wenig. Das weitere muß nachfolgen.
Seite 2.
Mitteldeutsche Sonntags⸗-Zeitung.
Nr. 11.
Und es wird nachfolgen. Die Regierenden mögen wollen oder nicht— sie werden den Gang der Entwickelung nicht aufhalten. Dafür wird die sozialdemokratische Bewegung schon sorgen.
Gott schütze unsere Schweinewirtschaft.
In der Denkschrift zur Flottenvorlage ist von nichts anderem die Rede, als den Handels⸗ interessen Deutschlands, die unter allen Um⸗ ständen geschützt werden müssen. Diese Phrasen werden in allen Tonarter variiert. Daß die industrielle Entwickelung Deutschlands in der That schwer bedroht wird, wenn der Handel mit deutschen Waren beeinträchtigt wird, unter⸗ liegt gar keinem Zweifel. Aber die Gefahr droht nicht von kriegerischen Angriffen und ist nicht abzuwehren durch den Bau von Panzer⸗ schiffen, sondern die Hauptgefahr liegt in unseren innerpolitischen Zuständen: Das Junker⸗ tum, dessen ökonomische Macht schon seit langer Zeit gebrochen ist, bleibt nach wie vor die aus⸗ schlaggebende Macht, weil es eben das reaktio⸗ näre Element ist, auf das sich die reaktio⸗ näre Regierung stützt. Die agrarischen Gelüste, deren erfolgreiche Vertreter die preußi⸗ schen Junker sind, gefährden nun aber in aller⸗ erster Linie die Handelsbeziehungen Deutschlands und damit die industrielle Entwickelung, Ein Beispiel dafür, was alles auf diesem Gebiete geleistet wird, liefert ein Geheimerlaß des Freiherrn von Rheinbaben, jetzt Minister des Innern, den er als Regierungspräsident von Düsseldorf erlassen hat, und den unser Genosse Kunert im Reichstage an Tageslicht förderte. (Siehe unsern Reichstagsbericht.)
Der Erlaß verbietet den Behörden, den amerikanischen Konsuln Aufschlüsse über die Handhabung der Nahrungsmittel⸗Gesetze und über den Stand der Seuchen im Inlande zu geben. Warum das? Sehr einfach: Man will den Agrariern zu Liebe die Einfuhr von Fleisch, Konserven und dergleichen gänzlich verbieten; an dieser Einfuhr ist Amerika in erster Linie interessiert. Um nun für dieses Gebahren einen Vorwand zu finden, schützt man Gründe der Volksgesundheit vor, will glauben machen, daß in Deutschland die Gesetze zum Schutze der Konsumenten auf das strengste durchgeführt werden, daß Tierseuchen im In⸗ lande nicht vorhanden sind und daß einzig vom Auslande Gefahr für den deutschen Konsumenten droht. In Wirklichkeit steht die Sache ganz anders: In Deutschland werden die Gesetze über Untersuchung der Nahrungsmittel sehr lässig gehandhabt und die Seuchenherde im Innern breiten sich stetig aus.
Hier der Beweis für die letztere Behauptung. 1899 war die deutsche Grenze nahezu voll⸗ ständig gesperrt. Trotzdem hat, soweit die Seuchenstatistik zurückreicht, bis 1886, nach dem Jahresbericht des deutschen Landwirtschafts— rats die Maul⸗ und Klauenseuche in Deutsch⸗ land noch niemals in solcher Ausdehnung geherrscht wie 1899. Während im dritten Vierteljahr 1898 nur 9400 Gehöfte verseucht waren, waren es im letzten Vierteljahr fast 54 000 Gehöfte!!
Man darf ruhig behaupten, daß der Schutz des konsumierenden Publikums in dieser Be⸗ ziehung ein durchaus ungenügender ist, un— genügender als in anderen Ländern. Den indirekten Beweis hierfür liefert eben der Ge⸗ heimerlaß: Ständen die Dinge anders, so brauchte man sie ja nicht zu vertuschen.
Die Folgen dieser Politik der Täuschung und der Brüskierung Amerikas treten auch deutlich hervor: Frankreich und Italien haben vor kurzem sehr vorteilhafte Verträge mit den Vereinigten Staaten geschlossen, dagegen wird gemeldet, daß infolge der Beschlüsse der Kommisston zum Fleischbeschaugesetz die Mashing⸗ toner Regierung die Verhandlungen wegen eines Handels vertrages mit Deutschland vorerst abgebrochen habe.
