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Mitteldeutsche Sonntags- Zeitung.
Nr. 10.
Seite 6.
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Sturmgesang. Gar oft bei langer Winternacht,
wenn laut der Sturm pfiff durch die Föhren,
Hab' auf dem Lager ich gewacht, Die rauschende Musik zu hören.
Und all die wilden Melodien,
Die da die Windsbraut mir gesungen, Sie sind in manchem Liede kühn Auf's Neu' entgegen mir geklungen.
Es hat der laute Sturmgesang Versunkene Träume wachgerüttelt, So wie er oft mit wildem Klang Die alten Föhren hat geschüttelt.
Es ist die alte Schlachtmusik—
Die Freiheit wirbt um ihre Streiter. So wie sie oft im Augenblick
Den Uampfesmut trug weit und weiter
Und weht der Sephir lau und lind
Und kann er uns das Haar nicht zausen, Ich höre lieber doch den Wind,
Den Sturmwind durch die Föhren brausen.
H. Kämpchen.
Der Maskenball.
Humoreske von Eugen Rückert.
In dem kleinen Städtchen Lauchstädt herrscht seit einigen Tagen eine große Aufregung wegen dem bevorstehenden Künstlerball.
Der Gerichtsaktuar Schneidig, eine stadt— bekannte Persönlichkeit, den man seines Witzes sowohl als seiner sonstigen Bildung wegen allgemein schätzte, war auch zu diesem Balle eingeladen. Der kärgliche Gehalt aber, den er bezog, reichte gerade zu einer beschränkten Wirtschaft, erlaubte aber derartige Festlichkeiten nicht. So kam es auch, daß er den Bitten seiner Frau, einer hübschen Blondine mit schel⸗ mischen blauen Augen, gegenüber taub sein mußte, obgleich er selbst von einer unsichtbaren Gewalt nach dem Feste gezogen wurde. Die Frau ließ aber nicht nach, ihren Mann mit Bitten zu bestürmen, machte ihm diese und jene Vorschläge, wie es möglich wäre, das Fest zu besuchen, half aber alles nichts. Ihr Mann war unerschütterlich in seinem Entschluß, er hatte ein hartes Herz.
Zwei Tage vor dem Feste, die Zwiesprache in Schneidig's Hause hatte aufgehört, war der Gerichtsaltuar Schneidig ganz gegen seine Ge— wohnheit mit dem Aufräumen des Bodens be— schäftigt, wobei ihm ein fremder Mann be⸗ hlflich war. Seine Frau merkte von dem ganzen Vorkommnis nicht das Geringste, und so kam es, daß ein ganz neues Oberbett seinen Weg zum Pfandhaus nahm. Herr Schneidig begleitete den Dienstmann bis zur Thür dieses historischen Hauses und wartete daselbst die Rückkehr ab. Nach Verlauf einiger Zeit kehrte der Mann zurück, übergab Herrn Schneidig den Erlös und ging, nachdem er seinen Lohn in Empfang genommen, stillvergnügt von dannen. Herr Schneidig aber begab sich zu einem Maskeradehändler und lieh dort einen Domino, 10 10 8 0 er sich zum Feste unkenntlich machen
ollte.
„Zu der Zeit, in welcher unsere Geschichte spielt, waren aber viele falsche Geldstücke im Kurse, und unaufgeklärterweise hatte Herr Schneidig beim Bezahlen des Dienstmanns ein solches verwendet. Was war natürlicher, als daß derselbe zur Wohnung Schneidig's ging und von der Frau derselben, nachdem er die ganze Geschichte erzählt, seinen Lohn unter Rückgabe der unwertigen, in barer Münze forderte und erhielt.
Als Frau Schneidig diese Mär vernommen, kam auch ihr ein rettender Gedanke. Flugs holte sie das Unterbett vom Boden, gab es dem Dienstmann mit der Weisung, es dem Oberbett nachzutragen und den Erlös ihr in Person zu bringen.
Der Festtag war angebrochen, am Abend kehrte der Gerichtsaktuar Schneidig früher als sonst vom Dienste zurück und gab an, noch einen Freund besuchen zu müssen. Seine Frau schützte starkes Kopfweh vor und wollte sich auf diese Weise seiner entledigen.
