Ausgabe 
13.5.1900
 
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Nr. 20.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 3.

amerikanische Volk, indem sie erklärt, daß die Buren genötigt seien, den Streitfall seinem Schiedsgerichte

zu unterbreiten. Die Gesandtschaft verfolge keinen anderen

we, als die Herstellung des Friedens.

Aus dem Reichstag.

Der Reichstag beschästigte sich schon am 2 Mai mit den vom Zentrum zur Deckung der Flottenkosten aus⸗ getüftelten neuen Steuern. Man hat's damit ziemlich eilig. Jedenfalls möchteman die Flottenvorlage noch vor Pfingsten in denHafen bringen; deshalb soll die Deckungsfrage erledigt sein, wenn der Handel in der Kommission fertig ist. Zur Beratung stand ein vom Abg. Müller⸗Fulda eingebrachter Gesetzentwurf betr. Abänderung des Reichsstempelgesetzes, in Verbindung mit der von Bassermann(natl) beantragten Ab⸗ änderung des Zolltarifs. T ieser Antrag bezwackt eine Erhöhung des Zolles auf ausländische Schaumweine und Liqueure; der erstere Erhöhung der Steuer auf Aktien, Schuldverschreibungen und Lotterielose, sowie Einführung einer solchen auf Schiffsfrachturkunden und Schiffsfahr⸗ karten. Nachdem Antrage soll die Steuer auf Lotterielose verdoppelt werden. Der Mann desVerkehrsdusels begründete seine Steuervorschläge mit dem Hinweis darauf, daß es sich hier um Steuern handle, die nicht die schwächeren Schultern belasteten. Dies wurde auch von Bassermann für seinen Vorschlag ins Feld geführt. Richter(fr. Vp.) meinte, durch die Steuern würden mehr Gelder aufgebracht, als für die Flotte nötig wären, was zu neuen Militärforderungen usw führen würde. Er sprach sich für eine Vermögenssteuer aus. Genosse Bebel eikannte zunächst an, daß diese Steuern nicht den Massenverbrauch belasten. Doch keineswegs handele es sich nur um Luxussteuern. Durch die Steuern auf Schiffsfah rkarten und Schiffsfracht⸗ urkunden würde der Handel empfindlich belaster. 1898 habe der Reichstag die direkte Reichsbesteuerung im Auge gehabt, als es sich um die Mehrkosten für die Flotte handelte. Herr Gröber hat mit allem Nachdruck darauf verwiesen, daß in erster Linie eine Reichs- erbschaftssteuer bevorzugt werden müßte. Dieser Vorschlag ist allerdings nachher vollständig in den Hinter- grund gedrängt, da auf Seiten der Regierung keine Neigung dafür vorhanden ist. Eine Einkommen und Vermögens steuer vereinigt wäre jedenfalls der einzig richtige und gerechte Weg, um die Kosten der Flottenvorlage aufzubringen. Herr Richter hat davon gesprochen, daß, wenn die Vorlage angenommen würde, das Reichsschatzemt einen Ueberfluß von Mitteln haben würde. Das ist unzweifelhaft richtig. Deshalb muß ein für die Flottendeckung bestimmter Betrag an⸗ genommen und bestimmt werden, daß jede Summe, die darüber hinaus durch neue Steuern eingebracht wird, verwendet wird, um Salzsteuer und Petroleum⸗ zölle zu beseitigen.

Schließlich ist auch eine Verdoppelung des Lotterie⸗ stempels gefordert. Wir sind gegen die Lotterie überhaupt nnd gegen eine Besteuerung speziell, weil wir fürchten, daß dadurch bei der Freizügigkeit, die heute in Bezug auf den Verkauf von Losen nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch eingeführt ist, nur eine Einführung der Lotterie in allen Staaten die Folge sein würde. Wir sind auch gegen die Besteuerung der Lotterie, weil dadurch der der Anfchein erweckt wird, als sei das Lotteriespiel eine ganz legitime Beschäftigung. Wir haben also ganz er⸗ hebliche Bedenken gegen diese Steuervorschläge und werden sie auf das entschiedenste bekämpfen. Sie entsprechen durchaus nicht den Wünschen des Volkes.

