Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Seite 5.
N. add 6 Nr. 38. . Ueber die Verheerungen, welche der Orkan ullge⸗ in Galveston angerichtet hat, berichtet ein e N Augenzeuge, viertausend Häuser, in der bon Hauptsache Wohnhäuser, seien in Trümmer eth gelegt; alle Speicher längs des Ufers und die . Schuppen auf den Werften seien zerstört und die meisten kleinen Segelschiffe im Hafen ge⸗ scheitert.— Die Stadt Alvin, etwa 200 hene. Meilen nördlich von Galveston, ist durch Un⸗ umlung wetter völlig in Trümmer gelegt. Viele Per⸗ de dn. sonen sind getödtet worden. ten sic Weiter wird berichtet: en; he. Im Hafen von Galveston sind acht tree) Dampfer gescheidert. In Virginia Point ers h. Wund anderen Orten sind bereits 700 Leichen lg ber. gefunden worden. Man befürchtet aber, daß die Lande. Gesammtzahl der Opfer sich auf mehrere iteeden Tausend belaufen werde. Von der im Hos⸗ en gu. pital zu Galveston befindlichen etwa 100 Kran⸗ eiligung ken wurden nur acht gerettet. gemeine Der Kriegsminister ordnete die Entsendung denn von 10 000 Zelten und von Lebensmitteln für lieg: 50 000 Personen nach Galveston an. l Häus⸗ Galveston,(sprich: Gawestn) wichtigster Han⸗ el zun delsplatz des nordamerikanischen Staates Texas st. De. auf einer Strandinsel am Meerbusen von Mexi⸗ as Ric. ko gelegen, wurde 1835 gegründet, hat etwa 4050 000 Einwohner. ahn Aus dem Wahlkreise Marburg⸗ ündiger Kirchhain. enz den! lusse o-“ breitun Samstag, 22. Septbr., abds. 9 Uhr: echt ar Oeffentliche tlich zur
ur Ver
„ FParteiversammlung
gün im Lokale des Herrn Daniel Jesberg, Wehr⸗ höchsen]“ daerweg 2.— Tagesordnung: 1. Bericht⸗ müßten erstattung vom Parteitag in Mainz(Referent: der Ache] Redakteur Scheidemann⸗ Nürnberg); zu über-] 2. Verschiedenes. ieles un⸗ Zahlreiches Erscheinen dringend erwünscht. 1 f. Der Vertrauensmann. ] w ̃ ⁵⁰— ̃..... eg⸗ 1 Flugblatt⸗Verbreitung. Die Ge⸗ berla⸗ nossen werden hierdurch nochmals auf die am 4. 16. Sept. stattfindende Flugblatt- Verbreitung aufmerksam gemacht. Ausgaben des Materials er. am Sonnabend, 15. Sept. abends 9 Uhr bei reine bee] Jesberg, Wehrdaerweg 2. Etwaige Nachzügler ereins zu können noch Material am Sonntag Morgen 11 mit 80 Uhr in obengenannter Wirthschaft erhalten. eder au“ Nach Beendigung der Agitation findet abends 3 Kon-] bei Jesberg eine gemüthliche Zusammenkunft en. de mit Familie statt, bei welcher Gelegenheit auch rentechk über die„Erlebnisse des Tages“ berichtet wer⸗ closse den soll. Der Vertrauensmann. r Grin 1 1 Kl 2 Mitt il en eine Mitteilungen. itglieden.* Lollar. Der Besitzer der Holzmühle telt, an bei Lollar, Müller Ch rist hat seinem Leben cen Jul durch Erhängen ein Ende gemacht. Der Grund ten Bei zur That ist nicht bekannt. in trale 1* Weilburg, 6. Sept. Das allen Lahn⸗ thalreisenden bekannte alte Löhnberger Schloß ist niedergebrannt. Es stehen züclet nur noch die nackten Mauern. Da etwa 30 fac ö Bürger ihre Stroh⸗ und Futtervorräthe in dem e dell 1355 5 hatten, so ist der Schaden 1 im Il be eutend. lan 115** Hunnenthum. In Coblenz erstach Jrrense vorige Woche ein Unteroffizier des Telegraphen⸗ 1 Bataillons einen Soldaten mit dem Brodmesser. Der Tod des Mannes trat sofort ein. 0 Teseg** Vom Schlachtfeld der Arbeit. ben, Vorige Woche kamen in den Bergwerksbetrieben Hafen) der oberen Bahn mehrere Unglückssälle vor. rl, Auf der Grube„Neue Lust“ zerschlug ein nieder⸗ fein 10 gehendes Gesteinstück einem Bergmann aus Eiers⸗ in 17 hausen das Rückgrat und auf der Grube„Prinz⸗ galbeso, kessel“ zerschmetterte ein herabfallender Stein brenn, einem Bergmann aus Eisenroth den Kopf.
f 1
In beiden Fällen trat der Tod sofort ein. Ein
Bergmann aus Frohnhausen wurde schwer verletzt.
Arbeiterbewegung.
