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Mitteldeutsche Sonntags⸗ Zeitung.

Nr. 28.

Es kam zu einem heißen Gefecht. Der Feind hält alle seine alten Stellungen im Norden und Osten von Senekal besetzt, mit der zu Tage tretenden Absicht, sich gegen Ficksburg zusammenzuziehen. f g i

Marschall Roberts richtet seine ganze dis⸗ ponible Hauptstreitmacht gegen Dewet, der als der gefährlichste der Burenführer betrachtet wird. Die Buren entwickeln eine große Thätig- keit östlich von Pretoria. 5

Aus Laurenco Marques wird gemeldet: Sowohl die Buren, wie die Ausländer, die hier aus Transvaal eintreffen, sind fest davon über⸗ zeugt, daß man noch drei bis sechs Monate brauchen werde, um die Buren zu unterjochen. Es sei offenbar, daß, so lange Präsident Krüger aushalte, er für die Beschaffung einer genügend starken Truppenmasse Sorge tragen werde, zur Fortsetzung des Guerillakrieges in den Bergen.

Eine Zusammenstellung der Verluste, die allein die Engländer in dem Burenkriege erlitten, ergiebt die gewaltige Gesamtzahl von über 81000 Mann.

Von Nah und Fern.

Mitteilungen aus unserem Leserkreise sind uns jederzeit willkommen

Die Ehre unserer Sache gebietet natürlich strengste Gewissenhaftigkeit

bei Uebermittelung von Nachrichten. Wir bitten alle zum Druck bestimmten Einsendungen nur auf einer Seite zu beschreiben.

Kreiskonferenz für den Wahlkreis Gießen.

Wir weisen an dieser Stelle auf die am Sonntag, den 15. Juli, in Großen-Buseck stattfindende Wahlkreiskonferenz hin und ersuchen die Genossen in allen Orten des Wahl⸗ kreises, sich an derselben durch Entsendung von Delegierten zu beteiligen. Wo solche noch nicht gewählt sind, wolle man die Wahlen sofort vornehmen. Die Wichtigkeit der Konferenz für die Parteiorganisation wird alle Genossen in erster Linie die einzelnen Ortsvereine ver⸗ anlassen, dem Aufrufe des Kreisvertrauensmanns die nötige Beachtung zu schenken. Also auf zur Arbeit, auf zur Konferenz!

Gegen den Gutscheinhandel

wendet sich eine Bekanntmachung des Kreisamts Gießen. Dieses unter dem Namen Hydra⸗ Schneeball oder Lawinen⸗System bekannte Ge⸗ schäftsgebahren besteht darin, daß dem Erwerber eines Hydra Gutscheines die Lieferung eines im Werte erheblich über den Preis des Gutscheins hinausgehenden Gegenstands, vornehmlich einer Uhr oder von Stahl⸗ und Messerwaren in Aus⸗ sicht gestellt wird, sobald er von der Firma eine bestimmte Anzahl von Gutscheinen käuflich erworben, diese an andere Personen abgesetzt, und jede von diesen Personen wiederum auf ihren Gutschein die gleiche Anzahl von Gutscheinen von der Firma bezogen hat.

Die Anwendung dieses Systems muß mit Notwendigkeit dahin führen, daß die weitaus größte Zahl der Gutscheine als wertlos verfällt und der Erlös für dieselben ohne Gegenleistung dem Gewerbetreibenden verbleibt, der mit dieser unausbleiblichen Folge des Systems off nbar rechnet, während der Käufer der Gutscheine leer ausgeht und sich getäuscht findet.

Wenn wir uns auch der amtlichen Warnung nur auschließen können, so meinen wir doch, daß damit wenig oder nichts erreicht wird. Man sollte dieses unsolide Geschäftsverfahren einfach verbieten, oder die jenes System anwendenden Firmen verpflichten, die ausgegebenen Scheine wieder zurückzunehmen.

Wieseck.

Zur Feier seines fünfzigjährigen Jubi⸗ läums hat der GesangvereinConcordia eine größere Festlichkeit arrangiert, die am 7., 8. und 9. Juli auf dem Festplatz in Wieseck stattfindet. An dem für Sonntag geplanten Festzug werden sich eine große Anzahl aus⸗ wärtiger Vereine beteiligen. Für Montag Abend sieht das Programm, dessen Einzelheiten aus dem Inserat ersichtlich sind, großes Feuer⸗ werk vor. Der Arbeiterbildungsverein kommt am Sonntag mittags ½1 Uhr bei Wacker zusammen. Vereins⸗Abzeichen und Karten sind dort zu haben.

