Ausgabe 
14.1.1900
 
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Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Nr. 3.

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5.

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*. Seitdem die Mutter heimgegangen.

Seitdem die Mutter heimgegangen Und friedlich ruht, Von allem Sorgen, allem Bangen, In Grabeshut, Ist mir, als müßt' ich flüsternd bitten: O Welt sei still, Da Mutter, die so viel gelitten, Doch schlafen will.

Emil Claar.

Das Abenteuer der Neufahrsnacht. Novelle von H. Zschokke.

(Fortsetzung.)

Die Witwe betrachtete Philipp eine Weile sprachlos.

Haben Sie, fuhr Philipp fort,wirklich einige Achtung für mich, so reisen Sie mit dem Marschall nach Polen zu Ihren Verwandten. Es ist besser, daß wir uns nicht so viel sehen. Eine schöne Frau ist schön; eine treue, tugend⸗ hafte Fran ist noch schöner.

Prinz! rief die bestürzte Marschallin. Ist das Ihr Ernst? Haben Sie mich je ge⸗ liebt, oder belogen?

Sehen Sie, sagte Philipp,ich bin ein Versucher ganz eigener Art. Ich suche die Tugend und Treue unter den Weibern, und finde sie so selten. Die Treueste und Tugend⸗ hafteste kann mich allein fesseln darum fesselt mich keine. Doch nein, daß ich nicht lüge! Eine hat mich gefesselt. Aber es thut mir leid, Frau Marschallin, das sind eben Sie ge⸗ rade nicht!

Sie sind in einer abscheulichen Laune, Prinz! sagte die Witwe, und das Zittern ihrer Stimme und das Auf⸗ und Abwogen ihres Busens verriet, was in ihr vorging.

Nein, erwiderte Philipp,ich bin, so wahr ich lebe, in der ehrlichsten Laune von der Welt! Ich möchte gern einen dummen Streich wieder gut machen. Ich hab' es Ihrem Manne auch gesagt.

Wie? rief die Witwe erschrocken,Sie haben dem Marschall alles offenbart?

Nicht eben alles, nur was ich wußte.

Die Witwe wandte sich in heftiger Bewegung rechts und links. Sie rang die Hände. End⸗ lich fragte sie:Wo ist mein Mann?

Philipp zeigte auf den Mamelucken, der in demselben Augenblick mit langsamen Schritten daherkam.

Prinz! sagte die Witwe mit einem Tone unauslöschlichen Zornes,Prinz! Verzeihe Ihnen Gott, ich kann Ihnen nie verzeihen. Solcher Abscheulichkeit hielt ich nie das Herz eines Mannes fähig. Sie sind ein Verräter! Mein Mann ist ein Ehrenmann im Mamelucken⸗ kleide, Sie sind ein Mameluck im Ehrenkleide. In dieser Welt sehen Sie mich nicht wieder! Mit diesen Worten wandte sie ihm schnell und stolz den Rücken, ging auf den Mamelucken zu, und verlor sich mit ihm, wie man sah, in eine sehr ernste Unterredung.

Philipp lachte heimlich sür sich in den Bart und dachte dabei:Mein Stellvertreter, der Nachtwächter, mag sehen, wie er zurecht⸗ kommt. Ich spiele meine Rolle in seinem Namen so übel nicht. Wenn er nur morgen so ehrlich fortfährt, wie ich angefangen habe.

Er trat zu den Tanzenden, und erblickte mit Vergnügen die schöne Karmeliterin in den Reihen der Tänzerinnen an der Seite ihres überglücklichen Braminen. Dieser ward des feuerfarbenen Domino kaum gewahr, so warf er ihm eine Kußhand, zu, und bezeichnete pan⸗ tomimisch die Höhe seiner Seligkeit. Philipp dachte bei sich:Schade, daß ich nicht für zeit⸗ lebens Prinz bin! Die Leute sollten bald alle mit mir zufrieden sein. Es ist in der Welt nichts leichter, als ein Prinz zu sein. Mit einem Worte vermag er mehr, als der beste

Aberglauben Nutzen zu ziehen.

Advokat mit einer langen Rede. Er hat das Vorrecht, geradezu zu gehen und frei von der Leber weg zu sprechen. Ja, wenn ich Prinz wäre, dann wäre mein Röschen für mich ver⸗ loren. Nein ich möchte nicht Prinz sein!