Glänzend waren die Säle des Schützenhauses anzusehen mit ihren prachtvollen Dekorationen. Die Thüren waren erst geöffnet und nun füllten sich die Räume schnell. Wir bemerken unter den Maskierten einen Domino, wie er seine holde Partnerin vergebens an das Büffet nötigt; er versucht unter ihre Maske zu blicken, es will ihm aber nicht gelingen, und so muß er sich bis zu der auf zehn Uhr angesetzen Demaskierung gedulden. Endlich ist es so weit; wie erschrickt er aber, als er in dem vermeintlichen jungen Mädchen seine ihm an⸗ getraute Frau erblickt.
Auf sein Befragen, wo sie die Mittel dazu her habe, antwortete sie schnippisch:„Liebes Männchen, das Unterbett tanzt mit dem Oberbett.“
Groß und Klein.
Nehmen wir einmal an, auf der Erde lebten 1300 Millionen Menschen, je zehn bewohnten ein anständiges Haus von etwa 40 Fuß Höhe und Breite und 40 Fuß Tiefe, so stellten alle diese Bauten mit ihrem lebenden und toten Inventar einen Raum von 6240 Milliarden Kubikfuß dar. Eine große, faß kaum faßbare Summe, die aber in Wirklichkeit noch keine halbe Kubikmeile ausmacht. Denkt man sich eine Kiste, die nach allen Kanten eine Meile mißt, also 7420 Meter lang, breit und hoch wäre, so hätten alle Städte, Dörfer und Häuser der Erde samt allen Tieren und Menschen vollständig darin Platz, ja, es bliebe noch ein gutes Stück Raum übrig. Ließen sich aber die Menschen wie Heringe in ein Faß packen, so reichte dazu schon ein Kistchen von 2400 Fuß Länge, Höhe und Tiefe aus. Was ist groß und was ist klein?
Tausend Millionen sind bekanntlich eine Milliarde, tausend Milliarden, das ist eine Million Millionen, bilden eine Billion, eine 1 mit 12 Nullen; multipliziert man diese Billion 1000 mal, so bekommen wir eine Tril⸗ lion, diese, nochmals 1000 mal 1000mal ge⸗ nommen, macht eine Quadrillion, und sechs solcher Quadrillionen Kilogramm bilden das Gewicht der Erde. Gehen wir einen Schritt weiter: Die Sonne übertrifft an Masse 310000mal die Erde und ist noch 600mal größer an Rauminhalt als sämtliche Planeten zusammengenommen.
Stellen wir uns die Sonne als eine Hohl⸗ kugel und die Erde, mit ihrem Trabanten in der gewohnten Entfernung von 50000 Meilen, in ihren Mittelpunkt versetzt, so bliebe der Mond immer noch 40000 Meilen unterhalb der Oberfläche jener Sonnenkugel. Unser ge⸗ wöhnlicher Maßstab versagt uns schon hier den Dienst. Wollen wir uns aber von den un⸗ geheueren Verhältnissen, die sich hinter unserer eigenen kleinen Welt aufthun, eine ungefähre Vorstellung zu machen versuchen, so kommen wir ohne übermenschliche, ja überirdische Maß⸗ stäbe gar nicht aus. Hierzu bietet sich uns in erster Linie die Sonnenweite, das heißt der Ab⸗ stand der Erde von der Sonne, rund zwanzig Millionen geographische Meilen oder 148 600000 Kilometer, für noch größere Weiten aber unsere Entfernungen vom nächsten Fixstern Alpha im Centaur, die sogenannte Sternweite, die man zu 200000 Sonnenweiten oder vier Billionen geographische Meilen berechnet hat. Um uns diese Entfernungen einigermaßen näher zu bringen, können wir annehmen, daß ein Schnell— zug, der 96 Kilometer in der Stunde zurück⸗ legt, bis zur Sonne gegen 200 Jahre gebrauchen, bis zum nächsten Fixstern aber schon beinahe 50 Jahre unterwegs sein würde; eine Kanonen⸗ kugel, die 200 Kilometer in der Sekunde fliegt, würde immer noch sechs Millionen Jahre gebrauchen, um diesen Stern zu erreichen.
