* Nr. 28.

Mitteldentsche Sonntags⸗Zeitung.

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welche uns von den einzelnen Fakturenbeträgen Prozent Umsatzsteuererlaß lürzen.

mit bereite, sei peinlich sauber und akkurat. Es sei thöchstens möglich, daß einmal ein Wurmin das Geschirr gefallen sei. Davon, daß die Leute Ucberstunden nicht bezahlt bekommen haben, meinte Zeuge Nagel,ist mir nichts bewußt. Der Arbeiter Kupat, jetzt noch auf der Domäne beschiftigte, bekundet eidlich, fünf mal min⸗ destens(im Monat Mai) stäümnkendes Fleisch als Speise bekommen zu haben. Der Arbeiter Rüstock hatte dre im al Würmer von«ansehnlicher Länge in seinem Essen gefunden und zso ging die Beweisaufnahme weiter, wonach sich das direkte Gegenteil herausstellte von dem was Herr Nagel gesagt hatte. Zeuge Redakteur Swienty äußerte ssich über das ihm von den polnsschen Arbeitern überbrachte Fleisch, das thatsächlich in Verwesung übergegangen war und

der Gerichtshof hob in der Urteilsbegründung

extra hervor, das er dem Zeugen Swienty vollen Glauben schenke. Der Vertheidiger der Ange⸗ klagten, Rechtsanwalt Herzfeld, meinte, er glaube micht, daß solch stinkendes Fleisch auf den Herr⸗ schaftstisch kam. Das Gericht sprach die Angeklagten antragsgemäß frei und hob in der Urteilsbegründung hervor, daß die auf der Damäne vorhandenen Mißstände den Angeklagten das Recht geben, den Dienst ohne Kündigung zu verlassen.

Und wie zärtlich besorgt waren doch die Agrarier und ihre antisemitischen Trabanten bei Beratung des Fleischbeschaugesetzes um die Ge⸗ sundheit des Volkes! Wie eiferten sie gegen die Einfuhr ausländischen Pöckelfleisches und gegen die Controlle der Hausschlachtung natürlich nur im Interesse der Volksgesundheit! Herrn Nagels polnische Arbeiter hätten gewiß mit Ver⸗ gnügen gutes amerikanisches Fleisch gegen ihr stinkendes teutsches eingetauscht. Angesichts solcher durch diese Gerichtsverhandlung blosgelegten Zustände müßte man verlangen, nicht blos die Hausschlachtungen, sondern auch die den Landarbeitern gereichten Mahlzeiten staatlich kontrollieren zu lassen. Wenigstens bei den Rittergutsbesitzern und Domänenpächtern; ein Kleinbauer schämt sich, so seine Leute zu behandeln.

Mittel gegen die Leutenot.

Der Vorstand der Landwirschaftskammer für Brandenburg hat den Beschluß gefaßt, daß sämt⸗ liche in der Provin; Brandenburg beschäftigten Wirtschafts⸗(Unter)beamten und Arbeiter, die min⸗ destens 25 Jahreinderselben Wirtschaft oder bei derselben Herrschaft im Dienst oder Arbeitsverhältnis gestanden und sich während dieser Zeit gut geführt haben, von der Land⸗ wirtschaftskammer eine Aus eichnung erhalten sollen, und zwar die Unter beamten eine silberne Medaille, die Arbeiter ein

Diplom. 5 Zuguter Führung gehört auch, daß nicht

gemurrt wird, wenn's hier und da stinkendes Fleisch zu essen giebt! Neue Bäckereiverordnung.

Wie gemeldet wird, soll der Erlaß einer neuen Bäckereiverordnung für das Reich bevor⸗ stehen, die sich an die in einzelnen Bundesstaaten bereits in Geltung befindlichen anlehnt und unter anderem genaue Vorschriften über die Lage- rungen des Mehls enthält. So soll das freie Lagern von Mehl auf Mehlböden gänzlich verboten und an sehr scharfe Bedingungen ge⸗ knüpft werden. Wir möchten es wünschen, wird aber wohl soscharf nicht werden. Wie notwendig eine solche Verordnung wäre, beweist der in einer Gaukonferenz der Bäcker Südbayerns vorgelesene Brief eines in Bad Aibling be⸗ schäftigten Bäckergesellen. Darin finden sich fol⸗ gende Mitteilungen über die Bäckerei Zimmermann in Aibling(Bayern). die mit Recht als Schweinestall bezeichnet wird:

