Ausgabe 
18.3.1900
 
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Nr. 12.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 5.

Arbeiterbewegung.

Mainz. Ohne Kampf haben die hiesigen Schreiner ihre Hauptforderungen von den Unternehmern bewilligt erhalten. Zwischen der Lohnkommission und der Unternehmervertretung wurde heute vereinbart: gstündige Arbeitszeit und 10 Prozent Erhöhung des gegenwärtigen Lohnes.

Ein zur Beilegung des Tüncher⸗, Maler⸗u. Lackiererausstandes gemachter Einigungs versuch scheiterte an dem Widerstande der Unter⸗ nehmer. Ein zweiter Versuch ist bereits von unpartelischer Seite unternommen worden; man erhofft in dieser Woche die Beilegung des Streikes. Im Ausstand stehen 311 Arbeiter.

In München streiken infolge eines Be⸗ schlusses einer Sonntag Vormittag in derLacke abgehaltenen Versammlung seit Montag früh ca. 500 Schneider. Sie verlangen Ein⸗ führung des Lohntarifs und Errichtung von Betriebswerkstätten. Eine Anzahl Firmen hat im Laufe des Tages die Forderung bewilligt.

Stuttgart. Nach derSchwäb. Tag⸗ wacht hat gestern in Tuttlingen eine große Schuhmacher versammlung die sofortige Ar⸗ beitsniederlegung beschlossen.(Es handelt sich bei dem Ausstand um etwa 2000 Arbeiter).

Die wahrheitsliebenden Antisemiten.

* Das Organ der hessischen Antisemiten bringt einen Artikel über das Fleischgesetz, der an Entstellungen das menschenmögliche leistet. Einige Sätze geben wir wörtlich wieder:

Ganze Kübel voller Lügen schütten die Juden⸗ und Sozialdemokraten⸗Blätter über ihre gläubigen Leser. Man sollte doch füglich denken, ein Gesetz, das lediglich gesund⸗ heits- polizeiliche Maßregeln betrifft, sollte doch von allen Leuten ruhig und sachlich erörtert werden, aber weit gefehlt! Anfangs zwar, als die gewerbsmäßigen Volksbetrüger und Ausbeuter noch nicht die Tragweite des Gesetzes erkannten, blieb's verhältnismäßig ruhig, bis man auf einmal erkannte, daß eine volle Garantie dafür, daß das Volk eine gesunde Fleischnahrung erhalte, nur dadurch erreicht werden könne, wenn das im Aus- land geschlachtete Fleisch von den Grenzen ferngehalten würde, da.... war die Stellung der Sozialdemokraten und der sonstigen Volksbetrüger klar gekennzeichnet: sie holten aus ihrem Arsenal einen Vorrat ab⸗ gelagerter Lügen von Fleischverteuerung und agrarischer Begehrlichkeit und dieBewegung gegen das Fleischbeschaugesetz war da. An der Spitze dieser Räuberbanden, die vor- trefflich in den Handelskammmern organisiert sind, marschieren natürlich die Sozialdemokraten. Merkt ihr denn immer noch nicht, ihr Arbeiter auf dem Lande, welchen Betrügern ihr in's Netz gerathen seid. Den amerikanischen Fleischfabrikanten, den Armour, Oppenheimer und sonstigen jüdischen Millionären wollen eure Fuhrer gestatten, daß sie ihre Fleischwaaren ohne Untersuchung nach Deutschland schicken auf daß ihr Geldbeutel gefüllt werde.... Ihr aber, wenn ihr daheim ein Schweinchen schlachtet, ihr felbst sollt es zweimal untersuchen lassen und euern Beutel aufthun, um die Kosten zu bezahlen....

Es bedarf nicht vieler Worte, um diese antisemitischen Unwahrheiten in's rechte Licht zu setzen. 1. wird behauptet, daß das Gesetzlediglich gesundheits polizeiliche Maßregeln betrifft; 2. wird gesagt, daß die Grenzen dem ausländischen Fleisch ver- schlossen werden müßten, um den gesund heitlichen Schutz wirksam zu machen; 3. wird dagegen opponiert, daß auch das deutsche Schwein nach der Schlachtung obligatorisch auf Trichinen untersucht werden soll, und 4. wird behauptet, die Sozialdemokraten und der Handels stand diese Räuberbande! wollten das amerikanische Fleisch ohne Untersuchung in's Land bringen lassen.