Was aber für den Raum, das gilt auch für die Zeit. Auch hier tritt die Sonne an die Stelle unserer irdischen Maßstäbe, und
zwar mit ihrem Licht. Das Licht legt in einer Sekunde 40 000 geographische Meilen, das ist mehr als 300000 Kilometer, die Au bis zur Erde also in acht Minuten zurück un bildet in diesem Sinne für größere Strecken von Zeit und Raum die Einheit. Das Licht unseres nächsten Fixsternes braucht, um bis zu uns zu dringen, schon drei Jahre, das des Sirius 16 Jahre, während das des Sternes Gamma in der Kassiopeja 326 Jahre unter⸗ wegs ist. Unser Schnellzug würde uns dem⸗ nach erst in 48 663 000 Jahren nach Alpha des Centaurs bringen, und der Preis dafür, zu 1½ Pf. das Kilometer berechnet, würde uns das stattliche Sümmchen von 22 090 Millionen Mark kosten, während dieselbe Geschwindigkeit uns erst in 3 990 400 000 Jahren nach der Kassiopeja befördern würde.
Was wollen diese Entfernungen aber bedeuten gegen die äußerste, 2500 Sternweiten entfernte Milchstraße, eine Vereinigung von Sonnen⸗ systemen, deren Anzahl man auf 18 Millionen schätzt und deren Lichtp st erst nach 6000 bis 7000 Jahren hier eintrifft, so daß diese uns heute Kunde bringt, was zu Adams und Evas Zeiten sich dort abgespielt hat. Es gibt Fix⸗ sterne, deren Durchmesser größer ist als die Entfernung der Erde von der Sonne: Denken wir uns einen solchen Stern mit Wesen von entsprechenden Verhältnissen bevölkert wie die Menschen der Erde, so würde ein solcher Fixsternmensch mehr als 100000 Fuß hoch sein und die oben erwähnte Kiste mit dem gesamten irdischen Inventar als eine kleine Spielzeug⸗ schachtel handhaben, die einzelnen Menschen aber nur durch sein Mikroskop betrachten können. Denken wir uns andererseits ein Wesen mit Augen von entsprechender Schärfe etwa auf den erwähnten Stern Gamma der Kassiopeja versetzt, so würde es heute z. B. Zeuge des dreißigjährigen Krieges, aus der fünf Sternweiten von uns entfernten Wega in der Leier teilnehmender Zuschauer am deutsch⸗französischen Kriege sein können. Käme aber dieses Wesen aus fernen Sternen von Millionen Lichtjahren in gerader Richtung auf uns zu, so würde es auf seiner Reise nachein⸗ ander die Entstehung und Entwicklungsgeschichte unseres Sonnensystems, sowie die Phasen der Erd⸗ und Menschengeschichte von den frühesten Zeiten bis zur Gegenwart in lebenden Bildern sich aufrollen sehen!
Nun zum anderen Extrem! Bekanntlich besteht das Licht aus Schwingungen des das ganze Weltall erfüllenden Aeters. Wenn wir nun einen Sonnenstrahl durch ein Prisma leiten, so sehen wir ihn in verschiedene Bestand⸗ teile zerfallen: die im sogenannten Spektrum nebeneinander erscheinenden Regenbogenfarben. Der Physik ist es gelungen, die Größe der Lichtschwellen und die Schwingungszahlen zu berechnen, die zur Hervorbringung jener Farben fuhren und vom Rot bis zum Violett steigende Ziffern aufweisen.
Danach muß zum Beispiel die Lichtwelle in der Sekunde 360 Billionen Schwingungen machen, um rotes Licht, und 800 Billionen, um violettes Licht zu erzeugen. Das Sonnen⸗ licht enthält aber sehr viel mehr Strahlen als die sichtbaren. Jenseits des roten Endes des Spektrums befinden sich für uns nicht mehr sichtbare Strahlen, die wärmen, jenseits des violetten Endes andere, die chemisch wirken. Die Bewegungsgeschwindigkeit der Wellen kann sich also über jene 800 Billionen Schwingungen in der Sekunde beliebig weiter steigern— keiner unserer Sinne reagiert mehr darauf, wie sie schon vorher, zum Beispiel für Luft⸗ schwingungen zwischen 36000, dem höchsten hörbaren Ton, und 18 Millionen in der Se⸗ kunde keinerlei Wahrnehmungsvermögen besitzen. In uns selbst stellt jedes mikroskopisch kaum wahrnehmbare Teilchen eine riesige Summe von Zellen dar, und jede dieser Zellen ist wieder aus einer Unsumme von Atomen auf⸗ gebaut, so daß die Ziffern der unsern Körper zusammensetzenden Atome ins unfaßbare geht. Für ein Infussionstierchen, wie sie zu Millionen in einem Tropfen Wasser zu finden sind, ist das Glas ein ungeheurer Raum, so ungeheuer
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