Ausgabe 
18.2.1900
 
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Seite 4.

Witleldeutsche Sonntans⸗Zeitung.

Nr. 8.

am Fußboden, ohne Läufer aus Wollstoffen auf den zuführenden Treppen gelassen werden und möglichst wenig Polstermöbel mit wasch⸗ baren, leicht abnehmbaren Bezügen(Staub- kappen) enthalten; federnde eiserne Gartenmöbel mit waschbaren Decken oder beweglichen Polstern ersetzen am besten die Polstermöbel und erleich⸗ tern Reinigung und Desinfektion der Räume und deren Ausstattung. Bettvorleger sollen aus waschbarem Jutestoff hergestellt sein.

Täglich ist der ganze Fußboden jener Räume zur Entfernung des Staubes feucht aufzuwischen und auch im Winter mindestens eine Stunde zu durchlüften; wöchentlich sollen die Räume von Grund aus gereinigt und alle drei Monate desinfiziert werden.

Eine weitere Quelle der Uebertragung von Schwindsucht kann ungekochte Milch sein, vor deren Genuß gewarnt wird. Es empfiehlt sich daher besonders der Genuß sterilisierter Milch. Immer wieder muß die Bevölkerung darauf hingewiesen werden, daß die Lungen- schwindsucht auf die nächste Umgebung durch Berührung sehr häufig übertragen wird, daß aber die Ansteckung durch Innehaltung der angeordneten Maßregeln mindestens sehr eingeschränkt werden kann.

Die von Schwindsüchtigen bewohnten Räume und benutzten Gebrauchsgegenstände sind bei Todesfällen oder nach dem Verlassen einer Wohnung zu desinfizieren. Insbesondere sind Wand und Fußboden in der Nähe der Lager⸗ stelle ein Meter in der Umgebung gründ⸗ lich zu desinfizieren.

Krankenzimmer für Schwindsüchtige müssen jährlich ein⸗ bis zweimal vorschriftsmäßig des⸗ infiziert werden.

Die Thätigkeit reichlich aushustender Brust⸗ kranker als Verkäufer oder Berkäuferinnen von Nahrungs⸗ oder Genußmitteln ist nicht ohne Gefahr für die Käufer.

Die Erfüllung der angeführten Vor- schriften, insbesondere die unschädliche Be⸗ seitigung der Auswurfstoffe macht den Verkehr der Gesunden mit Schwindsüchtigen unbedenk⸗ lich und verhütet die Verbreitung dieser verheerendsten Volkskrankheit.

Landesverein für Arbeiterwohnungen

in Hessen. * Die Großherzogin von Hessen hatte an mehrere Oberbürgermeister, Großindustrielle,

Landwirte, Handwerker und angeblich auch Ar⸗ beiter aus allen Teilen des Hessenlandes Einladungen ergehen lassen, um ein Landes⸗ komitee zum Zwecke der Gründung eines Vereins zur Besserung der Wohnungsverhält⸗ nisse Minderbemittelter in Stadt und Land zu berufen.

Die Eingeladenen wurden im Residenzschloß zu Darmstadt von der Großherzogin u. A. mit folgenden Worten begrüßt:In an⸗ ken Le Fürsorge für die Hebung der ozialen Lage der mit Glücksgütern wenig gesegneten Familien in Stadt und Land hat sich in mir die Ueberzeugung befestigt, daß die Besserung des Wohnungswesens ein bedeutendes, vielleicht eines der folgereichsten und wirkungs⸗ vollsten Mittel sein wird, um für das Wohl⸗ ergehen der Minderbegüterten den Grund zu legen. Eine gesunde annehmliche Wohnung begründet das körperliche Wohlergehen, die Freude am häuslichen Herd und befestigt die Liebe zur Familie, in welcher die wesentlichste Grundlage einer sittlichen Lebensführung zu erblicken ist. Deshalb habe ich die Begründung eines Landesvereins zur Besserung der Woh⸗ nungsverhältnisse Minderbemittelter ins Auge gefaßt. Der hessische Zentralverein sollte sich das Ziel setzen, alle Kräfte des Landes zur gemeinsamen Arbeit zu sammeln. Der Verein wird nicht aus dem Auge lassen, daß, soweit thunlich, bei der Errichtung von Wohnstätten auch der Sinn für das Schöne, insbesondere für Ueverlieferungen, und aus den Bedürfnissen der einzelnen Gegenden herausgewachsene eigen artige Formen geweckt und erhalten werden. Er wird durch gärtnerische Anlagen und Baum⸗ pflanzungen der Bevölkerung städtischer Ge biete wie ländlicher Gegenden die Freude an der Natur zu erhalten suchen. Nach einigen

Dankworten, die Freiherr v. Heyl im Namen der Anwesenden an die Großherzogin richtete, konstituirte sich der Verein und nahm den Statutenentwurf entgegen.

