Ausgabe 
18.2.1900
 
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Nr. 8.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 3.

betreffend die Entwürfe für die Volkszählung, die land⸗ nnd forstwirtschaftlichen Aufnahmen und die Vornahme einer Vieh zählung im Jahre 1900 den zuständigen Ausschüssen. ** Wetzlar. Der Regierungs⸗-Präsident v. Hövel in Coblenz erläßt einen Aufruf zum Beitritt in einen Verein, der sich die Erbauung einer Volks heilstätte für Lungenkranke im Regierungsbezirk Coblenz zum Ziel gesetzt hat. Es ist sehr gut, daß dieser Aufruf gerade zur Zeit der geplanten Flottenvergrößerung kommt. Für letztere, ein kulturfeindliches Werk, von dem das Volk nichts wissen will, werden von eben diesem Volk Milliarden gefordert; für die Lungenheilstätte, die so dringend not⸗ wendig ist, wie das liebe Brot, werden auf privatem Wegeauch die bescheidensten Scherflein erbeten. In jenem Aufruf werden folgende lehrreiche Ziffern veröffentlicht: Unter je 1000 im erwerbsfähigen Alter Gestorbenen werden von der Lungen⸗ tuberkulose hingerafft:

in Deutschland 342 in Preußen 360 in der Rheinprovinz 391

im Regierungsbezirk Coblenz 350

Schlimme Ziffern das. Sie lassen die bornierte Frechheit der nationalsozialen, libe⸗ ralen und professoralen Flottenagitatoren, die für ihre größenwahnsinnigen Pläne die Arbeiter einfangen wollen, in um so häßlicherem Lichte erscheinen.

W. Marburg. In der am Freitag, D Februar, stattgefundenen Sitzung des S.chöffengerichts standen vor dessen Schranken drei Arbeiter, welche eine Anzahl Studenten ohne jede Veranlassung anrempelten und mißhandelten. Das Resultat dieser Ver⸗ handlung war, daß der eine 65 Tage, der andere drei Wochen Gefängnis zudiktiert er⸗ hielten, während der dritte freigesprochen wurde. Im hiesigen Bürgerverein ist es zum Krach gekommen. In der letzten Versammlung des Vereins machten die Mitglieder gegen den Vorstand eine heftige Opposition, was den Vorsitzenden, Seebinger, veranlaßte, sein Amt niederzulegen. Diesem Beispiel folgend und sich mit dem Vorsitzenden solidarisch erklärend, legte der gesamte Vorstand seine Aemter nieder. Gelegentlich der vorigjährigen General musterung in Ziegenhain ließ sich der Dienst⸗ knecht Jost Hahn aus Holzburg allerlei Un⸗ gehörigkeiten zu Schulden kommen und trieb es so weit, daß er in die Arrestzelle des Rat⸗ hauses eingesperrt werden mußte. Hier benahm er sich wie ein Wilder, beschimpfte die Gen⸗ darmen, welche ihn zur Ruhe bringen wollten. Bei dieser Gelegenheit stieß er auch eine Majestätsbeleidigung aus. Dieserhalb wurde er von der Strafkammer zu Marburg zu vier Monaten Gefängnis verurtheilt; wegen Sachbeschädigung erhielt er eine Woche. Am Sonntag, 25. Februar, findet in den Lokalitäten des Schloßgartens ein Gewerkschaftsfest statt. Die Kommission hat keine Mühe ge⸗ scheut, das Fest zu einem für die Arbeiter würdigen zu gestalten und ist der Besuch dieses Festes sehr zu empfehlen.(Siehe Inserat.)

* Die Schußliste des Kaisers. Die ZeitschriftWild und Hund(Verlag von Paul Parny in Berlin) veroffentlicht die Schuß⸗ Ilste des Kaisers vom Jahre 1872 bis Ende 1899. Danach hat Wilhelm II. in dieser Zeit geschossen: 1223 Stück Rotwild, 1467 Damwild, 2548 Schwarzwild, 771 Rehwild, 17446 Hasen, 22 Füchse, 121 Gemsen, 1392 Kaninchen, 73 Auerhahne, 4 Birkhähne 13 720 Fasanen, 697 Rebhühner, 56 Enten, 95 Grouse, 3 Schnepfen, 2 Dächse, 3 Rennthiere, 2 Auer⸗ ochsen, 1 Wal, 3 Bären, 7 Elche, 694 Reiher, 607 verschiedenes Gethier, in Summa: 40 957 Stück Wild. Im Durschnitt hätte demnach der deutsche Kaiser seit 28 Jahren durchschnitt⸗ lich pro Tag vier Thiere geschossen.

