eite 4.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Nr. 47.
Besucher ohne Weiteres zugängliche, im Los saal aufgestellte Handbibliothek(enthal⸗ tend Nachschlagewerke jeder Art, Wörterbücher aller Sprachen, Hand⸗ und Lehrbücher, Ge⸗ setzesausgaben, Regierungs- und Reichsgesetz⸗ blatt, Sammlungen gerichtlicher Entscheidun⸗ gen, statistische Werke, Atlanten usw.) erfährt eine ansehnliche Erweiterung. Im neu einge⸗ richteten Zeitschriftenzimmer sind über 800 Zeitungen und Zeitschriften, darunter zahl⸗ reiche von allgemeinem Interesse, sowie eine Sammlung der neuesten Patentschriften aus⸗ gelegt. Es sei bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen, daß Lesesaal und Zeitschriften⸗ immer täglich von 9—1 und 3—6 Uhr(Sam⸗ stags von 9—1 Uhr) geöffnet und allgemein zugänglich sind, und daß auch über den Kreis der Universitätsangehörigen hinaus Bü⸗ cher aus der Universitätsbibliothek nach vorher⸗ gegangener Bestellung gern verliehen werden.
— Hohes Alter. Vorige Woche starb die älteste Person in Gießen, Frau verwittwete Se⸗ minardirektor Curtmann im Alter von 97 Jahren. Gegenwärtig ist der älteste Einwohner unserer Stadt Herr Lehrer i. P. Prätorius, der 91 Jahre zählt.
— Rasch tritt der Tod den Men⸗ schen an. Eines jähen Todes starb am Mon⸗ tag Nachmittag der Fuhrmann Wilh. Pfeifer aus Krofdorf. Er war mit seinem Bruder bei den Straßenarbeiten in der Marburgerstraße be⸗ schäftigt und im Begriff, einen Wagen Steine abzuladen, als er von einem Herzschlag betroffen wurde. Die Leiche wurde nach Krofdorf ver⸗ bracht. Pfeifer war erst 29 Jahre alt und noch unverheirathet. Bei seinen Mitarbeitern war er als ruhiger und solider Arbeiter und guter Kamerad allgemein geschätzt und beliebt.
— Ortskrankenkasse. In der am Dienstag stattgehabten Generalversamm⸗ lung der Gießener Ortskrankenkasse wurden zunächst Ersatzwahlen zum Vorstande vorgenommen. Gewählt wurden die Arbeit⸗ nehmer: W. Schmidt II., Wilh. Nau, Joseph Gentner, Wilh. Sickert, Georg Schmidt, Adam Volz; und als Ersatzleute: Heinr. Keil, Georg Treiber, Jakob Büttner. Von den Arbeitgebern wurden gewählt: Heinrich Winn, Jakob Atzbach.
Die Rechnungsprüfungskommission
besteht aus: A. Stock, G. Holtberg, W. Sickert. Bezüglich der Leistungen der Kasse beschloß die Versammlung, künftighin 26 Wochen lang die volle Krankenunterstützung zu gewähren. Bis⸗ her wurde dieselbe nur auf die Dauer von 13 Wochen bezahlt.
Wahlkreis Alsfeld⸗Lauterbach.
—t. Die Kreiskonferenz für den 3. hess. Wahlkreis fand am vorigen Sonntag im Lokale des Gastwirths Kaut in Lauterbach statt. Eröffnet wurde dieselbe drei einhalb Uhr durch den Kreisvertrauensmann Dechert-Alsfeld. Der erste Punkt der Tagesordnung betraf die Agitation. Schmidt⸗Preungesheim be⸗ richtete, was im Laufe des Jahres auf diesem Gebiete gethan worden ist. Bei der weiteren Erörterung dieses Gegenstandes wurde erwähnt, daß bei der im Frühjahr unternommenen Flugblattvertheilung einige Genossen, die in Ulrichstein verbreiteten, mit einer Polizei⸗ strafe von 15 Mark bedacht wurden. Für die Zukunft müßte, wenn solche Bestrafungen er⸗ folgen, wo sich die Genossen doch streng an die Gesetzesbestimmungen gehalten haben, richter— licher Entscheid herbeigeführt werden, um der Wiederholung solcher Fälle vorzubeugen.(Wir haben auch den Betroffenen damals gerathen, sofort Widerspruch zu erheben. D. Red.)— Bei dem Rechenschaftsberichte des Kreis- vertrauensmannes gab Genosse Dechert einen kurzen Ueberblick über das verflossene Geschäfts⸗ jahr. Die Einnahmen betrugen inkl. Kassen⸗ bestand des vorigen Jahres Mk. 72.—, die Aus⸗ gaben Mk. 60.53, jetziger Kassenbestand Mk. 11.47.— Den Kassenber icht des Kreis⸗ wahlvereins erstattete Genosse Reining⸗ Lauterbach. Die Einnahmen betrugen hier inkl. Kassenbestand Mk. 92.88, die Ausgaben Mk. 20.—, Kassenbestand Mk. 72.88. Die Revisoren bekundeten, Bücher und Kasse geprüft und Beides in Ordnung gefunden zu haben, worauf ein⸗ stimmig der Kassenbericht als richtig anerkannt und die Kassirer entlastet wurden. Gen. Schmidt tadelte noch das wenig parteigenössische Ver⸗ halten einiger Genossen in Schlitz; bat auch die Anwesenden, zukünftig für bessere finan⸗
