagt:Ich möchte doch Den⸗ jenigen sehen, der es wagen sollte, mir irgend eine unehrenhafte Handlung vorzuwerfen; dem Manne würde ich in's Gesicht springen mit der Schärfe meines guten Schwer- tes und würde im beweisen, was es heißt, mich ungerecht zu beleidigen, Er wies darauf hin, daß er allerdings mitunter bei Morgengrauen, mit Trompeten geschmetter durchdie Dörfer geritten sei. Dabei habe er einen erasten soztalen Zweck im Auge gehabt,die Bauern aufzurütteln aus ihrem kolossalen Stumpf⸗ sinn und siedurch Reiterfeste zu enthusias⸗ micren und zu begeistern. Es nützt ihm jedoch nichts, daß er zum Schluß drohte:sollten Sie dennoch zu einem verurteilenden Erkenntniß ge⸗ langen, dann werden Sie es an sich selbst erfahren, was es heißt, unschuldige Leute zu verurteilen, seine eignen Standesgenossen haben ihn ver⸗ urteilt und seines Amtes entsetzt. Wir würden es aber bedauern, wenn der gute Mann da⸗ durch etwa veranlaßt würde, sein agitatorische Thätigkeit einzustellen.

Praktisches Christentum der Agrarier.

Anders als die Mehrheit seiner Kollegen faßte der Pastor Trapp zu Alt⸗Treppin(Bez. Potsdam) seinen Beruf auf. Er kümmerte sich nicht bloß um das Seelenheil seiner Ge⸗ meindeglieder, sondern auch un deren leibliches Wohl. Er besuchte fleißig die Arbeiter und Tagelöhner der dortigen Großgrundbeßtzer, und traf er auf Mißstände in ihren Wohnungen, so forderte er sie auf, ihren Arbeitgeber zur Be⸗ seitigung der Uebelstände anzuhalten. Ferner wollte er für die Arbeiter einen freien Woche tag haben, an dem sie ihre eigenen Arbe sten machen und Sonntags zur Kirche gehen könnten. Mit derlei humanen Bestrebungen kam er aber bei den Grundbesitzern schief an. Ihnen erschien seine Thätigkeit höchst gefährlich, und so haben sie denn ein Gesuch um Versetzung des Pastors an die Kirchenbehörde gerichtet! Die Agrarier halten es eben für die Aufgabe des Pastors, den geplagten Landproletariern Ge⸗ horsam, Entsagung und Zufriedenheit zu predigen und sie aufs bessere Jenseits zu vertrösten. Wagt er es aber, dieHerren an ihre Pflichten zu erinnern, dann fort mit ihm! Das ist bei diesen Leuten praktisches Christentum.

Kurze Notizen. Zur Reichstagswahl in Nürnberg stellten die Freisinnigen und Nationallibe⸗

ralen den Fabrikbesitzer Seiler als Kandidaten auf. Die National⸗Sozialen halten ihren Delegiertentag

vom 30. September bis 2. Oktober in Leipzig ab.

Bei der Reichslagsersaßwahl in Offen burg⸗Kehl (Baden) erhielten das Zentrum 7351 Stimmen, die Nationalliberalen 6529, unser Kandidat Genosse Geis 906 Stimmen. Unsere Partei hat dort einen Rück⸗ gang von 983 Stimmen zu verzeichnen, was der mangelhaften Agitation der dortigen Genossen zugeschrieben wird. Die Landtags nachwahl in Meiningen ergab Stichwahl zwischen Wehner (Soz.) und Krug(B. d. L.)

Ausländisches.

Die französischen Gemeinderatswahlen.

Die am vergangenen Sonntag in ganz Frankreich stattgefundenen Gemeinderats⸗Stichwahlen brachten in Paris den Nationalisten weitere Erfolge. Im Pariser Gemeinderat verfügen künftig die Freunde der Militär⸗ diktatur und des Pfaffentums über die Mehrheit. Unsere Parteigenossen kehren in ihrer früheren Stärke in den Gemeinderat zurück. Sie verloren vier Mandate und haben auch vier gewonnen. Der Pariser Gemeinderat wird in Zukunft zusammengesetzt sein aus 19 Sozia⸗ listen, 16 sozialistischen Radikalen, 4 Republikanern, 95 Monarchisten und 32 Nationalisten. Bedeutende Er⸗ solge haben unsere Genossen in der Provinz aufzuweisen. Besonders das industrielle Norddepartement hat sich gut gehalten. Hier haben in einer ganzen Reihe von Ge⸗ meinden die Sozialisten die Mehrheit. In Lille besteht der Gemeinderat nunmehr aus 24 Sozialisten und 10 Radikalen Auch in Marseille, das sich schon seit vielen Jahren unter sozialistischer Verwaltung befindet, siegte fast die ganze sozialistische Liste.

