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Nr. 2.

Mitteldeutsche Sonntaags⸗Zeitung.

Seite 7.

füchtiger Liebe. Sie trocknete eine Thräne ab. Da trat schüchtern der zärtliche Bramine herein. Es entstand tiefe Stille. Philipp wußte hier nichts besseres zu thun, als er führte den Kammerherrn zur Kameliterin, legte beider Hände ineinander, ohne ein Wort zu sagen, und überließ sie ihrem Schicksal. Er selbst ging in den Saal zurück.

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Hier stieß ihn ein Mameluck an, und sagte hastig:Gut, Domino, daß ich Sie finde! Ist das Rosenmädchen hier im Kabinett? Der Mameluck trat hinein, und kam den Augenblick wieder zurück.Auf ein Wort allein, Domino! und führte Philipp in einen entlegenen Teil des Saals ans Fenster..

Was steht zu Befehl? fragte Philipp.

Ich beschwöre Sie, sagte der Mameluck mit gedämpfter, aber fürchterlicher Stimme,wo ist das Rosenmädchen?!.

Was geht mich das Rosenmädchen an 2

Aber mich desto mehr; entgegnete der Mameluck, dessen gepreßte Stimme, dessen un⸗ ruhige Bewegungen eine schreckliche Gärung seines ganzen Junern verrieten.Mich desto mehr! Es ist mein Weib. Sie wollen mich unglücklich machen. Prinz, ich beschwöre Sie, treiben Sie mich nicht zum Wahnsinn! Lassen Sie von meinem Weibe!

Von Herzen gern! 0 trocken. 1a habe ich mit Ihrer u schaffen?

f 600 Prinz! Prinz! rief der Mameluck; ich bin zum Aeußersten entschlossen, und sollte es mir das Leben kosten. Verstellen Sie sich keinen Augenblick länger vor mir! Ich habe alles endeckt. Hier, da sehen Sie hier das Billet, das Ihnen das falsche Weib in die Hände drückte, und Sie, ohne es gelesen zu haben, im Gedränge verloren. a 2171

Philipp nahm den Zettel. Mit Bleistift war von einer weiblichen Hand darauf ge⸗ schrieben:Wechseln Sie die Maske! Alles kennt Sie. Mein Mann beobachtet Sie. Mich kennt er nicht. Wenn Sie artig sind lohn ich's Ihnen. 37 f

Hm! brummte Philipp.Das ist, so wahr ich lebe, nicht au mich gerichtet! Ich be⸗ kümmere mich wenig um ihre Gemahlin!

Himmel und Hölle, Prinz, machen Sie mich nicht rasend! Wissen Sie, wen Sie vor sich haben? Ich bin der Marschall Blauken⸗ schwerd. Daß Sie meinem Weibe nachstellen, ist mir seit der letzten Redoute am Hofe nicht unbekannt..

Herr Marschall, versetzte Philipp, nehmen Sie mir's nicht übel, die Eifersucht blendet Sie! Wenn Sie mich recht kennten, Sie würden von mir so tolles Zeug gar nicht denken. Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, Ihre Gemahlin soll Ruhe vor mir haben 10

Ist das Ihr Ernst, Prinz?

Vollkommen!

Geben Sie mir den Beweis!

Wie verlangen Sie ihn? f 5

Sie haben sie bisher abgehalten, ich weiß es, zu ihren Verwandten nach Polen mit mir zu reisen. Bereden Sie sie jetzt dazu.

Von Herzen gern, wenn Ihnen daran ge legen ist! R

Alles, Königliche Hoheit, alles! Sie ver⸗ hüten entsetzliches, unvermeidliches Unglück.

Der Mameluck plauderte noch ein langes und breites, bald weinerlich, bald flehend, bald drohend, daß dem guten Philipp bange ward, der Mensch könne in seiner Tollheit mit ihm vor aller Welt Händel beginnen. Und das war ihm eben nicht gelegen. Er war froh als er von ihm loskam.

Kaum hatte er sich in der Masse der übrigen verloren, kuiff ihn eine weibliche Maske, die schwarz beflort, in tiefen Trauerkteidern, einher⸗ ging, freundlich in den Arm und flüsterte: Schmetterling, wohin? Flößt Ihnen die berlassene Witwe kein Mitleid ein?

Philipp erwiderte gar höflich:Schöne Witwen finden der Tröster nur zu viel; darf Ich mich zur Zahl Ihrer Tröster zählen?

