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Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
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ar.
Anterhaltungsteil.
Du kennst es.
Wenn Dich nie ein Leid betroffen, Wenn Du nie in trüben Stunden Herben Kummer hast empfunden, Ach, daun kennst Du nicht das Hoffen Jener Menschen, die da dulden
Ohne eigenes Verschulden.
Ja, dann weißt Du nicht, was Wehe, Weißt nicht, wie so allgewaltig, Schmerzensreich und vielgestaltig,
In der Tief' und in der Höhe Menschenelend, zum Erbarmen,
Um sich greift mit weiten Armen.
Wirst Du aber mitgezählet
Zu dem großen, armen Haufen, Mußt Du täglich selbst Dich raufen, Müd'gehetzt und abgequälet,
Um den Bissen Brot, den kleinen, Für Dich selber und die Deinen.
Alsdann keunst Du sie, die Thränen, Kennst das Mühen, kennst das Plagen, Kennst die Lehre vom Entsagen; Kennst auch das gewalt'ge Sehnen Nach dem Kommenden, dem Neuen,
Das uns soll von Not befreien. Jos. Hannich.
und Reaktion in England. Von Viktor Hugo.“
Niemals war die Lage klarer und ent⸗ schiedener, als die von 1660. Niemals war dem Gutgesinnten sein Verhalten deutlicher vor⸗ gezeichnet.
England war Cromwell los. Unter der Republik waren viele Unregelmäßigkeiten vor⸗ gekommen. Man hatte das englische Uebergewicht geschaffen; man hatte mit Hilfe des dreißig⸗ jährigen Krieges Deutschland gemeistert, mit Hilfe der Frohnde Frankreich gedemütigt, mit Hilfe des Herzogs von Braganz Spanien ver⸗ kleinert.
Man hatte das Festland erzittern gemacht, den Frieden vorgeschrieben, den Krieg beschlossen, die englische Fahne auf allen Höhen aufgepflanzt; ein einziges Regiment Cromwells, die„Eisen⸗ schienen“, hatte für den Schrecken Europas die Wucht einer Armee; Cromwell sagte:„Ich will, daß man vor der englischen Republik Ehrfurcht habe, wie vor der römischen“; es gab nichts Unantastbares mehr; das Wort war frei, die Presse war frei; man sagte auf der Straße, was man wollte; das Gleichgewicht der Throne war zerstört; die ganze monarchische Ordnung Europas, zu welcher die Stuarts gehört hatten, war umgestürzt worden. Endlich hatte man diese gehässige Regierung vom Halse, und Eng⸗ land erhielt Verzeihung. 580
Der nachsichtige Karl II. hatte die Erklärung von Breda erlassen. Er hatte England huldreich bewilligt, eine Epoche zu vergessen, wo der Sohn eines Brauers von Huntingdon Ludwig dem Vierzehnten den Fuß auf den Nacken setzte. England war reuig und atmete auf. Der. Jubel war, wie gesagt, vollständig, und der Galgen der Königsmörder vermehrte noch die allgemeine Freude. Eine Restauration ist ein Lächeln, aber ein wenig Hochgericht steht ihm gut, und das öffentliche Gewissen muß befriedigt werden. Der Geist der Unbotmäßigkeit war gewichen; das Königtum begründete sich aufs neue. Ein guter Unterthan zu sein, war von nun ab der einzige Ehrgeiz. Man war von den Thorheiten der Republik zurückgekommen, man verunglimpfte die Revolution, man spottete über die Republik und
Revolution
* Aus dem Roman: Der Sohn des Rebellen, der zur Zeit(in neuer Brarbeftung des Viktor Hugo⸗ schen Romans: Der lachende Mann) mit den Illustra⸗ tionen der französischen Originalausgabe in der vom Verlag der Buchhandlung Vorwärts herausgegebenen Romanbibliothek In freien Stunden erscheint.
über jene sonderbaren Zeiten, in denen man stets hochtönende Wörter, wie Recht, Feeiheit, Fortschritt, im Munde führte, man lachte über solchen Schwulft. Die Rückkehr zur Vernünftig⸗ keit war wunderbar; England hatte geträamt. Welches Glück, daß man diese Verirrungen hinter sich hatte. Gab es etwas Unsinnigeres? Was sollte daraus werden, wenn der erste beste recht hatte? Kann man sich's denken, daß alle Leute herrschen sollen? Daß ein Stadtwesen von den Bürgern geleitet werden soll? Die Bürger sind ein Gespann, und ein Gespann ist der Kutscher nicht. Abstimmen heißt in den Wind reden. Sollen die Staaten in der Luft schweben, wie die Wolken? Mit der Unordnung errichtet man die Ordnung nicht. Wenn Chaos Baumeister ist, wird das Gebäude ein Babel werden.