Der Kampf der Mainzer Leder⸗ arbeiter wird mit zäher Ausdauer fort⸗ geführt. Es befinden sich 450 Arbeiter der Mainzer Lederwerke im Ausstande. Agenten der Firma sind unter allerhand falschen Vor⸗ spiegelungen lebhaft bemüht, Arbeitskräfte von auswärts nach Mainz zu lotsen. Kürzlich lang— ten auch bereits 40 Arbeiter aus Berlin an, die über die Situation völlig ununterrichtet waren. Als sie die Lage erkannten, verwei⸗ gerten sie die Arbeit. Um sie dennoch dazu zu zwingen, wurden sie von den Unternehmern sogar eingesperrt. Sie protestirten aber so heftig aus den Fenstern, daß ein zahlreiches Publikum angelockt wurde. Neueren Nachrich⸗ ten zufolge fanden am Donnerstag Verhand— lungen zwischen der Lohnkommision der Strei⸗ kenden und der Direktion der Lederwerke zwecks Beilegung des Streikes statt.
Der Maurerstreik in Cassel, der schon viele Wochen andauert, ist noch immer nicht beendet. Am Dienstag beschäftigte sich mit demselben eine große Gewerkschaftsversamm⸗ lung, welche sich dahin aussprach, daß es Pflicht der Behörden, die sich einseitig auf den Unter— nehmerstandpunkt stellen, sei, im Interesse der Allgemeinheit Einigungsversuche in die Wege zu leiten. Im Uebrigen sprach die Versamm⸗ lung den Maurern ihre vollste Sympathie aus.
Aussperrung der Hamburger Werftarbeiter. Auf das Anerbieten der Werftarbeiter zur Beilegung der Differenzen in Verhandlungen zu treten, verlangte der Verband der Eisenindustriellen zunächst Wie⸗ deraufnahme der Arbeit. Es kam deshalb noch zu keinem Resultate.
Lohnkampf der Buchbinder. Die Forderungen der Buchbinder auf anderweite Regelung des Tarifs wurde von zahlreichen Firmen in verschiedenen Städten, Berlin, Leip⸗ zig und Stuttgart mit Aussperrung des größten Theiles der Arbeiter beantwortet. Hier⸗ auf legten in Leipzig sämmtliche Arbeiter und Arbeiterinnen die Arbeit nieder. Die be⸗ deutendsten Leipziger Firmen sowie auch einige kleinere mit zusammen 500 Arbeitern be⸗ willigten. i
Partei⸗Nachrichten.
Versammlungs⸗Kalender.
Samstag, 15. September:
Gießen. Sozialdem. Wahlverein Versammlung abends 9 Uhr bei Orbig. Tagesordnung: 1. Be⸗ richterstattung von der Landeskonferenz. 2. Die An⸗ träge zum Parteitag.
Wieseck. Arb.⸗Bild.⸗Verein abends 8½ Uhr Versammlung bei Hch. Keller(„zum besten Bier“). Tagesord⸗ nung: Bericht von der Landeskonferenz. Ver- schiedenes.
Heuchelheim. Wirth Kröck.
Dienstag, 18. September:
Gießen. Gewerkschaftskartell. Sitzung abends 9 Uhr bei Orbig.
Arb.⸗Bild.⸗Verein abends 9 Uhr bei
Briefkasten der Expedition.
Quittungen. Grgr. Mbg. 30.—. Lwst. Wch. 24.40. Sgfr. Abck. 8—. Lcht. Gg. 12—. Kogr. S. 22.17. Kch. Kfd. 7 60. Sbrt. Echz. 144. Kr. Angr. 4.—. Kch. Ndifl. 16.20. Wtr. Sbch. 2.—. Zm. Ndh. 4.—. Br. Rdgn. 1.40 Fth. Wtzlr. 30.—. Gst. Bss. 9.—. Sg. Hst. 2.40. Str. Gießen. 4.60. Bsr. Rdgn. 3.—. Dgs. Blchbch. 4.—. Gge. Hdbgn. 740. Hdch. Kabch. 8.40. Dthfr. Lgürn. 440. Zm. Ndh. 6—
Aus dem Bericht des Partei⸗Vorstandes an den XI. Parteitag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.(Schluß.)
Zu dem Kapitel„Parteipresse“ bemerkt der Bericht:
Eine Anzahl Blätter unserer Parteipresse feierten im Berichtsjahre das Fest ihres zehn⸗
jährigen Bestehens. Wir nennen unter anderen die„Bielefelder Volkswacht“, die Elberfelder
„Freie Presse“, die Frankfurter„Volksstimme“,
die„Halberstädter Arbeiterzeitung“, das„Haller Volksblatt“, die Magdeburger und die Mann⸗ heimer„Volksstimme“, sowie die„Niederrhein. Tribüne“. Die Blätter feierten ihren Ehrentag durch Veranstaltung von Jubiläumsausgaben, denen, wie in Magdeburg, noch eine Extrafest⸗ nummer beigegeben war, eine Musterleistung in redaktioneller und technischer Hinsicht. ö
Der Stand der politischen Partei⸗ presse hat sich im Berichtsjahr um zwei ver⸗ mehrt: Die in Augsburg wöchentlich zweimal erscheinende„Augsburger Volkszeitung“ und die als Monatsblatt für die Provinz Brandenburg erscheinende„Fackel“.
