Ausgabe 
4.3.1900
 
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Nr. 10.

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Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 3.

Es ist erreicht!

Leuuc ii das nichnge Miel gefunden ollt, die Polen und die Sozialdemokraten mit Rumpf nn, und Stumpf auszurotken. Der kommandierende General des 5. Armeekorps, v. Stülpnagel in * 1 Posen, hat eine mehrere Jahrzehnte alte Kabi⸗ Ein 0 nettsordre wieder ans Licht gezogen und deren dulce strenge Befolgung angeordnet. Nach dieser 9, f e Kabinettsordre ist den deutschen Chargierten möge, der Garnison Posen die Heiratserlaubnie au iel Cheschließungen mit polnisch⸗katholischen Mäd⸗ N a chen nicht mehr zu erteilen. Der komman⸗ leid e dierende General drückt, indem er diesen Erlaß at sch in Erinnerung bringt, seine Verwunderung nt 1150 darüber aus, daß diese Kabinettsordre so wenig ht c 5 befolgt würde, und verfügt, daß von nun an chen ut Heiratskonsense unter derartigen Verhältnissen de den immer verweigert werden sollen. Außerdem g hat der General noch einen besonderen Korps⸗ ug stehen. befehl erlassen: Es soll bei Erteilung des Kon⸗ it vielen senses nach den Verhältnissen und besonders nach amen zuder politischen Gesinnung der Angehörigen ds dürfte der Braut geforscht und jener unbedingt ver⸗ an daz weigert werden, wenn sich in deren Familie tmit den Sozialdemokraten befinden. dabei die Nun werden die schönen Polinnen, die be⸗ kanntlichvon allen Reizen ein bischen haben, alte Jungfern und die Rasse stirbt aus. 1 Damit ist die Polenfrage gelöst. Da auch nokratshe, keine Mädchen geheiratet werden dürfen, zu Herabh⸗ deren Familie sei es auch im vierten oder 2 150 bon fünften Grad Sozialdemokraten gehören, so Austat sind die Männlein und Weiblein der gefähr⸗ lheiche lichen Umsturzgesellschaft auf das Heiraten le an der unter sich angewiesen. Das führt zur Inzucht. werkt del Nun hat aber die Erfahrung vielfach gelehrt, u:In daß blaublütige Geschlechter, bei denen die In⸗ b anderes zucht Vorschrift ist, dem Wahnsinn verfielen. Aufnahne Merkt ihr nichts? So hinten'rum werden den Ra durch einen Korpsbefehl die Angehörigen der e Hilauf⸗ Sozialdemokratie verrückt gemacht, dann werden von Frei- sie isoliert eingesperrt und die Sozialdemo⸗ urchgesett kratie war nur eine vorübergehende Erscheinung. Freisinn⸗ So wird durch einen Korpsbefehl die Polen⸗ frage und die soziale Frage gelöst. Aehl nde. Aus ländisches. ordneten Oesterreich. Im Wiener Abgeordneten⸗ tem G. hause haben sich wieder einmal stürmische Szenen isch pic. abgespielt anläßlich der Beratung von Dring⸗ ncht sih lichkeit aaträgen über den Kohlenarbeiter⸗ nan für streik. Der Ackerbauminister v. Gio vanelli, Rat be. der keine Ahnung von den Bergbauverhältnissen den So⸗ hat, wollte nichts von der Dringlichkeit wissen, e Stium⸗ vielmehr die die armen Bergleute betreffenden nne einem Anträge auf die lange Bank schieben. Er wurde Beanten stürmisch unterbrochen. Aus dem Stimmen , zumal Chaos hörte man folgendes: der kein Abg. Berner(Szd.): 70000 Bergarbeiter andidgtur hungern seit sieben Wochen! Schmach itt ech und Schande dieser Regierung und dem Acker⸗ f bauminister!! Der Präsident giebt das Glockenzeichen Calbe⸗ und ersucht um Ruhe. Ackerbauminister Freiherr v. Gio vanelli: Gesant⸗ Die Verantwortung in dieser Sache ist eine 1⸗Asches- ganz bedeutende, denn es handelt sich nicht bloß Kandidal um den Bergbau, sondern um die gesamte In⸗ ˖ Schmdt dustrie...(Neuerliche stürmische Unterbrech⸗ 1 ftbihen ungen der Sozialdemokraten.) ache bol Abg. Dr. Verkauf(Szd.): Natürlich, u haubk. das sagen Sie dem Rothschild nach! men nchr Abg. Daszynski(Szd.): Das sagen die 1 Wahl- Rothschilds und Wilczeks, die die ganze Be⸗ . 45 völkerung noch weiter aushungern wollen. keit 9 Wir brauchen Reformen und Thaten, keine De bon! Worte! Ein Volk hungert! alscheren Abg. Dr. Verkauf: Eine halbe Million Parolt, Arbeiter hungert: Das sind auch gesellschaftliche fernt Kräfte!(Andauernder großer Lärm.) June Der Präsident giebt das Glockenzeichen ittern un) und ersucht neuerlich um Ruhe. 15! Ackerbauminister Freiherr v. Gio vanellt: sch zun... und damit um die wirtschaftliche Lage ernoh, des Staates selbst. und ein Mißgriff, eine autteltel nachträgliche Enttäuschung könnte zu viel ö schlimmeren Konflikten führen..(Unter- . glonr⸗ brechungen und höhnische Rufe bei den Sozial⸗ el lan. demokraten: Natürlich, die Angst des Ackerbau⸗ dal vate ministeriums!) .

