1 1 1
Seite 2.
Mitteldeutsche Sonntagszeitung.
hausindustriellen Thätigkeit jener Bevölkerung
bildete, auf den Aussterbeetat gerieth. Infolge
dessen ist die von der Regierung eingerichtete
Flechterschule vor Kurzem aufgehoben worden.
Krisis in der Industrie.
Gegenwärtig wird aus vielen Orten Ge⸗ schäftsstockung, die hauptsächlich in Jo der Chinawirren eingetreten ist, gemeldet. Beson⸗ ders in Dresden soll die Arbeitslosigkeit eine enorme sein. Ein Freund der„Sächsischen A.⸗Zt.“ zählt an einem Ort, wo Arbeitsangebote angeschlagen sind, Montag 720, Dien stag 630, Mittwoch 790, Donnerstag 920, Freitag 1240 Arbeitslose. Und das betrifft nur eine einzige Stelle, es handelt sich sicher also nur um einen Bruchtheil der sämmtlichen Arbeitslosen in Dresden. Eine genaue, Arbeits⸗ losenzählung würde jedenfalls ein trübes Bild von Arbeitslosigkeit ergeben. In einem Berichte der„Kleinen Presse⸗ heißt es: In Rons dorf und Wermelskirchen, den Hauptsitzen der Bandindustrie herrscht große Arbeitslosig⸗ keit. Schon im vergangenen Sommer suchten beschäftigungslose Wirker Arbeit bei Landwir⸗ then, im Forstbetrieb und bei Thalsperren⸗ bauten. Die Stadtverordneten haben sich bereits mit der Nothlage befaßt und Schritte gethan, um Arbeitsgelegenheit zu schaffen.— Auch auf dem großen Walzwerk Peine bei Hildesheim sind größere Arbeiterentlassungen vorgenommen worden und jetzt erhielten wieder eine große Anzahl Arbeiter ihre Kündigungen. Wie ver⸗ lautet, soll im Laufe der Zeit noch mehr Ar⸗ beitern gekündigt werden.
Und aus Leipzig wird berichtet: Der Ge⸗ schäftsgang in der Maschinenindustrie ist hier zur Zeit ein sehr stiller und die Aus⸗ sichten keineswegs vertrauenerweckend. Gieße⸗ reien und Maschinenfabriken sind wenig beschäf⸗ tigt; ein großer Theil derselben sah sich ge⸗ zwungen, zu Arbeiterentlassungen zu schreiten, ein anderer, die Arbeitszeit wesent⸗ lich zu verkürzen. Die Aussichten für die In⸗ dustrie landwirthschaftlicher Geräthe und Ma⸗ schinen für das kommende Jahr sind keineswegs günstig; der schwierige Geldstand und die schlech⸗ ten Ernten, namentlich im Süden Rußlands, haben die Kaufkraft des Landmannes ganz be⸗ denklich geschwächt.
Autisemitischer Volksvertreter an der Arbeit.
Liebermann v. Sonnenberg, der Führer der einen Hälfte der Antisemiten im Reichstag, hat wiederum einen Antrag auf Verbot der Einwanderung ausländischer Ju⸗ den eingebracht. Soll dadurch der Mittelstand gehoben werden?
Sozialdemokratische Wahlerfolge.
Bei den Stadtverordneten wahlen in Leipzig behaupteten unsere Genossen die früher innegehabten fünf Sitze. Die sozial⸗ demokratische Gesammtstimmenzahl stieg aller⸗ dings nur von 7506 im Jahre 1898 auf 7529. — Die Esatzwahl in Rixdorf brachte wieder unseren Genossen in 9 Bezirken den Sieg; in 6 Bezirken wurde allein Genosse Pahl als Haus⸗ besitzer gewählt. Es muß nunmehr in 5 Be⸗ zirken wieder eine Ersatzwahl vorgenommen werden. Vielleicht erhalten durch diese Verzöge⸗ rungspolitik unsere Rixdorfer Genossen noch die nöthige Zahl Hausbesitzerkandidaten.— Auch in Breslau errangen unsere Genossen bei den Stadtverordnetenwahlen beachtenswerthe Erfolge.— In Löbtau bei Dresden gingen unter überaus starker Betheiligung die Ge— meindewahlen, an denen sich nicht weniger als 94 Prozent der Wahlberechtigten betheiligten, vor sich. Gewählt wurden die Genossen Walther, Fleißner und Künzel, sowie zwei Ersatzmänner. Während für unsere Kandidaten 566 bis 581 Stimmen abgegeben wurden, erhielten die Geg— ner 436 bis 478.— Bei den Stadtverordneten— wahlen in Dessau hat die Sozialdemokratie einen glänzenden Sieg zu verzeichnen.