Warum sind Sie so ungehorsam, und wechselten die Maske nicht? sagte die Witwe,

antwortete Philipp Gemahlin

indem Sie mit ihm seitwärts ging, wo sie sich freier mit ihm unterreden konnte.Glauben Sie denn, Prinz, daß Sie hier nicht von jedem erkannt werden?

Die Leute, versetzte Philipp,sind doch ungewiß und irren sich in mir.

Wahrhaftig nicht, Prinz; und kleiden Sie sich nicht auf der Stelle anders, so verlasse ich Sie für den ganzen Abend. Denn ich möchte 99957 Mann keinen Anlaß zu einem Auftritte gehen.

Jetzt wußte Philipp, mit wem er es zu thun hatte.Sie waren das schöne Rosen⸗ mädchen! Sind die Rosen so schnell verblüht?

Was ist nicht vergänglich? Besonders Männertreue! Ich sah wohl, wie Sie mit der Karmeliterin davonschlichen. Bekennen Sie nur Ihre Flatterhastigkeit. Sie können nicht mehr leugnen.

Hm! versetzte Philipp trocken.Klagen Sie mich nicht an, sonst klag' ich Sie auch an. Zum Beispiel, schöner Schmetterling?

Es gibt, zum Beispiel, doch keinen treuern Mann, als den Marschall.

Das ist er wohl! Und ich habe unrecht, wahcelich großes Unrecht, Sie zu viel angehört zu haben. Ich mache mir Vorwürfe genug. Er hat leider unser Verhältnis ausgespürt.

Seit der letzten Redoute am Hofe, schöne Witwe!

Wo Sie so ausgelassen und unvorsichtig waren, schöner Schmetterling!

Machen wir's wieder gut; Trennen wir uns! Ich schätze den Marschall. Ich mag ihn um meinetwillen nicht leiden sehen.

(Fortsetzung folgt.)

Das Scharlachsteber. Eine Skizze aus der Kinderstube. Von Karl Ewald.

Dienstag morgen erkrankte Karl am Schar⸗ lach und am Mittwoch kam Elsa an die Reihe.

Sie lagen im Kinderzimmer und niemand durfte es betreten, am allerwenigstens Hans. Der Doktor kam jeden Tag, die Vorhänge waren heruntergelassen, es war alles höchst feierlich.

Am Abend nahm die Mama Hans zu sich und erklärte ihm, wie die Sache stand. Es würden viele Tage vergehen, ehe Karl und Elsa wieder herauskommen könnten und man müsse sehr vorsichtig sein, denn das Scharlach⸗ fieber sei eine schrecklich ansteckende Krankheit. Sie sei so assteckend, daß niemand von Karl und Elsas Teller oder mit ihren Löffeln essen, niemand sich mit ihren Schwämmen wäschen oder sich mit ihren Handtüchern abtrocknen dürfe.

Hans war äußerst ergriffen. Er starrte die verschlossene Thür an und hätte sich ihr um nichts anf der Welt genähert. Er horchte, aber es kam kein Laut von dort.

Die Zeit verging und die beiden Patienten begannen zu genesen.

Hans konnte hören, wie sie da drinnen lachten und spielten. Man kaufte ihnen Tusch⸗ kästen, Bilder und Zinnsoldaten. Sie bekamen Beefsteaks mit Spiegeleiern, Bier und Wein. Eines Tags guckte Hans durchs Schlüsselloch ins Zimmer und sah, daß die beiden am Tische feht und malten und daß es ihnen an nichts ehlte.

Sie sind gesund? fragte er.

Es geht ihnen besser, sagte die Mutter, aber sie schälen sich und da ist die Ansteckung am größten. Darum müssen wir auf dich gut aufpassen...

Hans lag in seinem Bett und dachte dar über nach. Als er schlief, träumte er vom Beefsteak mit Spiegeleiern, den Tuschkästen und Zinnsoldaten. Aber gleich dar auf erwachte er wieder und dachte nach.

Mitten in der Nacht, als alle schliefen, stieg er aus dem Bett und schlich sich barfuß an die Thür. Er öffnete sie und blickte hinein. Da lagen Karl und Elsa und schliefen ihren süßesten Schlaf. Auf dem Tisch standen die Tusch⸗ kästen und Zinnsoldaten.

