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Mitteldeutsche Sountags⸗Zeitung.
Seite 3.
wird, war der Prinz v. Arenberg bis vor wenigen Jahren Offizier im 4. westf. Kürrassierregiment in Münster. Er mußte damals seinen Abschied nehmen wegen Soldatenmißhandlungen. Dann war er allerdings gerade der richtige, den man nach Afrika schicken mußte, um dort preußische Schneidigkeit heimisch zu machen. Eine Begnadigung!
Der Referendar Esser aus Ratingen bei Düsseldorf hatte sich im verflossenen Frühjahr im Ratinger Busch Arbeiterinnen gegenüber in sittlicher Beziehung schwer vergangen. Die Sache wurde von der Düsseldorfer Strafkammer mit drei Monaten Gefängnis geahndet. Nunmehr ist der Referendar infolge eines von ihm eingereichten Gnadengesuches zu 300 Mk. Geldstrafe verurteilt worden.
Milde bestrafte Gesetzesverächter.
In einem Prozeß gegen die Vetriebsbeamten der Zeche„Unser Fritz“, der vor der Straf⸗ kammer in Essen verhandelt wurde, sind ganz fkandalöse Verstöße gegen die Gewerbe⸗ ordnung festgestellt worden. Die Schutzbestim⸗ mungen, die das Gesetz den jugendlichen Ar⸗ beitern gewährt, sind jahrelang und trotz behördlicher Verwarnungen in gröblichster Weise mißachtet worden. Schutzbestimmungen, die an sich allzu geringfügig find und deren strengste Einhaltung nur ein Mindestmaß der nöligsten Gesundheitsbewahrung für die jugend⸗ lichen Arbeiter bietet. Trotzdem schamlos wiederholte Ueberschreitungen. In 14 Monaten haben 33 jugendliche Arbeiter 687 Ueberschichten verfahren. Sie mußten 18 Stunden hinter⸗ einander arbeiten, d. h. 10 Stunden länger als das Gesetz erlaubt. Die nötigsten Ruhe⸗ pausen wurden ihnen geraubt und selbst um die Sonn⸗ und Feiertage wurden ste betrogen. Wie die Dinge lagen, mußten die angeklagten Betriebsbeamten zugeben, daß sie das volle Bewußtsein ihres ungesetzlichen Thuns besaßen, aber trotz behördlicher Verwarnung setzten sie ihr strafbares Beginnen fort, und als eine Revision die Aufhebung des Nestes befürchten ließ, schritten sie zur Fälschung der Schich⸗ tenzettel und der Lohnlisten.
Die Milde des Urteils gegenüber di Leib und Leben zahlreicher junger Leute gefäh denden Machenschaften übersteigt doch selbst dasjenige Maß, was man bei Verstößen getzen die Gewerbeordnung gewöhnt ist. Die Haupt⸗ übelthäter wurden wegen Uebertretung der Ge⸗ werbeordnung zu 300 bezw. 50 Mark Geld⸗ strafe verurteilt. Das sind Summen, deren Abgang die betreffenden wohlhabenden Herren überhaupt nicht fühlen und die zweifellos um vieles niedriger sind als der Profit, der der Zeche aus der ungesetzlichen Ueberarbeit der jugendlichen Arbeiter erwuchs.
Wenn Arbeiter im kulturell wertvollen Kampfe um Hebung ihrer Lage eine geringe Ausschreitung begehen, so trifft sie schwerste Strafe, so wird oft ihre ganze Existenz und dazu ihre Gesundheit zerrüttet. Wie leicht da⸗ gegen gehen die Unternehmer und ihre Beamten aus, wenn sie in schnöder und systematischer Widersetzlichkeit Leben und Gesundheit jugend⸗ licher Menschen zu grunde richten!— Aus Hunger hat ein Arbeiter in Sagan in Schle⸗ stien einen Hund gestohlen, geschlachtet und verzehrt. Urteil: Zwei Jahre Zucht- haus!
Wie jetzt bekannt
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Des Kaisers Reisen.