Abg. Berner: Er versteht es ja nicht, er kommt herein und weiß nicht wie!(Großer Lärm.)

Ackerbauminister Freiherr v. Giovanelli: .. als es diejenigen sind, die durch die letzten Angriffsstreiks geschaffen wurden. Die Regie⸗ rung hat in den bereils zitierten Erklärungen vor dem genossenschaftlichen Einigungsamt für das Ostrau⸗Karwiner Steinkohlenrevier den Weg angedeutet, welchen sie in dirser Frage zu betreten gedenkt. Die Regierung wird halten, was sie versprochen hat. Aber vor Abschluß der als notwendig erkannten Erhebungen und Studien kann sie einem meritorischen Beschluß in dieser Frage nicht folgen wenn sie auch keinen Anstand nimmt, im Ausschuß etwa gewünschte Aufklärungen bereit willigst zu erteilen.(Großer Lärm bet den Sozialdemo⸗ kraten.).

Abg. Daszynski: Für die Aufklärungen werden wir uns bedanken!

Abg. Berner: Heute Schlössern der Herren Larisch und Rothschild illuminiert!

Abg. Dr. Verkauf: Sie bekommen ein sollennes Vertrauensvotum von den Gewerken. Den armen hungernden Proletariern in den Rücken zu fallen! Dafür werden Sie bezahlt!

Abg. Daszynski: Studium brauchen Sie! Unterdessen sollen die Arbeiter hungern! Siebzehn Jahre haben Sie sich nicht gerührt, seit 1884 haben Sie nichts gethan!

Abg. Resel: Gesellschaft von satten Ko⸗ mödianten!

Abg. Daszynski: Studieren Sie einmal, wie der Hunger schmeckt! Die Arbeiter sollen wissen, daß das eine Farce ist!

Präsident: Ich erteile dem Herrn Ab⸗ geordneten Daszynskt zum drittenmale den Ordnungsruf.(Andauernder, wachsender Lärm und Schlußrnfe.)

Abg. Dr. Verkauf: Was ist das für eine Gesellschaft auf der Regierungsbank! Roth⸗ schild⸗Knechte seid Ihr alle miteinander!

Abg. Daszynski: Dazu brauchen wir die Regierung nicht und das Parlament nicht, daß der Ackerbauminister kommt und Studien begehrt!

Endlich flüchtete sich der Präsident v. Fuchs, indem er formlos die Sitzung schloß. Es war eine Szene von wilder Leidenschaft und stür⸗ e

Glänzend hat sich die österreichische Regie⸗ rung ihrer Aufgabe gewachsen gezeigt: die Interessen der Kapitalisten zu verfechten. Was will das heißen, wenn Hunderttausende hungern! In erster Linie muß der Profit der Kohlenbarone, der Rothschild und Konsorten, geschützt werden.

Ganz wie anderswo auch.

Der Krieg in Südafrika.

Die Buren haben einen schweren Schlag erlitten. Einer ihrer besten und bisher erfolg⸗ reichsten Führer, Cronje, wurde mit seinem Heere von den Engländern eingeschlossen und schließlich zur Kapitulation gezwungen. Der englische Oberbefehlshaber Lord Roberts tele⸗ graphierte nach London: Aus den vom Nach⸗ richtendienst gelieferten Informationen ergab sich, daß Cronjes Streitmacht immer nieder⸗ geschlagener wurde und die Unzufriedenheit der Truppen und die Uneinigkeit der Führer rasch wuchsen. Lord Roberts beschloß daher am 23. Februar, eine Pression auf den Feind aus⸗ zuüben. Die Laufgräben wurden nachts näher an das Lager des Feindes herangeführt und so seine Stellung immer enger eingeschlossen. Gleichzeitig beschoß Roberts das Lager heftig. Der Fesselballon lieferte wichtige Informa⸗ tionen über die Bewegungen des feindlichen Lagers. Die Aktion hat verhältnismäßig geringe Opfer gekostet. Am Montag wurde durch einen Parlamentär ein von Cronje unterzeichnetes Schreiben üderreicht, mit der Mitteilung, daß er sich bedingungslos ergebe. Roberts erwiderte, Cronje möge selbst ins britische Lager kommen. Seine Truppen müßten nach Niederlegung der Waffen aus dem Lager herauskommen. Cronje erschien um 7 Uhr

wird auf den

morgens und bat um freundliche Behandlung sowie darum, daß seine Frau, sein Enkel, Privatsekretär, Adjutant und Dieuer ihn be⸗ gleiten dürften, wohin er auch geschickt würde. Roberts beruhigte ihn und sagte, daß er die Bitte gewähre. Ein höherer Offizier würde mit Cronje nach Kapstadt gesandt werden, der für respektvolle Behandlung zu sorgen hätte. Cronje fährt heute Nachmittag nach Kapstadt

ab. Die gefangen genommenen Burentruppen gehen eingeteilt in Kommandos unter ben

eigenen mitgefangenen Offizieren heute nach Modderriver-Station ab und werden von dort abteilungsweise mit der Eisenbahn nach Kap⸗ stadt gebracht.