Was ist nun Wahres an dtesen Behaup⸗ tungen? Wahr ist, daß durch die Grenz⸗

sperre die Fleischpreise in die Höhe geschraubt werden sollen. Für die Agrarier ist der sogenannteGesundheitsschutz nur eine trügerische Etikette, weil sie nicht den Mut haben, offen herauszusagen: wir wollen Fleischwucher betreiben. Direkt gelogen ist, daß das ausländische Fleisch ohne Unter- suchung eingeführt werden soll. Wahr und notwendig ist es, wenn derGesundheits⸗ schutz Hauptsache sein soll, daß auch das inländische Fleisch genau untersucht werden muß. Daß sich die Agrarier und ihre anti⸗ semitischen Hausknechte dagegen sträuben, beweist doch auf das deutlichste, daß für sie der Schutz der Gesundheit nicht in Betracht kommt. Kosten sollen außerdem, laut einem sozialdemokratischen Antrag, den Haus- schlachtern durch die Trichinenschau nicht entstehen. Die Untersuchungskosten soll der Staat tragen. Wenn aber in dem Anti- semitenblatt gesagt wird, daß die Fleischbeschau dem Bauernstand jährlich 6 Millionen Mark kosten würde, so könnte das nur dann eintreten, wenn der sozialdemokratische Antrag auf unentgeltliche Untersuchung abgelehnt würde.

Auf die Schimpfereien des Antisemitenblattes gehen wir nicht ein. Es genügt die Feststellung, daß das Antisemitenorgan wieder einmal im Interesse der Agrarier geflunkert hat.

Partei-Bachrichten.

Versammlungs⸗Kalender. Samstag, den 17. März: Hülfsarbeiter⸗Verband, Zahlstelle Wieseck abends

9 Uhr bei Wirt Hch. Keller. Sonntag, den 18. März: Versammlung bei H. Trier um 5 Uhr.

Schlitz.

Genosse Ph. Müller in Darmstadt, der vielen unserer Leser bekannt ist, siedelt am 1. April nach Altona über, um dort in das Arbeitersekretariat ein zutreten.

Parteipresse. Genosse Karl Wiehle aus Erfurt tritt am 1. April in die Redaktion desOffenbacher Abendblatts ein.

Parteibureau. Das Parteibureau befindet sich nicht mehr Katzbachstraße 9, sondern Kreuzberg straße 30.

Die Parteigenossen werden darauf aufmerksam ge macht, bei ihren Zuschriften an den Parteivorstand den Adressenwechsel zu beachten. Die Adresse sür den Parteivorstand lautet

J. Auer, Berlin SW., Kreuzbergstraße 30.

Zuschriften oder Geldsendungen an den Partei kassierer A. Gerisch sind ebenfalls Kreuzbergstraße 30 zu adressieren.

Briefkasten der Redaktion.

H. M. G. Laut 8 124, Abs. 4 der Reichsgewerbe ordnung kann ein Arbeiter ohne Kündigung auf hören, wenn der Lohn nicht in der bedungenen Weise ausgezahlt wird. Wenden Sie sich zunächst wegen des einbehaltenen Lohnes an Ihren Bürgermeister. Der selbe ist laut 8 71 des Gesetzes betr. die Gewerbe gerichte in erster Linie zuständig. Weigert sich der Unternehmer, beim Bürgermeister zu erscheinen, so klagen Sie beim Amtsgericht in Grünberg.

Eingesandt. Altenbuseck, 12. März 1900.

Es ist hier seit langer Zeit als ein Bedürfnis empfunden worden, eine zweite Hebamme ausbilden zu lassen. Auf Seiten des Kreisgesundheitsamtes ist man jedoch anderer Ansicht. Als im verflossenen Jahr die ältere Hebamme gestorben war, wurde der Ge meinde vorgeschlagen, von der Ausbildung einer zweiten Hebamme abzusehen. Dieser Vorschlag seitens des Kreisgesundheitsamts rief unter der gesamten hiesigen Einwoh nerschaft, namentlich unter den Frauen, einen Sturm der Entrüstung hervor.

Der Gemeinderat beantragte nun einstimmig bei oben genannter Behörde, dem Wunsche der Einwohner Folge zu geben, und wies darauf hin, wie notwendig eine zweite Hebamme sei, zumal die Hebamme H. selber ihrer Niederkunft entgegen sah, auch am hiesigen Platze kein Arzt wohnhaft sei. Dieses Gesuch wurde abschläglich beschieden.

Jetzt, wo die Hebamme H. sich selbst in den Wochen befindet, mußten die Leute eine auswärtige Hebamme in Anspruch nehmen. Hier kommen Menschenleben in

Betracht, und da sollte man doch dem Wunsche der gesamten Einwohnerschaft und nicht etwa einer einzigen Person Rechnung tragen.