Zu dem Wetzlarer Handschuhmacherstreik wird dem Gehilfenorgan geschrieben: Die Lage ist unverändert. Arbeitswillige haben sich bis heute auch noch nicht eingefunden, außer bei Herrn Mandler, wo ein Nichtmitglied Namens Alb. Harrig, welcher Schleusenwärter und neben⸗ bei Musiker ist, zur Zeit arbeitet. Dieser Mann füllt nun die freie Zeit, welche ihm diese beiden Berufe lassen, als Nothelfer des Herrn Mandler aus, indem er zuhause Handschuhe schneidet. Herr Schede hier hat einen Streikenden schon vor sechs Wochen eingestellt und den von uns geforderten Tarif für Waschleder anerkannt. Der Kollege hat auch noch die Gelegenheit, sich auf Glacee einzurichten. Die Arbeiter auf Glacee haben einen Pfennig pro Paar zugelegt erhalten. Allgemeinen Unwillen erregt das Verhalten des Herrn Derbeck, der früher in Wetzlar Kassierer der Gehülfenorganisation war und heute die gerechten Forderungen der Arbeiter mit am wütendsten bekämpft. Der Ehrenmann stellte sich sogar nebst seinen biederen Lehrbuben einem anderen Fabrikanten als Arbeits williger zur Verfügung.

Die Wetzlarer Genossen

machen wir nochmals auf die am Montag, den 9. in Wetzlar und am Dienstag, den 10. Juli in Krofdorf stattfindende Wahl zum Ge werbegericht aufmerksam. Die Wahlzeit ist vormittags von 91 Uhr und nachmittags von 58 Uhr festgesetzt. Von Seiten der organisierten Arbeiter ist der Schneider Herm. Kothe aufgestellt. Sache der Genossen ist es, demselben durch lebhafte Wahlbeteiligung zum Siege zu verhelfen.

Durcheinander in der Offenbacher Stadt⸗ verwaltung.

Ziemlich stürmisch ging es in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung in Offen- bach am 28. Juni her. Der Oberbürgermeister Brink hatte verschiedentlich Beschlüsse der Ver⸗ sammlung nicht zur Ausführung gebracht, unter anderem auch den bezüglich der Erhöhung des Gehaltes seines Kollegen, des Leigeordneten Wolff, durch einen Bericht an das Kreisamt zu hintertreiben versucht. Stadtv. Ulrich griff deshalb den Oberbürgermeister mit äußerster Schärfe an. Die Zustände in der Stadtverwal⸗ tung seien durch das Verhalten des Herrn Brink ganz unhaltbare geworden, er handle geradezu unverantwortlich und ungesetzlich. Der Bei⸗ geordnete Wolff führte eine Reihe Fälle an, in welchen der Oberbürgermeister seine Ve⸗ fugnisse überschritten und Beschlüsse der Stadt⸗ vertretung nicht ausgeführt habe. Wenn so fortgewurstelt würde, so könne der Oberbürger⸗ meister jahrelange Unruhe in die Verwaltung bringen. Stadtv. Ulrich beantragte schließlich die Wahl eines besonderen Kontrollaus schusses, der die Thätigkeit des Oberbürger⸗ meisters zu überwachen habe. Herr Brink verteidigte sich nur sehr matt auf die gegen ihn erhobenen Vorwürfe.

Anf zehnjährigen Kampf

blickt unser Parteiorgan in Magdeburg, die Volksstimme zurück. Dieses Jubiläum feierte die Magdeburger Partei am Sonntag durch einen großen Festkommers. Eine großartig ausgestattete Festnummer der Volksstimme schildert eingehend alle Verfolgungen und Schwierigkeiten welche das Blatt und die Partei in Magdeburg zu erdulden und zu überwinden hatte. Die Magdeburger Volksstimme ist das am schwersten verfolgte Parteiblatt Deutschlands. Nicht weniger als 12 Jahre 1 Monat 13 Tage Ge⸗ fängnis und 7096 Mark Geldstrafe wurden in den 10 Jahren über Redakteure und Verleger verhängt. An Gerichtskosten ꝛc. mußten 33 840 Mark gezahlt werden. Aber all die schweren Schläge haben nur die Lebenskraft, den Kampfesmut der wackeren Streiterin zu erhöhen vermocht. Als dieVolksstimme gegründet wurde, war ihr Umfang und ihr Abonnentenstand nur ein be⸗ scheidener, gegenwärtig rangiert unser Magde⸗ burger Bruderorgan hinsichtlich seines Umfanges und seiner Abonnentenzahl unter den größten und

verbreitetsten Parteiblänern. nummer doch 36 Seiten stark!