Arbeiterbewegung. Die Bauunternehmer rüsten. Der Deutsche Arbeitgeberbund für das Baugewerbe in Firma Felisch und Genossen versandten

folgendes Zirkular mit dem Datum des 7. Februar. 1900:

Der Vorstand des deutschen Arbeit⸗ geberbundes für das Baugewerbe ist vielfach ersucht worden, auch in diesem Frühjahr eine be über die örtlichen Lohn⸗ verhältnisse im Baugewerbe herauszugeben. Die verehrlichen Vorstände und einzelnen Baugewerbetreibenden werden deshalb um gefällige Beantwortung und Einsendung der in dem angebogenen Formular gestellten Fragen ergebenst ersucht.

Gleichzeitig bittet der Vorstand um ge⸗ fällige Angaben von Adressen, durch deren Vermittlung italienische oder ober- schlesische Maurer bezogen werden können, sowbie um Mitteilung, welche Er⸗ fahrungen mit auf diesem Wege bezogenen Leuten gemacht worden sind.

Vor einigen Tagen wurde mitgeteilt, daß der Vorstand desselben Bundes, der soeben Schritte thut zur Anwerbung von Lohndrückern, beschlossen hätte, mit dem Vorstand des Zentral⸗ verbands der Maurer zur Beilegung bestehender Differenzen in Verbindung zu kreten. Danach hat es fast den Anschein, als ob man die Ar⸗ better durch scheinbares Entgegenkommen nur sicher machen will, um ihnen dann plötzlich im geeigneten Augenblicke mit um so größerer Rücksichtslosigkeit entgegenzutreten. Die Arbeiter mögen auf dem Posten sein. Die Bauunternehmer rüsten sich, eine Machtprobe großen Stils gegenüber der organisierten Arbeiterschaft zu versuchen.

Der Bergarbeiterstreik in Oesterreich speziell in Böhmen dauert jort. Die Zahl der Streikenden wird auf 90000 geschätzt. Auch in Sachsen stellen die Bergarbeiter Forderungen, vor allem verlangen sie die Acht⸗ stunden⸗Schicht. Infolge des Kohlenmangels gestaltet sich die Lage für zahlreiche industrielle Unternehmungen immer schwieriger.

2 7 Der Taubenschlagcharakter größerer Gewerkschaften wird wieder einmal gut be⸗ leuchtet von einer Statistik des Holzarbeiter⸗ verbandes. Danach waren allein in diesem Verbande ein⸗ und wieder ausgetreten:

18 229 Mitglieder im Jahre 1895

26099 1 555214 1 i ii e

Seit Bestehen des Verbandes sind ein⸗ und wieder ausgetreten mehr als 150 000 Mitglieder! Diese Ziffern beweisen, daß der Verband für viele nur die Durchgangsstation bildet, sei es um materieller Zwecke willen, sei es, um einem moralischen Druck zu genügen, oder sei es, daß das Interresse für die Organisation nicht lange anhält, namentlich wenn es gilt, für dieselbe dauernde Opfer zu bringen. Als Abhilfsmittel gegen diese unhaltbaren Zustände werden vorgeschlagen: Scharfe Auslese der Unterstützungsempfänger bei Streiks, Streik⸗ unterstützung erst nach angemessener Karenz⸗ zeit, energisches Einkassierersystem, Ausbau des Kassenwesens, insbeson dere Einführung der Arbeitslosenunterstützung.

Hessischer Landtag.

Die Zweite Kammer ist am Montag wieder zu⸗ sammengetreten. Zur Beratung stand die Regierungs⸗ vorlage betr. Verlängerung des Finanzgesetzes. Genosse Ulrich nahm die günstige Gelegenheit wahr, mit der Regierung wegen verschiedener Dinge abzurechnen. Er geißelte die Politik des Finanzministers, der den Bau notwendiger Eisenbahnlinien Privaten überlasse, nach⸗ dem man die hessische Selbständigkeit im Eisen⸗ bahnwesen an Preußen abgetreten habe. Des weiteren schilderte Gen. Ulrich, wie erbitternd die neuen Stempelsteuern schon letzt, nach so kurzer Zeit des Bestehens, wirkten. In scharfer Weise wendete sich dann unser Genosse gegen das verschtedenartige Verhalten der Staat sanwaltschaften bei Erhebung öffentlicher Anklagen. In Offenbach lehnte die Staatsanwalt⸗ schaft ein Einschreiten gegen die Beleildiger des städtischen Beamten Wolff ab, der mit dem Oberbürgermeister in Fehde lebt; in Gießen erhob die Staatsanwalt⸗ schaft öffentliche Anklage gegen einen Schneider, der in der ersten Instanz von der Anklage freigesprochen war,

eine Schneiderin beleidigt zu haben. Genosse Dr. David schloß sich den Ausführungen Ulrichs an und wendete sich namentlich gegen die Art und Weise, wie das Ste mpelsteuergesetz gehandhabt wird.

