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Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

die übrigen Mächte im Begriff sind, die ihren zurückzuziehen, ist nicht recht erfindlich.

Von Seiten Rußlands wurde der Vorschlag gemacht, Peking zu räumen, welchem Vorschlage Frankreich zustimmte— Amerika richtete eine Note an die russische Regierung, die den Vorschlag enthielt, eine kleine Schutz⸗ wache zu hinterlassen, statt die Hauptstadt gänzlich zu räumen. Japan will nach einer Meldung aus PNokohama in der chinesischen Frage mit den übrigen Mächten im Einver⸗ ständniß handeln, wenn aber England in Peking Truppen zurücklasse, auch diesem Beispiele fol⸗ gen. Die japanische Regierung ist grundsätzlich gegen eine Auftheilung Chinas, sollte es aber trotzdem zu einer solchen kommen, so würde Ja⸗ pan sein Augenmerk auf das Fuhsing⸗Gebiet richten.

Nach den„Times“ hat Lihungtschang an den Thron eine Denkschrift gerichtet, worin er bittet, daß der Hof nach Peking zurückkehre. Gleichzeitig hat Lihungtschang an den Vize⸗ könig von Wutschung die Botschaft gerichtet, es sei schwer die Rückkehr des Hofes anzurathen, da es augenscheinlich die Absicht der Mächte sei, sich der Personen der Führer der reaktionären Bewegung zu bemächtigen.

Der amerikanische General Chaffee berichtet: „Die Anzeichen mehren sich, daß hier auf lange Zeit die diplomatischen Beziehungen nicht wie⸗ der aufgenommen werden. Die russische Ge⸗ sandtschaft begiebt sich baldigst nach Tientsin. Mir erscheint es sicher, daß die chinesische Re⸗ gierung, so lange die fremde Armee in Peking bleibt, nicht hierher zurückkehrt. Wenn diese Annahme richtig ist, kann unsere Gesandtschaft keine diplomatischen Aufgaben erledigen. Meine Meinung geht dahin, daß Peking nur als Lager der verbündeten Armee dienen soll, bis die Mächte sich an anderen Punkten festgesetzt haben.“

Der Krieg in Südafrika.

Nach englischen Meldungen haben die Eng⸗ länder am 7. Sept. Lydenburg l(östlich von Pretoria) besetzt. Die Buren gingen theils nach Norden, theils nach Osten, ihre Kanonen und Vorräthe wurden nach Krügerspost gesandt. Ueber die lebhafte Thätigkeit der Buren giebt folgende Meldung Roberts ein Bild:„Der Feind fährt fort, alles aufzubieten, um Eisenbahnzüge zum Entgleisen zu bringen und die Eisenbahnlinien zu zerstören. Kaum ein Tag oder eine Nacht vergeht ohne derartige Zwischenfälle. Diese An⸗ griffe sind unangenehm, doch folgte jedem einzelnen Falle eine schnelle Bestrafung. Ich glaube, die Buren werden bald einsehen, daß diese Angriffe nachteiliger für sie sind, als für uns.“

Aus Pretoria wird gemeldet, Dewet habe sich mit Theron in der Nähe von Johannesburg vereinigt. Sie hätten zu⸗ sammen 1800 Mann und hielten die hohen Hügel im Süden der Stadt besetzt. Eine beträchtliche englische Streitmacht habe sich zu ihrer Verfolgung aufgemacht. Die Buren hätten keine Geschütze.

In Pretoria herrscht der bleiche Schrecken. Das Reutersche Bureau berichtet von dort: Aus guter Quelle verlautet, die in Pretoria beschlag⸗ bahn⸗Gesellschaft enthielten eine Anzahl mit der Leitung der Gesellschaft in Amsterdam gewechsel— ten Schriftstücke, welche bewiesen, daß die Gesell— schaft aktiver Kriegführender auf Seite der Buren war. Die Gesellschaft habe ihre Werk— stätten in Arsenale zur Geschützreparatur und Geschoßfabrikation verwandelt und ihren bei den Kommandos befindlichen Angestellten das Ge— halt fortbezahlt; auch habe sie die nach dem Kap und Natal führenden Linien betrieben, so— lange sie in den Händen der Buren waren, sie aber zerstört, als die Buren zum Rückzuge ge— zwungen wurden.

Nach einem Telegramm aus Pietermaritzburg vom 9. d. M. gelang es den Buren, durch Zer⸗ störung einer Brücke im Süden des Bahnhofs von Klipriver einen Eisenbahnzug in der Nacht abzufangen.

KFL TTT Parteigenossen! Agitirt für Euer Parteiorgan!

Von Nah und Fern.