Möge der weitere Kampf unseres Bruder⸗

organs für die Befreiung des Proletariats von gleichem Erfolge begleitet sein!

Das Berliner Gewerkschaftshaus, Engel⸗Ufer 15, bietet auch solchen Parteigenossen und Gewerlschaftsmitgliedern, die nicht als Handwecksburschen reisen, Gelegenheit zum Ueber⸗ nachten. Es sind eine Anzahl Zimmer zu je zwei Betten vorhanden, die mit ihrer Einrich⸗ tung den billigen Hotelzimmern nicht nachstehen und dabei nnr 75 Pfg. pro Bett kosten. Wir machen unsere Leser, die in Familien- oder sonstigen Angelegenheiten nach Berlin reisen, ganz besonders hierauf aufmerksam.

Ein bezechter Geschworener.

Ein peinlicher Vorfall hat sich in Oldenburg in der Schwurgerichtssitzung am Samstag, den 30. Juni, zugetragen. Einer der Geschworenen war nicht zurechnungsfähig, d. h. betrunken, und deshalb wurde nach dem Antrage des Ver treters der Staatsanwaltschaft die Sitzung aus⸗ gesetzt. Der Betrunkene, der Hausmann Gram berg aus Donnerschwee, ist nach demGemein⸗ nützigen wegen des skandalösen Vorfalls in der Schwurgerichtssitzung am Dienstag zu 300 Mk. Geldstrafe und in die durch ihn entstandenen Kosten verurteilt worden.

Gegen die Teilnehmer an den Straßen⸗

krawallen in Hannover

die gelegentlich das Straßenbahner-Ausstandes dort stattfanden, wurde der Prozeß vor dem Schwurgericht in Hannover zu Ende geführt. Sieben Personen waren wegen Landfriedensbruchs und Aufruhrs angeklagt, jedoch nur ein Ayge⸗ klagter wurde dieses Vergehens für schuldig be⸗ funden, zwei wurden ganz freigesprochen, einer von diesen hatte drei Wochen in Untersuchungs⸗ haft gesessen; jetzt beantragte der Staatsanwalt selbst die Freisprechung. Das Urteil lautete gegen den Schuhmacher Breitenbach(23 Jahre alt) wegen Aufruhrs, unter Zubilligung mil⸗ dernder Umstände, auf 10 Monate Gefängnis; ferner erhielten der Dienstknecht Rennemann (21 J.) wegen Widerstands gegen die Staats⸗ gewalt 10 Monate Gefängnis, der Bierhänd⸗ ler Busse(34 J.) wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, unter Zubilligung mildernder Umstände 4 Monate Gefängnis, Arbeit-r Bivor (15 J.) und Stallbursche Schöneberg(15 J.) wegen groben Unfugs je zu 3 Wochen Haft. Freigesprochen wurden der Former Kramer und der Mechaniker Brenne.

Schreckliche Feuersbrunst in den New⸗Yorker

Docks des Norddeutschen Lloyd.

Eine Brandkatastrophe, wie sie furchtbarer in der Geschichte New⸗Yorks noch nicht vorge⸗ kommen ist, hat sich am Samstag, 30. Juni,

Nachmittags auf den Docks des nordd. Lloyd in

Hoboken bei New⸗Pork ereignet und viele Hunderte von Menschenleben ver⸗ nichtet.

Hoboken ist von New-Pork nur wenige Kilometer entfernt. In den stundenlang an der Kiste sich hinziehenden Piers(Pfeiler, Dämme), auf deren ausgedehnten Granitfundamenten sich zahllose aus Holz und Eisen konstruirte Waren⸗ häuser erheben und von denen Holzbauten in regelmäßigen Zwischenräumen in die See hin⸗ ausragen, herrscht in den Nachmittagsstunden reges Leben. Sonnabend war Besuchstag für die Schiffsbesatzungen. Die Docks waren des⸗ halb von Frauen und Kindern überfüllt, die ihre Ehemänner und Väter besuchen wollten. Als das Feuer nachmittags um 4 Uhr auf dem Pier Nummer 3 ausbrach, fegten die Flammen

mit elementarer Gewalt über den Pier und

verbreiteten sich mit so rasender Geschwindigkeit über die Kais, daß in wenigen Minuten 1750 Menschen abgeschnitten und von dem Feuermeer umzingelt waren, während in den Speichern Whiskey⸗, Oel⸗ und Petroleumfässer explodirten. Infolgedessen breitete sich das Feuer mit einer solchen Geschwindigkeit aus, daß innerhalb einer halben Stunde die Piers ein Meer von Flammen waren. Das Feuer sprang

über den schmalen Wasserarm und setzte auch die

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