Sehen wir einmal zu, ob das Interesse einer Großherzogin aus solchen Vereinsbestre⸗ bungen, die bisher immer nur einen unendlich kleinen Teil der Wohnungsnot beseitigen oder mildern konnten, jetzt mehr zu machen weiß. Die Probe wird es lehren.

Von der hessischen Landeslotterie.

* Der neue Landeslotteriedirektor, der bekannt⸗ lich von Leipzig bezogen wurde, kann wohl mit dem Domizilwechsel von der Pleiße nach dem Woog zufrieden sein, jedenfalls hat er keine Niete in der hessischen Landeslotterie zu erwarten. Er bezieht ein Gehalt von 7500 Mark, auch wird ihm ein Gewinnanteil bis zu Prozent des Reingewinns der Lotterie gewährt. Außerdem versicherte der Staat diese teuere Person auf die Dauer eines halben Jahres, ab 1. November 1899 für eintretende Invalität oder dessen Tod in einer Versicherungsanstalt für Mk. 50 000, wofür Mk. 2711.95 für Prämie und Kosten aus der Staatskasse zu entrichten sind. Diese Versicherung geschah deshalb, weil der Beamte erst mit Verabschiedung der den Ständen zugegangenen diesbetreffenden Vorlage mit dem Rechte auf Pension und Witwenversorgung an⸗ gestellt werden kann. Der Herr Direktor trat seinen Dienst erst am 15. November an, soll jedoch schon ab 1. November für die Landes- lotterie im Schweiße seines Angesichts gearbeitet haben, wofür ihm eine Remuneration von Mk. 300 zuerkannt wurde. Der technische Kontroleur, welcher Mk. 4200 pro Jahr und höchst wahr⸗ scheinlich eine Remuneration von 10 Prozent seines Gehaltes bezieht, wurde für Mk. 22 000 versichert, was Mk. 720 Prämie für ½ Jahr kostet. Der zweite Beamte erhält Mk. 3500 pro Jahr bis zum Höchstgehalt von Mk. 6000; der Kassierer Mk. 3100(Höchstgehalt Mk. 4600); der Kotroleur ist dem Kassirer im Gehalte gleich; der Registrator erhält Mk. 2000 steigend bis zu Mk. 4000; zwei Bureauassistenten be⸗ kommen je Mk. 2200(Höchstgehalt Mk. 2800); zwei Kanzlisten je Mk. 1300(Höchstgehalt Mk. 1700). Drei Notare bekommen für ihre Gegen⸗ wart bei den Verlosungen Mk. 4000. Für Tagegelder, Reise⸗, Umzugs⸗ und Aushilfekosten sind Mk. 6000 eingesetzt. Wenn die Ar⸗ beiter sich an der Landeslotterie betheiligen, haben sie neben der zweifelhaften Hoffnung auf einen mageren Gewinn wenigstens den be⸗ ruhigenden Trost, daß ihre Lotteriegelder dazu beitragen, eine Anzahl Beamte gut zu besolden.

Graf und Bauer.

* Graf Oriola, ein nationalliberaler Agra⸗ rier, hatte am Freitag im Reichstag gleich den übrigen Abgeordneten das Verbrechen begangen, die Karnevalsrede des bayerischen Bauernbünd⸗ lers Hilpert mit fröhlichem Lachen zu begleiten. Das hatte Herrn Liebermann von Sonnenberg aufgestoßen und schon am Freitag suchte der Graf vergeblich sein Lachen als nicht bös ge⸗ meint zu entschuldigen. Aber der antisemitische Agrarier Liebermann hielt den nationalliberalen Agrarier Oriola fest beim Schopfe und am Samstag erklärte nun der Graf, er habe nicht über den agrarischen Inhalt der Hilpert⸗ Rede gelacht, sondern über die Art des Redners. So glaubte sich der Graf gerettet. Aber unerbittlich erklärte nunmehr Herr Lieber⸗ mann: Umso schlimmer! Ueber einen echten Bauen wie Hilpert zu lachen, weil er nicht die gewandte Ausdrucks weise eines langjährigen Parlamentariers habe, das kennzeichne die gräfliche Bauernneigung. Der Herr Graf meldete sich nochmals zu einer persön⸗ lichen Bemerkung, aber als er aufgerufen wurde, wußte er nichts mehr zu sagen, schwieg, setzte sich. Die Bauern im Wahlkreise des gräflichen Agrariers mit dem undeutschen Namen werden es ihm nimmermehr vergessen, daß er einen der Ihrigen ausgelacht hat.

Was die Bäckerei einbringt.

