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Terspecken gestorben ist.
Nr. 50.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Seite. 5.
handelte am 30. November gegen den Po lizei⸗ serganten Gühmann, welcher angeklagt war, gelegentlich einer Verhaftung in der Nacht zum 23. Juli d. J. den Eisendreher Terspecken mit dem Säbel einen Stich in die Lunge versetzt zu haben, an dessen Folgen . 1 Gühmann wurde wegen widerrechtlicher Verhaftung und vorsätz⸗ licher Mißhandlung unter Zubilligung mildern⸗ der Umstände, sowie wegen fahrlässiger Tödtung zu nur einem Jahr Gefängniß ver⸗ urtheilt. Beamten⸗Coruption im Prozeß Sternberg. Noch immer dauern die Zeugenverneh— mungen in dem Prozeß gegen den unsittlichen und unsauberen Millionär fort, seit 30 Tagen wird nun schon verhandelt. Besonders bemer— kenswerth war die Mittheilung des Staatsan⸗ waltes, daß der verhaftete Kriminalkommissar Thiel eingestanden habe, dem flüchtigen Di⸗ rektor Luppa gegen hohe Bestechungssummen die Abschriften der Akten des Sternbergpro⸗ zesses zur Verfügung gestellt zu haben. Schutz- mann Stierstädter habe die volle Wahrheit ge⸗ sagt. Also forderte der Prozeß schon zwei Opfer! Insofern wirkt er vielleicht nützlich, daß die, wie es scheint, bei der Berliner Kriminalpolizei verbreitete Korruption an das Tageslicht ge⸗ bracht und beseitigt werden kann. Was es aber mit der gerühmten Unparteilichkeit und Unbe⸗ stechlichkeit der Beamten auf sich hat, das zeigt sich hier in greller Beleuchtung.
Wahltreis Marburg⸗Kirchhain.
St. Marburg, den 7. Dezember 1900.
— Winterfeste. Am Sonntag, den 3. Februar k. Is. findet im Saale des Cafe Quentin das Winterfest der hiesigen Gewerk— schaften statt. Die Kommission entfaltet schon jetzt eine eifrige Thätigkeit, um das Fest zu einem recht würdigen zu gestalten. Außer Kon⸗ zert, Theater⸗Aufführung und sonstigen Vor⸗ trägen gelangen auch mehrere Chorlieder sei⸗ tens des Gesangvereins„Eintracht“ unter Lei⸗ tung seines Dirigenten, Herrn Pauli jun., zum Vortrag. Der junge Gesangverein wird also bei dieser Gelegenheit zum ersten Male öffent⸗ lich auftreten.— Der hiesige Bezirksverein des Verbandes der deutschen Buch drucker begeht die diesjährige Sylvesterfeier wieder, wie im vorigen Jahre, durch eine gesellige Feier, ver⸗ bunden mil Vorträgen, Verloosung und Tanz, am Sylvesterabend im Cafe Quentin.— Die Weihnachtsfeier unseres Gesangver— eins„Eintracht“ findet, wie schon gemeldet, am ersten Weihnachtstag, Abends, im Vereinslokal (Jesberg) statt.— An Vergnügungen fehlt es also in diesem Winter nicht. Möchten sich die Theilnehmer an denselben aber auch ihrer Pflichten der Partei gegenüber stets bewußt sein und die wenigen Versammlungen besser be— suchen wie seither.
— Kommunal es. Die in letzter Num⸗ mer bereits mitgetheilte Nachricht von dem be⸗ vorstehenden Rücktritte unseres Oberbürger⸗ meisters, Herrn Schüler, bestätigt sich. Der⸗ selbe wird am 1. April n. J. sein Amt nieder⸗ legen. Der Magistrat hat die Demission an⸗ genommen und bereits eine Kommission unter dem Vorsitz des Stadtverordneten Vorstehers, Herrn Dörffler, mit den Vorbereitungen zur Neuanstellung eines Stadtoberhauptes be⸗ auftragt.— Herr Schüler hat, das muß Jedermann anerkennen, sehr viel zur Ver⸗ größerung und Verschönerung Marburgs beige- tragen. Sein Streben ging auch dahin, eine Anzahl Arbeiterwohnhäuser zu errichten, al⸗ lein wegen Mangel sozialen Verständnisses schei⸗ terten seine diesbezüglichen Pläne. Auch die Durchführung der Kanalisation haben wir seiner Initiative zu verdanken. Sind dadurch auch die Wohnungsmiethen und Steuern etwas gestiegen, so ist andererseits doch eine bedeutende Besserung der Gesundheitsverhältnisse resp. eine Ab⸗ nahme der Sterblichkeitsziffer in hiesiger Stadt zu konstatiren, was auch hauptsächlich dem Ar⸗ beiterstande zu Gute kommt.— Hoffentlich er⸗ halten wir unter dem neuen Oberbürgermeister auch ein Gewerbeschiedsgericht.
