Seite 2.
Mitteldeutsche Sonnings⸗Zeitung:
Die deutsche Fahne ist beleidigt und dem Deutschen Reiche Hohn gesprochen worden.
Das verlangt exemplarische Bestrasung und
Rache Die Verhältpisse haben sich mit einer furcht⸗
baren G schwindigkeit zu tiefem Ernste gestaltet und.
seiidem ich Euch unter die Waffen zur Mobilmachung
berufen, noch ernster. e, m i der Marine⸗Infanterie wieder herzustellen, wird jetzt eine
schwere Aufgabe, die nur durch gesch'ossene Truppen⸗
c ivilisierten Staaten gelöst werden kann. 15— 5 1 15 Chef des Kreuzergescwaderg mich gebeten, die Entsendung einer Division in Er⸗ a men.
. hr 15 5 einem Feinde gegenüberstehen, der nicht minder todesmutig ist wie Ihr. Von europäischen Offizieren ausgebildet, haben die Chiesen die europäischen Waffen brauchen gelernt.. So sende ich Euch nun hinaus, um das Unrecht zu rächen, und ich werde nicht eher ruhen, als bis die deutschen Fahnen, vereint mit denen der anderen Mächte, sieg⸗ reich über den chinesischen wehen und, auf den Mauern Pekings aufgepflanzt, den Chinesen den Frieden diktieren.“
Zum Schluß sprach der Kaiser die Erwartung aus, daß die Soldaten die Fahnen„rein und ohne Makel zurückbringen“ möchten.
Deutsche Rüstungen.
Es ist sicher, meint die„Leipz. Volksztg.“, daß ganz ungeheuere Anstrengungen der deutschen Wehrkraft geplant sind. Hirschs Bureau erfährt, daß sämtliche transatlantische Dampfergesellschaften aufgefordert worden sind, sofort Nachricht zu geben, welche Dampfer eventuell disponibel zum größeren Truppentransport nach China seien. In gut unterrichteten Kreisen nimmt man an, daß schon in kürzester Zeit größere Truppenmassen nach China befördert werden sollen.
Die Opfer.
Von den an der Expedition Seymors be⸗ teiligten deutschen Truppen sind 11 Mann gefallen, 7 zum Teil schwer verwundet. 2 sind noch nachträglich gestorben.— Vom Seebataillon sind bis 29. Juni 9 todt und 11 schwer verwundet.
Es ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß diese Opfer der deutschen Weltpolitik von Geschossen aus den Kruppschen Kanonen zerfleischt worden sind. Die hochkonservative Kreuzzeitung weist darauf hin, daß es bisher den Engländern vorbehalten geblieben sei, gegen Waffen zu kämpfen, die sie selbst geliefert hatten. So sehr überwiege bei den Engländern der industrialistische Geist, daß ihnen dieser unerträgliche Widerspruch bereits zu einer landläufigen Thatsache geworden sei. Nun habe aber China u. a. auch deutsche Geschütze und Kriegsschiffe bezogen, und es sei nicht un⸗ möglich, daß die bisherigen deutschen Todten und Verwundeten von Geschossen getroffen wären, die in Deutschland hergestellt seien. Man er⸗ blickte deshalb in Deutschland in der Möglichkeit, daß deutsche Soldaten gegen deutsche Waffen kämpfen müssen und von deutschen Geschützen verwundet und getötet werden, etwas Unwürdiges, Ungehöriges, Unerträgliches, dem für die Zukunft vorgebeugt werden muß. Die Kreugzzeitung ver⸗ langt deshalb eine internationale Ueberwachung des Waffenausfuhrgeschäftes.
Die Ausführungen des Blattes mögen zum Teil von dem grimmigen Neide des Junkertums auf die Milliardenprofite der westelbischen Schlot⸗ barone bei der Flottenvermehrung diktiert sein, darum bleibt indes der Hinweis auf die schmach⸗ volle Möglichkeit, daß nur des lieben Profits willen deutsche Landeskinder von Waffen getötet worden, die aus den Händen ihrer eigenen Brüder hervorgegangen sind, vollauf berechtigt.
Politische Bundschau.
Gießen, 7. Juli. Die Einberufung des Reichstags.
Unser Zentralorgan, der Vorwärts, hat wieder⸗ holt auf die äußerst befremdliche Thatsache hin⸗ gewiesen, daß die deutsche Regierung keine Neigung verrät, angesichts der verhängnisschweren Vorgänge in China den Reichstag einzube⸗ rufen, obwohl es ihr doch lieb se'in müßte, bei der Volksvertretung einige Deckung zu suchen. Bisher hat diese Anregung keinerlei Echo ge— sunden. Jetzt endlich besckäftigt sich auch die bürgerliche Presse mit dem Gedanken. Während
Was ich hoffen konnte, mit Hülse
liberale und Zentrums-Organe meinen, die Ein⸗ berufung des Reichstags habe keinen Zweck, schließen sich andere Blä tten dieser Forderung an.