Der Hessische Landtag beginnt am 6. Dezember wieder mit seinen Ver- handlungen. Auf der Tagesordnung stehen llei— nere Vorlagen.
Der Abg. Ulrich hat in der Zweiten Kam⸗ mer einen Antrag, betreffend die Errichtung einer technischen Mittelschule in
Offenbach, eingebracht, welcher verlangt, die] war Herr W̃ ˖ e Vorsi eingebracht, welcher gt, Herr v. Wangenheim, der Vorsitzende Kammer wolle beschließen, die Großh. Regie- ö ö 5 f 11
rung zu ersuchen, den Ständen alsbald eine Vor- lage zu machen, durch welche in Offenbach als der ersten Industrieschule des Landes, eine technische Mittelschule errichtet wird.
Deut seher Re ĩehst ag.
Erst am Freitag wurde nach viertägiger Ver⸗ handlung die Chinadebatte zu Ende geführt, so daß die 12 000 Mark-⸗Geschichte erst am Sams⸗ tag zur Erörterung gelangte.— Zum Rachezug sprach am Donnerstag zunächst Payer von der süddeutschen Volkspartei, welcher der Regierung einige bittere Wahrheiten zu hören gab. Der Herr Reichskanzler sowie der Kriegsminister haben die Kaiserreden, wie er meint, nicht eigent⸗ lich nicht vertheidigt, sondern nur zu erklären und zu entschuldigen gesucht, und für eigenes Verhalten gewissermaßen eine vis⸗major(höhere Gewalt) als mildernden Umstand angeführt. Als unerhört bezeichnete er mit Recht den Zu- stand, daß man heute noch nicht wisse, was für Politik wir betreiben, denn die vom Kanzler vertretene Politik vertrage sich nicht mit einer Uebernahme der Verantwortlichkeit für die Re⸗ den des Kaisers, in denen eine ganz andere Politik vertreten werde.
Seine Frage nach dem Bundesrath, der doch in Deutschland der eigentliche Träger der Sou- veränität an Stelle des Kaisers sei, rief den bayrischen Bevollmächtigten zum Bundesrath, Grafen v. Lerchenfeld, auf die Tribüne. Doch gab er nur die Erklärung ab, daß der diplomatische Ausschuß des Bundesraths, der im Sommer zusammengetreten sei, sich mit der Reichspolitik durchaus einverstanden erklärt und auch nicht daran gezweifelt habe, daß der Reichs- tag dasselbe thun werde. Er bemerkte noch, daß auch die bayrische Regierung kaum Einspruch erheben würde, wenn bei der Bewilligung der geforderten 150 Millionen das Wort Indem⸗ nität, das in diesem Falle keine staatsrechtliche Bedeutung habe, in die Vorlage hineingeschrieben werde. Der Pole v. Dziembowski wider⸗ sprach der Weltpolitik der Regierung im All- gemeinen nicht, richtete aber einige scharfe Spitzen gegen sie; dieselbe Regierung, welche an den chinesischen Boxern die Verletzung des Gast⸗ rechtes so energisch räche, handle selbst nicht besser gegen die Dänen; hier habe der Kanzler Gelegenheit, auch gegen die preußischen Boxer Front zu machen.
Nun ergriff Herr Stöcker das Wort, um unter dem Beifall der Junker, die der konser⸗ vative Geheimrath Wagener früher einmal in Ochsen von Geburt und Ochsen aus Prinzip eintheilte, seine Lügen in alter und neuer Ver⸗ brämung gegen unsere Partei vorzubringen. Daß dem reichsfeindlichen und vaterlandlosen Bebel nur eine Schafherde folgen könne, ist eine Schimpferei, die aus diesem Munde Nie- manden verunglimpfen kann. Als er seine Ver⸗ leumdungen der Pariser Kommune vorbrachte, rief Genosse Richard Fischer ihm zu:„Das ist eine bewußte Lüge!“ Zwar trug ihm das einen Ordnungsruf ein, aber Fischer hatte damit der Empfindung aller anständigen Leute in drasti⸗ scher Weise Ausdruck gegeben.
