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Nr. 10.
Mitteldeutsche Sonntags- Zeitung.
Seite 7.
wie die Erde im Vergleich zu einem einzelnen
Menschen und die vielen Millionen Sonnen zu
dem einen Erdenstübchen.
Was ist groß, was ist klein? Die Erde ist groß, weil sie für uns groß ist; sie ist weil sie im Weltenmeer nur einen Tropfen darstellt. Und wie mit dem Begriff des Raumes, so steht es auch mit der Zeit. Die Zeit fließt nicht ab, sondern nur die Begebenheiten in ihr. Sie ist die Form, in der eine unendliche Reihe von Begebenheiten so gut rückwärts wie vorwärts gelesen werden können.
Sprüche zur Lebensweisheit. Ein in Leidenschaft Verlor'ner Ist blinder als ein Blindgebor'ner, Nur wer sich selbst besiegen kann, Der ist ein Mann.
*
Ein wilder Elefant wird nur durch Elefanten ergriffen,
Ein roher Diamant wird nur durch Diamanten geschliffen.
Ohne des Wortes leuchtende Macht Bliebe die Erde gehüllt in Nacht. *
Wer, ob auch an irdischen Gütern reich, Den Sinn zum Schönen erhebt nicht, Ist dem Blasebalg einer Schmiede gleich; Er atmet, aber er lebt nicht.
N
Der Berg hat Höhe, das Meer hat Tiefe, Der Mensch allein hat Höhe und Tiefe. Cunita, L. Jacoby.
Der verbesserte Uhland.
Aus Stuttgart wird der„Frankf. Ztg.“ geschrieben: Vor einigen Jahren erfüllte irgend ein Schulrat die Zeitungen mit seinem Ruhm; er hatte aus dem bekannten„In einem kühlen Grunde“ aus Schicklichkeitsgründen das„Lieb— chen“ entfernt und einen„Onkel“ hineingesetzt. Der Mann hat einen würdigen Genossen in einem schwäbischen Pädagogen gefunden, der das Uhland'sche Gedicht„Der Schmied“ für die „Fibel der evangelische Volksschulen Württem⸗ bergs“ zurechtgedichtet hat. Das Uhland'sche Gedichtchen lautet:
Ich hör' meinen Schatz, Den Hammer er schwinget, Das rauschet, das klinget, Das dringt in die Weite Wie Glockengeläute
Durch Gassen und Platz.
Am schwarzen Kamin Da sitzet mein Lieber, Doch geh' ich vorüber, Die Bälge dann sausen, Die Flammen aufbrausen Und lodern um ihn.
Es ist auf den ersten Blick ersichtlich, daß dies Gedicht geeignet ist, junge unschuldige Ge⸗ müter in Grund und Boden hinein zu ver⸗ derben. Glücklicherweise existieren noch Jugend— bildner, die derartigen Frevel zu verhindern verstehen. Ein solcher hat auch den unsittlichen Uhland in dankenswerter Weise verbessert. In der Fibel heißt es nicht mehr„Ich hör' meinen Schatz“, sondern„Ich höre den Schmied“. „Schmied“ und„Platz“ reimt sich zwar schlecht, aber darauf kommt es nicht an, wenn man Seelen retten will. Die zweite Strophe ist noch schöner verballhornt. Sie lautet in der Fibelfassung:
Am schwarzen Kamin
Die Gesellen sich müh'n
Und geh' ich vorüber,
Die Bälge dann sausen,
Die Flammen aufbrausen,
Das Eisen zu glüh'n
So hat die Schulweisheit das
poetische Bildchen glücklich zerstört Fratze hingestellt.
sinnfällige und eine
Gemeinnütziges.