Er sah nach der Uhr, es war erst halb zwölf Uhr. Da kam der Mameluck in Hast auf ihn zu, zog ihn auf die Seite, und gab ihm ein Papier.Prinz, rief der Mameluck, ich möchte zu Ihren Füßen fallen, und Ihnen im Staube danken. Ich bin versöhnt mit meiner Frau. Sie haben ihr Herz gebrochen, aber es ist gut, daß es geschah. Sie will noch diese Nacht abreisen. Sie will auf den Gütern in Polen bleiben. Leben Sie wohl! In welcher Stunde es auch sei, ich erwarte Ihre Befehle, wenn es darauf ankommt, für Ihre Königliche Hoheit in den Tod zu gehen. Mein Dank ist ewig. Leben Sie wohl!

Halt! rief Philipp, da der Marschall schnell davon wollte.Was soll ich mit dem Papier?

Der Marschall antwortete:Es ist meine Spielschuld von voriger Woche, die ich fast ver⸗ gessen hatte, und jetzt bei der Abreise nicht ver⸗ gessen möchte. Ich habe den Wechsel auf Eure Königliche Hoheit übertragen. Damit ver⸗ schwand der Marschall.

*

Philipp schielte in das Blatt, las da etwas von fünftausend Gulden, steckte das Papier zu sich und dachte:Schade, daß ich nicht Prinz bin!

Indem wisperte ihm jemand ins Ohr: Königliche Hoheit, wir sind beide veraten! Ich erschieße mich! Philipp sah sich mit großen Augen um, und erblickte einen Neger.

Was wollen Sie, Maske? fragte Philipp ganz gelassen.

Ich bin der Oberst Kalt! antwortete flüsternd der Neger.

Die unselige Marschallin hat dem Herzog Hermann geplaudert, und dieser speit jetzt Feuer und Flammen gegen Sie und mich.

Meinethalben! versetzte Philipp.

Aber der König erfährt alles! seufzte der Neger ängstlich;vielleicht werde ich diese Nacht schon verhaftet und morgen auf die Festung ge⸗ bracht. Ich erhänge mich lieber!

Davon haben Sie keinen Nutzen! sagte Philipp... 5

Soll ich mich lebenslänglicher Schande preisgeben? Ich bin verloren: Der Herzog wird blutige Genugthuung fordern. Sein Rücken ist gewiß noch blau von der Tracht Schläge, die ich ihm gab. Ich bin verloren und das Bäckermädchen dazu. Ich springe von der Brücke und ertränke mich noch diese Nacht.

Behüte Gott! sagte Philipp,Was hätten Sie und das Bäckermädchen davon?

Ihre Königliche Hoheit scherzt, und ich bin in Verzweifelung. Ich flehe unterthänigst, gönnen Sie mir nur ein paar Augenblicke unter vier Augen!

Philipp folgte dem Neger in ein einsames Seitengemach, wo wenige Kerzen einen düstern Schein verbreiteten. Der Neger warf sich, wie gelähmt anf ein Sofa nieder und seufzte laut. Philipp fand auf einem Tische Erfrischungen nebst feinen Weinen und ließ sich's schmecken.

Ich begreife nicht, wie Ihre Königliche Hoheit so ruhig bei der verdammten Geschichte sein kann! sagte der Neger.Wäre nur der Schelm, der Neapolitaner Salmoni, noch hier, der den Geisterbeschwörer spielte; der Kerl war voll Ränke von den Zehen an bis zum Scheitel, und hätte uns vielleicht durch eine List retten können. Jetzt hat er sich aus dem

Staube gemacht.

Desto besser! erwiderte Philipp, und füllte sein Glas von neuem.So schieben Sie alle Schuld auf ihn. Er ist fort.

Wie auf ihn schieben? Der Herzog weiß, daß Sie, ich, die Marschallin und das Bäcker⸗ mädchen dabei beteiligt waren, um aus seinem Er weiß, daß

Sie den Salmoni zur Geisterbannerei dangen; daß ich mein Bäckermädchen, in das er verliebt war, abrichtete um ihn in die Falle zu locken; daß ich der Geist war, der ihn zu Boden warf

und ihn durchbläute. Hätte ich den Spaß nicht

zu weit getrieben! Aber ich wollte ihm die

Liebe zu meinem Mädchen ein wenig ausklopfen.