— Neunuhr⸗Ladenschlu 5. Die Mehr⸗ zahl der hiesigen Ladenbesitzer erklärte sich in namentlicher Abstimmung mit Mehrheit für den Neunuhr⸗Ladenschluß. 0
— Bei den Tuberkulin⸗Versuchen, die Geh. Rath Behring unter den Rindviehbeständen des
Kreises vornimmt, hat sich herausgestellt, daß bei dem Vogelsberger Rind der Gesundheits⸗ zustand am günstigsten ist. Es sind ca. 6000 Thiere angemeldet.
Kleine Mittheilungen.
Heftiger Sturm. In der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag richtete 1 artiger Sturm in Gießen vielfachen, wenn auch nicht bedeutenden Schaden an. Auch aus an⸗ deren Gegenden werden Verheerungen durch Sturmwetter gemeldet.
Hitzige Debatte. In Wehrda bei Marburg hielt der Nationalsoziale v. Gerlach eine Versammlung ab. Nach derselben kam es nach Mittheilungen der„Hess. Landesztg.“ mit den anwesenden Bauernbündlern beinahe zu Schlägereien. Verschiedene der Bündler bedroh⸗ ten Herrn v. Gerlach und seine Freunde mit Fäusten und Stühlen.
Bergrutsch. Zwischen Ehrenbreitstein und Vallendar wurde durch einen Bergrutsch die Tele⸗ graphenleitung zerstört.
Arbeiterbewegung.
Buchdrucker und„Leipziger Volks⸗ zeitung“. Zu den Streitigkeiten in der Leip⸗ ziger Volksztg. veröffentlichte der Fraktionsvor⸗ stand der sozialdemokratischen Partei eine Er- klärung, in der es am Schlusse heißt:
„Die Fraktion ist von jeher, und zwar unter Zustimmung der ganzen Partei, dagegen auf⸗ getreten, wenn die Leiter von Staats- oder Pri⸗ vatbetrieben Arbeiter entließen, weil diese einer ihnen mißliebigen Partei angehörten. Von diesem Gesichtpunkte aus kann die Fraktion es auch nicht billigen, daß die Frage, ob ein Arbeiter eine gewünschte politische Thätigkeit ausübe oder nicht, bei der Kündigung oder Ent⸗ lassung in Parteigeschäften entscheidend sei.
Die Fraktion spricht deshalb die Hoffnung aus, daß die Leipziger Parteigenossen Alles aufbieten, um den gemachten Mißgriff auszu⸗ gleichen und die daraus entsprungenen Diffe⸗ renzen zu beseitigen, sie erwartet aber auch, daß der Buchdruckerverband eine Kampfweise ein⸗ stellt, welche die herrschende Verbitterung nur verschärfen muß.“— Zur Uebernahme der Ver⸗ mittelung erklärt sich die Fraktion bereit.— Mit der vom Fraktionsvorstand hier ausge⸗ sprochenen Ansicht können wir uns nicht ganz einverstanden erklären. So lange das Unter ⸗ nehmerthum unsere Genossen maßregelt — und das geschieht, so sehr wir immer dagegen auftreten, heute noch ma ssenhaft sowohl in Staats- wie in Privatbetrieben, so lange sind unsere Parteiunternehmungen gewissermaßen gezwungen, ihnen größeren Schutz zu ge⸗ währen und bei Entlassungen zu berücksichtigen, ob den Betreffenden auf der Suche nach Arbeit größere oder geringere Schwierigkeiten ent⸗ gegenstehen.— Aber wir meinen, es wäre der Geschäftsleitung ein Leichtes gewesen, sich hier⸗ über mit den Verbandsmitgliedern zu verstän⸗ digen.
f Von Seiten der Streikenden wurde ein Zir⸗ kular an die Parteipresse versandt, in welchem die Entwickelung des Streites eingehend ge—⸗ schildert wird. Ist diese Darstellung richtig, woran wir nicht zweifeln, so trifft allerdings die Geschäftsleitung der Volksztg. die meiste Schuld an dem Konflikte.
Die Schreiner in Mainz stehen jetzt mit ihren Arbeitgebern in Verhandlung wegen Schluß der Arbeitszeit Nachmittags 4 Uhr an den den hohen Feiertagen vorhergehenden Ta⸗ gen, weil dann die Frauen noch Gelegenheit hätten, ihre Einkäufe rechtzeitig machen zu können. Gleichzeitig habe, wie berichtet wird, der Arbeitgeber-Verband den Arbeitern den Vor⸗ schlag gemacht, die Lohnzahlung am Don- nerstag, nicht mehr am Samstag vorzuneh⸗ men. Damit werden sich die Schreinergesellen sehr gern einverstanden erklären.
Der Maurerstreik in Halle dauert fort, da die Unternehmer es abgelehnt haben, vor dem Gewerbegericht als Einigungsamt zu erscheinen. Die Streikenden sind zu festem Aus⸗ halten entschlossen, die Situation ist recht günstig für sie.„Arbeitswillige“ sind bisher noch nicht vorhanden.
