Ausgabe 
18.11.1900
 
Einzelbild herunterladen

Seite 6.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

b Unterhaltungs⸗Theil.

ueberzeugung.

Die Ueber zeugung ist des Mannes Ehre

Ein golden Vließ, das keine Fürstenhand

Und kein Kapitel um die Brust ihm hängt.

Die Ueberzeugung ist des Kriegers Fahne,

Mit der er, fallend, nie nurühmlich fällt.

Der Aermste selbst, verloren in der Masse,

Erwirbt durch Ueberzeugung sich den Adel.

Ein Wappen, das er selbst zerbricht und schündet,

Wenn er zum Lügner seiner Meinung

wird.

Karl Gutzkow.

Dunkle Mächte.

13) Roman von Elise Langer.

Es kam denn auch, wie Käte vorausgesehen. Die Mutter nahm die Mittheilung ihrem Cha⸗ rakter gemäß zwar schweigend auf, aber sie nickte mit einem bittern Lächeln vor sich hin, als bestätigte sie innerlich, was sie damals ih⸗ rer Tochter über das vermeintliche Glück der Ehe gesagt hatte. Herr Maihöfer sprang da⸗ gegen gleich bei den ersten Worten der Tochter auf und ergoß sich in einem Schwall von Wor⸗ ten. Kolwei: sei ein vertrauensvoller Narr ge⸗ wesen. Er, Maihöfer, hätte sich besser gesichert diesem Fuchs, diesem Brandt, nicht aufs blanke Antlitz getraut. Kontrakt hätte er gemacht? Ha, ha, das wäre ein Wisch Papier, gut, um die Pfeife anzustecken. Er hätte gleich etwas gegen diesen Menschen gehabt und würde auch Kolweit gewarnt haben; aber dieser wäre ja immer so superklug und wollte alles besser wis⸗ sei, er hätte sich daher gescheut, ein Wort zu äußern. Jetzt könnten sie alle zusammen am Hungertuch nagen. Für sich wäre es ihm wahr⸗ lich gleich, denn die Veröffentlichung seiner Ge⸗ dichte könnte er sich jetzt vom Munde wischen, aber was sollte aus Käten und seiner armen Frau und den noch unerzogenen Würmern werden? N

Er hatte die letzten Worte noch nicht aus⸗ gesprochen, als Frau Maihöfer sich aus ihrer zusammengesunkenen Stellung kerzengerade aufrichtete und die arbeitharte Hand fest auf den Tisch legte.

Genug, Mann, rief sie, bleich vor Zorn. Wir haben die Kinder in die Welt gesetzt, an uns ist es, für sie zu sorgen. Schlimm genug, daß wir es nicht konnten, daß Käte ihre besten Jahre opfern mußte. Sie hat mehr als ihre Pflicht gethan. Jetzt gehört sie ih⸗ rem Manne. Nach uns hat sie nichts zu fragen. 8

Sie war aufgestanden und hatte die Hand auf Kätens Schulter gelegt. Käte nahm die Hand und küßte sie.

Vater hat es nicht böse gemeint, beschwich⸗ tigte sie die Mutter.Auch wäre er in Bern⸗ hardts Lage gewiß ebenso vertrauensvoll ge⸗ wesen, wie es jede alte Natur ist. Nicht wahr, hab ich nicht Recht, Väterchen? Komm, setze Dich zu uns. Jetzt will ich Euch auch sagen, wie wir unser Leben künftig einzurichten ge⸗ denken.

Die Mittheilung von dem Rückkauf des Ge⸗ schäftes machte gleich einen sehr günstigen Ein⸗ druck. Von Pensionären wollte Herr Maihö⸗ höfer nun schon nichts mehr hören. Das junge Paar mußte seine ungestörte Häuslichkeit ha⸗ ben, meinte er großmüthig. Frau Käte ließ sich aber nicht dareinreden, sondern entwickelte ruhig ihren Plan. Sobald ihr Mietskontrakt abgelaufen wäre, wollten sie mit den Eltern eine größere Wohnung beziehen, um mehr Pensionäre nehmen zu können. Kolweit würde natürlich nicht unthätig bleiben. Er hätte be⸗ reits seine früheren Verbindungen wieder an⸗ knüpft. Kurz, wenn alle angriffen, würde sich wohl der Verlust überwinden und eine erträg⸗ liche Existenz herstellen lassen.

