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Truppen gemeinsam operieren.

der Nähe

Seite 4.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Nr. 45.

feinden versuche. Diese Hetze werde von der Arbeiterschaft Englands verurtheilt; welche wisse, daß ein Krieg zwischen England und Frankreich alle Fortschritte der Kultur gefährde und nur Deutschland nützen würde. Die Pariser Gewerk⸗ schaften, die den großen Saal der Arbeitsbörse füllten, nahmen das Manifest mit lauter Be⸗ geisterung auf.

Der Krieg mit China.

Wenig Bemerkenswerthes ist von dem Schauplatze der Verbreitung europäischer Kultur zu melden. Die täglichen Plünderungen und Hinrichtungen werden schon nicht mehr zu dem Bemerkenswerthen gerechnet. Von den Deutschen wurden an einem Tage nicht weniger als 14 Hinrichtungen chinesischerBoxer vor⸗ genommen. Vom Weltgeneral Walder see werden auch noch keine der Großthaten berichtet, für die er sich vor seiner Abreise überschwäng⸗ lich feiern ließ.

Von Operationen der Ver⸗ bündeten wird aus Tientsin gemeldet: Die Expedition, die von hier am 23. Oktober nach Hoangho und Paoti abging, kehrte heute hierher zurück, ohne zu einem Kampfe gekommen zu sein. 4000 Boxer hatten, wie berichtet worden war, bei Paoti sich bei dem Herannahen der Expedition zerstreut. Man befürchtet hier, daß sich jede Expedition gegen die Boxer als verfehlt erweise, da diese, obwohl sie nach wie vor die einge⸗ borenen Christen verfolgen, sich zerstreuen und die Waffen verbergen, sobald sie von der An⸗ näherung der fremden Truppen Kenntniß er⸗ halten.

Ferner wird berichtet: Nach den Anord⸗ nungen des Feldmarschalls Grafen Waldersee kehren die britischen Truppen nach Peking und Tientsin zurück, wo sie am 6. Nov. eintreffen. Sie werden mit den deutschen und italienischen Die nach Peking zurückkehrenden Abtheilungen marschieren in drei parallelen Linien, um auf dem Wege be⸗ findlicse Boxer abzufangen.

Friedensverhandlungen. Die Berathungen der Gesandten zur Feststellung der China zu stellenden Forderungen dauern fort. Die Verhandlungen wollen anscheinend nicht recht vorwärts kommen. Obwohl die Gesandten am Montag bereits ihre dritte Sitzung abge⸗ halten haben, so verlautet doch immer noch nichts über die gefaßten Beschlüsse.

Daß Frankreich und Rußland bereits officiell ihre Zustimmung zu dem deutsch⸗ englischen Abkommen ertheilt haben, bestätigt sich, wie officiös aus Berlin telegraphirt wird, nicht, dagegen besteht nach den in Berlin vor⸗ liegenden Meldungen einige Wahrscheinlichkeit, daß auch der Beitritt dieser beiden Staaten er⸗ folgen werde.

Der Krieg in Südafrika.

Trotz der feierlichen Proklamation der süd⸗ afrikanischen Republiken zu britischen Kolonien setzen die Buren den Kleinkrieg unablässig fort und bringen den Engländern theilweise schwere Verluste bei. So griffen sie am 24. Okt. in von Hoopstadt eine englische Truppe, die Maximgeschütze bei sich hatte, mit Uebermacht an, brachten ihr große Ver⸗ luste bei und richteten ihr Feuer hauptsächlich auf die Maximgeschütze, die aufgegeben wurden. Die Engländer hatten 7 Todte, 11 Verwundete; 15 wurden gefangen. Dewet soll im Norden des Oranje Freistaates 3000 Burghers bei sich haben.

Auch Kimberley soll durch ein starkes Burenkommando bedroht sein.

Die Stadt London feierte am Sonntag die Rückkehr der City⸗Frei willigen, bei der es äußerst roh zuging. Ungeheure Menschenmassen waren auf den Straßen. Die Reihen der Freiwilligen wurden durchbrochen. Viele Menschen wurden zu Boden gerissen und verletzt.

Von Nah und Fern.

FC Parteigenossen.

Parteigenossen! Zur Betreibung nachhaltiger Agitation ist jetzt die ge⸗ eignete Zeit! Wegen Versammlungen wende man sich an uns oder an den Vorstand des Kreiswahlvereins G. Beckmann Gießen, Grünbergerstraße 44. Vergeßt auch nicht, für die Verbreitung der Presse zu wirken! FEC m...