Parteigenossen! Mit Eintritt der kühlen Jahreszeit muß wieder eine lebhafte Agitation beginnen. Arrangirt deshalb Versammlungen! Wegen Referenten wende man sich an uns oder an den Kreisvertrauensmann A. Bock, Gießen, Dammstr. 22.

Zum Parteitag in Mainz.

Wir bringen den Delegirten, sowie allen den Parteitag besuchenden Genossen zur Kenntniß, daß die Eröffnung des Parteitages am Sonn⸗ tag nachmittags punkt 6 Uhr in der Stadthalle zu Mainz stattfindet. Bei der Eröffnung wer⸗ den Dr. David und Bebel Ansprachen halt⸗ ten; ein von geschulten Gesangvereinen aus Mainz, Frankfurt, Darmstadt und Wiesbaden gebildeter Sängerchor wird das Herweg'sche „Bet' und arbeit' ruft die Welt“ in neuer Kom⸗ position unter persönlicher Leitung des Kom⸗ ponisten Weißheimer zum Vortrag bringen.

Zu den Verhandlungen des Parteitages ha⸗ ben die gewerkschaftlich oder politisch vrganisirten Arbeiter unter Vorzeig⸗ ung des Mitgliedsbuches freien Eintritt. Für alle anderen Besucher beträgt der Eintritt 50 Pfennige.— Zum Empfange der von aus⸗ wärts Kommenden stehen nur am Zentral⸗ bahnhof Mainz Genossen, an rothen Abzeichen kenntlich, bereit.— Die aus hie⸗ siger Gegend zum Parteitag reisenden Genossen müssen, um rechtzeitig in Mainz einzutreffen, den in Frankfurt 2.13 ankommenden Zug (ab Marburg 11.06; Wetzlar 11.45; Gießen 12.13; Friedberg 1.04) benutzen. Von Frank⸗ furt aus gehen Züge in der Richtung nach Mainz(Centr. Bhf.): 2.19 und 3.18(Schnellz.) in der Richtung Höchst-Kastel: 2.45, 4.00, 5.05 und 5.12.(Letztere beiden Schnellzüge).

Mit der einheitlichen Geschäftszeit beschäftigte sich eine am Dienstag Abend im Hotel Einhorn tagende, von dem Vorstand des Gießener Detaillistenvereins einberufene Ver⸗ sammlung. Nachdem der Vorsitzende desselben Herr Balser eine Erläuterung der in Be⸗ tracht kommenden gesetzlichen Bestimmungen gegeben hatte, drehte sich die Diskussion haupt⸗ sächlich um die Festlegung einer einheitlichen Oeffnungs⸗ und Schlußzeit der Ladengeschäfte, wozu verschiedene Meinungen laut wurden. Ge⸗ nosse Krumm, trat unter lebhaftem Beifall für den 8⸗Uhr⸗Ladenschluß ein, indem er den Werth desselben für das Familienleben der Geschäfts⸗ inhaber wie auch des Personals eingehend vor⸗ führte. Die Anwesenden erklärten sich schließ⸗ lich damit einverstanden, die Geschäfte im Win⸗ ter von 8 Uhr morgens bis 9 Uhr abends, im Sommer von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends offenzuhalten.

Der deutsche Schneider⸗Verband, Zahlstelle Gießen hielt am Montag bei Orbig eine recht gut besuchte Versammlung ab. Der Delegirte zum Verbandstag, Genosse Petersen erstattete Bericht über denselben, aus welchem hervorging, daß auch die Schneidergewerkschaft in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte ge⸗ macht hat. Weiter besprach die Versammlung noch das am 29. Sept. stattfindende Stiftungs⸗ fest der hiesigen Zahlstelle.

Ein Fall issement in Wetzlar.

Großes Aufsehen erregt in Wetzlar die er— folgte Kündigung sämmtlicher ca. 80 Arbeiter der chemischen Fabrik von A. Packard. Wie es heißt, sind bei der Firma Zahlungsschwierigkeiten eingetreten, was umso⸗ mehr überraschen muß, als die Konjunktur in der chemischen Industrie fortdauernd als eine gute bezeichnet werden kann; die Besitzer der⸗ artiger Unternehmungen heimsen überall er⸗ kleckliche Profite ein. Ueber den Besitzer selbst kursiren in der Stadt allerhand Gerüchte; er soll Wetzlar bereits verlassen haben; in einem Inserat im„Wetzl. Anz.“ werden die Gläubi⸗ ger ersucht, ihre Forderungen an Packard bei dem bisherigen Buchhalter Heimbach einzurei⸗ chen. Packard spielte vordem eine große Rolle

in Wetzlar, war Stadtverordneter, Besitzer einer herrschaftlichen Villa, einer seiner Söhne diente als Kavallerie⸗Offizier, kurz, man ist allge⸗ gemein erstaunt darüber, wie sich seine Ver⸗ hältnisse plötzlich so ungünstig gestalten konn⸗ ten. Weitere Aufklärungen darüber werden wohl nicht ausbleiben. th.