Er ging zum Waschtisch, nahm ihren Schwamm und wusch sich tüchtig, trocknete sich mit ihrem Handtuch ab, schlich sich in sein Bett zurück und schlief guten Muts, voller Hoffnung und mit schönen Träumen ein.

Sprüche zur Lebensweisheit.

Lesefrüchte aus den Werken Friedrich des Zweiten(des alten Fritz).

Kein Gefühl ist unzertrennlicher von dem Wesen des Menschen als das Gefühl der Frei⸗ heit. Der gebildetste wie der roheste, alle sind auf gleiche Weise davon durchdrungen. Wie wir ohne Fesseln geboren sind, also verlangen wir auch ohne Zwang zu leben. Dieses Frei⸗ heitsgefühl hat die größten Männer hervorge⸗ bracht und die Republiken gegründet, deren Verfassung auf der Anerkennung der Gleichheit der Menschen beruht und sie dem Naturzustand näherbringt. 1

Alle Staaten haben einen gewissen Kreislauf von Ereignissen durchmachen müssen, bevor sie zu ihrer höchsten Höhe gelangten. Die Mo⸗ narchien sind mit langsameren Schritten dahin gekommen als die Republiken und haben sich auch weniger darauf zu erhalten gewußt; und wenn sich auch mit Recht behaupten läßt, daß die vollkommenste Regierungsform immer die gut verwaltete monarchische ist, so ist es doch nicht weniger gewiß, daß die Republiken den Zweck ihrer Einrichtung am schnellsten er⸗ füllt und sich am besten erhalten haben, weil gute Könige ste ben, Gesetze aber unsterb⸗ lich sind.

*

Ein Fürst soll nichts weniger sein als ein unumschränkter Gebieter des unter seiner Re⸗ gierung stehenden Volkes. Er ist vielmehr nur der erste Diener des Staates.

Gemeinnütziges.

Fleckwasser für Fettflecke, Choko⸗ ladenflecke, Harz und Wachsflecke. 1. 3 Teile Aether, 3 Teile Alkohol und 1 Teil Salmiakgeist werden in einer Flasche um⸗ geschüttelt. 2. 48 Gr. gereinigtes Benzin, 210 Gr. starken Spiritus schüttle man in einer gut verkorkten Flasche gut um. Nach 8 Tagen füge man noch 80 Gr. Salmiakgeist hinzu und schüttle alles zusammen un. Man befeuchtet ein Läppchen mit dieser Flüssigkeit und reibe damit den Fleck, bis die Unreinlichkeit beseitigt ist, dann reibe man mit einem Stoffläppchen so lange, bis der Fleck ganz verschwunden ist. Fleckwasser für Wäsche:, Klg. Chlorkalk rühre man mit ½ Ltr. Wasser zu Brei und füge noch/ Ltr. Wasser hinzu. In ½ Ltr. kochendem Wasser löse man/ Klg. Glauber⸗ salz auf und lasse es erkalten und gieße alles nach einer Stunde zusammen. Am anderen Tage seiht man es durch Leinwand und füllt die Lösung in Flaschen zum Aufbewahren.

Humoristisches.

Furchtbar. Eines Tages übergab Frau Schulze ihrem Mann einen Brief, mit der Bitte, ihn erst zu öffnen, wen er auf dem Bureau wäre. Ein wenig überrascht nahm er den Brief und begab sich eilig auf sein Comptoir; denn die Sache war ihm etwas unbehaglich. Der Brief lautete so:Ich bin genötigt, Dir etwas zu sagen, was Dir großen Schmerz bereiten wird. Es ist nicht meine Schuld; aber Du mußt alles wisseu, was auch kommen mag. Die ganze letzte Woche habe ich gewußt, daß dieser schwere Augenblick kommen mußte. Jetzt können meine Lippen es nicht länger verschließen. Ich kann nicht mehr schweigen, und ich flehe Dich an, mir keinen allzu großen Vorwurf daraus zu machen, sondern Du mußt mir helfen, das Unglück mit mir ge⸗ meinsam zu tragen.

Der kalte Schweiß trat Herrn Schulze auf die Stirn. Er war auf das Furchtbarste gefaßt. Dann las er weiter:

Die Kohlen sind nämlich alle. Sei so gut und be⸗ stelle sofort nach. Ich habe Dich wohl zehnmal daran erinnert, aber Du hast es stets vergessen. Darum schreibe ich Dir.

Diesmal vergaß Herr Schulze nicht.

(Simplic.)