Und was ist übrigens diese sogenannte Frei⸗ heit für ein Tyrann! Ich will mich amüsieren und nicht regieren. Abstimmen ist mir lang⸗ weilig; tanzen will ich. Ein Fürst, der alle Arbeit übernimmt, ist eine Vorsthung. Gewiß, es ist großmütig von diesem König, daß er sich unseretwegen solche Mühe giebt. Und dann ist er darin aufgewachsen; er kenn.'s. Es ist seine Sache. Was geht Krieg, Frieden, Gesetzgebung, Finanzen die Völker an? Ohne Zweifel muß das Volk bezahlen, ohne Zweifel muß es dienen; aber daran muß es sich genügen lassen. Es hat auch seinen Anteil an der Politik; aus ihm gehen die beiden Mächte des Staats hervor, das Heer und das Budget. St uerpflichtig sein un Soldat sein, ist das noch nicht genug? Was braucht es mehr; es ist der militärische Arm, es ist der finanzielle Arm. Eine prächtige Rolle. Man regiert anstatt seiner; diese Dienstleistung muß es doch belohnen. f sind ein Gehalt, das die Völker zahlen und die Fürsten verdienen. Das Volk giebt sein Blut und sein Geld, wofür man es leitet. Sich selbst
leiten zu wollen, was für ein wundeclicher Ge⸗
danke; ein Führer thut ihm not. Da das Volk unwissend ist, so ist es blind. Hat der Blinde ncht einen Hund? Nur ist das für das Volk ein Löwe, der König, welcher der Hund zu sein geruht. Welche Gute! Aber warum ist das Volk unwissend? Weil es un wissend sein muß. Die Unwissenheit ist die Wächterin der Tugend. Wo keine Aussichten da sind, da ist kein Ehr⸗ geiz. Der Unwissende lebt in einer nützlichen
Nacht, die, weil sie den Blick unterdrückt. auch die Begierden unterdrückt.
Daher die Unschuld. Wer liest, denkt, wer denkt, räsonniert. Nickt räsonnieren ist pflicht. Es ist auch Glück Di se Wahrheiten sind unumstößlich. Auf ihnen beruht die Gesellschaft. g
* *
So waten denn die gesunden gesellschaftlichen Grundsätze in England wiederhergestelt So war die Nation wieder zu Ehren gekommen. Zu derselben Zeit kehrte man zut schönen Litte⸗ ratur zurück.
England erhob sich von der Schmach und der Ausschweifung der Vergangenheit. Es ist ein großes Glück für die Nationen, von der Monarchie zur Ordnung im Staat und zum guten Geschmack in der Litteratur zurückgeführt zu werden.
Das Glück Englands unter Karl II. war mehr denn Glück, es war ein Rausch. Eine Restauration ist ein altes nachgedunkeltes Ge— mälde, das man neu firnißt; die ganze Ver⸗ gangenheit kommt wieder zu Tage. Die guten alten Sitten zogen wieder ein, die hübschen Frauen herrschten und regierten. Evelyn hat eine Anmerkung darüber; man liest in seinem
Tagebuch:„Unzucht, Entweihung, Verachtung Goltes. Ich habe eines Sonntagsabends den
König mit seinen Freudenmädchen, der Ports— mouth, der Cleveland, der Mazarin und zei bis drei anderen in dem Speisesal gesehen; sie waren fast alle nackt.“ Man merkt dieser Schil⸗ derung die schlechte Laune an; aber Evelyn war auch ein mürrischer, mit lebhafter Schwärmerei behafteter Puritaner. Er wußte das nützliche Beispiel nicht zu würdigen, welches die Könige durch solche große babylonische Lustbarkeiten
geben, die übrigens den Luxus nähren. Er
Steuern und Zivilliste
verstand die Nützlichkeit der Laster nicht. Als Regel gilt: Roitet die Laster nicht aus, wenn ihr reizende Frauen haben wollt. Oder ihr gleicht jenen Dummköpfen, welche die Raupen
zerstören, schwärmen.
