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Witteldeutsche Sonntans⸗Zeitung.
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Nr. 10.
ruf. Eine jesuitische Rede gegen das Duell hielt Herr Stöcker, während der Antisemit Werner das Duell ent⸗ schuldigte.
Am Freitag wurde die Debatte fortgesetzt. Von unserer Seite sprach Hoch über die langsame Vergütung bei Flurschäden und die Arbeitsverhältnisse in der Hanauer Pulverfabrik.
Als dann die Rede auf Titelfragen kam, traten die Abgeordneten der bürgerlichen Parteien, welche unge— duldig fortliefen, wenn die Sozialdemokraten im Namen großer Arbeiterberufe Beschwerde führen, mit vielem Eifer und in langen Reden für die Wünsche der Roß⸗ ärzte, der Militär⸗Kapellmeister, der Militär⸗Apotheker ein. Es lohnt sich nicht, darüber im einzelnen zu be⸗ richten.
Der sehr schwach besetzte Reichstag erledigte am Dienstag zunächst den Rest des Militäretats, wobei das„Plenum“(kommt von plenus= voll) sich das Vergnügen machte, einen Beschluß der Kom—⸗ mission umzustoßen und eine von ihr gestrichene Summe für einen Kasernenneubau in Küstrin wieder einzustellen. Auch Freisinnige beteiligten sich an dieser militär⸗ frommen Handlung. Der Kriegs minister suchte das Haus über die unangenehme Thatsache, daß die Kleinig⸗ keit von 20 Millionen Mark für Festungsneubauten im diesjährigen Etat gefordert wird, mit der Versicherung hinwegzutrösten, in der nächsten Zeit werde er ganz gewiß nicht wieder mit einer derartigen Forderung kommen.
Am Mittwoch wurde in dritter Lesung die Auf⸗ hebung des Diktaturparagraphen für Elsaß⸗Lothringen beschlossen und dann ein Elsässer Antrag beraten, der direkte, geheime und gleiche Wahlen auch zum Els.⸗Lothr. Landesausschuß verlangt. Bei dieser Gelegenheit be⸗ kundete der Nationalliberale Büsing wieder seinen Haß gegen das direkte Wahlrecht überhaupt. Unser Genosse Bebel nagelte den guten Mann gehörig fest und brachte in Erinnerung, daß Nationalliberale bei jeder sich bietenden Gelegenheit gegen das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht aufgetreten sind.
Von Nah und Fern.
Mitteilungen aus unserem Le erkreise sind jederzeit willkommen. Die Ehre unserer Sache eber natürlich fre ste Gewissen⸗
haftigkeit bei Uebermittelung von Nachrichten.— Wir bitten alle Lum Druck bestimmten Einsendungen 115 auf einer Seite zu beschreiben.
Politische Gimpelfallen.
Der Gießener Professor Leist hat jetzt seinen im nationalliberalen Verein gehaltenen Vortrag über„politische Gimpelfallen“ im „Gieß. Anzeig.“ veröffentlicht. Man muß dem nalionalliberalen Professor dankbar sein für die Offenheit, mit der er seine arbeiterfeindliche Politik enthüllt. Wir können es uns heute ersparen, auf die Leistschen Leistungen ein⸗ zugehen, da sich wohl in den nächsten Tagen Gelegenheit bieten wird, in einer von national⸗ sozialer Seite angekündigten Versammlung— wir Sozialdemokraten bekommen im freisinnigen Gießen ja keinen Saal— dem gelehrten Herrn
Professor das nötige zu sagen. Angeblich hat
Herr Leist sein Erscheinen bereits zugesagt. Seitens der Nationalsozialen soll Herr Redak⸗ teur Weinhausen von Berlin als Referent be⸗ stellt werden.(Wie wir soeben erfahren, findet die Versammlung Montag Abend 8 Ühr im großen Saale von„Steins Garten“ statt.)
Gießener Gewerbegericht. Durch Auslosung wurde am Mittwoch die Reihenfolge bestimmt, in der die neu ge⸗ wählten Gewerbegerichtsbeisitzer ihren Dienst auszuüben haben. Danach amtieren im März: Bäckermeister Hennings Arbeitgeber) und Glaser Baum(Arbestnehmer); April: Kaufmann Krumm und Eisendreher Krüger; Mai: Fabri—⸗ kant Emmelius und Spengler Dahmer; Juni: Schneidermeister Leib und Schreinee Mänuche; Juli: Spenglermeister Faber und Schneider Petersen; August: Maurermeister Winu und Maurer Laucht⸗Gleiberg; September: Metzger⸗ meister Pirr und Drechsler Bock; Oktober: Friseur Gerhardt und Lackierer S häfer-Stein⸗ berg; November: Schreinermeister Müller und Tapezierer Krätzig; Dezember: Restau⸗ rateur Kirch und Brauer Holtberg; Januar: Schuhmachermeister Berg und Zigarrenmacher Rudolph⸗Wieseck; Februar: Schlossermeister Stohr und Buchdrucker Hensel.