Gießener Angelegenheiten.

Sozialdemokratischer Wahl⸗ verein. In der letzten Versammlung am vorigen Samstag besprach Genosse Vetters in einem kurzen Referate zunächst den von der Leipziger Volkszeitung veröffentlichen Brief Bueck's und zog die sich daraus ergebenden Schlüsse, namentlich, wie berechtigt das Mißtrauen sei, das von uns den Regierungs⸗ leuten entgegengebracht würde. Weiter zeigte er an demHirtenbrie fe der Bischöfe, wie von Seiten der Geistlichkeit jede selbst⸗ ständige Regung der katholischen Arbeiter und jeder Versuch, sich der pfäffischen Bevormundung zu entziehen, zu unterdrücken versucht wird. Schon jetzt, nachdem einechristliche Gewerk⸗ schaftsbewegung kaum entstanden, vollziehe sich der Zersetzungs⸗Prozeß, der unsererseits voraus gesagt worden sei. Schließlich betonte Redner, wie gering im Verhältniß zu ihrer Zahl heute noch der Einfluß der Arbeiter auf das öffentliche Leben sei. Gebessert habe es sich ja schon einiger⸗ maßen Dinge, wie der Bueckbrief wären ohne unsere Presse nie an das Tageslicht ge⸗ kommen. Unser Streben müsse in erster Linie der Ausgestaltung unserer Presse gewidmet sein. Genosse Voltz brachte hierauf die Kohlen⸗ noth zur Sprache. Hier müsse von Seiten der Stadtverwalt ung unbedingt etwas gethan werden, sonst geht die ärmere Bevölkerung, falls ein harter Winter kommt, trostlosen Zuständen ent⸗ gegen. Er wünscht, die Versammlung möge unsere Vertreter beauftragen, in der Stadtverordn. Versammlung diesbezügliche Anträge stellen. Nach längerer Diskussion wurde beschlossen, vom Verein aus bei der Stadtverwaltung zu be⸗ antragen, dieselbe möge Kohlen ankaufen, und zum Selbstkostenpreise in kleinen Quantitäten an Minderbemittelte abgeben, wie das schon in mehreren Städten geschehen sei. Hoffentlich folgt die Stadt dem Beispiele der letzteren und beschließt im Sinne des Antrages! Nach Erledigung einiger geschäftlichen Angelegenheiten schließt die Versammlung ziemlich frühzeitig. Einige Mitglieder beriethen hierauf noch lange, in welcher Weise zweckmäßige Agitation zu betreiben und für Aufklärung der Masse zu sorgen sei. Möge der Ersolg nicht ausbleiben!

Gewerkschaftskartell. Aus den Be⸗ richten, die über die Thätigkeit des Kartells in der Virsammlung am Sonntag vor 8 Tagen erstattet wurden, sei Folgendes angeführt. Die Einnahmen des Kartells betrugen im ver⸗ flossenen Jahre Mk. 399,60; die Ausgaben Mk. 281,77, so daß ein Kassenbestand von Mk. 117,83 verbleibt. Im gleichen Zeitraum gingen für den Streikfonds Mk. 632,16 ein, die Ausgabe aus demselben betrug Mk. 626,45, bleibt ein Bestand von Mk. 5,71. Dem Kassirer, sowie auch den übrigen Vor⸗ standsmitgliedern wird Decharge ertheilt und Ersterem Mk. 10. für seine Mühewaltung bewilligt. Einem Antrage der Buchdrucker in Zukunft nur 5 Pf. pro Mitglied und Viertel⸗ jahr Beitrag zum Streikfonds zu erheben, wird zugestimmt. Weiter wird der Vorstand beauftragt Herrn Schauspieler Walkotte zu einer Rezitation für hier zu gewinnen. Ferner wird ein weiterer Antrag der Buchdrucker, alljährlich 2 Genecalversammlungen abzuhalten, ebenfalls angenommen. Busch bringt zur Sprache, daß bei Gewerbegerichtssitzungen Herr

Keller verschiedentiich den Vorsitz ührt habe. Seiner(Busch's) Ansicht nach bat Herr K. nicht über die nöthige Vertrautheit mit den das Arbeitsverhältniß betreffenden rechtlichen Fragen. Beschlüsse werden in dieser Sache nicht gefaßt. Zur Agitation unter den hiesigen Metzgergesellen sollen pro Quartal 20 Exemplare des OrgansDer Fleischer bestellt und verbreitet werden.