Unter diesem Titel schreibt derVorwärts: Einige Blätter machen sich das Vergnügen, aus der in unserm Inseratentheil veröffentlichten

Bilanz derBerliner Genossenschafts⸗ Bäckerei auszurechnen, daß die Mitglieder der Genossenschaft, 19 an der Zahl, zehn- tausend Prozent Unternehmergewinn verdient haben. Die Berechnung stimmt nicht ganz, denn sie hält sich nur an die Thatsache, daß den Genossenschaften auf ihren 95(fünf⸗ undneunzig) Mark betragenden Geschäftsantheil 9500 Mark Dividende gutgeschrieben worden sind. In Wirklichkeit ist der in diesem Betriebe erzielte Unternehmergewinn noch viel höher, weil die braven, im Punkte Geldverdienen doch so erfahrenen Scharfmacher⸗ organe die reichlichen Abschreibungen auf verschiedene Neserven nicht mit berechnet haben. Sonst ist es also richtig, daß dieses von 19 Unternehmern betriebene kapitalistische Groß unternehmen(304000 Mark Kassenumsatz) einen riesigen Profit abwirft und die Arbeiter können sonach den beiden Kapitalistenorganen nur dankbar sein, daß sie ihre Aufmerksamkeit auf die außerordentliche Einträglichkeit des Bäckereigewerbes für die Unternehmer gelenkt haben. Namentlich die Bäckerei-

Arbeiter werden sich das für passende Gelegenheiteu merken. Rechtssprechung. § Wetzlar. Wegen ECotwendung von

Buchenreisern im Werte von 25 Pfg. wurde die Ehefrau Heinrich Sch. aus Klein-Alten⸗ städten zu einer Geldstrafe in Höhe von 2 Mk. 50 Pfg., zu 1 Tag Gefängnis und zum Wertersatz des entwendeten Holzes verurtheilt.

§ Unterm neuesten Kurs wurden nach einer Zusammenstellung desVorwärts im Januar für Vergehen, die mit der Arbeiter- bewegung zusammenhängen, von deutschen Gerichten erkannt auf insgesamt 5 Jahre, 9 Monate, 3 Wochen und 4 Tage Gefängnis und 1583 Mark Geldstrafe.

Kleine Mitteilungen.

b. Heuchelheim. Am Sonntag sprach hier in gut besuchter Versammlung Frau Tröger aus Offenbach über die Bedeutung der gewerkschaftlichen Organisation. In an⸗ schaulicher Weise schilderte die Referentin das freudlose Leben der Arbeiter und Arbeiterinnen, die von all dem Schönen und Guten, das die Erde bietet, wenig oder gar nichts genießen. Dabei sei das Arbeiter-Leben in hiesigen Gegend, so traurig es auch an sich sei, noch nicht das schlechteste. Die Rednerin entwarf ein ergreifen⸗ des Bild von dem Leben der Arbeiter und Arbeiterinnen in Thüringen, gleichzeitig er⸗ mahnend, dafür zu sorgen, daß man hier nicht auf dieselbe Elendsstufe komme. Noch sei es hier Zeit, sich zu wehren und zu rühren. Der Einzelne sei aber machtlos, er müsse sich mit seines Gleichen vereinen, um stark zu werden. In leicht verständlicher Weise erläuterte Frau Tröger dann Zweck und Wert der Organisation, zum Schluß auffordernd, sich derselben anzu⸗ schließen. Reichlich wurde der Referentin Bei⸗ fall gespendet. 20 Arbeiterinnen traten der Zahlstelle Heuchelheim des Deutschen Tabak- Arbeiter⸗Verbandes bei.

** Offenbach. Der Krieg der Engländer gegen die Buren zeitigt auch bereits bei uns hier, wie dasOffenb. Abdbl. berichtet, seine schlimmen Wirkungen. So mußte in einer der größten und ältesten Portefeuillefabriken, die vornehmlich nach England Waren liefert, eine Anzahl Arbeiter entlassen werden, da in⸗ folge des Krieges in letzter Zeit keinerlei Be⸗ stellungen eingelaufen sind.

* Darmstadt. DieDarmst Ztg. er⸗ klärt ihre Meldung, daß ein Steueraufseher einen sein Fahrrad zu einem sonntäglichen Ausflug benutzenden Arbeiter zur Anzeige brachte, für unrichtig. Daß gesetzlich ein Ver⸗ bot an Arbeiter, ihr stempelfreies Fahrrad gelegentlich zu einem Ausflug zu benutzen, nicht zu rechtfertigen ist, wird jetzt auch von behördlicher Seite erklärt.

* Die diesjährige Volkszählung wird am 1. Dezember stattfinden. Die Entwürfe

für die Zählung haben bereits dem Bundesrat vorgelegen.

Derselbe überwies die Vorlage

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