Seite 6. Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung. f Nr. 50. 2 katze ab, wolle auf seiner Muthung Raubbau„ brecher. Meiden Sie die Lütticher G Unterhaltungs Theil. treiben. Dummer Kerl, es giebt der Mädels drüben bei Verviers giebt's Tepe gun 6——— noch viele vom Hohen Veen bis zur Nord⸗ Mit einem dur pfen„Glück auf!“ verschwand
Die Bonoratioren).
ee.“———————— Auf dem Schachte Nummer zwölf der Zeche
„Sankt Gadule“ stehen in schwüler
Heil Dir und Preis du Landeskraft Du Honoratioren!
Wer Geld hat, braucht in Wissenschaft
Nicht sein Gehirn zu schmoren.
Er ist des Staates höchste Zier,
Er trägt die längsten Ohren;
Und seinen Ruhm verkünden wir,
Wir Honoratioren.
Durch's Leben geh'n wir wie ein Bolz,
Wir Honoratioren,
Zu Lust und Ehr', zu Gluck und Stolz
Vom Himmel auserkoren
Und sterben wir, so ruft mit Macht
Aus seinen Himmelsthoren
Der heil'ge Petrus:„Platz gemacht Für Honoratioren!“
„Virbot'ner Eingang“ schrieben gleich Wir Honoratioren An ein besond'res Himmelreich Für Leute wohlgeboren. Da sind wir selig ganz allein, Vom Pöbel ungeschoren— Wie könnten wir sonst selig sein, Wir Honoratioren?! Ludwig Pfau.
Auf Leben und Tod.
Es ift Samstag, Lohntag der Bergleute. In der Taverne stehen vor dem Büffet Gruppen schwarzer Gestalten, Andere sitzen auf den Bänken um die massiven Eichentische, wieder Andere haben das Billard besetzt. Die Unter⸗ hallung ist heute— selbst für die Bergarbeiter des Maasbeckens— lebhaster als sonst.
Ein besonders hitziges Wortgefecht hat sich an dem quer vor der Barre stehenden großen runden Tische entsponnen, an welchem auch die in der Nähe Sitzenden regen Antheil nehmen. Es handelt sich um einen vor Kurzem geplanten Streik, dessen bereits erwählte Führer jedoch schon jetzt, ehe der Ausstand in Scene gesetzt werden konnte, gemaßregelt worden waren.
„Es ist Verrath dabei im Spiele.“
„Mäßigt Euch, der Verräther ist mitten unter uns. Er schürt, stachelt und hetzt am meisten. Mareiken beim Direktor, der er immer nachschleicht, obwohl sie ihn verabscheut, war unabsichtlich Zeugin, als er dem Herrn die An- gaben machte und den Anschlag preiz gab. Es ist Henri Desanne.“
Hochauf fährt der hünenhafte Wallone, als er seinen Namen nennen hört, seine nervige Rechte ballt sich wie im Kampfe, den Oberkörper beugt er weit vor und seine schwarzen Augen lohen wie die eines sprungbereiten, beutegierigen Naubthiers hinüber nach dem Ankläger, dem Vlamländer Pol Verhaeren, welcher ihm ruhig entgegenblickt.„Hund, das sollst Du mir büßen!“ Doch plötzlich in ein boshaftes Lachen ausbrechend, einen tückischen Blick auf seinen Widersacher werfend und die Angriffstellung auf⸗ gebend, ruft Desanne:„Verhaeren ist ein Narr! Er ist eifersüchtig, weil ich in seinem Nebier der Fährte von de Mont's Mareiken vachspürte. Er glaubt, ich jage ihm die Wild⸗
*) Eigentlich: Die Geehrteren; die Vornehmen, Angehörigen der„besseren Gesellschaft“.
Maiennacht zwei Bergleute zu Haspel⸗ bedienung.
Aus einer alten, rostigen Kohlenpfanne neben dem Ventilator fällt der rothe Lichtschein auf die Gestalten der Männer, die mit straffer Anspannung der Muskeln des entblößten Oberkörpers die Handeisen drehen, so daß Ring an Ring des Draht⸗ seils der heraufkommenden Förderschale sich um das Holz der Welle legt.
Schweigend, wortlos verrichten die Beiden die Arbeit der Nachtschicht auf der an einer entlegenen Stelle des Betriebs nieder⸗ geführten Teufe.
Es ist Henri Desanne und Pol Verhaeren.
Während der Vlame die Sörderschale vollends auf den Rand des Schachtes empor⸗ zieht und dann den Inhalt die Halde hinab⸗ schüttet, folgen ihm die Augen Desanne's in grimmigem Hasse, in kaum zu bändigender Rachsucht.