Die Junker Graf Stolberg und v. Kardorff erklärten sich natürlich für die Steuer, wie für jede, die sie nicht zu bezahlen brauchen. Ersterer bekannte sich außerdem als prinzipieller Gegner direkter Steuern, weil solche denGrundbesitz beschwerten, das heißt: auch die Agrarier bezahlen müßten und davon sind diese nun einmal keine Freunde. Die An⸗ träge werden der Budgetkommission überwiesen und folgt hierauf die zweite Beratung der Novelle zum Unfall⸗ versicherungsgesetz. Die Verhandlungen über diesen Gegenstand werden bei leidlich besetztem Hause in den Sitzungen vom 3., 4. und 7. Mai fortgesetzt. Von den bürgerlichen Parteien wurde dieser Sache gegenüber ziemliche Teilnahmlosigkeit bekundet. Unsere Genossen Molkenbuhr, Stadthagen und Hoch suchten den viele Mängel zeigenden Entwurf nach Möglichkeit zu verbessern, alle ihre Anträge wurden jedoch von der Mehrheit abgelehnt.

In seiner Sitzung am 8. Mai verhandelte der Reichstag über Dampfersubventionen. Einrich⸗ tung und Unterhaltung einer Postdampferverbindung mit Ost⸗ und Südafrika soll auf 15 Jahre cinem Unternehmer bertragen und mit 1 350 000 Mark unterstützt werden. Die Agrarier legten auch hierbei ihre unverschämte Hab⸗ gier an den Tag. Sie hatten die Regierung die Forde⸗ rung abgepreßt, daßlandwirtschaftliche Produkte des Auslandes, welche mit denen der deutschen Landwirtschaft konkurrieren, durch die subventionierten Dampfer nicht eingeführt werden sollen. Bebel wies denn auch auf die Tollheit hin, die darin liegt, daß man hier den

andel durch Staathilfe fördern will, zugleich aber Be⸗ immungen festlegt, welche den Handel einschränken. Gegen die Stimmen unserer Genossen wurde die Vorlage angenommen. Auch die agrarische Resolution, gegen welche nur die Freisinnigen und unsere Genossen stimmten, and Annahme. Also, die deutschen Steuerzahler zahlen Millionen Mark an Herrn Woermann, dieser verdient infolgedessen einen schönen Batzen Geld an seinen Mantagen, deren Produkte er billig an den Markt

schaffen kann, und an seinen Viehzuchtfarmen, aus denen er billiges Fleisch liefert nach Italien und Holland. Weiter kann der Widersinn wohl kaum gehen.

Von Nah und Jern.

Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit willkommen.

Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkeit

bei Uebermittelung von Nachrichten. Wir bitten alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben.

Nachträgliches zur Maifeier.

Wie in früheren Jahren, so haben auch am ver gangenen Sonntag noch Versammlungen zur Feier des Arbeiter- Weltfeftes stattgefunden. Die allgemeinen Feste finden ja überall da am ersten Maisonntage statt, wo eine allgemeine Arbeitsruhe am 1. Mai bisher noch nicht durchgeführt werden konnte. Die Veranstaltung der Genossen in Daubringen, um zunächst von unserer näheren Umgebung zu sprechen war zwar nicht so zahl reich besucht, als es wünschenswert gewesen wäre, nahm jedoch einen durchaus guten Verlauf. Ebenso in Rödgen, wo Genosse Beckmann die Festrede hielt.

Ließ die Beteiligung an diesen Orten zu wünschen übrig, so war sie um so größer an dem Waldfeste, das die Gewerkschaften in Gießen arrangiert hatten. Tausende von Arbeitern zogen mit ihren Familien in den Wald, um sich bei dem herrlichen Frühlingswetter einige Stunden mit den Ihren bei Gesang und Spiel zu vergnügen. Am Abend zogen die Teilnehmer des durch keinen Mißton getrübten Festes in langem Lampion⸗ zuge der Stadt zu. Uebereinstimmend wurde stärkere Beteiligung als in früheren Jahren konstatiert.

Der Wahlverein in Alsfeld hielt seine Maifeier am Sonntage im festlich dekorierten Saale des Gastwirts Pfeffer ab. In dem beifälli!n aufgenommenen Referate fütrte Genosse Wiegand den Anwesenden die Bedeutung der Maifeier vor Augen und forderte zum Anschlusse an die politische und gewerkschaftliche Organisation auf. Die Anwesenden blieben noch lange in geselliger Unterhaltung beisammen und trennten sich mit einem Hoch auf die völkerbefreiende Sozialdemokratie.