Abg. Molthan(Zentr.) wendet sich gegen gericht⸗ liche Urteile in Hessen, die in einem diametralen Gegen⸗ satz zum Rechts bewußtsein des Volkes stünden. Er ging speziell auf die Verurteilung derFrankf. Ztg, desMainzer Journals und derMainzer Neuesten Nachrichten wegen Beleidigung des Ministeriums ein. Er wünscht, daß das Prinzip der Gleichheit Aller vor dem Gesetz in Zukunft in der Praxis strenger durchgeführt werde, nicht nur in politischer, sondern auch in religiöser Hinsicht.

Genosse Cramer erklärt, daß die sozialdemokratische Partei prinzipiell der Konzesstonierung von Privat⸗ gesellschaften 31 Bahnbauten abgen eigt sei.

Justizminister Dr. Dittmar bemerkt, prinzipiell sei er der Ansicht, daß eine Kritik der Justizverwaltung mit der Kritik einzelner gerichtlicher Urteile nicht verwechselt werden dürfe. Eine Verletzung des Richters durch eine Kritik dürfe nie herbeigeführt, nie dürfe die bona fides des Richters bezweifelt werden.

Partei ⸗Nachrichten.

Versammlungs⸗ Kalender. Samstag, den 17. Februar: Gießener Wahlverein abends pünktlich 9 Uhr

bei Orbig. Kreis⸗Wahl⸗Verein Gießen. Vorstandssitzung bei Gen. Orbig. Sonntag, den 18. Februar: Schlitz. Nachm. 5 Uhr bei Heinr. Trier. Die Mit⸗ glieder werden dringend gebeten, pünktlich und voll⸗ zählich zu erscheinen.

Montag, den 19. Februar:

Schneider abends 9 Uhr bei Orbig. Vortrag des Kollegen Käfer⸗ Gießen.

Abends ½9 Uhr

Heuchelheim. In der am 7. Februar abgehal⸗ tenen Versammlung des Arb.⸗Bild.⸗V. wurde das bis⸗ herige Mitglied Wilhelm Rinn ausgeschlossen.

Letzte Nachrichten.

Berlin, 16. Februar. Bei den gestrigen Stadtverordneten ⸗Ersatzwahlen wurde Genosse Em. Wurm mit 1639 Stimmen gegen 72 liberale und 359 antisemitische Stimmen ge⸗ wählt; in dem andern Wahlbezirk der 3. Ab⸗ teilung kam Genosse Glocke mit dem anti⸗ semitischen Bürgerparteiler in die Stich wahl Glocke erhielt 1240, der Liberale 331, der Kandidat der Mieterpartei, Damaschke, der Bodenreformer 316, der Bürgerparteiler 736 Stimmen. Damaschke ist ein hervorragender Nationalsozialer. Seine Parteifreunde haben die größten Anstrengungen für ihn gemacht und einen sicheren Sieg erwartet. Wie bei den Reichstagswahlen, so sind die nicht Kalten und nicht Wacmen also auch bei der Stadtverord⸗ netenwahl schmählich hineingefallen.

Berlin, 16. Febr. Zum Fall Aren⸗ berg(siehe unseren heutigen Reichstagsbericht) macht dieTägliche Rundschau Mitteilungen, die zeigen, daß der Peinz mit mehr als einer Brutalität belastet nach Afrika ging. Sie schreibt:

Herr Kolonialdirektor v. Buchka hat im Reichstag über den Eintritt des Prinzen Prosper Arenberg in den Kolonialdienst seltsame Aufschlüsse gegeben, die mit unseren eignen Mittheilungen teilweise im Widerspruch stehen, aber an deren Richtigkeit nichts ändern. Wir behalten uns vor, auf die Angelegenheit noch zurückzukommen, sobald uns der stenographische Bericht der Verhandlung vorliegt, Einstweilen können wir unsere Verwunderung darüber nicht unterdrücken, daß Herr v Buchka aus den Akten des Kolonialamts so wenig mitzutheilen für gut fand. Er hätte 3. B. nicht die Thatsache verschweigen sollen, daß Prinz Aren⸗ berg in Münster der Frau seines Wachtmeisters einen Trttt vor den Leib gegeben hat und deswegen den Rat erhielt, abzugehen. Wenn Herr v. Buchka die Verantwortung für die Entsendung des von Natur nicht bösartigen, aber im angetrunkenen Z üstande stets zu Gewaltthätigkeiten neigenden Prinzen Arenberg in die Kolonien ganz allein auf sich nimmt, so mag das vom dienstlichen Gesichtspunkt aus betrachtet sehr löblich sein; aber die Verdienste des Herrn v. Richthosen um diese

Entsendung hätte er deswegen nicht völlig zu verschweigen brauchen.