zielle Ergebnisse sorgen zu wollen. Zum Kreis⸗ vertrauensmann wurde Genosse Dechert⸗Als⸗ feld einstimmig wiedergewählt. Der Vor st and des Kreiswahlvereins besteht aus den Genossen Reining⸗ Lauterbach(Vorsitzender), Linn⸗ Lauterbach(Schriftführer) und Wahl⸗Lauter⸗ bach(Kassirer).— Zum folgenden Punkt der Tagesordnung besprach in sehr ausführlicher Weise Genosse Orbig⸗Gießen die Organisa⸗ tionsverhältnisse in Hessen und empfahl, wie es Gen. Schmidt in seinen ersten Ausführungen schon gethan, den Anschluß an die hessische Lan⸗ desorganisation. Zur besseren Entfaltung der Agitation sei dies unbedingt nothwendig. Die Konferenz erklärt sich damit einverstanden und beschließt, vom 1. Januar 1901 ab die hess. Parteimarken im Kreise einzuführen. Orbig stellte in Aussicht, daß das Landeskomitee es sich angelegen sein lassen werde, den Wünschen der Genossen im Kreise so weit nur möglich ent⸗ gegenzukommen. Auch dem Bezirk Schotten, der von Gießen aus leichter zu erreichen sei, werde man mehr Beachtung schenken. Nachdem noch die Kalendervertheilung eingehend besprochen war, erfolgte Schluß der Konferenz mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie.
Fortbildungsschule.
Der Beginn des Fortbildungs⸗ schulunterrichts in den hessischen Land⸗ gemeinden ist vom Ministerium(Abtheilung für Schulangelegenheiten) auf Nachmittags 5 Uhr festgesetzt, unter der Bedingung, daß der Unterricht um 7 Uhr abends geschlossen sein müsse. Die Landwirthe, die mit diesem frühen Beginn des Fortbildungsschulunterrichts nicht
einverstanden sind, haben beschlossen, beim Mi⸗
nisterium dahin vorstellig zu werden, daß die Zeitbestimmung für die Abhaltung des Fort⸗ bildungsschulunterrichts den Ortsschulvorstän⸗ den überlassen bleibt.
Aus Wetzlar.
Lehrerjubiläum. Eine fünfundzwan⸗ zigjährige Thätigkeit an der katholischen Schule hatte dieser Tage Herr Lehrer Müller hinter sich. Aus diesem Anlasse wurde ihm von sei⸗ nen Kollegen, seinen ehemaligen und jetzigen Schülern sowie seinen sonstigen Bekannten be⸗ sondere Ehrung zu Theil. Es wurden ihm Festgeschenke überbracht und ein Festkommers veranstaltet, der zur Zufriedenheit aller Be⸗ theiligten glatt und angenehm verlief. Dage⸗ gen haperte es etwas mit den Vorbereitungen dazu. Um nämlich die kleine Festlichkeit zu Stande zu bringen, hatten sich ehemalige Schü⸗ ler des Jubilars zusammengethan und eine Liste aufgestellt, um Beiträge für diesen Zweck zu sammeln. Respektvoll setzten die Arrangeu⸗ re den Namen des Herrn Dekans Hölscher an die Spitze der Liste, in der sicheren Erwart⸗ ung, daß der Genannte einen Betrag, der sich sehen lassen kann, hinter seinen Namen setzen würde. Da hatte man sich aber gründlich ver⸗ rechnet. Herr H. erklärte, daß er für ein Fest⸗ essen wohl etwas geben würde, für einen„Sauf⸗ kommers“ sei er aber nicht zu haben. Und mit diesen Worten machte er einen dicken Strich durch seinen Namen, welchem Beispiele dann auch die beiden Kapläne folgten. Es ist ja möglich, daß unüberwindliche Abneigung ge⸗ gen das Trinken, die unter diesen Herren stark verbreitet sein soll, ihr Verhalten bestimmte, in diesem Falle könnten wir ihnen unsere Aner⸗ kennung nicht versagen. Aber selbst dann konn⸗ ten sie mal ein Auge zudrücken, da es sich ja um die Ehrung eines allgemein beliebten und geachteten Mannes handelte, der allerdings nur— Lehrer ist. In der katholischen Bevölke⸗ rung Wetzlars hat dieses an sich ganz unbe- deutende Vorkommniß peinlich berührt, umso⸗ mehr, als man einige Tage später unter den Spendern für Errichtung eines Bis marck⸗ thurmes Herrn Hölscher mit 5 Mark ver⸗ zeichnet fand. Die Zeiten ändern sich! Vor fünfundzwanzig Jahren und etwas mehr, als der Kulturkampf tobte; als Bismarck hohe und niedere katholische Priester verhaften ließ und außer Landes jagte, hätte sich wohl der Herr Dekan nicht träumen lassen, daß er einst sein Scherflein für ein Denkmal des„eisenstirni⸗ gen Kanzlers beisteuern würde... So räsonni⸗
niren die Wetzlarer Katholiken. Sie haben aber nichts zu räsonniren, sondern das Maul zu halten!