Sehr zahlreich waren die Genossen zur Maifeier in Heldenbergen, sowohl von dem Orte seebst, als auch von auswärts erschienen. Eine Resolution, in der sich die Anwesenden verpflichteten, für die Verwicklichung der Beschlusse des Pariser Kongresses einzutreten, fand, nach⸗ dem Genosse Repp in eingehender Weise die Forderungen der Arbeiterk asse dargelegt hatte, einstimmige Annayme.

Die Zahl der Teilnehmer an dem Waldfest in Frank⸗ furt wird auf 2025 000 geschätzt, eine Ziffer, die in früheren Jahren nicht erreicht worden ist. Diesmal war ausreichend für Bier gesorgt worden, woran es früher öfters fehlte. Bekanntlich nehmen dort bei derartigen Gelegenheiten die Genossen den Bierausschank selbst in die Hand; es wurden am Sonntag nicht weniger als 250 Hekroliter Bier konsumiert, abgesehen von den nicht unbedeutenden Quantitäten Aepfelwein.

Streik der Weißbinder in Gießen.

Nachdem die Unternehmer im Weißbindergewerbe die Forderungen der Arbeiter ablehnten haben letztere am Montag die Arbeit niedergelegt. Der diesbezüg⸗ liche Beschluß wurde am vorhergehenden Samstag in einer sehr zahlreich besuchten Versammlung mit 164 gegen eine einzige Stimme gefaßt. Bis jetzt haben sich die Unternehmer noch zu keinerlei Zugeständnissen herbei⸗ gelassen. Sie müssen es sich dann selbst zuschreiben, wenn sie Nachteile haben; dieser Kampf konnte bei einigem Entgegenkommen seitens der Arbeit geber vermieden werden. Sie konnten die mäßigen, den heutigen Verhältnissen entsprechenden Forderungen sehr wohl bewilligen. Die Streikenden sind selbstverständlich entschlosseu auszuharrn; ihre Haltung ist musterhaft, Streikbrecher haben sich nicht gefunden.

Christliche Nächstenliebe.

Wir lasen dieser Tage in derDarmstädter Zeitung:

Eine schöne That christlicher Nächsten⸗ liebe ist von Arbeitern der hiesigenMesseler Gruben zu berichten. Ein jung verheirater braver Arbeiter starb an Lungen⸗ und Rippenfellentzündung rasch dahin und hinterließ seine junge Frau mit Kind in sehr drückenden Verhältnissen. Mehrjährige Krankheit der Frau hatte den sonst so sparsamen Mann zu einer Ersparnis nicht kommen lassen. Da veranstalteten die braven Mitarbeiter des Verstorbenen unter sich eine Sammlung und überreichten der armen Wittwe eine für ihre Verhäͤltnisse ganz ansehnliche Summe. 5

Gewiß ist das lobenswert. Aber was hier als That christlicher Nächstenliebe rühmend in der Zeitung hervorgehoben wird, das ist bei sozialdemokratischen Arbeiterm ganz allgemein üblich. Und in den Gewerk⸗ schaften werden in solchen Fällen faft regelmäßig Sammlungen veranstaltet, deren Ergebnisse den bedürftigen Hinterbliebenen ver storbener Mit⸗ glieder außer der ihnen statutarisch zustehenden Unterstützung überwiesen werden.

Ein teurer Gottesmann.

Vor der Strafkammer in Schwäbisch⸗Hall spielte sich in den letzten Tagen ein Prozeß ab, der das größte Aufsehen erregte. Der 58 Jahre alte evangelische Pfarrer Faulhaber gründete 1886 in Hall ein Diakonissen haus.