Nach einigen unbedeutenden Bemerkungen des Welfen Hodenberg erhielt unser Gen. Singer das Wort. Eine eigentliche Abrech⸗ nung mit dem abgedankten Hofprediger, diesen typischen Vertreter des Muckerthums, der wie alle seines Gleichen die Wahrheit nicht leiden kann, nahm er noch nicht vor; die besorgte Bebel am anderen Tage mit einer Gründlichkeit, die den abgebrühten Pfaffen gänzlich zum Schwei⸗ gen brachte. Indessen wies er doch die hand- greiflichsten Lügen des Predigers der Nächsten⸗ liebe zurück. Im Uebrigen führte er der Ma⸗ jorität zu Gemüthe, wie sie durch ihren Be⸗ willigungseifer selbst die Mißachtung verschuldet habe, welche die Regierungen dem Reichstage angedeihen lasse. Der Kriegsminister hat die Vorlegung der Hunnenbriefe verlangt, um die Urheber der Greuelthaten, falls sie sich bestä⸗ tigen, zu bestrafen. Wir wissen ja, was bei solchen Untersuchungen herauskommt; im ge⸗ heimen Gerichtsverfahren werden Diejenigen be- straft, welche die Dinge zur Kenntniß der Oef— fentlichkeit gebracht haben. Unser Redner erin⸗ nerte hierbei an den Befehl, daß nur noch offene Postkarten aus Ostasien in die Heimath befördert werden sollen. Abg. Bachem legt noch einmal die Stellung des Zentrums dar, also der Par⸗ tei, die nach dem treffenden Ausdruck ihres Führers sulminante Reden hält, um dann doch alles zu bewilligen. Der letzte Redner des Tages
des Bundes der Landwirthe, die nur mit ver⸗ drossener Miene unserer Weltpolitik folgen. Freitag, der 23. war vorläufig der letzte Tag der Debatte über den Khakifeldzug; die Vorlage wurde an eine Kommission verwiesen. Der erste Redner des Tages
*
..
war der Aldeuische Herr Hasse, Wey g ut dem= 9 Ali.
der Reichstag in Ermangelung eines echten National⸗
Sozialen begnügen muß. Er tä e die Hoffa
dieser Waffervatrioten, die ihm in der Sich cht 1 un sern Genossen zum Siege verhalfen, auch keineswegs sprach er doch die Befürchtung der andern Parteien, daß die Neuformationen für Ostasien sich zu einer ständigen Kolonialarmee auswachsen werden, als eine ganz besondere Hoffnung aus. So weaig aber die weltpolitischen Pläne dea Beifall des Volkes finden, so wenig erregten sie auch die Aufmerksamkeit des Reichs⸗ tags. Das hohe Haus war vielmehr von einer ganz ungemeien Unaufmerksamkeit, die auch der freisinnige Herr Schrader nicht brechen konnte; bemerkenswerth war seine Aeußerung über die Kamarilla(Einflußreiche Gesellschaft von Günstlingen eines Monarchen) in der Umgebung des Kaisers, üder die sich schon am Tage vorher der Bändler Wangenheim beschwerte. Eine Kamarilla haben wir ja immer gehabr; ihre Mitglieder sind aber stets aus den Kreisen hervorgegangen, die
dem Beschwerde führenden Herrn v. Wangenheim be⸗
sonders nahestehen.