Das Ergebnis ist also: Man verteuert den Konsumenten das Fleisch den Agrariern zu Liebe und infolgedessen gefährdet man die Handelsbeziehungen mit
Amerika, einem der wichtigsten Absatzmärkte für deutsche Industriewaren.
Vor einiger Zeit hat der geniale Satiriker des Simplicissimus T. T. Heine diese Zustände in einem Bilde verspottet:
Jungfer Germania breitet ihre Hände über die nationalen Schweine aus und wehrt den fremden Schweinen den Uebergang über die deutsche Grenze; auf dem Panier der Germania aber steht:
Gott schütze unsere Schweinewirtschaft.
Politische Rundschau.
Gießen, 9. März.
Allerlei zur Flottenvorlage.
Auf das Jahr 1848 und die damalige Be⸗ geisterung für die Schaffung einer Flotte be⸗ rufen sich die Flottenschwärmer mit Vorliebe. Die„Frankf. Ztg.“ vervollständigt die Flotten⸗ erinnerungen an 1848, indem sie einen Antrag aus den Drucksachen der deutschen National⸗ versammlung zu Frankfurt a. M. des Abg. Karl Vogt(von Gießen) zum Abdruck bringt, welcher lautet wie folgt:
„Die Nationalversammlung möge beschließen, im Vertrauen auf den Patriotismus der deutschen Fürsten dieselben zu ersuchen, die Hälfte der ihnen auf ein Jahr bewilligten
Zivillisten und Apanagen als frei⸗
willigen Beitrag zur Gründung einer deut⸗
schen Flotte auf den Altar des Vaterlandes niederzulegen.“
Der Antrag hat damals keinen Erfolg gehabt. Ob eine ähnliche Anregung jetzt auf mehr Erfolg rechnen dürfte, wagen wir zu be⸗ zweifeln.
Der Patriot Krupp.
Der„Vorwärts“ beantwortet in der Sonn⸗ abendnummer die von der„Frankfurter Ztg.“ aufgeworfene Frage, ob es richtig sei, daß Krupp die Patente für Herstellung seiner neuesten Panzerplatten an das Ausland verkauft habe.
Außer nach Amerika und Rußland hatt Krupp sein Patent aber auch nach Eng⸗ land verkauft. Nachdem am 29. September 1898 Shoeburyneß die Erbrobung einer nach dem Krupp⸗Harven⸗Prozeß gehärteten 300 Millimeter starken Panzerplatte stattgefunden hatt, ist im Mai 1899 nach einem Zeitungs⸗ ausschnitt aus einem Marine⸗Organ unter der Ueberschrift: Ein Sieg der deutschen Panzer⸗ Industrie, berichtet, daß die englische Marine das Kruppsche Patent erworben habe, trotz⸗ dem dieses dem englischen Nationalstolz schwere Opfer bereitet habe.
Dieselbe Macht, an die man als möglischen Feind bei der jetzt betriebenen Flotten⸗ agitation denkt, wird also durch Krupp mit den Mitteln versehen, sich mit dem zur Zeit denkbar größten Schutz gegen die heutige Artilleriewirkung der Kriegsschiffe zu versehen.— Geldverdienen und Patriotismus sind zweierlei.
Wasserscheue Studenten.
Der von den Vertretern aller Fakultäten der deutschen Universitäten an ihre Kom⸗ militonen gerichtete Aufruf zum Beitritt in den „Flottenausbau⸗Verein deutscher Studenten“ hat bei den Studierenden der Breslauer Uni⸗ versttät gar keinen Anklang gefunden. Trotzdem derselbe 14 Tage lang am„Schwarzen Brett“ ausgehangen und die Liste zum Einzeichnen der Beitrittserklärung ebenso lange im Sekre⸗ tariat ausgelegen hat, haben sich, der„Bresl. Ztg.“ zufolge, nur zwei Juristen ent⸗ schließen töauen, als Mitglieder beizutreten.— Die müssen dereinst Justizminister werden.