... Der Lehrling muß von Uhr abends bis nachmittags 2, sogar auch bis 3, 4 oder 5 Uhr arbeiten. Die Backstube ist schon seit 14 Monaten nicht mehr geputzt, die Semmeltücher in derselben Zeit nur z wei Mal gewaschen; eines dieser schmutzigenTücher wurde hier gewogen und hatte ein Gewicht von 1 Pfd. 400 Gramm. In der Backstube hausen die Mäuse; ein solches Tier zog man einmal aus der Brotsäure, ferner

able 0 Was wird nun die-Folge seirk Die Fabri⸗ vorlag kanten werden kden Warenhäusern diesen Nachlaß te 6g gewähren müssen, da sie aber nichts von ihrem wilg?- Profit einbüßen wollen, werden ssie sich durch W Lohnkürzumgen an den Arbeitern schadbss Mun halten. Die Arbeiter müssen also schließlich ful für die Kosten der famosen Mittelftandsrettang K aufkommen. Die man aber treffen wollte, die großen Warenhäuser, machen unter Umständen noch ein gutes Geschäft, denn sie werden sich Unter die Gelegenheit zu einem Preisgufschlag eimat N nicht entgehen lassen. So hat der Arbeiter und n, be⸗ der Konsument den Schaden, der Mittelstand u, der aber richt den geringsten Nutzen, Has wird em 5 er ee sein, wo die Umsatzsteuer der- eingeführt wird.. g das Wer ist der Dummkopf! k sch Der badische Finanzminister Buchenberger, 1 dessen F 5 e wir 5 5 letzten Nummer anführten, wird wegen seiner gegn g anz vernünftigen Haltung gegenüber der un⸗ 0 det vernünftigen Forderung der Umsatzsteuer in dem Chtif, Offenbacher Antisemitenblatte fürchterlich herunter⸗ gerissen.Hält Herr Buchenberger die Minister 1 e 1 1 1115 Warenhaussteuer eingeführt haben) vielleicht für 1 Dummlöpfe fragt erbost das Blatt der Herren bers Hinschel und Köhler. Nun, die Finarzminister 15 wohl nicht, die würden im Gegenteil 70 ihrem Standpunkte ars unklug handeln, wenn sie eine 1 shnen 42 75 ee e e 70 ̃ Steuer ablehnten. ummlöpfe aber und noch 12 schlim meres sind die Abgeordneten sowie alle 90 diejenigen, die für eine solche Wai e eeintreten, angeblich, weil sie davon die Rettung em des Mittel standes erwarten. 15 Was ein königlicher Amtsrat seinen Land⸗ arbeiter bietet. Ein überaus trauriges Bild von der Be⸗ 3 handlung der Landarbeiter durch die Agrarier 11 entrollte 190 ae an d e f 5 1 Halle. Ueber die Sache, um die es sich dabei bein- handelte, haben wir in Nr. 24 der M. S. Ztg. per berichtet. Polnische Landarbeiter, welche auf der n nd Domäne Giebichenstein bei Halle besckättigt waren, 22619 erhielten mehrsach stinken des Fleisch zur te von Mittagskost verabreicht, weshalb mehrere derselben e einen die Arbeit einstellten. Der Pächter, königlicher bruch Amtsrat Nagel hatte nun noch die Kühn⸗ 1 7 heit, zwei Arbeiter wegen e e en Be des Dienstes anzuzeigen. Vor Gericht erklärten it nicht die Angeklagten, zum Verlassen des Dienstes chöhung berechtigt zu sein, da die Behandlung uner⸗ en Jette täglich war. Sie hätten wiederholt igetung stinkendes Fleisch und Suppe mit langen wodulke: Würmern zu essen bekommen und waren ge⸗ auntlch zwungen worden, ohne Bezahlung Ueber⸗ de ist, stunden zu leisten. Als sie am Sonntag den . Und 27. Mai, 1 e wollen. bekamen, hätten sie sich an den zuständigen zünschen Polizeikommissar gewandt, der ihnen auf ihre schnulz Beschwerde entgegnet habe, das Fleisch sei ge⸗ Die nießbar. Zum Ueberfluß habe er noch die Be⸗ tleren merkung gemacht:Bleibt in Eurem Polen, dann de nach braucht ihr nicht stinkendes Fleisch zu essen! Als sie das Fleisch in einer Wirtschaft vorzeigten, l habe man ihnen den Rat erteilt, es einmal dem 2 in der Nähe wohnenden Redakteur Swienty vom tandVolksblatt vorzulegen; vielleicht könne derselbe nin durch Veröffentlichung der Sache Abhülfe schaffen. nen, Die Leute gingen zu dem Genossen Swienty, nein der dann das Fleisch, um sich nicht zu übergeben n ol, und um sich die Wohnung nicht zu verpesten, Liefe, schleunigft in mehrere Bogen Papier packte und daruf außerhalb auf die Fensterbank hinlegte. Am 8 Stadt andern Morgen früß wurde das Fleisch zum it, 15 Handelschemiker Dr. Lenz gesandt, der nach stalt⸗ 1 gehabter Mlersucheng ate 0 10 180 15 einen ekelerregenden Geru esaß, 9 auf bereits eingetretene Verwesung gcc schließen läßt. Das Fleisch sei als verdor b 5 t, de zu bezeichnen. Zeuge kgl. Amtsrat Wilhelm Nage 1 fol bekundet unter dem Ei de, daß das Essen u immer tadellos gewesen sei. Er und seine

Und seine Frau, die das Mittagessen

Frau und noch etwa 270 Personen essen auch davon.

ein Haarolglas mit Inhalt, aber ohne Kork. Im Kaffee wurden Haare, eine kleine Spinne und Füße von sogen.