So die Berliner Volkszeitung, welche bemerkt, daß der Reichstag schon um viel geringfügiger Dinge willen als die jetzt: in China vorliegenden zu einer besonderen Tagung einberufen worden sei. „Die Verhältmisse, wie sie sich jetzt im Ostasien. entwickelten, sind derart, daß sie eine Volksver⸗
tretung in hohem Grade angehen, und daß dis
Volksvertretung nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht hat, zu fragen: wohin aus geht's in China?..“
Energischer noch erhebt die agrauische„Deut⸗ sche Tageszeitung“ die gleiche Fordezung und verurteilt zugleich die Weltpolitik:
„Unseres Erachtens wäre es geboten, daß, wenn unsere leitenden Kreise zu der Ueberzeugung gelangen sollten, daß wir in China zu weitgehenden Unternehmungen in unserem Juteresse gezwungen seien, der Reichstag darüber befragt würde, ob er sich dieser Anschauung anschließen wolle. Wir sind überzeugt, daß die Neigung, Tausende und aber Taufende deutscher Sol⸗ daten nach China zu werfen, im Reichstag nur einen geringen Widerhall sinden würde, und daß er gleich uns sich darauf beschränken würde, im sernen Osten das Norwendige zur Sühne der schnöden Gewalt⸗ that zu thun, mehr aber nicht.“ 5
Scheut sich die Regierung vor der Kritik des Reichstags? Hat sie den Mut, die Verant⸗ wortung für diesen ungeheuerlichen Krieg allein zu übernehmen?
Dienstplicht über See.
In Anbetracht der chinesischen Ereignisse wird die Frage sehr aktuell: Verpflichtet die allgemeine Wehrpflicht auch zum Dienst in überseeischen Ge⸗ bieten? Erst vor Kurzem ist darüber im deut⸗ schen Reichstage debattiert worden, als es sich um die Vermehrung der Truppen in Kiautschau handelte. Herr Tirpitz berief sich einfach auf den Fahneneid, der jeden Soldaten verpflichtet, zu Wasser und zu Lande dem Befehl des Kriegs⸗ herrn zu folgen. Es wurde ihm jedoch klar ge⸗ macht, daß die Fassung des Eides aus einer Zeit stamme, da Deutschland noch keine Kolonien hatte und die veränderte Lage erheische denn auch eine Aenderung der Auffassung. Leider wurde die Sache nicht zum Austrag gebracht, indem der Reichstag sich mit der Annahme einer Resolution begnügte, die besagt,„es seien Schutztruppen in Kiautschau thunlichst auf Grund freiwilliger Meldungen zu bilden und auf eine Verstärkung durch eine Chinesen⸗Kompagnie Bedacht zu nehmen“. Jedenfalls läuft der Dienst in überseeischen Ge⸗ bieten, die im Juteresse von Kapitalistengruppen erobert werden, dem Prinzip der allgemeinen Wehrpflicht zur Verteidigung des Vaterlandes direkt entgegen und ist dringend notwendig, die Sache prinzipiell zu entscheiden.
Unser Platz an der Sonne.
Ein in Kiautschou befindlicher Marine⸗ soldat schildert in einem Briefe an seine An⸗ verwandten die dortigen Zustände. Die„Pfälz. Ztg.“ veröffentlicht aus dem vom 1. Mai d. J datierten Briefe folgendes:
„Ich war den ganzen vorhergehenden Sommer und Winter krank gewe en, denn es ist hier in China nicht gerade am schönsten; ödes Land, schlechtes Essen(Reis und Schweine fleisch) und nichts Gescheites zum Trinken. Das Wasser ist sehr schädlich und die Wirtschaften sind uns verboten. Man muß sich halt noch an Vieles ge⸗ wöhnen und Vieles sich auch abgewöhnen. Der Dienst ist sehr leicht, aber doch schwer genug für die Klima⸗ verhältnisse; so kamen dieses Jahr etwa 40 Sterbefälle: im Bataillon vor, alle infolge von Ruhr, Darmtyphus, Darmkatarrh und Fieber. Man darf aber den Mut nicht sinken lassen, dann geht es schon. Die Zeit wird nuch herumg hen, die wir hier bleiben müssen. Es siud jetzt noch 14 Monate und 6 Wochen der Reise, eine für uns ewig lang werdende Zeit.“
Nach dem nationalsozialen Herrn v. Gerlach findet gegenwärtig in China die große„Kuchen⸗ verteilung“ statt, bei der Deutschland nicht zurück⸗ bleiben dürfe. Zu dem Stück, was wir bis jetzt abbekommen haben, dürfen wir uns wirklich guten Appetit wünschen.
Schraube ohne Ende.