Einen kleinen, nicht uninteressanten Uebere blick gewähren die einzelnen Armee befebln über die Reisen des Kaisers in 1899. Man findet hier als Ausgabeorte, abgesehen von Berlin und Potsdam, noch folgende Städte ꝛc.: Bremen, Kiel, Hubertusstock, Friedrichs ruh, Weimar, Karlsruhe, Wartburg, Straßburg, Straßburg, Urville, Wiesbaden, Cummersdorf, Pröckelwitz, Hannover, Helgoland, Eckernförde, Travemünde, Orskog, Molde, Drontheim, Merok, Aalefund, Bergen, Olden, Wilhelmshaven, Wilhelmshöhe, Arolsen, Metz, Neuhof, Ebers⸗ walde, Swinemünde, Danzig, Rominten, Marienburg, Hamburg, Letzlingen, Kaiser Wil⸗
schloß Göhrde, Blankenburg, also 40 Orte.— Man vergesse nicht, daß aus diesen 40 Orten allein Armee befehle ergingen. Die Zahl der Orte, die der Kaiser im vorigen Jahre besuchte, ist zweifellos viel größer. Ausländisches. Belgien. Im Brüsseler Volkshause wurde am Sonntag vor Weihnachten ein sozialdemo⸗ kratischer Agrar⸗Kougreß abgehalten. Ge⸗ nosse Bandervelde war Vorsitzeader. Nach eingehender Diskussion nahm der Kongreß nach⸗ stehende Beschlüsse an: 1. Es soll eine Schrift herausgegeben werden, in welcher das Verhältuis der Bauern und Landarbeiter zu den Junkern(Seigneurs), Grundbesitzern, der Kirche und dem Staat ge⸗ schichtlich dargestellt werden soll. 2. Vornahme von Studien bezüglich einer genossenschaftlichen Bewirtschaftung des Grund und Bodens und der für die Bauern daraus resultierenden Vorteile. 3. Die Genossen auf dem Lande werden verpflichtet, in die landwirtschaftlichen, bäuer⸗ lichen Vereine einzutreten, um dort Einfluß zu gewinnen. 4. Die Partei wird einen sozialistischen Kalender für die Landbevölkerung heraus⸗ geben. 5. Wo der Großgrundbesitz vorherrscht, werben Landarbeiter⸗Organisationen gebildet. 6. Der Kongreß bringt den Wunsch zum Ausdruck, daß die sozialdemokralischen Ge⸗ meinderäte den Ankauf von landwirtschaft⸗ lichen Maschinen, die dann von der Gemeinde den Bauern zur Verfügung gestellt werden, unterstützen mögen.
7. Allen Sozialisten, welche an dem letzten Gemeinderats⸗Wahlkampfe mit beteiligt waren, wird empfohlen, Konsumgenossenschaften zu begründen.
8. Der Kongreß erklärt die Idee, in be⸗ sonders hierfür geeigneten Baugemeinden Koope⸗ rativgenossenschaften zur Probuktion von Ge⸗ flügel und Eiern zu begründen, für realisierbar.
Zum Schluß hielt Vandervelde einen sehr interessanten Vortrag über den Agrarsozialismus.
Desterreich. Endlich ist der Zeitungs⸗ stempel gefallen, eine ganz mittelalterliche Steuer. Für unsere Partei ist der Fall dieses Stempels von größter Bedeutung, wird doch jetzt die Presse wesemlich billiger und infolge⸗ dessen in viel weitere Kreise dringen als seither. Um sagen zu können, was die Aufhebung des Zeitungsstempels für uns bedeutet, müßten wir die ganze Leidensgeschichte der österreichischen Presse erzählen. Nur auf einen Punkt sei hier hingewiesen. Der Zeitungsstempel war schon nach seiner Höhe eine ungeheuerliche Steuer: ein Kreuzer(I,7 Pfg.) für jedes Exemplar. Das heißt, ein Blatt mit einer Auflage von 20000 Exemplaren hat im Tage 200 Gulden, im Jahre 73000 Gulden oder hundertein⸗ undzwanzigtausend Mark an Stempel⸗ steuer zu bestretten. Dabei trifft die Steuer gerade die finanziell schwächeren Blätter am schwersten. Ein Beispiel: die bürgerliche„Neue Freie Presse“ mit zwei Ausgaben täglich zahlt von 9 Kreuzern, die sozialdemokratische „Arbetterzeitung“ mit einer Ausgabe von 5 Kreuzern je 1 Kreuzer Steuer, die eine ein Neuntel, die andere ein Fünftel ihrer Bruttoeinnahme. Und wie oft mußte unser Wiener Organ den Stempel zweimal zahlen! Jedesmal, wenn eine Ausgabe der Zensur verfiel und eine zweite Ausgabe veranstaltet werden mußte.
Diese kleine Reform ist zunächst das einzig erfreuliche, was zu berichten ist. Im übrigen wursteln die österreichischen Ministerien aus
der Hand in den Mund weiter und zwar jämmerlich genug. Damit soll nicht etwa gesagt sein, als wenn bei uns, das heißt in Preußen⸗ Deutschland, die Ministerien mustergültig re⸗ gierten. Ach nein!
Der Krieg in Südafrika.