Rascher als sie heraufgewunden, senkt sich 15 Förd eschale wieder hinab auf die Schacht⸗ ohle.
In er Füllungspause verläßt Verhaeren seinen L atz, um das Feuer der Kohlenpfanne nachzustochern. Dabei streift er absichtlich den nackten Oberarm seines Gegners.
Mit einem dumpfen Wuthschrei wirft sich sofort der vor Erbitterung und Eifersucht rasende Wallone auf seinen Schichtgenossen und neben der gähnenden schwarzen Tiefe entbrennt ein Kampf auf Leben und Tod.
Desanne hat seinen Nebenbuhler über die rechte Schulter und linke Hüfte gefaßt, indeß dieser mit der rechten Hand die Kehle um; krampft.
Der stämmige, jüngere Vlamländer ist dem riesigen Wallonen fast an Kräften gleich; jedoch hat der Letztere bei dem blitzschnellen Angriff sich die beste Stellung gewahrt. Auf dem schmalen Plateau der Halde, dicht hinter dem Rücken Verhaeren's, lauerte die Schachtöffnung.
In stummem Ingrimm ringen die Männer, taub für Alles, was um sie her vorgeht. Das dreimal wiederholte Signal zum Aufholen ver⸗ hallt ungehört. Schon ermattet die Kraft Desanne's, die Faust des Gegners hemmt ihm den Athem, vor den Augen sprühen ihm Funken. Der Druck seiner Arme wird schwächer— da gleitet plötzlich der Vlamländer über ein am 5 5 liegendes Holzstück aus und sinkt in die
niee.
Mit einer gewaltigen, letzten Anstrengung reißt ihn der Wallone dicht am Schachtrand vollends nieder.
Doch während Desanne triumphirend einen Moment lang dem Gestürzten ins Antlitz schaut und ein grimmiges Lachen seine Züge überfliegt, löst sich aus der schwarzen Tiefe der Schacht⸗ einfahrt eine dunkle Gestalt, ein furchtbarer Faustschlag schleudert den fiegestrunkenen Wallonen zur Seite. Zugleich wird Verhaeren von dem Abgrund zurückgerissen und springt empor.
Vor den Todfeinden steht der Schichtmeister, ein Westfale.
Trotz seiner Strenge im Dienste der belieb⸗ teste Beamte im ganzen Betrieb, der zu jeder Zeit, Tag und Nacht der Belegschaft an den gefährdeten Punkten voranstand und stetig die Rechte der Arbeiter verteat.
„Was ging hier vor?“
„Desanne ist wahnsinnig, Herr Schichtmeister, lassen Sie ihn laufen und das Vorgefallene unerörtert.“
„Rir ahnte gleich Unheil, als das Signal zum Anziehen erfolglos blieb und ich drunten vernahm, daß Ihr Beide allein hier oben Schicht hattet. Desanne, Sie sind entlassen. Sie sind sonst ein brauchbarer Mensch; aber neulich machte Sie die Eifersucht zum Verräther an
Ihren Genossen und heute beinahe zum Ver⸗
der Wallone im Dunkel.——— Unheimlich durch die schwüle Finsterniß der 1 9 5 lohen rings im schwarzen Lande die
en.
Zuckend umflackert der rothe Schein aus der Kohlenpfanne die Gestalten der beiden Männer der Haspelbedienung, die Pol Verhaeren's und seines zur Ablösung für Desanne herbeibeorderten⸗ Gefährten.
In vollen Zügen athmet der Vlame die erstickende Luft, seine Augen leuchten auf in Lebens bejahung nach der furchtbaren Gefahr.
Weithin lodernde Feuer und stummes Dunkel.
Der
Bekämpfung.
(Der nachstehende Artikel ist dem im 5
griffenen Lieferungswerke„Gesundheitsschutz in
Staat, Gemeinde und Familie“ von Emanuel
Wurm(erlag von J. H. W. Dietz Nachf. in Stutt⸗
gart) entnommen. Wir können das betreffende Werk unseren Lesern nur angelegentlichst empfehlen.)
Alkoholische Getränke können, in mäßiger Menge genossen, für erwachsene Personen als Reizmittel zur Förderung der Verdauung dienen; dagegen führt Un⸗ mäßigkeit in ihrem Genuß zur Zerrüttung des Körpers und Geistes. Je alkoholreicher ein Getränk ist, um so rascher und stärker wirkt es, deshalb ist Brannt⸗ wein(gewöhnlicher mit 33 bis 45, Kognak mit 40 bis 70, Arrak mit 60, Rum mit 52 bis 75 Prozent Alkohol) am verderblichsten, während Bier, dessen leichtere Sorten 3 bis 4 und dessen schwerere 4 bis 6. Prozent Alkohol enthalten(Weiß. und Braunbier nur 1½ é bis 3 Prozent) und Wein(Mosel mit 6, Rhein⸗ wein bis 13, Champagner, Bordeaux⸗ und Burgunder⸗ wein bis 14, Portwein, Madeira, Malaga 15 bis 24. 1 erst in größeren Mengen berauschende Wirkungen äußert.