Agrarisches Selbstporträt. „Die„Deutsche Tagesztg.“ läßt ihren Flotten⸗ ärger reichlich ausströmen. Sie sagt u. a.:
„Wie bei der letzten Flottenvorlage, so be⸗ ginnt auch jetzt wieder das häßliche, wider⸗ liche Treiben, daß jeder, der nicht mit „Hipp, hipp, hurra!“ den Flottentaumel
mitmacht, für einen unpatriotischen, „vaterlaudslosen Gesellen“ erklärt wird. Das Häßlichste und das Widerlichste an der ganzen Erscheinung ist der Umstand, daß
diejenigen Blätter, welche im Besitze von Flotteninteressenten und bestimmt sind, deren wirtschaftliche Interessen zu vertreten, unter den Schreiern die lautesten sind. Gerade solche Leute sollten sich doch peinlichst zurückhalten....“
Die„Deusche Tagesztg.“ hat ganz recht. Aber wie naturgetreu schildert sie zugleich ihr eigenes Wesen! Sie selbst ist immer voran gewesen, demjenigen, der den Spektakel des Militarismus nicht mitmachen wollte, den Makel der„Vaterlandslosigkeit“ anzuhängen, und niemand hat je weniger als unsere Agrarier daran gedacht, sich„peinlichst zurückzuhalten“, wenn es nicht um„Liebesgaben für die In⸗ dustrie“ ging, sondern um Liebesgaben für die Landwirtschaft, Zollerhöhungen und sonstige kleine Mittel. Bei der Gesellschaft heißt's eben auch: Wie's trefft, bald so, bald so.
Politik des Wahnsinns.
Wohin die unverschämten Forderungen der Agrarier bezüglich der Grenzsperre und Schutz⸗ zölle führen, geht mit erschreckender Klarheit aus folgender Meldung hervor, die von Washington, dem Sitz der Regierung der Ver⸗ einigten Staaten von Nordamerika, kommt:
„Da die Vereinigten Staaten ihrerseits stets betont haben, daß keine fremde Macht das Recht hade, Amerika bezüglich der in Beratung be⸗ findlichen Gesetze Vorschriften zu machen, so hat das amerikanische Staats⸗-Departement es auch nicht für opportun gehalten, gegen das deutsche Fleischschaugesetz, so sehr das⸗ selbe auch in Amerika mißfällt, Vorstellungen zu erheben. Indessen sammelt das Staats⸗ Departement Informationen bezüglich der Verfälschung deutscher Waren und der unter dem deutschen Vieh herrschenden Krank⸗ heiten und das Ackerbau⸗Departement läßt die deutschen Weine analyhsieren.“
Nordamerika rüstet sich also, ein Einfuhr⸗ verbot amerikanischer Fleischwaren in Deutsch⸗ land durch eine Beschränkung der deutschen Wein⸗ und Warenausfuhr zu beantworten. Die Absatzgebiete, die uns dann noch— besonders in England und seinen Kolonien— bleiben, werden uns die Weltmachtspolitiker mit ihrem Flottenspektakel gefährden.
Zur Einführung von RMaschinen⸗ gewehren
erfährt die„Schles. Volksztg.“, daß eine Anzahl von Offizieren und Oberjägern des Oelser Jägerbataillons zum schlesischen Fel dartillerie⸗ regiment Nr. 6 nach Breslau kommandiert worden ist, um dort im Reiten und Fahren ausgebildet zu werden. Sie sollen zur Führung der mit vier Pferden bespannten sechs Maschinen⸗ gewehre bestimmt sein, die bei den Jägern schon zum diesjährigen Manöver zur Einführung ge⸗ langen sollen. Ein Ausbildungskursus im Schießen mit Maschinengewehren wird sich auf der Spandauer Schießschule dem Reit⸗ und Fahrkursus anschließen.— Nachher wird also der Menschenmord mit Maschinerie betrieben. Wieder ein großer Kultus fortschritt.
Hoch die Kultur!
Die neue Felddienstordnung giebt die Mindestmaße für Exerzierplätze bekannt und zwar betragen sie:
Für ein Kavallerie-Regiment 1000 Meter im Quadrat gleich 100 Hektar. Für ein Infanterie⸗ Regiment 1500: 1000 Meter gleich 150 Hektar. Für eine Infanterie⸗ oder Kavallerie-Brigade 1500 Meter im Quadrat gleich 225 Hektar. Für eine Kavallerie⸗Division 3500 Meter im Quadrat gleich 2225 Hektar.
Bedenkt man, daß die mittel- und süddeut⸗ schen kleinbauern nur etwa 7 Hektar besitzen, so ergiebt sich, daß auf dem Areal für den Uebungsplatz eines einzigen Kavallerie⸗Regi⸗ ments ungefähr 15 Bauern, auf demjenigen eines Infanterie-⸗Begimens 21, auf jenem für eine Kavallerie⸗ oder Infanterie⸗Brigade 32, auf dem Uebungsfeld einer Kavallerie⸗Diviston
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