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5 Bergleute wird auf 28 000 angegeben.
Nr. 6.
Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Seite 3.
andern Zwischenmeister überträgt, von dem aus sie endlich in die Hand eines Heimarbeiters kommen. Von dem tarifmäßigen Preise, die Robrecht dem betreffenden Schneider bewilligt, bleibt bei der Weitergabe der Arbeit natürlich in der Hand eines jeden Zwischenmeisters etwas hängen, und so erklärt es sich, daß ein heim⸗ arbeitender Schneider, der im November vorigen Jahres einen Winterpaletot des Kaisers an⸗ fertigte, vom Zwischenmeister Kannowsky in der Schützenstraße für diese Arbeit 16 Mk. und für abgestepptes Futter 5 Mk. erhielt, während nach dem Tarif 22,50 Mk. und 6 Mk. zu zahlen sind. Derselbe Arbeiter fertigte in der ersten Woche vorigen Monats ein ebenfalls von Robrecht in Auftrag gegebenes, für den Kaiser bestimmtes zweireihiges Jackett mit Extraarbeit für 13,50 Mk. an, während der Tarif für ein solches Jackett ohne Extraarbeit 16,50 Mk. porsteht. Auch ein Beitrag zum Segen der Heimarbeit, der den Hofbeamten, der für die kaiserliche Garderobe zu sorgen hat, zum Nach⸗ denken veranfassen sollte.
** Der große Unterschied. Der neueste „Simplicissimus“ enthält eine Zeichnung von Th. Th. Heine, frei entworfen nach dem be⸗ kannten Vöcklinschen Gemälde: Der Mörder. Prinz Arenberg kniet vor der Leiche des er⸗ mordeten Negers. Die Rachegöttinnen reden: Erste Rachegöttin:„Wenn du ein Proletarier wärst, kämst du ins Zuchthaus.“ Zweite Rachegöttin:„Wenn du ein Bürger wärst, kämst du ins Gefängnis.“ Dritte Rache⸗ göttin:„Wenn du ein Baron wärst, kämst du auf die Festung.“ Der Mörder:„Aber da ich ein Prinz bin, begebe ich mich in eine Nervenheilanstalt.“
Arbeiterbewegung.
Streik der böhmischen Bergleute. Nach der„W. Fr. Pr.“ werden zwischen der Regierung und den Gewerken des Ostrauer Reviers Verhandlungen gepflogen, wodurch den streikenden Kohlenarbeitern des schlesischen Kohlen- reviers Lohnerhöhungen gegen die Auf⸗ gebung des Achstundentages geboten, die Bei⸗ legung des Streikes in Mähren und Schlesien angebahnt werden soll. Wie dringend notwendig eine Aufbesserung der Löhne der Bergarbeiter ist, geht aus einem Bericht der„Frkf. Ztg.“ hervor. Derselben wird aus dem böhmischen Bergrevier geschrieben:
Die Löhne, erzählte mir ein alter Geschäfts⸗ mann, sind in den letzten dreißig Jahren ziemlich stationär geblieben. Aber die Be⸗ dürfnisse der Arbeiter, sowohl in Bezug auf die Qualität der Eßwaren als auch in Bezug auf Kleidung und Geselligkeit, haben sich er⸗ heblich vergrößert, sodaß der Bergmann heute subjektiv schlechter steht als vor dreißig Jahren.
Ein sehr beachtenswerter Beitrag zum Kapitel von der Verelendungstheor ie.— Die Gesammtzahl der in Böhmen ausstehenden
5 8 Bald so, bald so— wie's trefft!
-d- Der kleine Polacke Krapinski hatte in seinem berühmten Aufsatz über die Katze ge⸗ schrieben:„Bald ist der Katz eine Katz, bald ist der Katz ein Kater— bald so, bald so. Bald ist der Katz schwarz, bald ist der Katz weiß— wie's trefft!“
Daß es männliche und weibliche, schwarze und weiße Katzen giebt, stand vor Krapinski schon unerschütterlich fest. Aber mit seinem „bald so, bald so— wie's trefft“, hat der zu den schönsten Hoffnungen berechtigende Pole ein Wort von unvergänglichem Wert geprägt und für Büchmanns„Geflügelte Worte“ einen sehr schätzenswerten Beitrag geliefert.
Das Wort ist geradezu unentbehrlich ge⸗ worden. Was soll man denn anders sagen, wenn die Pfarrersköchin am Montag einen Kochtopf, und der Herr Pastor am Dienstag
die Milch übergekocht; nun: wie's trefft!— Bald trinkt der Herr des Hauses am Montag einen zu viel, bald am Dienstag— wie's trefft!
Oder: Drei Redakteure in verschiedenen Städten drucken ein und denselben Artikel ab. Der eine wird in& freigesprochen, der andere in Y bekommt drei, der dritte in Z sechs bald so Gefängnis— wie's trefft! Bald so, ald so.