Ein Einwohner für viele.

Tetzte Nachrichten.

Der beschlagnahmt gewesene Dampfer Bundesrath

ist in Hamburg gestern eingetroffen. In derN. Hamb. Ztg. macht ein Augenzeuge u. a. folgende Mitteilungen: d

Während der Nacht nach der Beschlag nahme wurde unser Kapitän von dem Be⸗ fehlshaber des englischen Kriegsschiffes durch Signale aufgefordert, den DampferBundes⸗ rath nicht mehr als 4 Seemeilen Fahrt in der Stunde laufen zu lassen. Kapitän Weis⸗ kam telegraphierte jedoch in aller Ruhe zurück, daß er seinen Dampfer entweder volle Fahrt oder gar nicht laufen lasse. Wenn der Engländer hierauf nicht eingehen wolle, dann ließe er seinen Dampfer treiben und der Engländer möge sehen, wie er ihn nach Delagoa-Bai bringe. Der Engländer mußte nun wohl oder übel nachgeben; die Weiter fahrt wurde mit 10 bis 11 Knoten in der Stunde fortgesetzt. Natürlich behielten wir unsere in voller Kriegsausrüstung befindliche englische Bewachung an Bord. Der englische Kreuzer hielt sich beständig in kurzer Ent⸗ fernung voraus. Während dieser Fahrt er⸗ fuhren wir von den englischen Soldaten, daß der Kreuzer schon mehrere Tage vergebens auf denBundesrath gewartet hatte, und daß er gerade an dem Nachmittage, da man annahm, daß wir ungesehen passiert seien, nach Dalagoa-Bai abdampfen wollte, um uns dort die Fahrt zu verlegen, als wir in Sicht kamen. Ueber die Durchsuchung der Ladung heißt es:Die Besatzung, sowie die Kajütspassagiere konnten sich mit Ansnahme der vier Transvaaler frei an und von Bord begeben und an Land bewegen. Die vier Transvaaler blieben unter scharfer Bewachung an Bord, niemand durfte mit ihnen ver kehren oder sprechen. Eine Anzahl farbiger Deckspassagiere wurde am Lande in einem Schuppen untergebracht und dort bewacht. Schließlich wurde mit der Entlöschung der Ladung begonnen, die von Sansibariten be sorgt wurde. Jede Kiste wurde geöffnet. Eine Theekiste, die in Sansibar als Durch fracht von Bombay an Bord gekommen war, für Thee aber zu schwer erschien, erregte be sonders die Aufmerksamkeit der Engländer. Bei Oeffnen stellte sich heraus, daß sie mit indischer Lackfarbe, die sich in Flaschen befand, gefüllt war. Besondere Aufmerksamkeit wid⸗ meten die Engländer auch 100 Oeltanks: Jeder Tank wurde geöffnet und genau ver messen, um festzustellen, ob sich in dem Tank auch noch ein anderer befinde. In solchen Tanks wurden nämlich viele Gewehre für den Jameson'schen Einfall seinerzeit ein⸗ geschmuggelt. Die Engländer kannten also den Rummel. Das ganze Ergebnis der Entlöschung und späteren genauen Unter⸗ suchung der leeren Schiffsräume waren vier große Jagdflinten, die aber in der Ladeliste verzeichnet waren. Diese wurden auch wieder zurückgegeben. Das Resultat war also Null.

von Puttkamer tat! Der ehemalige Minister des Innern, späterer Oberpräsident von Puttkamer, ist im Alter von 78 Jahren gestorben. Sein Haß gegenüber der Sozial demokratie war grenzenlos. Und die furcht⸗ baren Verfolgungen, die Sozialdemokraten unter dem Ausnahmegesetz zu erleiden hatten, kommen zum größten Teil auf sein Konto. Zu seinem Schrecken mußte der Reaktionär erleben, daß die Sozialdemokratie trotz der schmachvollen Verfolgungen herrlich wuchs und blühte. Möge Putty, wie er kurzweg genannt wurde, in Frieden ruhen. Er wollte es bös machen mit uns und hat uns kräftig gefördert.

Die beiden Präsidenten der südafrikani⸗ schen Republiken haben bei den europäischen Großmächten und bei der Regierung von

Nordamerika um Vermittelung zwischen Transvaal und England ersucht. England

hat offiziell erklärt, sich auf keinerlei Ein⸗ mischung anderer Staaten einlassen zu wollen.