Die belgischen Gerichte

nehmen den Dummejungenstreich, den derAtten⸗ thäter Sipido mit seinem Schuß auf den Wagen des Prinzen von Wales gemacht, wirklich ernst. Die Brüsseler Anklagekammer hat Sipido wegenMordversuchs und die Mitbe⸗ schuldigten Meert, Seuchot und Meire als Miturheber beziehungsweise Mitschuldige vor die Geschworenen verwiesen.

Spanisches.

Das durch die Pfaffenherrschaft seit Jahrhunderten nie dergedrückte und ausgebeutete spanische Volk rebelliert. In Valencia und Barcelona verweigerten viele Gewerbe⸗ treibende und Geschäftsleute die Steuern. Es kam zum Barrikadenkampf. Ueber mehrere Provinzen ist der Be⸗ lag erungszustand verhängt.

Der Krieg in Südafrika.

Die Buren haben sich in der letzten Wochen immer mehr nordwärts zurückgezogen, sodaß die Engländer unter Lord Roberts fast ohne Widerstand zu finden bis Kro onstad vordringen konnten, das sie besetzten. Bei der starken englischen Uebermacht und dem den Eng⸗ zändern güsstigen Terrain wäre freilich eine schwere Niederlage der Buren kaum zu vermeiden gewesen.

Kroonstad war bis zur Besetzung Bloemsonteins durch die Engländer am 13. März der Hauptort des Olanjefteistaats. Es ist eine gemütliche kleine Stadt, elwa 100 englische Meilen südsich von Johannesburg und 4489 Fuß über dem Meeresspiegel, mit klarer, heller und stärkender Luft. Die Stadt zählt etwa 2000 Einwohner, die Ackerbau und Viehzucht betreiben. 11 der Nähe befinden sich Kohlengruben; auch Diamanten werden gefunden. Pretoria ist von Kroonstad immerhin noch 200 Kilometer entfernt und die Engländer geben sich wohl übertriebenen Hoffnungen hin, wenn sie meinen, Lord Roberts würde in vierzehn Tagen vor der Haupt⸗ stadt Transvaals stehen. Die Schwierigkeiten beginnen jitzt erst und namentlich die Ueberschreitung des Vaal⸗ flusses dürfte den Briten nicht leicht gemacht werden.

Mafeking ist gefallen! Am 12. Mai wurde der Ort von den Buren mit ledhaftem Feuer angegriffen, wodurch das Eingeborenenviertel zerstört und eine Feuers⸗ brunst verursacht wurde. Die Engländer unter Oberst Baden⸗Powell kapitulierten, nachdem sie um Waffen⸗ stillstand nachgesucht harten. Die Buren machten 900 Gefangene. Mafcking war fast seit Ausbruch des Kriegs eingeschlossen. Durch Krankheiten und Mangel an Lebensmitteln war der Besatzung arg zugesetzt worden. Wenn auch die Einnahme Mafekings militärisch nicht sehr ins Gewicht fällt, so werden die Buren jedenfalls durch diesen Erfolg zu weiterem Widerstande angefeuert. er Volksraad soll beschlossen haben, daß alle Be⸗ wohner Transvaols, gleichviel welcher Nationalität, ge⸗ mäß den Bestimmungen des abgeänderten Milltargesetzes, die Buren bei der Verteidigung der Republik zu unter⸗ stützen haben. 4

Die Burendelegation ist in Amerika angekommen. Ein Komitee des Stadtrats von Newyork holte die Ge⸗ sandtschaft vom Dampfer ab und eine große Volksmenge bereitete ihr einen begeisterten Empfang.

Aus dem Beichstag.

Die Spezial beratung der Novelle zum Unfall⸗ versicherungsgesetz beschäftigte den Reichstag in der ganzen Berichtswoche. Das Haus ist bei Beratung dieses für die große Masse der Bevölkerung äußerst wichtigen Gesetzes nur schwach besetzt, es sind in der Regel nicht mehr als 34 Dutzend Reichsboten anwesend. Unsere Genossen bemühen sich nach Kräften, das Ge