Ausgabe 
13.5.1900
 
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Seite 2.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Dieser Paragraph steht mit dem Reichs⸗ recht in Widerspruch, ist also verfassungs⸗ widrig. Denn die hier behandelte Materie ist bereits in 8 240 des Strafgesetzbuches unter Strafe gestellt(Nötigung), und nach dem Ein⸗ führungsgesetz zum Strafgesetzbuch dürfen nur noch solche Materien durch die Landesgesetzgebung geregelt werden, die nicht Gegenstand des Straf⸗ gesetzbuches sind. Ebenfalls kollidiert die Be⸗ stimmung des Geraer Knebelgesetzes, die den Gemeindevorstand berechtigt, einen kontrakt⸗ brüchigen Arbeiter dem Arbeitgeber zwang s⸗ weise zuzuführen, mit der Reichs gesetz⸗ gebung..

Und trotzdem hat der Geraer Landtag kein Bedenken getragen, eine derartig verfassungs⸗ widrige Gesetzesvorlage anzunehmen. Sogar drei fortschrittliche Abgeordnete haben sich, bar alles Schamgefühls, auf die Seite der Reaktion geschlagen, die sich im Interesse von dritthalb⸗ tausend ländlichen Besitzern keck über alle ent⸗ gegenstehenden Bestimmungen des Reichsgesetzes hinweggesetzt hat.

Es wird Sache des Reichstages sein, die Frage aufzuwerfen, ob es den Einzellandtagen gestatt⸗t werden soll, sich gesetzgeberische Kompe⸗ tenzen anzumaßen, die unzweifelhaft der reichs⸗ gesetzlichen Regelung vorbehalten sind.

Polakei in Deutschland.

Ueber die ungeheure Vermehrung der im Ruhrgebiet beschäftigten Arbeiter macht der Vorwärts einige Mitteilungen. Im Ruhr⸗ vergbau allein sind gegenwärtig 220 000 Arbeiter beschäftigt, ihre Zahl hat im ersten Vierteljahr dieses Jahres um 18 000 zugenommen. Noch im Jahre 1895 waren nur 154 702, 1880: 80 152, 1870 nur 51391 Bergleute im Ruhr⸗ gebiet beschäftigt. Auch die Stahl- und Eisen⸗ industrie weist ein fast ebenso starkes Anwachsen ihres Arbeiterheeres auf. Diese Zunahme ist die Folge der enormen Einwanderung fremder,

namentlich polnischer und tschechischer Arbeiter,

die in großen Scharen durch die Versprechungen der Agenten dorthin gelockt und waggonweise eingeführt werden. Infolgedessen haben manche Bezirke ganz ihren deutschen Charakter verloren und mancher Ort mit seinen polnischen und tschechischen Geschäftsanzeigen macht den Ein⸗ druck, als befinde man sich in Böhmen oder Galizien. Allein 60 000 Polen nebst Familien sind im Ruhrbezirk vorhanden, die Eingewan⸗ derten anderer Nationalität nicht mitgerechnet. Durch diese von denpatriotischen Gruben⸗ baroneu hergelockten fremden Arbeitermassen wer⸗ den natürlich die auf Besserung ihrer Lage ab⸗ zielenden Bestrebungen der einheimischen Arbeiter gehemmt. Die ohnehin ungebildeten und dem Organisationsgedanken schwer zugänglichen Polen und Tschechen werden von dem Unternehmertum in möglichster Abgeschlossenheit gehalten, um als Lohndrücker gegen die deutschen Arbeiter verwendet zu werden. Daß sich unter diesen Umständen scharfe Gegensätze zwischen den ein⸗ heimischen und fremden Arbeitern herausbilden, ist ganz natürlich.

Noch eine weitere Gefahr bringt der Import polnischer und russicher Arbeiter mit sich. Kürz⸗ lich schrieb dieMagdeburger Volksstimme: In den verschiedensten Gegenden unserer Provinz treten die schwar zen Pocken auf. So werden uns heute, außer den bereits gemeldeten Fällen in Wanzleben und Schleibnitz, noch folgende Fälle bekannt: In Quedlin⸗ burg starb ein Kind, zwei Bürgerfrauen liegen noch darnieder. In Eisleben starb ein russischer Arbeiter, der aus Erdeborn, an den schwarzen Pocken erkrankt, eingeliefert wurde. In Greußen(Sondershausen) liegen drei Ar⸗ beiterinnen daran darnieder. Die Erkrankungen kommen beinahe regelmäßig bei einge wan⸗ derten russischen Sachsengängern vor.

Die Ursachen der Verbrechen.

In einer unlängst vom preußischen Statistischen Amte aufgestellten detaillirten Statistik der rück⸗ fälligen Verbrecher zeigt sich die sehr bemerkens⸗ werte Thatsache, daß mehr als die Hälfte aller Berufsverbrecher nur im Besitz einer mangel⸗ haften oder ganz ungenügenden Schulbildung ist.