Aus Marburg.
W.(Parteiversammlung am 24. Februar im Lokale des Herrn Jesberg.) Zu
Punkt 1, Abhaltung einer Märzfeier, wird be⸗ schlossen, am 18. März vormittags 11 Uhr eine Festversammlung abzuhalten; Festredner Genosse Scheidemann⸗-Gießen; nachmittags zu⸗ sammenkunft der Genossen in Ockershausen. Punkt 2, Abrechnung der Kolportage-Kommision pro 4. Quartal 1899: Einnahme 305,65 Mk., Ausgabe 236,70 Mk., Ueberschuß 68,95 Mk. Punkt 3, Wahl eines Mitgliedes zur Kolpor⸗ tage⸗Kommiston findet dahin seine Erledigung, daß Genosse Härtling erklärt, diesen Posten noch bis zum 1. Mai zu versehen. Punkt 4, Verschiedenes, erstattet Stumpf Bericht über die letzte Preßkommissions⸗Sitzung in Gießen. Das Scheiden des Genossen Scheidemann als Redakteur der„Mitteld. Sonnt.⸗Ztg.“ wurde allgemein bedauert; als Redakteur sei Genosse Vekters⸗Frankfurt a. M. gewählt. Vom Ge⸗ nossen Wolff wurde betont, däß es für Mar⸗ burg mit mehreren Hundert Abonnenten der „Mitteld. Sonnt.⸗Ztg.“ angebracht erscheine, eine eigene Rubrik zu schaffen, die Genossen und Leser der Zeitung würden auf das Blatt mehr aufmerksam gemacht und auch noch mehr Abonnenten seien zu gewinnen, wenn besonders die Marburger kommunalen Verhältnisse und die übrigen Angelegenheiten in dieser Rubrik besprochen würden. Genosse Stumpf erwiderte, daß die Preßkommission dem Wunsche der Marburger Genossen nachkommen werde; vom 1. April ab würde für den Kreis eine eigene Rubrik geschaffen.— Das am 25. Februar abgehaltene Gewerkschafts-Vergnügen nahm einen äußerst brillanten Verlauf, wohl an 250 Personen hatten sich in den Lokalitäten des Schloßgartens versammelt, sodaß sich die Räumlichkeiten als viel zu klein erwiesen und öfters ein sehr beängstigendes Gedränge herrschte. Die organisierten Arbeiter waren zum größten Teil erschienen, während die übergroße Mehr⸗ zahl der Teilnehmer aus nichtorganisierten Arbeitern bestand. Hoffentiich wird das Fest dazu beigetragen haben, die letzeren davon zu überzeugen, daß nur in einer starken Organi⸗ sation der Arbeiter die Stärke und Macht der- selben liegt. Allgemein wurde vermißt, daß nicht in einer Ansprache auf den Wert der Organisation hingewiesen wurde; hoffentlich wird dieses bei späteren Festlichkeiten nicht versäumt werden. Ein Theaterstück, betitelt „Der Onkel aus Amerika“ wurde flott und exakt gespielt. Der Tanz hielt die Teilnehmer noch bis zum Morgengrauen zusammen, und alle waren sich darüber einig, ein fröhliches und echtes Arbeiterfest verlebt zu haben.
Kleine Mitteilungen.
** Gießen. In der hiesigen Ferienkolonie
ist ein seltsamer Selbstmordversuch vor⸗ gekommen. Ein Soldat hat den Versuch gemacht, sich die Gurgel durchzuschneiden. Das hiesige Amtsblatt berichtet über den Fall wie folgt:„Der Soldat soll wegen schlechten Schießens von seinem Unteroffizier hart an⸗ gegangen worden sein und dieser ihm gedroht haben, daß, wenn er am andern Tagen nicht besser schieße,„man ihn aufhängen würde“. Der Mann, der etwas beschränkt sein soll, hat die Sache mit dem„Hängen“ für ernst genommen, und deshalb die That in der Angst begangen. Der Selbstmordkandidat befindet sich im Lazarett.“ So ganz wahrscheinlich klingt diese Erklärung nicht. Es wäre dringend zu wünschen, daß die Sache von zuständiger Seite aufgeklärt würde. 8* In Wieseck und Alteu-Buseck hielt am Sonntag Frau Tröger aus Offenbach Ver— sammlungen ab. Beide waren vom schönsten Erfolg begleitet. In Wiesek wurden zahlreiche nene Mitgli der für den Tabak-Arbeiter-Ver⸗ band gewonnen, in Alten⸗Buseck eine Fillale des genannten Verbandes neu errichtet.
* Bad Nauheim. Im Hause des Herrn Dr. med. Stoll, Alicenplatz hier, wurden am Sonntag Nachmittag Goldsachen im Werte von 3000 Mk. gestohlen. Der Dieb hatte sich als Scherenschleifer ausgegeben und war im ganzen Hause herumgegangen. Auf die Er⸗ greifung des Diebes ist eine Belohnung von 300 Nark ausgesetzt.