Gift l ein verdammter Streich. Ich nehme t 1

Nehmen Sie lieber ein Glas Wein; er ist gut! sagte Philipp und nahm mit großer Eß⸗ lust ein frisches Stück Torte.Und überhaupt, setzte er hinzu,muß ich Ihnen offen gestehen, lieber Oberst, daß Sie für einen Obersten sehr feig sind, und sich da einer Narrengeschichte willen gleich erschießen, ertränken, vergiften und aufhängen wollen. Es wäre schon an einem zu viel. Zweitens muß ich Ihnen sagen, daß ich aus Ihrem ganzen Geschwätz noch immer nicht klug werde.

Königliche Hoheit halten zu Gnaden, ich weiß nicht, wie mir der Kopf steht. Der Kammerjunker des Herzogs er ist mein alter Freund, vertraute mir diesen Augen⸗ blick, die Marschallin sei, wie vom Teufel ge⸗ plagt, vor wenigen Minuten zum Herzog ge⸗ treten, und habe ihm gesagt: der Streich im Hause des Bäckers hat Ihnen Prinz Julian gespielt, der Ihnen seine Schwester nicht gönnte. Die Hexe, die Sie sahen, war ich selbst, als Abgeordnete der Prinzessin, um Zeugin Ihres Aberglaubens zu sein. Prinz Julian hat das Verzeichnis Ihrer Schulden, das sie in die Gruft warfen, aus welcher Sie die Schätze heben sollten, sowie Ihr schriftliches Versprechen gegen das Bäckermädchen, das Sie nach der Vermählung mit der Prinzessin, als Mätresse zu sich nehmen und adeln lassen wollten. Und der Geist, der Sie abprügelte, war Oberst Kalt, der Handlanger des Prinzen. Darum ging es mit Ihrer Vermählung den Krebsgang. Machen Sie sich keine Hoffnung länger; Sie warten vergebens. So hat die Marschallin dem Herzog gesagt, und ist verschwunden.

Philipp schüttelte den Kopf und dachte: Das sind ja recht saubere Geschichten! Solcher Streiche schämt sich ja jetzt der gemeinste Pöbel. Was Teufeleien und kein Ende!

Nein, rief der Oberst,rasender, und pöbelhafter kann man nicht handeln, als die Marschallin. Das Weib muß eine Furie sein. Gunädigster Herr, retten Sie mich!

Wo ist denn der Herzog? fragte Philipp.

Der Kammerjunker sagte, er sei schnell aufgestanden und habe bloß gerufen:Ich gehe zum König! Denken Sie, Prinz, wenn der zum Könige geht und unsere Geschichte nach seiner Art ausmalt!

Ist denn der König hier?

Allerdings! Er spielt im Nebenzimmer mit dem Erzbischof und dem Polizeiminister Karten. f

Philipp ging mit großen Schritten durch das Kabinett. Hier war guter Rat teuer.

Königliche Hoheit, sagte der Neger,retten Sie mich! Es gilt Ihre eigne Erre! Es wird Ihnen leicht sein. Uebrigens bin ich auf alles gefaßt, nnd bei der ersten Gefahr über die Grenze. Ich packe ein. Morgen erwarte ich Ihre letzen Befehle über mein, Verhalten. Mit diesen Worten verschwand der Neger.

VI.

Es ist die höchste Zeit, das du wieder Nachtwächter wirst! dachte Philipp bei sich selber.Du verwickelst dich und deinen Stell⸗ vertreter inheillose Händel, aus denen dich und ihn weder seine, noch meine Klugheit rettet. Das also wäre der Unterschied zwischen einem Nachtwächter und einem Prinzen? Dafür gebe ich noch keinen Heller. Lieber Himmel, wieviel tolle Dinge geschehen bei den Erden⸗ göttern hier unterm Hofhimmel, wovon wir uns bei Nachtwächterhorn und Webstnhl, bei Spaten und Leisten nichts träumen lassen! Man bildet sich ein, die Götter führen ein Leben, wie die Engel, ohne Sünden, ohne Sorgen. Saubere Wirtschaft! Ich habe in einer Viertelstunde hier mehr lose Streiche gut zu machen, als ich in meinem ganzen Leben begangen habe. 4.

So einsam, mein Prinz? flüsterte hinter ihm eine Stimme.Ich preise mich glücklich, Ihre Königliche Hoheit einen Augenblick allein zu treffen.

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