Der Apfel liefert nicht nur eine vorzüg⸗ liche Nahrung, er ist zugleich eines der hervor— ragendsten diätetischen Mittel. Derselbe enthält mehr Phosphorsäure in leicht verdaulicher Ver⸗ bindung, als irgend ein anderes pflanzliches Erzeugnis der Erde. Sein Genuß, besonders unmittelbar vor dem Schlafen, wirkt 1. vorteil- haft auf das Gehirn, 2. regt die Leber an, 3. bewirkt, wenn regelmäßig vor dem Schlafen genossen, einen ruhigen Schlaf, 4. desinfiziert die Gerüche der Mundhöhle, 5. bindet die über— schüssigen Säuren des Magens, 6. paralisiert hämorrhoidale Störungen, 7. befördert die sekretierende Thätigkeit der Nieren, 8. hindert somit die Steinbildung, 9. schützt ferner gegen Verdauungsbeschwerden und 10. gegen Hals⸗ krankheiten.
Hat die Kleidung eines Menschen Feuer gefangen, so ist die gefährlichste Stellung für ihn die aufrechte; denn die Flamme strebt immer empor. Kann man eine grobe wollene Decke um seinen Körper werfen, so ist die Gefahr gehoben, indem auf diese Weise das Feuer erstickt wird.
Humoriflisches.
Auf der Höhe der Situation. Browns Frau ist durchgegangen, und Smith begegnet Brown, der wie ein Rasender durch die Straße stürmt.
Smith:„Was ist denn los, Alter?
Brown:„Meine Frau ist mir durchgegangen und die Beiden haben ihr Geld verloren und mußten in Trenton bleiben.“
Smith:„Um's Himmels willen, Brown, laß' Dich zu keiner unüberlegten That hinreißen. Was hast Du denn vor?“
Brown:„Ihnen telegraphisch Geld anzuweisen!“
*
Neue Liebeserklärung. Hans(zur Lenb): „Lenerl, könntst D' mir net a recht schöne Liebes⸗ erklärung aufsetzen?“— Lenerl:„Freilich! Wem willst Du sie denn schicken?“— Hans:„Dir!“
*
Der verliebte Nazi.„Dös is a' Kreuz auf dera Welt! Die, die ma' möcht', mag an' nöt, und Die, die an' möcht', mag ma' nöt!“
*
Kindermund. Der kleine Hans sieht zum ersten Male einen Automobilwagen durch die Straße fahren. „O!“ ruft er ganz erstaunt,„ein Wagen, der sein Pferd vergessen hat!“
*
Auch ein Gelegenheitskauf. A.:„Zwanzig Mark hat die Brosche gekostet, und das nennst Du einen Gelegenheitskauf?“ B.:„Ja; ich hatte nämlich gerade meinen Onkel bei mir, der sie bezahlen mußte!“
*
Ueberflüssige Frage. Zuchthausdirektor: „Barbier sind Sie? Da sollen Sie in der Anstalt beschäftigt werden!“— Sträfling:„Zum Rasieren oder Frisieren?“
Neu eingelaufene Schriften.
Besprechung wichtigerer Erscheinungen behalten wir uns vor.
Das Arbeiterrecht. Im Verlag von J. H. W. Dietz Nachf. in Stuttgart ist soeben Heft 7 und 8 des „Arbeiterrecht“ von Arthur Stadthagen, Mitglied des deutschen Reichstags, erschienen. Dem Werke direkt an⸗ geschlossen ist der Führer durch das Bürgerliche Gesetzbuch. Mit vielen Beisplelen und Formularen für Klagen, Anträge und Beschwerden u. s. w.
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Die Lage der Arbeiter in Stuttgart. Nach statistischen Erhebungen im Auftrage der Ver⸗ einigten Gewerkschaften herausgegeben von Th. Leipart. Preis 2 Mk. Unter dlesem Titel ist soeben im Verlag von J. H. W. Dietz Nachf. in Stuttgart ein Buch er⸗ schienen, dessen Inhalt das lebhafteste Interesse aller Sozialökonomen, Statistiker und besonders aller Ar- beiter erregen wird. Das Buch verdient die weiteste Verbreitung und sollte in keiner Arbeiterbibliothek fehlen.
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