Das Buderussche Eisenwerk in
Wetzlar hat gute Geschäfte gemacht. Nach Zurückstellung von Mk. 450 000(1898 Mk. 400000) verbleibt ein Reingewinn von Mk. 31786515(1898 Mk. 34929481.) Es soll der Generalversammlung die Verteilung der vorigjährigen Dividende von 6% vor⸗ geschlagen werden, die Mk. 360000 erfordert. Im Jahre 1898 kamen nur Mk. 300 000 zur Verteilung weil Mk. 2000 000 Aktien⸗Kapital nur für ein halbes Jahr dividendenberechtigt war. Die Aussichten für die Zukunft sind, wie in einer Aufsichtsratsttzung festgestellt wurde, erfreuliche. Das laufende Jahr wird trotz der e Mehrausgabe für Coks von Mk. 375000 einen höheren Gewinn bringen und dieser wird sich für das Jahr 1901, für welches der Bedarf an Rohstoffen in der Hauptsache eingedeckt und die Roheisen-Er⸗ zeugung zum größen Teil verkauft ist, noch weiter erheblich steigern, immer unter der Voraussetzung, daß die Rohstoffe auch geliefert werden und daß Betriebsstörungen nicht ein⸗ treten.— Daß auch die Arbeiter von dem guten Jahresabschluß etwas abbekommen hätten, haben wir bis jetzt noch nicht gehört.
Wetzlar. Bei den„üblichen“ Prügeleien zwischen hiesigen und Garbenheimer Schulbuben bedienten sich die hiesigen Herren Jungens in letzter Zeit kleiner Pistolen. Gelegentlich einer Schlacht, die am 8. Oktober v. J. stattfand, wurde einem unbeteiligten jungen Arbeiter ein Auge ausgeschossen. Drei Wetzlarer Jungen hatten sich deshalb vor der Strafkammer zu verantworten. Wer den verhängnisvollen Schuß abgegeben hatte, konnte nicht festgestellt werden. Der meist belastete Schütze wurde zu zwei Monaten, der zweite zu drei Wochen Gefängnis und 2700 Mark Geldbuße, der dritte zu vier Tagen Haft verurteilt.— Allem Anschein nach handelte es sich um„bessere“ Lausbuben. Ar⸗ beiterkinder dürften kaum Geld haben für Pistolen.
** Dem früheren Gendarmen und jetzigen Gemeindeempfänger Ehrig ist durch Beschluß der Bürgermeisterei⸗Versammlung der Bürger⸗ meistereien Atzbach und Launsbach der Titel „Gemeinderentmeister“ beigelegt worden. Ehre, wem Ehre gebührt.
* Gedettweilert? In Oberhausen (Rhld.) wurden sämmtliche 14 Realprogym, nastal⸗Abiturienten nach einer Konferenz unter⸗ dem Provinzialschulrat Kleve wegen Unregel⸗ mäßigkeiten bei der schriftlichen Prüfung von der mündlichen zurückgewiesen.
* Große und Kleine. Aus Lang⸗ hecke wird berichtet: Die Stockman'schen Schieferwerke sind in den Besitz der Langhecker Aktien⸗Gesellschaft übergangen, die nunmehr fast den ganzen Schieferbetrieb in hiesiger Gemarkung an sich gezogen hat.
Arbeiterbewegung.
+ Berlin, 2. März. Die Holzindustriellen wollen an diesem Samstag alle Holzarbeiter aussperren. Mit den Hilfsarbeitern würden dadurch ca. 30 000 Arbeiter betroffen.
Nach monatelangem Kampf haben die Solinger Arbeiter mit der in Generalstreik erklärt gewesenen Firma Hammesfahr in So⸗ lingen⸗Foche Frieden geschlossen. Herr Hammes⸗ fahr machte folgende Zugeständnisse:
1. Die hiesigen Fachorganisationen werden von mir anerkannt, ebenso die Preisverzeichnisse derselben; 2. Ich erkläre mich bereit, von heute ab nichtorganisirte Arbeiter nicht mehr einstellen zu wollen, sofern mir organisirte und befähigte Arbeiter genügend zur Verfügung stehen; 3. Sämtliche streikenden Arbeiter, gleichviel von welchem Beruf, werden direkt von mir eingestellt und beschäftigt in dem Maße wie früher auch und haben die Streikenden durchaus nicht zu befürchten, von mir gemaßregelt zu werden; 4. Ich verpflichte mich, da ich die Organisationen anerkannt habe, diejenigen Arbeiter, welche sich nach Erledigung des Streiks gegen die Or⸗ ganisationen vergehen und aus denselbeg aus⸗ geschlossen werden, nicht zu beschäftigen. 5. Meinen Arbeitern steht es frei, sich jederzeit den Fachorganisationen anzuschließen; 6. Im
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