Was Frau Käte selbst auf sich nahm, war natürlich das Schwerste. Aber das machte ihr

keine Kopfschmerzen. Im Gegenteil, da sie die Eltern mit der veränderten Lage ausgesöhnt hatte, fühlte sie sich so leicht und frei wie noch nie in ihrem Leben, und glücklich, als ob sie das große Loos gewonnen, kehrte sie nach Hause zurück. f

Helma harrte Tag auf Tag vergebens auf Brands Besuch. Sie hatte, bevor sie sein Haus verlassen, ihm einige Abschiedszeilen auf sei⸗ nem Schreibtisch niedergelegt, worin sie ihn an sein Versprechen mahnte und ihrem uner⸗ schütterlichen Vertrauen auf seine Liebe und seine Ehrenhaftigkeit Ausdruck gab.Du wirst es verstehen, Geliebter, schrieb sie,daß ich Dir und mir einen persönlichen Abschied er⸗ sparen wollte und Dir darum Tag und Stunde meines Fortgehens verschwieg. Ich hoffe aber mit Zuversicht, daß Du mich in meiner Ver⸗ lassenheit bald aufsuchen und so den einzig möglichen Trost gewähren wirst Deiner un⸗ glücklichen Helma.

Dr. Brandt athmete auf, als er, nach Hause kommend, von Helmas Abreise hörte. Es war,

als ob ihm ein Alp von der Brust genommen

wäre. Ihre heimliche Entfernung glaubte er zudem für seine Zwecke gut verwerthen zu können.

Endlich kamen einige Zeilen von ihm. Er wäre zu seinem großen Verdruß in diesen Ta⸗ gen mit Arbeit überhäuft, sodaß er nicht, wie er wünschte, zu ihr eilen könnte. Der erste freie Augenblick sollte ihr doch gehören. Beiläufig müßte er sie ein wenig schelten. Er hätte ihre Art, sich fortzustehlen, sehr merkwürdig gefun⸗ den. Indessen fühle er wohl, daß er kein Recht hätte, ihr Vorwürfe zu machen. Er sei so tief in ihrer Schuld, daß er alles billigen müßte, was sie thäte, wie sehr auch seine Gefühle da⸗ durch verletzt würden.

Dieser Brief brachte Helma dem Wahnsinn nahe. Wie, ihre zartesten Empfindungen legte er ihr als grobe Rücksichtslosigkeiten aus oder gab sich wenigstens den Anschein, es zu thun. Er spielte sich auf den Beleidigten, Verletzten, hinaus und schärfte den Stachel seiner Worte mit einem heuchlerischen Schuldbekenntniß. O es war zum Rasendwerden! Wie außer sich rannte sie in dem schmalen Raume auf und ab, hundert und hundert mal, zuerst mit kur⸗ zen hastigen Schritten, dann langsamer und langsamer, wilde Gedanken in ihrem Hirne wälzend, Gespräche mit dem Grausamen füh⸗ rend, in denen sie ihm alles sagte, was sie oft auf den Lippen gehabt, aber aus Schonung für ihn stets in ihre Brust zurückgedrängt hatte. Waren alle ihre Handlungen nicht von Liebe und Rücksicht diktirt gewesen? Was hatte sie gethan, um solchen Vorwurf zu verdienen? Sie hatte nur nicht immer lächeln, nicht im⸗ mer heiter und fröhlich sein können mit dem Tod im Herzen. Das war ihr einziges Ver⸗ gehen. Das hatte er verlangt. Sie sollte ihm eine heitere Stirn zeigen, ob sie auch im In⸗ nern verblutete. Lachen, lachen sollte sie. Und sie lachte grell auf wie eine Wahnsinnige. Dann verlor sie das Bewußtsein.

Nach langen, qualvollen Stunden ward ihr ein Mädchen bescheert. Helma jubelte auf. Ein Mädchen! Emmy! Sie war wiedererstanden, um das Band zwischen ihr und dem Vater neu und dauernd zu knüpfen. Die ganze Zeit hatte Helma gewpünscht, daß es ein Töchterchen sein möchte. In ihrem fiebendem Zustande waren Emmy, die süße, in Blumen gebettete Emmy, die sie in der dunklen Ferne hatte verschwin⸗ den sehen, und das Neugeborene eins. Der lie⸗ bende, um den Tod seines Kindes so tief trau⸗ ernde Vater würde die Wiedergeborene an sein Herz legen und um ihretwillen auch die arme Verlassene, die ihre Mutter war. Wie ein Er⸗ trinkender an einen Strohhalm, so klammerte sie sich an jenen Umstand, der ihr nur einen Schein von Hoffnung auf Wiederherstellung ih⸗ res zerrütteten Daseins bot.

Brandt hatte sich bis dahin nicht sehen las⸗ sen. Die Vorbereitungen zu seiner in Kurzem stattfindenden Vermählung das Scheidungs⸗ dokument hatte er bereits vor zwei Monaten

erhalten nahmen ihn vollauf in Anspruch

Frau von Romberg sorgte freilich für alles. Sie ließ ihre Stadtwohnung ganz neu aus⸗ statten und für ihren künftigen Gatten ein ele⸗ gantes, mit allem modernen Komfort verse⸗ henes Arbeitszimmer einrichten. Auch Charles wurde mit einem schönen hellen Kinderzimmer, in dem er sich gehörig tummeln konnte, bedacht. Brandt hatte den Knaben seiner Verlobten zu⸗ führen müssen, die den herzigen Buben gar nicht mehr von sich lassen wollte.