Ein unverhältnismäßig großes Kontingent liefern die östlichen stark mit Volksteilen nichtdeutscher Zunge durchsetzten Provinzen; sast ein Fünftel aller Rückfälligen ist polnischer Muttersprache, davon ein erheblicher Teil gänzlich ohne Schul⸗ bildung.

Das ist nicht überraschend. Daß eine bessere Volksbildung die Verbrechen vermindern würde, ist längst betont worden. Indeß ist die Be⸗ schaffenheit der Schulbildung doch nur ein sekun⸗ däres Moment. Steigt man tiefer, so wird man erkennen, daß die sozialen Verhältnisse das ur⸗ sprünglich Bestimmende sind. Nur ausgebeuteten, versklavten Massen kann schlechte Schulbildung auf die Dauer geboten werden. Jedenfalls aber zeigt die Statistik, wie gefährlich und verderblich die Bestrebungen der Junker und Schwarzkittel sind, die Schule herabzudrücken,

Im Zeichen des Verkehrs!

In der Budgetkommission des Reichstages, die sich gegenwärtig auf der Steuersuche für die Flotte befindet, wurde neulich über den Stempel auf Schiffs fahrkarten verhandelt, mit dessen Ertrag man auch ein paar Kähne zu be⸗ zahlen gedachte. Mit Stimmengleichheit wurde jedoch die Steuer abgelehnt. Für dieselbe trat natürlich auch Herr Müller vom Zentrum, der ja überhaupt diese Steuer, sowie die übrigen, mit denen sich jetzt die Kommission abquält, aufs Tapet gebracht hat, lebhaft ein. Dabei förderte er folgende Sätze zutage, die von den rück⸗ ständigen Anschauungen innerhalb der Zentrums⸗ partei beredtes Zeugnis ablegen:

Der Verkehrsdusel muß aufhören. Wenn der übergroße Verkehr eingeschränkt wird, so wäre dies kein Unglück, Die ganze Mensch⸗ heit ist jetzt faft ununterbrochen auf der Eisen⸗ bahn. Es wird jetzt viel zu viel gereist. Die Leute sollten lieber mehr zu Haus bleiben. Es ist gar kein Fehler, wenn der Ver⸗ kehr eingeschränkt wird.

Vielleicht kommt der Vertreter für Höchst⸗ Usingen noch dazu, vorzuschlagen, daß jeder auf einen Flächenraum von einem Quadratkilometer interniert werde, dessen Grenze zu überschreiten verboten werden muß. Natürlich müßte das nur für Arbeiter gelten, damit sie ihrem Ausbeuter nicht davonlaufen können!

O, heiliges Zentrum!

Nurschneidig 1

Wilhelm II. hat an den Grafen Waldersee, der fünfzig Jahre im Dienst ist, das folgende Telegramm gerichtet:Herzlichen Glückwunsch zu heute! Möge Gott Sie meiner Armee und mir noch lange erhalten und Sie Ihren fröh⸗ lichen Wagemut, Ihr unermüdliches Arbeiten und Ihren un verwüstlichen Schneid meinen Offizieren einimpfen.

Deutsche Kultur in Afrika.

Bei der Etatsberatung im Reichstage teilte Genosse Bebel mit, ihm seien schwere Verbrechen zweier Offiziere der ostafrikanischen Schutztruppe bekannt geworden, die sich dieselben gegen Ein⸗ geborene zu schulden kommen ließen. Die Namen der Beschuldigten hat er nicht öffentlich genannt, sondern sie privatim dem Kolonialdirektor mit⸗ geteilt, der erklärte, daß ihm von solchen Vor⸗ kommnissen nichts bekannt sei. Jetzt wird die Verhaftung eines Hauptmanns Kannenberg, der Stationschef in Ostafrika war, gemeldet. Er soll, wie derVorwärts hört, als er nachts durch das Schreien eines Negerkindes gestört wurde, aus dem Hause gesprungen sein und sowohl das Kind, wie die Mutter erschossen haben. Die Schwarzen müssen doch Feuer und Flamme für unsere christliche Kultur sein!

Höchst unlauterer Wettbewerb.

Mit welchen Schwierigkeiten und sogar Schmierigkeiten ein sozialdemokratisches Partei⸗ blatt zu kämpfen hat, mußte unser Elsässer Organ, dieFreie Presse, an sich erfahren. Seit längerer Zeit schon waren den in derFreien Presse inserierenden Geschäftsleuten von unbekannter Seite einzelne Exemplare dieses Blattes zugesandt worden, in denen das Inserat des Adressaten mit Blaustift bezeichnet und daneben auf dem

Rande der Zeitung allerlei schristliche Vermerke,

wie:Inserate haben in diesem Blatte keinen Wert, weil sehr wenig Abonnenten, oder Keine Abonnenten! Genossen abonnieren selbst nicht! Blatt wird bald eingehen! enthalten waren. Durch das Gutachten eines beim Land⸗ gericht Straßburg vereidigten Sachverständigen wurde mit Sicherheit festgestellt, daß der Ab⸗ sender und Schreiber jener Randbemerkungen der Besitzer freisiunigen Straßburger Bürgerzeitung, Herr Oskar Riedel, ist. Unser Parteiorgan hat selbstverständlich gegen den schmutzigen Patron sofort eine Schadenersatz⸗ klage anhängig gemacht auf grund des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb. Paul Göhre.