Uebermäßiger Wein⸗ und Biergenuß führt ebenfalls zu schweren Erkrankungen, besonders zu Herzverfettung und Leberleiden, schließlich zum alkoho⸗ lischen Irrsinn. Das Fettherz der Biertrinker und die geistige Stumpfheit der gewohnheitsmäßigen Vertilger größerer Biermengen, wie sie sich besonders bei der studirenden Jugend bemerkbar macht, sind nicht wenig verbreitet. Am schädlichsten ist der sogenannte„Früh⸗ schoppen“, der Bier- oder Weingenuß am Vormittag. Noch schlimmer ist die in so vielen Industriegegenden übliche Uẽsiite, das die Arbeiter früh Morgens, wenn sie zur Arbeit gehen, anstatt eines warmen Getränks (Kaffee oder Milch) bereits Bier trinken.
Die traurigsten Folgen verursacht aber die Trunk sucht in denjenigen Bezirken und Lände n, in denen der Branntwein das Volksgetränk ist. Sie ist hier in so erschreckendem Maße verbreitet und greift so rapide um sich, daß man von einer Schnaps pest reden kann. Ob der Branntwein mehr oder weniger frei von Fu sel⸗ ölen ist, spielt dabei keine so große Rolle, auch ist der gewöhnliche, in Deutschland hergestellte Kartoffelschnaps⸗ davon freier, als man lange Zeit annahm. Nur der Abiynth wirkt nicht nur durch seinen höheren Alkohol⸗ gehalt, fondern auch durch seine ätberischen Oele noch zerrüttender auf das Gehirn als der gewöhnliche Schnaps.
Ganz entsetzlich sind die Wirkungen des Aethers (Schwefeläthers), der dort, wo der Branntwein durch Steuern vertteuert ist, als Berauschungsmittel benützt wird, so unter der ostpreußischen L. noͤbevölkerung. Der Aethergenuß erzeugt krankhaften Stumpfsinn, auch Herz⸗ und Gehirnschlag. Um dem Aethergenuß Einhalt zu thun, ist im Deutschen Reiche im Oktoker 1900 die Steuerfreiheit des zur Aetherbereitung dienenden Spiritus aufgehoben und dadurch der Aether vertheuert worden.
Durch fortdauernden Alkoholmtsbrau ch werden körperliche und geistige Störungen hervorgerufen, die, anfänglich wenig oder gar nicht bemerkbar, schließlich zur völligen Zerrüttung des Geistes und Körpers führen.“ Zunächst zeigen sich nur leichte Verdauungsstö rungen, dauernder Mogenkatarrh mit Appetitlosiskeit, der durch scharf gewürzte Speisen zu überwinden gesucht, aber dadurch noch verschlimmert wird. Es folgt Leberversettung, Herzschwäche, Berschlechterung des Blutes und dadurch der Ernährung des Körpers, wie des Nervensystems.
Kennzeichen des chronischen Alkoholismus sind: sittliche Entartung, Steigerung der Reizbarkeit, geistige Verstimmung, Abnahme der Willens kraft und der geistigen Leistungsfähigkeit. Dazu tritt Eifersuchts⸗ wahn, Kopfschmerz und Benommenheit, Störungen der Sinnesapparate, besonders Illusionen und Halluzinationen im Gebiet des Gesichts⸗ und a chörsinnes, die sich zu Sinnestäuschungen steigern, welche auch zu Gewaltthaten Anlaß geben können, da sich im Rausche alle Vor⸗ stellungen leichter in Handlungen umsetzen als in nor⸗ malem Zustand. Ferner zeigen die Störungen der Be⸗ wegungsnerven, die zum Zittern an Zunge, Lippen, Gesiost und Händen führen, besonders im nüchternen Zustand, während es sich nach Altoholgenuß mäßigt. Auch Wadenkrämpfe und Lähmungen, namentlich der Sesichtsnerven und in den Beinen treten auf, außerdem Neuralgien, Abnahme des Geschlechtstriebs und der Be⸗
gattungsfähigkeit. Forts. folgt.
Dam en sowie fäl
—
78
N N 1 A N * 5 es 880 N * 8 D N 8 8 8 8
.
252
2