Die Zahl der gefangenen Buren beträgt etwa 3 4000 Mann. Davon sind 1150 Frei⸗ staatburen, der Rest Transvaalburen. Von Offizieren sind 29 Transvaaler und 18 Frei⸗ staater gefangen genommen. An Geschutzen sind erbeutet 3 75⸗Centimeter Kruppgeschütze, 9 Einpfünder, 1 Maximgeschütz aus Transvaal, 1 Krupp⸗ und 1 Moximgeschütz aus Oranje⸗ freistaat. Das Kriegsamt veröffentlicht die Verlustliste, der zufolge die Zahl der bei Paardeberg Verwundeten 740 beträgt, sowie die Ergänzungsliste, nach der die Zahl der Verwundeten sich um 6 erhöht.

Die heldeumütigen Anstrengungen des Buren⸗ generals sind also umsonst gewesen. Es ist der zehnfachen Ueber macht noch vor dem Eintreffen der von zwei Seiten heranrückenden Verstärkungen erlegen.

Die Ergebung Cronjes bedeutet einen schweren Verlust der Burensache und den größten Erfolg der Engländer seit dem Beginn des Krieges. Wird dieser Erfolg indes den alsbaldigen Be⸗ Babe 755 Friedensverhandlungen im Gefolge haben!

Aus dem Reichstag.

Der Reichstag begann am Donnerstag die Beratung des Militäretats. In früheren Zeiten war es stets ein großer Tag, wenn das Militärbudget zur Beratung stand. Jetzt ist es anders geworden, denn die bürger⸗ liche Opposition ist in militärischen Dingen verstummt und alle Kritik bleibt der Sozialdemokratie überlassen. Der Sozialdemokratie wird der Kampf durch diese Fahnenflucht der bürgerlichen Kreise natürlich sehr er⸗ schwert, und ist es doppelt verdienstlich, wenn der Kampf trotzdem mit nimmer ermüdender Frische und Kraft ge⸗ führt wird. Unser Genosse Bebel ist einer von den Nimmermüden und er stand auch diesmal seinen Mann. Der Donnerstag war sein Geburtstag, das organisierte Proletariat hat ihm tausendfältige Glückwünsche ins Haus und ins Parlament geschickt. Und er glaubte den Dank nicht besser abstatten zu können, als indem ker auch den Geburtstag zum Kampftag machte und mit der ganzen machtvollen Persönlichkeit für die Interessen des Proletariats, des Proletariats im bunten Rock, gegen die herrschenden Gewalten auftrat. Gen. Bebel onnte auch in diesem Jahr eine lange Beschwerdeliste über Soldatenmißhandlungen vorführen. Wer die Verhältnisse in der Armee kennt, den wird das nicht wunder nehmen. Es wird fortgeprügelt trotz aller Warnungen und Erlasse, die von oben her kommen mögen. Die Schuld liegt, wie auch Bebel richtig her⸗ vorhob, am Sy stem. Sehr lehrreich war die Behand⸗ lung des Falles Krise. Krise war als Ersatzreservist unter seinem Eide nach seiner politischen Gesinnung ge⸗ fragt worden und hatte dem Richter geantwortet:In Zivil bin ich Sozialdemokrat. Diese Aeuße⸗ rung hat dem Manne, wie bekannt, 14 Tage Gefängnis eingetragen. Er ist bestraft worden, weil er nach An⸗ sicht eines juristischen Beirats der Militärbehörde auf grund des§ 54 der Strafprozeßordnung sein Zeugnis auf diese Frage hätte verweigern sollen.§ 54 läßt diese Möglichkeit zu, damit sich ein Zeuge nicht selbst zu belasten braucht.

Von dem nationalliberalen Abg. Großmann und namentlich von dem Zentrumsabgeordneten Gröber wurde dem Kriegsminister klar gemacht, daß hier dieser 8 54 ganz falsch inte pretiert worden sei. Herr v. Goßler gab auch schließlich klein bei, die Genugthuung, welche dem Soldaten aber zusteht, wird er wohl schwerlich er⸗ halten. Bezeichnend ist der ganze Vorgang für unsere bisherige Militärjustiz, die hoffentlich nach Einführung der neuen Militärstrafprozeßordnung besser werden wird.

Eine scharfe Rede gegen das Duell hielt der Zen⸗ trumspfarrer Das bach; als er sagte, das Ehren gericht habe in dem bekannten Fall Döring⸗Klövekorn geradezu zum Mord aufgefordert, bekam er von Seiner Herrlichkeit dem Vizepräsidenten v. Frege einen Ordnungs-