-t. Aus Lauterbach.

Vorigen Samstag erstattete der Genosse Wiegand aus Alsfeld in einer Versammlung des hiesigen Wahlvereins Bericht über die Lan⸗ deskonferenz. Die Versammelten erklärten sich mit seinen Ausführungen einverstanden; be⸗ sonders freudig wurde der Beschluß betreffend die Herausgabe eines Agitationskalenders be⸗ grüßt, von dem man sich guten Erfolg ver⸗ spricht. Auch der weitere Beschluß der Landes⸗ konferenz, nach welchem das Landeskomitee den finanziell schlecht gestellten Wahlkreisen Zu⸗ schuß gewähren soll, um ihnen die Betheiligung am Parteitag zu ermöglichen, fand allgemeine Zustimmung. Durchaus nicht einverstanden mit der Ausgabe eines Kalenders ist der hiesige „Anzeiger“, der darüber ganz aus dem Häus⸗ chen gerathen ist und alle Nachtvögel zum Kampfe gegen den Lichtbringer aufruft. Be⸗ weis, wie sehr wir mit dem Beschluß das Rich⸗ tige getroffen haben.

Der Wahlverein in Schlitz hielt am Sonntag eine Versammlung ab, in welcher Genosse Wiegand in einstündiger Rede die Beschlüsse der Landeskonferenz den Anwesenden auseinandersetzte. Am Schlusse for⸗ derte er die Genossen auf, sich die Verbreitung des demnächst erscheinenden Kalenders recht an⸗ gelegen sein zu lassen und sich namentlich zur Agitation auf dem Lande zahlreich zur Ver⸗ fügung zu stellen. Gerade in dem Schlitzer Ländchen, wo der Boden für uns ungünstig sei, müßten an jeden Einzelnen die höchsten Anforderungen gestellt werden. Auch müßten

wir uns bemühen, unsere Frauen von der Rich⸗

tigkeit der sozialistischen Forderungen zu über⸗ zeugen, nach dieser Richtung würde vieles un⸗ terlassen. Ebenso müsse jeder Genosse durch tadelloses Verhalten in jeder Beziehung die Verleumdungen und Beschimpfungen der Geg⸗ ner Lügen strafen. Nach Erledigung einiger Vereinsangelegenheiten schloß die gut verlau⸗ fene Versammlung. sch⸗

Die aufsässigen Kriegervereinler.

Der sächsische Bund der Kriegervereine be⸗ absichtigt den Ausschluß des Kriegervereins zu Neustädel. Dieser Verein hatte sich mit 80 gegen 44 Stimmen geweigert, Mitglieder aus⸗ zuschließen, die dem Vorstand des Kon⸗ sumvereins zu Wilkau angehörten. Der widerspenstige Verein soll seiner Ehrenrechte verlustig erklärt und vom Bunde ausgeschlossen werden, auch sind bereits Schritte zur Grün⸗ dung eines ordnungstreuen Konkurrenzvereins gethan worden. Die Sache ist jedoch durch einen Vergleich erledigt worden. Den Mitgliedern des Konsumvereins wurde anheimgestellt, aus dem Kriegerverein auszutreten, in welchem Fall ihnen die Rückzahlung ihrer geleisteten Bei⸗ träge zugesichert wurde. Daraufhin traten 50 Mann aus.

Der Dreschgraf. Gegen den antisemitischen Grafen Pückler

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aus Klein⸗Tschirne hat die Staatsanwaltschaft

Anklage wegen Aufreizung erhoben, die derselbe in einer Rede in der Tonhalle in Berlin im Juli dieses Jahres begangen haben soll. Man sollte doch den kranken Menschen lieber ins Irrenhaus stecken, als ihn strafrechtlich verfolgen! Ein fürchterlicher Orkan

hat die Küste von Louisiana und Texas verheert und bis hundert Meilen landeinwärts furchtbaren Schaden angerichtet. Im Hafen von Galveston sind viele Schiffe gescheitert.

Die Newyorker World veröffentlicht ein Tele⸗ gramm des Gouverneurs von Texas, in dem er mittheilt, daß bei dem Orkan in Galveston etwa 3000 Menschenleben verloren ge⸗ gangen seien. Der angerichtete Sachschaden sei gewaltig.

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