Sehr vorsichtig benahm sich der Gießener Anzeiger in der 12000 Mark⸗An⸗ gelegenheit. Erst acht Tage nach der Veröf⸗ fentlichung des Bueck-Briefes druckte er den⸗ selben ab und bemerkte bei der Besprechung der Affäre, es habe ihm widerstrebt, darauf einzugehen, weil der Brief auf eine nicht zu billigende Art an die Oeffentlichkeit gelangt sein müsse. Alle Achtung vor dem feinen mo⸗ ralischen Empfinden. Hätte es aber auch Stand gehalten, wenn durch die Veröffentlichung des Briefes die Sozialdemokratie kompro⸗ mittirt worden wäre, wenn z. B. der französische Minister Millerand ähnliches, wie Herr Woedtke gethan hätte? Wir möchten es stark bezweifeln!

Tapezirer⸗Versammlung. Wes⸗ halb organisiren wir uns? lautete das The⸗ ma, über welches in der Versammlung am ver⸗ gangenen Montag Redakteur Vetters ein⸗ gehend sprach. Er wies hin auf die Organi⸗ sationen der Unternehmer und die großen Op⸗ fer, welche die letzteren dafür bringen und ermahnte zu besserem Zusammenschlusse. Kurz wurden dann noch die vorzüglichen Verbesser⸗ ungen im Unterstützungswesen der Tapezirer⸗ Verbandes gestreift. Dieser hat bekanntlich Kranken- und Sterbeunterstützung sowie Un⸗ terstützung bei Domizilwechsel eingeführt. Für nächste Versammlungen stehen ebenfalls schon einige Vorträge aus und wäre es der Filiale nur zu wünschen, daß sie recht gute Früchte zeitigt für ihr rastloses Arbeiten.

Heuchelheim.

St. Am Sonntag Abend erstattete Genosse Orbig-Gießen in einer gut besuchten Ver⸗ sammlung Bericht über den Parteitag in Mainz. Redner besprach eingehend die dem Parteitag vorgelegten Berathungsgegenstände, ihre Er⸗ örterung in Mainz und die darüber gefaßten Beschlüsse. Mit großer Aufmerksamkeit folgte die Versammlung den beinahe zweistündigen Ausführungen. Eine Diskussion fand nicht statt; den Beschlüssen des Parteitages wurde zuge stimmt. Für einen Sonntag Abend hätte der Besuch der Versammlung immer noch stär ker sein können. Leider kann so mancher Genosse sich nicht dazu bequemen, den Skattisch auf einige Stunden zu verlassen. Gerade in der gegen⸗ wärtigen Zeit, wo man die Rechte der Arbeiter nach jeder Richtung hin zu beeinträchtigen sucht, wo höhere Ideale in Muckerei, Speichelleckerei und Hunnenthum unterzugehen drohen, muß es die Aufgabe und Pflicht unserer Genossen und der Arbeiterschaft sein, für wahre Freiheit und Kultur stets einzutreten. Darum fester Zu⸗ sammenschluß! Immer alle Mann am Platze! Mögen deshalb unsere Freunde den zu⸗ künftigen Versammlungen die gebührende Beach⸗

tung schenken! Wieseck.

ch. Auf die am Sonntag Abend im Saale des Herrn Ziegler stattfindende Volksversamm⸗ lung machen wir hiermit nochmals besonders aufmerksam, namentlich ersuchen wir unsere Genossen, recht zahlreich und pünktlich am Platze zu sein. Selbstverständlich sind auch Frauen willkommen!

Aus Lich.

Frommer Schwindler. Wir lesen im Gießener Anzeiger: Gester m wurd hier ein angeblicher Missionar Felger aus Berlin verhaftet. F. verstand es, vor einiger Zeit bei zwei hier wohnenden, ledigen Geschwistern die ortsbekanntlich als geistig nicht normal ge⸗ schildert werden, aber dennoch über ein an⸗ sehnliches Vermögen verfügen, durch Vorspie⸗ gelungder Heiland habe ihn geschickt, sie soll⸗ ten ihm für den Heiland ihr Geld geben, ver⸗ anlaßte, dem angeblichen Missionar eine grö⸗ ßere Summe, wie man hört ca. 4000 Mk., ein⸗ zuhändigen, womit er verschwand, bis er vor⸗

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