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Nr. 47.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Seite 7.
Er:„Laß mich ausreden! Er klettert und klettert, bis er den Apfel hat, nicht wahr?“
Sie:„Natürlich!“
Er:„Aber wenn er ihn hat, klettert er dann noch weiter?“
Sie:„Nein, das hat er aber auch gar nicht nöthig.“
Er:„Sehr richtig, das hat er nicht nöthig! — Also, Du bist der Apfel und ich bin der Junge! Ich habe Dich, warum soll ich da noch weiter klettern?“
Sie(in heftiges Schluchzen ausbrechend): „Oh, ich armer, unglücklicher Apfel!“———
Die„Frankfurter Zeitung“ bemerkte hierzu: Man wird uns ohne Weiteres glauben, wenn wir versichern, daß wir diesen Dialog nicht wiedergeben, um den lieben Philistern beiderlei Geschlechts ein Vergnügen zu bereiten. Sie freilich werden einander beglückt zunicken und sagen:„Das ist einmal ein Schuß ins Schwarze!“ Nein, wir nehmen von dem kleinen Scherz nur Notiz, weil die gute Einfalt, ohne es zu wissen, darin ein Hauptproblem der ganzen Ehefrage berührt. Denn das scheint uns sicher, daß es für die junge Frau kein Erlebniß von größerer Tragweite giebt, als die Umwandlung des Bräutigams in den Ehegatten, das heißt, des Mannes, wie er zu sein vorgiebt, in den Mann, wie er wirklich ist. Für die Frau bedeutet dieser Wechsel in vielen Fällen einen Sturz aus allen Himmeln, von dem sich feinere Naturen schwer, manchmal nie wieder zu erholen ver⸗ mögen. Wie oft diese furchtbare Enttäuschung die Schuld trägt, daß Ehen unglücklich werden, ist kaum abzuschätzen. Denn die Art, wie aus dem feurigen und galanten Liebhaber so häufig der übellaunische Despot wird, ist in den Augen der Frau deshalb nicht weniger Betrug, weil diese Metamorphose so alt ist wie das Menschen⸗ geschlecht selber. Die„neue Frau“, die sich bisher nur ein bescheidenes Plätzchen sucht, auf dem sie stehen kann, noch Manches und Ernstes zu fordern haben, wenn sie sich erst einmal nachdrücklich dem Ehe⸗ problem zuwenden wird. Und dann bereitet sich auch langsam die Zeit vor, wo der Mann, ohne sich über solche Zumuthungen vor Lachen zu schütteln, einsehen wird, daß er in seinem eigensten Interesse handelt, wenn er sich die größte Mühe gibt, auch in der Ehe Liebhaber
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Unbequemiichkeit immer weiter zu klettern, selbst, wenn er sich den Apfel schon geholt hat.
Aus der Geschichte.
Eine richtige Antwort auf eine fürstliche Un verschämtheit. Der Kur⸗ fürst Wilhelm II. von Hessen, welcher von 1821 bis 1847 regierte, war bis zum Tode vom Geiste des Absolutismus beseelt und wollte von Verfassung und dergleichen nichts hören; bürger⸗ liche Menschen waren in seinen Augen Menschen geringerer Ordnung. Nun hatte der Kurfürst aber an der einen unteren Gesichtshälfte einen häßlichen Aus wuchs, wahrscheinlich ein Karbunkel, weswegen er auch im Volksmunde der Knoten⸗ kurfürst genannt wurde. Diesen Auswuchs wollte Sereuissimus durch eine Operation ent- fernen lassen und berief zu diesem Zwecke aus der nahe gelegenen hannover'schen Univerfitäts⸗ stadt Göttingen einen als Chirurgen berühmten Professor. Der Mann der Wissenschaft war nun nicht wenig erstaunt, als bei seinem Ein⸗ tritt in das Audienzzimmer des hessischen Selbst⸗ herrschers dieser ihn mit der seltsamen Anrede „Er“— an welche allerdings die hessischen Unterthanen gewöhnt waren— empfing und unter Hindeutung auf den Aus wuchs fragte: „Kann Er das kuriren?“ Jedenfalls war aber der Beherrscher Kurhessens wie aus den Wolken gefallen, als der Professor antwortete:„Ja, er kann das, er will es aber nicht!“ Damit drehte sich der tapfere Mann der Wissen⸗ schaft kurz um und verließ sofort die kurfürstliche Residenz. Soviel bekannt, hat der Fürst den Auswuchs mit ins Grab genommen.
Zur Kinderpflege.
Die Abneigung der Kinder gegen bestimmte Speisen gehört in das Kapitel der Idiosynkrasie und ist von den Eltern und Erziehern gewiß nicht nebensächlich und leicht zu nehmen. Vielmehr sind derartig veranlagte Kinder vor dem Genusse der ihnen widerlich er⸗ scheinenden Speisen zu bewahren oder allmählich daran zu gewöhnen. Manche Kinder können keine gekochten Rüben, Bodenkohlrabi, Schoko- lade, gewisse Früchte und dergleichen mehr ge⸗ nießen. Eine derartige angeborene Abneigung kann, wenn das Kind zwangsweise zum Essen angehalten wird, zur Krankheit führen, wie n e 75755
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Schreiber dieses an sich selbst erfuhr. Die ge⸗ kochten Rüben waren mir ein Greuel und ich war, nachdem ich dieselben essen mußt“, regel⸗ mäßig am gleichen oder folgenden Tage von Kopfschmerzen und Erbrechen gequält. Auch die Nesselsucht kann durch den Genuß wider⸗ williger Speisen verursacht werden. Deshalb betrachte man die Verweigerung und Abneigung gegen Speisen nicht als Eigensinn oder Fein⸗ schmeckerei, denn unter Umständen läßt sich das Kind oft mit Nachsicht und gutem Willen an derartige Speisen gewöhnen, indem man mit kleinen ihm angenehm erscheinenden Mengen be⸗ ginnt und, falls keine üble Nachwirkung eintritt, dieselben unmerklich steigert. Auf diese Weise können die Kinder dahin gebracht werden, Nahrungsmittel, die bloß ihrem Geschmack nicht entsprechen, zu genießen. Das hat besonders für spätere Zeiten Werth, wenn die Kinder an fremden Tischen essen müssen. („Prakt. Wegweiser.“)
Gebet eines Kapitalisten. Müde bin ich; geh' zur Ruh' Schließe alles sorgsam zu. Vater! Laß die Augen dein, Ueber meinem Geldschrank sein!
Hab' ich Unrecht heut gethan, Arme über's Ohr geschlah'n, Herr! Laß's sein nur alles gut: Christ bezahlt's mit seinem Blut.
Wach' ob meinem Gelde, Herr! Schaffe, daß es sich vermehr'; Alle Münzen groß und klein Sollen dir befohlen sein. Josef Pilar.
Humoristisches.
Verblümt.„Aber Fritze, warum ißt Du denn heute Dein Fleisch nich?“
„Ja, Meesterin, det is noch zu heeß!“
„Nu, warum bläst Du es denn da nich?“
„Ja, ich fürchte nur, da fliegt's weg!“
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Neues vom Serenissimus. „Da lese ich eben in der Zeitung, Kindermann, daß von einem Neubau-Gerüst zwei Arbeiter abgestürzt sind Ja, warum steigen denn
und auf der Stelle tot waren. die Leute da hinauf?“
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