In England herrschte zum Jahreswechsel großer Jubel. Es war nämlich die Nachricht
Sieg über die Buren davongetragen hätte. Der Feind sei geschlagen und geflohen. Wie eine kalte Douche mag folgende Depesche gewirkt haben, die am 3. Januar aus Südafrika in London eintraf:„Heute Morgen erhielt die Lage bei Colesberg eine unerwartete Wendung. Es zeigte sich, daß die Buren während der Nacht zurückgekehrt waren und ihre früheren Stellungen wieder eingenommen hatten. Heute machten sie schuell ihre Anwesenheit be⸗ merkbar. Ihre Schnellfeuergeschütze, die wir gestern vernichtet zu haben glaubten(1), er⸗ öffneten das Feuer auf unsere Kavallerie. Die Geschütze der Buren wurden mit großer Ge⸗ nauigkeit bedient, aber die Geschosse explodierten nicht und das Feuer war unwirksam. Wir halten noch alle Stellungen, die wir gestern nahmen. Vereinzeltes Schießen dauert fort Die Buren sind zweifellos sehr verstärkt, seit wir sie gestern schlugen.(111)— Allem Anschein nach haben die Engländer diesmal etwas weniger Hiebe bekommen als seither und da haben sie sich eine Nacht lang eingebildet, sie hätten gesiegt. Es wird ein entscheidender Schlag in diesen Tagen erwartet.
Das neue Jahr hat für die Engländer in Südafrika schlecht begonnen. Es ist ihnen nämlich ein Güterzug mit 26 Wagen voll Vorräten bergab ins Burenlager davongelaufen. So'n Pech!
Die Engländer behaupten, der von ihnen in der Delagoa⸗Bay gekaperte deutsche Dampfer „Bundesrat“(siehe oben unter: Ueberseepolitik) habe fünf große Kanonen, 50 Tonnen Ge⸗ schoß und 7000 Sättel an Bord gehabt. Unter den Passagieren sollen sich 180 ge⸗ schulte Artilleristen befinden.— Wenn sich diese Behauptungen als wahr herausstellen sollten, dann wäre das Verhalten der Engländer begreiflich. Allerdings entspricht dasselbe nicht dem Buchstaben des Völkerrechts, weil die Delagoa⸗Bay, im portugiesischen Besttz befindlich, neutrales Gebiet ist. Aber kein Mensch ist im Zweifel, für wen das Kriegs⸗ material und die„180 geschulten Artilleristen“ bestimmt sind. Wir zweifeln keinen Augenblick daran,— die Richtigkeit der englischen Be⸗ hauptungen vorausgesetzt— daß jede andere Nation im selben Falle genau so gehandelt und die„neutralen“ Schiffe gekapert haben würde. Es ist geradezu lächerlich, daß so viele Men⸗ schen wegen der englischeg Schiffskaperei, ge⸗ radezu aus dem Häuschen kommen, die gegen die, Krieg genaunte, Menschenschlächterei an sich gar nichts einzuwenden haben, vielmehr jeden Augenblick bereit sind, auf Kosten anderer Leute alle gewünschten Mordwerkzeuge zu be⸗ willigen.— Man verstehe uns nicht falsch. Wir entschuldigen das Kapern der Schiffe keineswegs, aber wir finden es vom Stand⸗ punkte der wie in einer Maufefalle festsitzenden Engländer erklärlich. Noch eins: Wenn wir zum Schlusse sageg, daß wir den Eng⸗ ländern aufrichtig die schönsten Prügel wünschen, so ist das so zu verstehen, daß wir wünschen, die unersättlichen englischen Kapitalisteu, die durch ihren Verwaltungsausschuß, eben die englische Regierung, jenen un verantwortlichen brulalen Bruderkrieg angezettelt haben, möchten einen unvergeßlichen Denkzettel be⸗ kommen. Jeder gefallene Soldat, sei er ein Bur, der für sein bedrohtes Vaterland kämpft, sei er ein Engländer, der in den Krieg gehetzt wurde und auf Kommando morden muß, thut uns gleich leid. Schlimm genug, daß das internationale Proletariat noch nicht stark genug ist, Kriege, die immer nur im Juteresse des Kapitalismus oder ehrgeiziger Gewalthaber liegen, unmöglich zu machen.
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Eine Bestellung der Buren in Berlin. Daß es die Buren verstanden haben, sich bei Zeiten für alle Eventualitäten zu sichern und sich das nötige Kriegsmaterial zu ver⸗ schaffen, ist ja bekannt. Diese Taktik wird z. B. auch dadurch illustriert, daß in Berlin schon im Junt vorigen Jahres Bestellungen auf Gewehre und Munition eingegangen sind. Die deutsche Waffen- und Munitionsfabrik in
helm⸗Kanal, Port Viktoria, Vlissingen, Jagd⸗
eingetroffen, daß General French einen großen
Berlin, Dorotheenstraße, bekam schon Anfang