Russen vorgefunden; aus den Knödeln zog man schon

Haare.... Noch etwas haben wir zu erwähnen, näm⸗ lich, daß jeder Buyrsche in der Woche ein Handtuch be kommt, welcher 17 bis 18 Stunden arbeitet und vor lariter Schweiß umfallen möchte.

Da wären gewiß scharfe Bestimmungen nötig, aber sie müssen auch durchgeführt werden.

Muckerei. Der pom Berliner Polizeipräsidium veröffent- lichte Bericht über die Bauthätigkeit

Berlins im Jahre 1899 meldet, daß sich unter den im Laufe des Jahres ausgeführten Bauten 10 Kirchen und 11 Schulen be⸗ fanden. Dies Zahlenverhältnis ist lehrreich! Die Berliner Volksschulen sind überfüllt, es fehlt an Klassenräumen, an ganzen Schulhäusern, 420 Klassen wurden in Mietsräumen, die eigentlich zu Wohnungen bestimmt waren, unterrichtet, und 117 Klassen hatten überhaupt keine eigenen Schul⸗ zimmer. Und da baut das stolze,liberal verwaltete Berlin ganze 11 Schulen. Die Kirchen aber, die fast alle leer stehen, warden um 10 vermehrt!

Mit der Zunahme der Frömmigkeit sieht's überhaupt in Berlin bei aller Kirchenbauerei höchst windig aus. So zum Beispiel sank nach der vomStatistischen Jahrbuch der Stadt Berlin veröffentlichten Zusammenstellung die Zahl der Taufen von 36 777 im Jahre 1892 auf 36771 im Jahre 1897, die der Konfir⸗ mationen von 23 505 auf 22 614. Auch der kirchlichen Trauungen und Begräbnisse sind es im Verhältnis zu der bedeutenden Zunahme der Berliner Bevölkerung eher weniger als mehr geworden. Wozu also das Geld für kostspielige Kirchenbauten verpulvern, für welche doch gar kein Bedürfnis vorliegt?

Diäten für Reichstagsabgeordnete.

Halbamtliche Blätter berichten, daß unter den Regierungen Erwägungen über die Ge währung von Anwesenheitsgeldern an die Re chstagsabgeordneten schweben und daß die Wahrscheinlichkeit besteht, daß der Reichstag zwar nicht in der nächsten Session, aber doch noch innerhalb der bis 1903 laufenden Legis⸗ laturperiode einen] Gesetzentwurf zur Regelung der Diäten erhalten wird. Höchste Zeit wäre es endlich; die Regierungen scheinen aber damit nicht besondere Eile zu haben.

Wie Sozialdemokraten gezüchtet werden.

Der christlichen Textilarbeiter⸗ organisation zu Aachen ist von den Unternehmern ein schwerer Schlag versetzt worden. Der Fabrikant Schneewind in Bingden bei Aachen hat an seine Arbeiter die Forderung gestellt, aus der erwähnten christlichen Organi⸗ sation auszutreten. Es kam zum Streik. Tapfer hielten die Arbeiter mehrere Wochen lang Stand; aus Mangel an Unterstützung mußten sie schließ⸗ lich zu Kreuze kriechen und den Revers unter⸗ schreiben, a1s der Organisation austreten zu wollen. So treibt man den Arbeitern die Frömmigkeit radikal aus. Die Unternehmer sorgen, wie sich hier drastisch zeigt, selbst dafür, daß das Klassenbewußtsein den Puffer der Frömmigkeit beseitigt, der uns bisher noch hinderte in nähere Berührung mit diesen Arbeitern zu kommen.

Der Krieg in Südafrika.

Während die Augen der Welt auf China gerichtet sind, hoffen die Schergen der englischen Minenpolitiker ihr Werk in Südafrika unbemerkt vollenden zu können. So rasch als sie dachten, geht es nun doch nicht. Die Buren leisten viel⸗ mehr auf allen Seiten nach wie vor energischsten Widerstand.

Nach den eingelaufenen Meldungen haben in der letzten Zeit heftige Gefechte stattgefunden, in welchen die Buren den Engländern teilweise schwere Verluste beibrachten. So griffen die Buren am 26. Juni einen Provianttransport des Generals Paget bei Lindley an. Es wurde den ganzen Tag gekämpft; die Engländer verloren 10 Tote und 54 Verwundete. In einem anderen Gefecht wurden 3 Mann getötet und 23 Mann verwundet. Weiter stieß die fliegende Kolonne des Generals Clements auf dem nach Lindley führenden Weg auf den Feind.