Und weiter: Ein Arbeiter beteiligt sich im Trunke an einem Exzeß; natürlich muß ein Exempel statuiert werden, um der überhand⸗ nehmenden„Rohheit“ zu steuern; der Arbeiter wird ins Gefängsnis oder gar ins Zuchthaus gesperrt. Ein flotter Student beträgt sich auf das Rüpelhafteste, er wird angezeigt. Aber kann man einem„gebildeten“ jungen Mann, der in„überschäumender Jugendlust“ sich ver⸗ gangen hat, die Karriére verderben? Nein; er bekommt eine Geldstrafe, die der Alte schmunzelnd bezahlt. Wie's eben trefft— bald so, bald so. Bald ist der Katz ein Arbeiter, bald ist der Katz ein Student.
Uns fiel das famose Wort ein, als wir kürzlich lasen, daß der Offenbacher Beigeordnete Wolff, der gegen eine ihm zugefügte Beleidi⸗ gung bei der Staatsanwaltschaft Schutz suchte, auf den Weg der Privatklage ver⸗ wiesen wurde. Unmöglich, sagten wir uns. Wolff ist öffentlicher Beamter, seine Differenzen mit dem Krankenhaus ⸗Direktor Köhler und mit dem Offenbacher Oberbürger⸗ meister Brink haben das größte Aufsehen erregt, auch über die Grenzen des Hessenlandes hinaus. Die dem Beamten Wolff zugefügte Beleidi⸗ gung—„er sei nicht geistig gesund“— ist eine so schwer, daß er unmöglich Beamter bleiben könnte, wenn derjenige, der ihm die Beleidigung zufügte, im Stande wäre, den Wahrheitsbeweis zu erbringen. Kurz und gut, nach unserem beschränkten Unterthanenverstand handelte es sich bei der Affaire Wolff um eine Angelegenheit von allgemeinem öffentlichen Interesse und demzufolge hätte auch, wie die Dinge nun einmal liegen, die Staatsanwalt⸗ schaft eingreifen müssen. Sie lehnte jedoch ab und Wolff ist auf die Privatklage angewiesen.
Wie's trefft!
Nun ein Gegenstück. In Gießen geriet ein gänzlich unbescholtener Schneider, der als friedliebender Mann bekannt ist, und eine mit ihm im selben Haus wohnende unverheiratete Schneiderin in einen Konflikt. Die Frau be⸗ hauptete, der Schneider habe ihr unter Bezug⸗ nahme auf ihren unehelichen, etwa 15 Jahre alten Sohn Beleidigungen zugefügt. Sie erhebt Beleidigungsklage und benennt auch Zeugen. Vom Gericht wird der Angeklagte jedoch frei⸗ gesprochen, da er auf das entschiedenste be⸗ streitet, die unter Anklage gestellten Aeußerungen gethan zu haben, und außer dem noch nicht eidesfähigen Sohne der Klägerin auch kein Zeuge zu Ungunsten des Angeklagten aussagt.
Nun aber geschah das Merkwürdige. Die Staatsanwaltschaft nahm sich der Sache an und erhob öffentliche Anklage. Der Frei⸗ gesprochene muß vor der Strafkammer erscheinen, seine Anklägerin wird vereidigt, als Zeugin vernommen und wiederholt nun natürlich ihre Anschuldigung. Jetzt wurde der Schneider zu einer Geldstrafe und sämtlichen Kosten verurteilt.
Also wieder: wie's trefft!
Die Affäre Wolff, von der alle Welt spricht, verdient nach Ansicht der Offenbacher Staats- anwaltschaft kein öffentliches Interesse, sie lehnt ein Eingreifen ab. Der Krakehl aber, der sich in einem Hinterhaus zu Gießen zwischen einem Schneider und einer Schneiderin abspielt, scheint öffentliches Interesse beanspruchen zu können, denn die Gießener Staatsanwaltschaft griff ein.—
O, Du weiser Polenbube, was hattest Du so recht! Bald ist der Kat ein Kater, bald ist der Katz eine Katz.
Bald so, bald so— wie's trefft!
Genossen! Agitiert allerorts
einen Pfeifenkopf zerbricht, als: Wie's trefft! — Oder: Bald ist die Suppe angebrannt, bald
für die Arbeiterpresse!
Partei⸗ Nachrichten.
Versammlungs⸗Kalender. Samstag, den 3, Februar:
Gießener Wahlverein abends pünktlich 9 Ubr. Tagesordnung: 1. Bericht der Gen. Orbig und Krumm über ihre Thätigkeit in der Stadt⸗ verordnetenversammlung. 2. Diskussion.