Innungsschwärmer.
— Vorigen Sonntag hielten die Schmiede
des Kreises Wetzlar im Schützengarten eine Ver⸗ sammlung ab, in welcher sie beschlossen, für ihr Gewerbe eine Zwangsinnung zu errichten. Die angeblichen Segnungen einer solchen wur⸗ den vorher von einem Kaufmann, Herrn Hein⸗ zenberg, den biederen Schmiedemeistern gebüh⸗ rend auseinandergesetzt. Daß durch die Zwangs⸗ innung auch dem Schmiedehandwerk der„gol⸗ dene Boden“ nicht wieder erobert werden kann. werden die Betheiligten, vor allen die weniger kapitalkräftigen recht bald einsehen. Fast jede Woche lösen sich ein paar Zwangsinnungen wieder auf, weil die Handwerker sich überzeu⸗ gen, daß der Rummel nur Geld kostet ohne ih⸗ nen den geringsten Nutzen zu bringen. Diese Thatsachen hätten auch die Wetzlarer Schmiede stutzig machen sollen. Bemerkt sei noch, daß die Meister deinen ihrer Kollegen, sondern den erwähnten Herr Heinzenberger zum Schrift⸗ führer wählten.
— Bei der Stadtverordnetenersatzwahl in Wetzlar wurden gewählt: Kaufmann Gg. Fr. Münch, Rechtsanwalt Dr. Heertz, Kaufmann B. Waldschmidt, Möbelhändler Drullmann, Post⸗ halter G. Waldschmidt, Direktor Kaiser.
Ueber großen Flurschaden, der durch das rudelweise Auftreten von Reh⸗ wild verursacht wird, führen die Landwirthe aus der Nauborner Gegend im„Wetzl. Anz.“ leb⸗ hafte Klage. Bis zum Frühjahr werde die Saat nicht nur einmal, sondern immer wieder von neuem abgefressen. Auch die jungen Waldkul⸗ turen würden vom Wild bedeutend geschädigt. Nach dem Gesetz werde der Schaden erst kurz vor der Ernte abgeschätzt, dann sei derselbe nur noch schwer festzustellen, da abgeweidete Saaten im Wachsthum weit hinter denen zurückbleiben, die sich ungestört entwickeln können. Nur ge⸗ höriges Aufräumen durch die Jagdpächter könne Besserung bringen und verhüten, daß die Land⸗ wirthe zur Selbsthilfe greifen. Wir halten die Klagen für ganz berechtigt, wir glauben gern, daß für den Bauer der Wildschaden ziemlich schwer ins Gewicht fällt. Wenn sie aber dafür zu gering oder wie z. B. für Hasenschaden gar nicht entschädigt werden, so müssen sie sich bei den bürgerlichen Reichstagsabgebord⸗ neten beschweren, die bei Berathung des bür⸗ gerlichen Gesetzbuches die Ersatzpflicht für Ha⸗ senschaden ablehnten. Die Sozialdemokra⸗ ten traten bekanntlich lebhaft dafür ein, daß der Bauer auch für den von Hasen angerichte⸗ ten Schaden angemessen entschädigt werde. So⸗ gar von den patentirten Bauernfreun⸗ den, den Antisemiten, stimmte einer dagegen, während sieben bei der Abstimmung fehlten. Ein gräßliches Eisenbahn⸗Unglück ereignete sich in der Nacht vom 8. zum 9. Nov. auf der Strecke Frankfurt⸗Bebra zwischen Mühl⸗ heim a. M. und Offenbach. Am Block 11 zwi⸗ schen diesen beiden Orten mußte der von Hanau kommende D-Zug 42 halten, weil vor ihm eine Leermaschine das Geleis passirte. Nun soll der Blockwärter die Strecke vorzeitig nach Mühlheim frei gemeldet haben, worauf von dieser Station aus der Personenzug 238 ab⸗ gelassen wurde, der mit voller Fahrge⸗ schwindigkeit auf den D-Zug stieß. Die Lokomotive splitterte dabei den letzten Wagen, einen der bekannten großen Schlafwagen, im wahren Sinne des Wortes nach rechts und links in zwei Theile. Der Dampf der Heiz⸗ ung strömte sofort aus und der Gas behälter bar st. Der furchtbare Anprall drückte den letz⸗ ten Wagen auf den nächsten, ebenfalls einen Schlafwagen, der in die Höhe gehoben wurde, während die beiden weiteren Wagen nebst dem
Packwagen und der Maschine auf dem Geleise
stehen blieben. Durch die Explosion des Gases, das wohl auch durch das unmittelbar damit in Berührung gekommene Feuer der Ma⸗ schine des Personenzuges in Brand gerieth, wurden die Trümmer des letzten Wagens augen⸗ blicklich in helle Flammen gesetzt. Die in dem
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