trotzdem sie für
Jakob II. hatte den löblichen Ehrgeiz, ein
wirksamer König zu sein; In seinen Augen war die Regierung Karls II. ein bloßer Entwurf zur Restauration. Er wollte eine vollständigere Rück⸗ keyr zur Ordnung. beklagt, daß man sich beschränkt hatte, nur zehn Königsmörder aufzuhängen. Er war ein wirk⸗ licher Wiederhersteller der Autorität. Er kräf⸗ tigte die ernsten Grundsätze; er ließ jene Ge⸗ rechtigkeit herrschen, die wahre, die sich über
empfindsamen Wortschwall erhebt und sich vor
allen Dingen die Interessen der Gesellschaft zu⸗ Herzen nimmt. An solcher beschützenden Strenge erkennt man den Vater des Staats. Er ver⸗ traute den Arm der Gerechtigkeit einem Jefferis und ihr Schwert einem Kirke an. Kirke statuierte ein Exempel über das andere. Dieser nützliche Oberst ließ denselben Mann, einen Republikaner, dreimal hinter einander aufhängen und wieder abnehmen, und fragte jedesmal:„Schwörst Du die Republik ab?“ Da der Verbrecher immer nein sagte, wurde er zuletzt ernstlich erdrossolt. „Ich habe ihn viermal erhängt“, sagte Kirke befriedigt. Die wieder beginnenden Todesstrafen sind ein starkes Zeichen von Kraft in den herr⸗ schenden Gewalten. Lady Lyle, trotzdem sie ihren Sohn in den Krieg gegen Monmouth ausgesandt hatte, wurde hingerichtet, weil sie zwei Rebellen bei sich verborgen hatte. Ein anderer Rebell, der so anständig gewesen war, auszusagen, daß eine Wiedertäuferin ihm Zu⸗ flucht gewährt hatte, wurde begnadigt, und die Frau wurde lebendig verbrannt. f
Kirke machte ein anderes Mal einer Stadt dadurch begreiflich, daß er ihre republikanische Neigung kannte, daß er neunzehn Bürger er⸗ hängte. Gewiß eine sehr gerechtfertigte Ver⸗ geltung, wenn man bedenlt, daß man unter Cromwell den steinernen Heiligen in den Kirchen Nasen und Ohren abschnitt. Jefferies und Kirke zu wählen verstanden hatte,
war ein von wahrer Religion getränkter Fürst;
er kasteite sich durch die Häßlichkeit seiner Kon⸗ kubinen; er hörte den Pater la Colombiére, jenen Prediger, der fast ebenso salbungsvoll, aber feuriger war, als der Pater Cheminais, und der den Ruhm hette, in der ersten Hälfte seines Lebens der geistliche Rat Jakobs II. gewesen zu sein, und der in der zweiten Marie Alacoque begeisterte. Dank dieser starken relig ösen Speise konnte Jakob II. später mit Würde die Ver⸗ bannung eitragen und in seiner Zurückgezogen⸗ heit in Saint-Germain das Beispiel eines dem Unglück überlegenen Königs geben, der mit Ruhe Kröpfe heilte und mit Jesuiten verlehrte.
Das Riesenfernrohr auf der Pariser Weltausstellung. Ueber die Herstellung dieses Riesenfernrohrs⸗ bringt das Wiener Tageblatt folgenden Bericht: Seit acht Jahren freut sich Paris darauf, den Mond auf eine Entfernung von
nur einem Meter betrachten zu können. Schon eine Woche nach dem Votum vom 2. Juli
1892, durch welches die französische Kammer
auf Antrog des Deputierten Delonele für das Jahr 1900 die Veranstaltung einer Weltaus⸗ stellung beschlossen hatte, war derselbe Abgeord⸗ nete mit dem bald darauf berühmt gewordenen Schlagworte: La Lune à un metre!“ hervor⸗ getreten. Das war nämlich die populäre Formel, durch welche das Projett, in der Zentenar⸗Welt⸗ ausstellung das größte Fernrohr der Erde zu etablieren, sein Glück machte. Das Palais der
Optik— dies die offizielle Bezeichnung dieses Ausstellungsteiles— erhielt sofort einen der
besten Plätze auf dem Champ de Mars, und
die beträchtlichen Mittel, welche für den Bau
* Der Mond auf einen Meter!
Schmetterlinge
Er hatte im Jahre 1709
Jakob II., welcher
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