Nutzen der Organisation. Die Schuhfabrik Stern in Bockenheim hatte Reduk— tion der Löhne bis zu fünfzig Prozent ange—
kündigt. Auf sofortige Intervention des Vor⸗ sitzenden des deutschen Schuhmacher ver⸗ bandes Simon in Nürnberg und durch das geschlossene Vorgehen der Arbeiter sah sich die Fabrikleitung veranlaßt, von der Lohnreduktion Abstand zu nehmen. Wie man sieht, tragen die zur Gewerkschaft geleisteten Beiträge recht gute Zinsen!
Streikposten⸗Prozeß. Nicht weniger als 20 Schreiner standen am Mittwoch vor dem Frankfurter Schöffengericht. Sie hatten Strafbefehle erhalten, weil sie während des Schreinerstreiks, den Aufforderungen der Polizei⸗ beamten eine Straße oder ein Stadtviertel zu verlassen, nicht Folge geleistet haben. Die Fälle werden einzeln verhandelt; nachdem die ersten zwei Angeklagten freigesprochen waren, zog der Staatsanwalt die Anklage gegen die übrigen zurück. Auf Antrag des Vertheidigers beschloß das Gericht, auch die Vertheidigungs⸗ kosten der Staatskasse zur Last zu legen.
Versammlungs⸗ Kalender. Samstag, 8. Dezember.
Soz.⸗dem. Wahlverein. Abends 9
Gießen. Orbig. Vortrag über
Uhr, Versammlung bei „Heinrich Heine“. Sonntag, 9. Dezember.
Lollar. Wahlvereinsversammlung. 1/11 Uhr im Gasthaus„zum Schwanen“.
Vorm.
Litterarisches.
Die Socialistischen Monatshefte(Berlin W., Lützowstr. 85a.) haben soeben das Decemberheft ihres 6. Jahrganges erscheinen lassen. Aus dem Inhalt. desselben heben wir hervor: Georg von Volmar Zum Fall Millerand.— Max Schippel: Con⸗ sument u. Producent.— Dr. Conrad Schmidt: Nochmals die Moral.— Wilhelm Bölsche: Hinaus über den Naturalismus.— Eduard Bernstein: der Londoner Hooliganismus und seine Ursachen.— Dr. Curt Grottewitz: Darwinistische Mythen.— Prof. Emile Vandervelde: Staat und Ver⸗ waltung.— Dr. Georg Müller: Die deutsche Studentenschaft an der Jahrhundertwende.— Anton Aschkerz: Die Kohlengräber— Rundschau(Ge⸗ werkschaftsbewegung.— Genossenschaftsbewegung.— Rappaport: Lawrows Socialphilosophie.— Oppen⸗ heimer: Das Malthussche Bevölkerungsgesetz.—
Carring: Das Gewissen.— Bölsche: Das Liedesleben in der Natur.— Goethe im 20. Jahrhundert.— Ostwald: Vagabonden.—) Der Preis des elegant
ausgestatteten Heftes beträgt 50 Pfg., pro Quartal 1,50 Mk. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, Colporteure und Postanstalten.(Postzeitungskatalog No. 6961) ferner durch die Cxpedition der Sozialistischen Monatshefte, Berlin W., 35.
Zusendung in offenen oder geschlossenen Couvert.)
Von Wurm's: Gesundheitsschutz in Staat, Gemeinde und Familie er⸗ schien soeben das 13. und 14. Heft. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Die Haut und ihre Pflege.— Nägel und Haare.— Nerven und Gehirn, sowie die vor⸗ kommenden Erkrankungen dieser Organe.— Die Geistes krankheiten. Das Werk ist in 25 Heften à 20 Pfennig komplett. Alle Buchhandlungen nehmen Be⸗ stellungen entgegen.
Gesundheitspflege. Der in weitesten Kreisen bekannte Spezialarzt für Lungenleiden Dr. med. Hofbrückl in München W. hat ein Verfahren durch lange Jahre hindurch erprobt, durch welches in völlig unschädlicher Form Tuberkelbacillen zum Verschwinden gebracht werden. Es ist zu empfehlen, bei allen Er⸗ krankungen der Athmungsorgane, wie Tuberkulose, be⸗ ginnender Schwindsucht, Blutspucken, chronischem Brust⸗ katarrh, Kehlkopfkatarrh und Lungenspitzenkatarrh und auch bei Asthmaanfählen; dabei bessert es den allge⸗ meinen Krästezustand des Kranken, löst den Husten, erleichtert den Auswurf und bringt diesen schließlich ganz zum Verschwinden; zugleich regt es den Appetit an, Nachtschweiße und Fieber hören auf, hingegen nimmt das Körpergewicht wieder zu und macht so die Genesung rasche Fortschritte.
Genossen! Agitirt allerorts
für die Parteipresse! EPT ˙.
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