In der Folge erweiterte sich dies Unternehmen und er richtete zugleich ein Erbauungshaus für Kurbedürftige ein. Nebenher hatte Faulhaber eine Reihe industrieller Unternehmungen gegründet, er fabrizierte Dratbörsen, Eisenbeschlagwaren, Spielwaren, Kaminhütten ꝛc. Diese Gründungen waren Pri vatgeschäfte des Pfarrers; er be schäftigte zuletzt ca. 150 Arbeiter, die mit Hunger⸗ löhnen abgespeist wurden, Da er aber seine Haller Industrie wie er seine Gründungen genannt hatte, nicht zu leiten verstand, geriet er in Zahlungsschwierigkeiten, die er durch schwin⸗ delhafte und betrügerische Manipulationen zu beheben suchte. Er mußte trotzdem den Konkurs anmelden, welcher einer Ueberschuldung von 494 186 Mk. ergab. Die Gläubiger, sehr viele kleinere Leute, erhielten 11 Prozent. Durch raffinierte Schwindeleien hatte er seine Gläubiger zu täuschen verstanden. Der Staatsanwalt führte darüber in seinem Plaidover aus: Faul⸗ habers scheinheilige Duckmäuserei, wo der Veruf Verkündigung der Wahrheit gewesen wäre, war der erste Schritt auf der abschüssigen Bahn. Be⸗ sonders anwidernd sei die perfekte Heuchelei, wie als ständige Flagge gegenüber den zahlreichen Angepumpten vonGottes Segen geredet wurde, der sichtlich über den Unternehmungen schwebte. Einen großartigen Einfluß hatte Faul⸗ haber auf das weibliche Geschlecht und nutzte ihn weidlich aus. Dienstmägde, Diakonissen und Angestellte wurden insgesamt um 17000 Mk. angepumpt. Seinen Neffen Herwig wollte er durch eine Heirats annonce ein reiches Weib zuschachern, dessen Geld ihn retten sollte. Das nennt der Staatsanwalt ein in fame Handlung. Seine Buchhandlung verkaufte F. zweimal innerhalb 2 Jahren. Er giebt nun an, den ersten Berkauf vergessen(?) gehabt zu haben, als er sich zum zweiten Male 30 000 Mk. dafür zahlen ließ. Der Staats⸗ anwalt beantragte schließlich eine Gesammtstrafe von vier Jahren Gefängniß und fünf Jahren Ehrverlust. Das Urteil lautete auf eine

Gefängnisstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Geschäftspraktiken eines pfäffischen Sozia⸗

listenfressers.

Kaplan Dasbach, Reichs⸗ und Land⸗ tagsabgeordneter, Gründer und Besitzer einer Anzahl Zentrumsblätter, unter anderem auch Herausgeber derMärkischen Volkszeitung, die unter der Leitung dieses Pfaffen sich stets in den gemeinsten Verleumdungen und Beschimpfungen gegen unsere Partei erging, klagte vor dem Schöffengericht zu Trier gegen den Redakteur Haubrich, ebenfalls ein Zentrumsmann, wegen Beleidigung. Der Kaplan aber mußte seine Rolle sehr bald mit der des Angeklagten ver⸗ tauschen, denn es wurden ihm, sowohl vom An⸗ geklagten, als auch von einigen seiner eigenen als Zeugen vernommenen Parteigenossen eine Reihe so unlauterer Geschäftsmachina⸗ tionen nachgewiesen, daß das politische Pfäfflein moralisch vernichtet wurde, dabei erschien der Prediger der Gottesfurcht und frommen Sitte als ein so raffinierter und gewissenloser Geschäftsmann, daß thatsächlich die von einem Zeugen gethane Aeußerung, Dasbach sei reif für das Zuchthaus, gerechtfertigt erscheint. In der Verhandlung wurde u. a. festgestellt, daß von Seiten Dasbachs gegen andere ultra⸗ montane Blätter ein unlauterer Konkurrenz⸗ kampf geführt wurde. Ferner drängte sich Dasbach mit allen Mitteln in verschiedenen Zentrumswahlkreisen als Kandidat auf, wurde auch gegen den Willen der Parteileitung auf⸗ gestellt. Der Beklagte stellte ferner fest, daß Dasbach mit einem Einkommen von 52 000 Mark und einem Vermögen von 850000 Mark zur Steuer eingeschätzt sei, früher als Kaplan von St. Gervasius aber nur ein ganz geringes Vermögen besessen habe! Der beklagte Redakteur Haubrich wurde zu 200 Mk. Geldftrafe verurteilt, weil thatsäch⸗ lich eine Beleidigung vorliegt. In der Urteils⸗ begründung wird jedoch anerkannt, daß die vom Beklagten behaupteten Thatsachen der Wahrheit entsprechen. Als der wirk⸗ lich Verurteilte erscheint also nicht der

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