Sonntag, den 4. Februar:
Gesangverein Eintracht abends 8 Uhr General⸗ versam lung bei Orbig. Heuchelheim. Arb.⸗Bild.⸗Verein bei L. Mandler nachmittags 3 Uhr. Montag, den 5. Februar: Schneider abends 9 Uhr bei Orbig. Dienstag, den 6. Februar: Kartellsitzung abends 9 Uhr bei Orbig. Samstag, den 10. Februar: Metallarbeiter abends 9 Uhr bei Orbig.
— Die Reichstagswahlprüfungskommission erklärte die Wahl des Abg. Sachse für ungiltig und beanstandete die Wahl Hänels(freisinnige Vereinigung). Genosse Sachse wurde im 10. Breslauer Kreis Waldenburg in der Stichwahl mit 13 043 gegen 13 007 Stimmen, die auf den Reichsparteiler Krause fielen, gewählt.— Prof. Hänel siegte in Kiel mit 1830 Stimmen Mehrheit über unseren Genossen Legien, der 21168 Stimmen erhielt.
* Ein neuer Demonstrationstag? Auf dem niederrheinischen Parteitag wurde ein Antrag des Genossen Dr. Landmann⸗Elberfeld angenommen, den internationalen Parteitag, der im Laufe dieses Jahres in Paris stattfindet, zu ersuchen:„derselbe möge be⸗ schließen, daß in allen Kulturländern an einem Tage eine besondere Demonstratlon für den allgemeinen Völkerfrieden veranstaltet werde, und zwar durch eine allgemeine Volksabstimmung. Durch dieselbe solle zum Ausdruck gebracht werden, daß die Völker in fried⸗ licher Kulturarbeit nebeneinander wohnen und nicht mehr im Interesse einer kleinen kaplitalistischen Klique sich gegenseitig zerfleischen wollen.“ Wir sind der Ansicht, daß das internationale Proletariat am 1. Mai so kräftig für den Völkerfrieden demonstriert, daß ein weiterer De monstrationstag überflüssig erscheint.
— Der Reichstagsabgeordnete Genosse Molken⸗ buhr hat einen bedauerlichen Unfall erlitten, der ihn auf einige Zeit der parlamentarischen Thätigkeit entziehen wird. Er hat Dienstag früh den rechten Oberarm gebrochen. Als Molkenbuhr früh um 10 Uhr sich zur Sitzung der Kommission für das Unfallverstcherungs⸗ gesetz begeben wollte, wehte ihm vor dem Reichstags⸗ gebäude der Wind den Hut vom Kopf. Beim Bücken nach der Kopfbedeckung stolperte Molkenbuhr über den Zipfel seines langen Winterüberziehers und fiel hin. Obwohl er heftige Schmerzen verspürte, nahm er doch noch an der ganzen Kommlsstonssitzung teil. Erst als er merkte, daß die Schmerzen nicht nachließen, sondern immer stärker wurden, begab er sich nach dem Moabiter städtischen Krankenhaus und mußte dort zu seiner nicht geringen Ueberraschung erfahren, daß der Oberarm glatt durchgebrochen sei. Abg. Molkenbuhr hat sich nach seinem Wohnsitz Hamburg begeben, wo er einige Wochen der Ruhe wird pflegen müssen.
Briefkasten der Expediion.
Quittungen. 2st. Wek. 31.80. R. G. 2.40. Gr. Schwdt. 1.20. Wtr. Ww. Lbch. 2.—. Lg. Hckst. 2.—. Wch. Bst. 2.40. Th. Rdth. 2.40. Bl. Bsch. 1.—. L. Och. Hbg. 1.—. Scht. Sbg. 6.—. Zt. Fder. 1.—. Kch. Ndfl. 11.60. Stck. G. Zt. 3.80. Safr. Abck. 10.40. B. Rdgu. 5.—. Wtzl. Wtzh. 12.—. Pf. Wtzb. 12.60. D. S. 1.—. Wdm. Och. 3,75. Bolte⸗Lollar 4. Quart. 35.40. Gg. Kl. Hbch. —.67. Vkm. Hchhm. Jan. 26.20. Sch. Ffm. 1.—. Flch. Gbg. 3.—. Br. Mbg. 40.—. Schdt. Wbg. 1.—, Sch. Wmstr. 10.90.
Gießener Stadttheater. Dienstag, den 6. Februar 1900. Ds fine Nud. Lustspiel⸗Novität in 3 Akten von Hugo Lubliner. Mittwoch, 7. Febr.: Fünfzehnte Volks vorstellung: Der Kaufmann von Venedig. Schauspiel in 5 Akten von Shakespeare. Freitag, 9. Febr.:
Benesiz für Fräulein Agnes Hammer. Die versunkene Glocke. Von Gerhardt Hauptmann. q