Am 1. Mai trat in Berlin bei den Schneidern und Schneiderinnen Paul Göhre zum ersten⸗ mal als sozialdemokratischer Referent auf.(Die von uns in der vorletzten Nummer erwähnte Versammlung in Chemnitz, in der Göhre sprechen

sollte, hat wegen seiner Erkrankung nicht statt⸗

gefunden.) Seinem Vortrage schickte er eine Bemerkung etwa folgenden Inhalts voraus: Ge⸗ nossinnen und Genossen! Es ist heute das erste⸗ mal, daß ich diese Anrede in einer großen öffentlichen Versammlung gebrauche. Heute voll⸗ ziehe ich in der Oeffentlichkeit meinen Uebertritt in die Reihen des kämpfenden Proletariats. Von Jugend auf die Bestrebungen der Arbeiter⸗ klasse mit lebhaftem Interesse verfolgend, bin ich dahin gekommen, wohin Jeder, dem es mit der Vertretung der Ar- beiterinteressen ernst ist, kommen muß: zur Sozialdemokratie! Von heute an marschiere ich als einer der Ihren in den Reihen des kämpfenden Proletariats. Der Redner ging hierauf zum Thema seines Vor⸗ trages über. Er schloß:Wir wollen arbeitend leben und genießen, arbeitend kämpfen oder den Tod!Jeder, der es mit der Vertretung der Arbeiterinteressen ernst meint, muß zur Sozialdemokratie kommen. Wir em⸗ pfehlen diesen Ausspruch ihres ehemaligen Partei⸗ genossen derHess. Landeszeitung und ihren Freunden zur geneigten Beachtung.

Ausländisches.

Die französischen Gemeindewahlen haben am Sonntag stattgefunden. In Paris haben leider die Nationalisten, das sind die Antisemiten und Klerikalen, die Anhänger des Staatsstreiches und der Militärdiktatur, einen nicht geringen Erfolg zu ver⸗ zeichnen. Bisher waren in dem Pariser Gemeinderat vertreten: 39 Sozialisten und Radikale, 14 Republikaner, 12 Radikal⸗Sozialisten, 14 Konservative, Nationalisten und Monarchisten. Am Sonntag wurden gewählt: 13 Sozialisten, 10 Radikale, 7 Republikaner, 9 Reaktionäre und 11 Nationalisten. Von den 30 ausstehenden Stich⸗ wahlen sollen 22 den Republikanern, 8 den Nationalisten günstig sein. Der Ausschuß der sozialistischen Partei Partei fordert die Wähler auf, bei der Stichwahl für denjenigen republikanischen Kandidaten einzutreten, der in der Hauptwahl die meisten Stimmen auf sich ver⸗ einigte.

Erfreulicher als in der Hauptstadt sind die Wahlen in der Provinz ausgefallen. Nach den bisherigen Mel⸗ dungen haben die Republikaner nirgends Mandate ver⸗ loren, wohl aber neue gewonnen. Auch unsere Genossen verzeichnen in der Provinz bedeutende Erfolge; an mehreren Orten siegte die sozialistische Liste vollständig.

Der Krieg in Südafrika.

Die Buren setzen ihren Ruckzug nach Norden fort. Lord Roberts ist es nicht gelungen, wie er es beabsichtigt haben mag, ihren bei Dewetsdorp, Wepener und Tha⸗ banchuzstehenden Abteilungen den Rückzug abzusch neiden. Bei Thabanchu wurde tagelang heftig gekämpft. Die Engländer unter Hamilton scheinen dabei schlecht ab⸗ geschnitten zu haben. Ein Proviantwagen und die Wasser⸗ wagen der englischen Brigade fielen in die Hände der Buren. General Hamilton kam selbst in Gefahr, er zog sich deshalb nach Thabanchu zurück. Auch bei Brand⸗ fort fand ein Gefecht statt, das die Engländer, die von zwei Seiten angegriffen wurden, zum Rückzuge zwang. Sie verloren hier 19 Tote, darunter den Kapitän Liddy. Trotzdem mußten andern Tages die Buren ihre Stel⸗ lungen bei Brandfort räumen.

Lord Roberts setzt den Vormarsch auf Kroonstadt fort und hat, wie er meldet, sein Lager in Smaldeel aufgeschlagen. Der wegen der Erplosion in Johannes⸗ burg verhaftete Begbie wurde gegen eine Kaution von 500 Pfund(10 000 Mk.) freigelassen. Er ist wegen ver⸗ suchten Mordes angeklagt. Die Burengesandt⸗

schaft hat sich von Holland aus nach Amerika begeben. Vor ihrer Abreise richtete sie einen Aufruf an das

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