Die Kunde von dem Verlöbniß war über die exklusiven Kreise, in denen das Paar sich bewegte, nicht hinausgedrungen. Es waren ele⸗

gante Verlobungskarten herumgeschickt, aber

keine Anzeige in einer Zeitung gemacht wor⸗ den. Erst ganz neuerdings hatte Kolweit eine Notiz gefunden, in welcher die bevorstehende Vermählung des geistvollen Journalisten und Chefredakteurs desNordd. Beobachters, Dr. Oskar Brandt, mit einer reichbegüterten Dame, der verwittweten Baronin von Romberg, als eine interessante Neuigkeit mitgetheilt war. Helmas Freunde wollten anfangs nicht daran glauben. Eine solche Perfidie wäre ja unerhört. Jedenfalls mußte sich die Nachricht erst voll. bestätigen, bevor Helma ein Schimmer davon. erreichen durfte. Kolweit wollte genaue Er⸗ kundigungen einziehen.

Am Tage nach der Geburt des Kindes bat Helma, die selber dazu zu schwach war, ihre Freundin Käte, Dr. Brandt von dem Ereigniß Anzeige zu machen. Käte schrieb ohne Namens⸗ unterschrift. In größter Aufregung zählte die junge Mutter jetzt die Stunden. Am Abend des nächsten Tages endlich erschien der Ersehnte.

Es war ein schwerer Gang für ihn, und er hatte ihn mit dem Entschlusse angetreten, eine endgültige Lösung dieses Verhältnisses wohl oder übel herbeizuführen. Nicht daß er gegen Helmas Reize ganz und gar unempfindlich ge⸗ worden; in seiner Phantasie besaß sie immer noch viel von jenem Zauber, der seine Sinne entflammt hatte, und der, wenn er sie mit seiner unschönen Braut verglich, wieder ver⸗ lockend vor ihm aufstieg. Aber durfte er die Thorheit begehen, ein ihm vom Schicksal förm⸗ lich aufgedrungenes Glück zurückzuweisen, um. ein Paar schönerer Augen willen, deren Thrä⸗ nen bald getrocknet sein würden? Helma hatte ihr Kind; so gefühlseligen Frauen, wie ihr, ging ein Kind weiter über den Mann. Sie sollte an nichts Mangel leiten, nein im Gegen⸗ theil, sich ein freundliches, allen vernünftigen Ansprüchen gemäßes Leben gestalten. Er hätte es dazu und würde darauf bestehen, daß sie Gebrauch davon machte. So vor sich selber den Großmüthigen spielend, betrat er das Haus. f

(Fortsetzung folgt.)

Das Eheproblem.

DasLuzerner Tagblatt veröffentlichte unter

dem TitelEheliche Unterhaltung den nach⸗

folgenden häuslichen Dialog.

Sie:Ich glaube, Karl, Du liebst mich

nicht mehr!

Er:Ach, sei doch nicht so närrisch!

Sie:Da haben wir es ja! Du bestätigst ja selbst, was ich eben gesagt habe. Sei nicht närrisch! Hast Du früher so zu mir gesprochen, bevor wir verheirathet waren?

Er:Nein, mein Kind!

Sie:Damals war mein kleinster Wunsch Dir Befehl; damals setztest Du Dich nicht wie eine Puppe hin, rauchtest'ne Zigarre und lasest die Zeitung, wenn ich im Zimmer war; damals suchtest Du mir jeden Wunsch zu erfüllen und

trachtetest stets danach mir alle möglichen Ge fälligteiten und Aufmerksamkeiten zu erweisen

Er:Das ist wahr!

Sie:Damals warst Du auch nicht so schläfrig und langweilig wie jetzt, Du warst

geistreich, energisch, muthig! 5 Er:Liebes Kind, hast Du schon einmal

einen Jungen gesehen, der auf einen Apfelbaum

geklettert ist, um einen Apfel zu holen? Sie:Jawohl, aber....

Er: uch we 0 E dh.

Er: Uso Junge! peer k

Sie h i

Die Man il wit be miederg Geschlel stelüch sagen: Nein,! Noli, darin berührt für die Tuogw Bräuti Monne mie e dieser allen schwer, mögen die S ist kal dem! der ü

der diese

geschle bisher dem hoch! wenn

probl

sch a

ohne uu sh eigenf größt zu bl 2

0

8

i al

don