Daß die anderen Mächte der Vermehrung der deutschen Flotte nicht müßig zusehen, sondern ihrerseits mit Vermehrung ihrer Kähne antworten würden, war vorauszusehen. So stand in der fran⸗ zösischen Deputiertenkammer am 30. Juni der Ge⸗ setzentwurf über die Flottenvermehrung zur Be⸗
ratung. Das Haus nimmt den ersten Arti über den Bau von sechs Linienschiffen und fünf Kreuzern; sowie über die Bewilligung von 118 Millionen Franken zum Bau von
hatte für Torpedoboote und Unterseeboote 68 Millionen gefordert, aber die Kammer bewilligte die von Pelletan beantragte und von der Regie⸗ rung gutgeheißene Erhöhung um 50 Millionen.
So geht es weiter ins End- und Uferlose zum Schaden der Völker!
Geschäft und Religion.
Aus Kiautschou wird berichtet: Unter den mancherlei Anfragen, die aus der Heimat an die hiesige Regierung gerichtet werden, be⸗ findet sich auch die eines Fabrikanten, der gerne chinesische Haus götzen herstellen und als Exportartikel hier einführen möchte. Er er⸗ bittet sich zu dem Zwecke der Anfertigung das Modell eines Götzen. Man denke sich unsere Lloyddampfer, die unten Kisten mit diesen „Made in Germany“!“ Hausgötzen bergen und oben Missionare nach China führen, die gegen den Götzendienst predigen.— Und dabei ist der brave Götzenfabrikant sicher ein frommer Christ, der fleißig in die Kirche geht.
Pensionierte Offiziere.
wurden in der deutschen Armee pensioniert: 10 Generalleutnants, 15 Generalmajore, 12 Oberste, 6 Oberstleutnants, 25 Majore, 31 Hauptleute, 17 Oberleutnants, 5 Leutnants. 121 Offiziere. Kosten pro Jahr zirka 510 000 Mark, wovon die 25 pensionierten Generäle etwa 230 000 Mark erhalten, während die 22 pensionierten Oberleutnants und Leut⸗ nants zusammen nur gegen 14000 Mark be⸗ kommen.— Der Gesamtabgang an Offizieren im zweiten Vierteljahr dieses Jahres beträgt nicht weniger als 285 Offiziere!
Lebensmittel⸗Wucher.
Seite versichert wird, verlangen die Wortführer des Junkertums bei den Behörden für Schweine- schmalz einen Zoll von 20 Mark per Doppelzentner gegen 10 Mark bisher. Es sind im Jahre 1899 in Deutschland 1122 673 Doppelzentner Schweineschmalz im Werte von 64 544000 Mark eingeführt worden, die einen Zoll von zirka 10 Millionen Mark eingebracht haben. Diese Steuer, die man also verdoppelt wünscht, ist lediglich von der arbeitenden Be⸗ völkerung getragen worden. Aber damit nicht genug; mit der durch eine solche Zollerhöhung verbundenen Verteuerung der ausländischen Fette wird zugleich eine entsprechende Preissteigerung der inländischen landwirtschaftlichen Fettprodukte: Schmalz und Butter herbeigeführt, da bekanntlich die deutsche Landwirtschaft nicht im stande ist, den Bedarf an Schmalz selbst zu decken. Und das ist es denn auch, was die Agrarier wollen.
Die Regierung hat den agrarischen Wünschen hinsichtlich der Zollerhöhung auf Schweineschmalz bereits ihre Geneigtheit ausgesprochen. Die Steuer, die man den armen und mittleren Mann hier wieder aufladen will, würde nach vielen Millionen zählen.
Wer bezahlt die Warenhaussteuer?
Wie es um den„Schutz des Mittelstandes“ aussieht, der nach Ansicht der antisemitischen und sonstigen Mittelstandsretter durch die Waren⸗
„Vorwärts“ veröffentlichtes Rundschreiben, wel⸗ ches ein Dresdener Warenhaus an seine Liefe⸗ rauten richtet. In demselben wird darauf hingewiesen, daß nunmehr vom Dresdener Stadt⸗ rat eine Umsatzsteuer beschlossen worden ist, und die Firma ersucht ihre Lieferanten, ihr bei ihren Bezügen einen entsprechenden Umsatz⸗Bonus zu gewähren. Dann heißt es weiter:
„Da diese Umsatzsteuer von unserem gesamten Verkaufserlös zu zahlen ist, so sind wir, der Not gehorchend, gezwungen, für die Folge nur mit solchen Lieferanten zu arbeiten,
* In Deutschland gemacht. ** Prämie, Vergütung.
a orpedobooten und Unterseeboten, an. Die Regierungsvorlage
Wie dem„Vorwärts“ von sehr glaubwürdiger
Seit dem 15. Mai, also in nur 6 Wochen.
In Summa
haussteuer erreicht werden soll, zeigt ein im
elsssen. 10 ande irenhal Junmlöf Huschel! nhl nie Elondpu Ahnen at Steuer schlim me diejenige Antreten dez Mi
Was
Ein handlut entroll. Halle handelte berichtet Domäne ahielter Mittags die Aub Anttetat heit, zwe des Die die Ant bauchig ö täglic
flinken N Nürm ungen
— 2 — —
—
2 2 — — —
— —— — — = —
1 1 N