Aus privatem Besitz sind zwei Parteiorgane in Parteiverlag übergegangen: Die„Fränkische Tagespost“ und die„Freie Presse“ in Elberfeld. Letzteres war nur möglich durch Beihilfe der Ge⸗ sammtpartei. Ebenfalls unter Beihilfe der Ge⸗ sammtpartei sind die drei bis dahin dreimal wöchentlich erscheinenden Blätter„Sächsisches Volksblatt“ in Zwickau,„Reußische Volkszei⸗ tung“ in Greiz und„Bergische Arbeiterstimme“ in Solingen seit dem 1. Juli d. J. in Tage⸗ blätter umgewandelt. Unstreitig ist die Konsoli⸗ dirung und das Wachsthum der Parteipresse der beste Gradmesser für die Stärke, Bedeutung und den Einfluß der Partei. Deshalb ist es die Pflicht der Gesammtpartei den Genossen da Beihilfe zu leisten, wo die Vorbedingungen einer gesunden Entwickelung der Presse gegeben sind und die Genossen aus eigener Kraft die erforderlichen Mittel aufzubringen nicht im Stande sind. So sehr nun auch der Partei-Vorstand bestrebt ist, allen Ansprüchen der Genossen gerecht zu wer⸗ den, mußte in zwei Fällen der beabsichtigte Uebergang von dem Zmaligen Erscheinen der Blätter zu einem Tageblatt um einige Zeit zurückgestellt werden, womit sich die Genossen nach voraufgegangener Verständigung einver⸗ standen erklärten.
Bei unserem Hamburger Organ ist am 1. Juli eine Verbilligung von 60 Pfg. pro Vierteljahr eingetreten. Eine unter dem gün⸗ stigen Einfluß der Herabsetzung des Abonne⸗ mentspreises von den Genossen betriebene Agi⸗ tation brachte eine Steigerung des Abonnenten⸗ standes von 7000. Der Abonnentenstand des „Echo“ betrug vor dem 1. Juli 26 000 und heute 33 000.
Bei der Uebernahme des Verlags der„Frän⸗ kischen Tagespost“ waren die Nürnberger Ge⸗ nossen gezwungen, auch die Druckerei zu über⸗ nehmen. Dagegen ist die Errichtung der Drucke⸗ rei in Frankfurt a. M. aus der Iniative der Frankfurter Genossen entstanden. Die„Volks⸗ stimme“ wird seit dem 1. Januar in der eigenen Druckerei hergestellt. Des Weiteren suchen die Münchener Genossen jetzt ernstlich den lange gehegten Plan der Errichtung einer eigenen Druckerei zu verwirklichen.— Auch in Berlin sind dahinzielende Schritte eingeleitet.
Der zur Ausgabe gelangte„Neue Weltkalen⸗ der“ für das Jahr 1901 ist eine Jubiläums⸗ ausgabe. 1876 erschien zuerst auf Grund eines Beschlusses des Partei-Vorstandes und der Kon⸗ trolleure der„Arme Konrad“ als offizieller Parteikalender. 1879 sozialistengesetzlich ver⸗ boten, folgte ihm der„Omnibus“, diesen löste der von 1883 an in Stuttgart erscheinende„Neue Weltkalender“ ab. Ein geschmackvoll hergestell⸗ tes Clichee der jüngsten Ausgabe veranschaulicht den Entwickelungsgang des Parteikalenders wäh⸗ rend der 25 Jahre.
Eine sehr hohe Bedeutung für die Partei haben die kleinen 1—2 Bogen starken Agitations⸗ kalender erlangt. Die Verbreitung derselben hat sich außerordentlich wirksam erwiesen, die Partei⸗ grundsätze in leicht faßlicher Form unter der Landbevölkerung zu verbreiten. Fast alle Landes- und Provinzialagitationskomitees ver⸗ anstalten Auflagen dieser Kalender, die in Mecklenburg, Brandenburg und Ostpreußen bis über 200 000 Exemplare erreichen. Muß doch selbst der„Verein zur Verbreitung Christlicher Zeitschriften“ anerkennen, daß der Verschleiß seiner Kalender gegenüber der Zahl der ver⸗ breiteten sozialdemokratischen Kalender„kein großer Erfolg“ war.
Der finanzielle Stand des„Vorwärts“ hat sich fast auf der vorjährigen Höhe gehalten. Der Jahresüberschuß beträgt 58 710,05 Mark gegen 64677 Mark des Vorjahres. Wenn man in Betracht zieht, daß die diesjährigen Ausgaben gegen die im Vorjahre um 3350,90 Mark höher waren, so ergiebt sich, daß das Minus des Rein-
gewinns nur 1616,05 Mark beträgt. Die Auf-
lage hält sich dauernd auf 52000 Exemplare.