Das Bild der unaufmerksamen Ermüdung, sowie des Ueberdrusses, das der mit Chinareden gesättigte Reichstag darbot, änderte sich aber sofort, als Bebel die Tribüne betrat. Voll jugendlichen Feuers, mit lebhaftem Temperament schleuderte er den Regierungen und den Mehrheitsparteien seine wuchtigen Anklagen entgegen, die das Haus mit größter Aufmerksamkeit an⸗ hörte, wenn sie auch mehrfach lebhaft dagegen pro⸗ testietten. Aber nichts von allem, was sie in der vier⸗ tägigen Debatte an Beschimpfung und Verleumdung unserer Partei vorgebracht, blieb den Gegnern geschenkt. Zunächst geißelte unser Genosse die Art und Weise, mit der das hohe Haus die Erklärung, des bayrischen Be⸗ vollmächtigten, Grafen von Lerchenfeld, aufgenommen, eine Erklärung, die nichts weniger bedeutete, als eine schallende Ohrfeige für den Reichstag; aber seit das Zentrum Regierungspartei geworden, kann es sich eben den Luxus einer eigenen Politik nicht mehr gestatten. Besonders erregt zeigte sich der Kriegsminister, als Bedel aufs Neue die Hunnenthaten und die Kaiserreden kritisirte. Es wurde den Vertheidigern der Chinapolitik nichts erlassen. Was sie immer bei dieser Debatte vorgeführt hatten, unterwarf unser Ge⸗ nosse eingehender Kritik. Auf das Verlangen des Kriegsministers, die Namen der Hunnenbriefschreiber zu nennen, sagte er: Dazu habe er gar keinen Grund. Die Briefe haben in der Presse gestanden, und wenn die deutsche Staatsanwaltschaft oder die Preßadiheilung des Kriegsministeriums sie für unwahr hält, so hätte sie jeden Augenblick die betreffenden Blätter zur Verantwortung ziehen können.
Kein deutscher Staatsanwalt hat bisher Anklage er⸗
hoben, weil die Staatsanwälte das Gefühl hatten, daß diese Hunnenbriefe leider wahr sein müßten. Der Kriegsminister hat weiter erklärt, man könne in keiner Weise den Kaiser verantwortlich machen, daß Weiber und Kinder niedergemetzelt worden seien. Ich frage ihn: Ist seitens des Oberkommandos in China nicht der kaiserliche Befehl weitergegeben worden: „Pardon wird nicht gegeben, Gefangene werden nicht gemacht?!“ Das wollen wir wissen.(Großer Lärm.) Wenn der Kriegsminister diese Frage nicht klipp und klar beantwortet, so ziehe ich daraus den Schluß, daß ein solcher Befehl gegeben worden ist. Wenn der Kriegsminister die Verantwortung für den Kaiser abgelehnt hat, so bin ich in der Lage, einen Hunnenbrief vorzulesen, der in der Fränkischen Tages⸗ post veröffentlicht worden ist. Redner verliest den aus Taku vom 5. Oktober datirten Brief in dem es am Schlusse heißt: Alles, was uns in den Weg kommt, ob Mann, Frau oder Kind, wurde hingeschlachtet. Wie da die Weiber schrieen! Aber des Kaisers Befehl lautet: Es wird kein Pardon gegeben! Wir haben Treue und Gehorsam geschworen, und das halten wir auch.(Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Sie haben hier in aller Form die Bestätigung, daß die Soldaten nur einem höheren Befehle gefolgt sind, und Sie können sich denken, wie dieser Befehl von fanatisirten, aufs Aeußerste erregten Soldaten ausgelegt wird. Hier handelt es sich nicht um einen Aufschneider, denn der Betreffende bedauert ja ausdrücklich, daß er so habe vorgehen müssen.(Abg. Stöcker: Nennen Sie doch den Mann!) Das ist eine sehr naive Forderung. Der Brief liegt vor mir.(Zum Kriegsmmister gewendet.) Verklagen Sie doch die Zeitung, wenn Sie glauben, daß der Brief unwahr ist. Der Reichskanzler hat die Verantwortungen für die kaiserlichen Reden in Bremer⸗ haven vom 3. Juli übernommen und gemeint, sie seien ihrem ganzen Inhalte nach nur dadurch veranlaßt worden, daß der Kaiser damals nicht nur gewußt habe, daß sein Gesandter bereits ermordet sei, sondern auch geglaubt, daß die übrigen Gesandten bereits ermordet seien. Das ist nicht der Fall. Der Kaiser sagte: „Vielleicht haben die Gesandten der anderen Mächte schon heute ihren letzten Kampf gekämpft.“ Der Reichskanzler meint, der Kaiser hätte in Bremerhaven als Soldat und nicht als Diplomat gesprochen. Allein der Kaiser spricht nie als Soldat und nie als Viplomat, er spricht nur als Kaiser und ist eine viel zu selbstbewußte Persönlichkeit, als daß er auch nur einen Augenblick anders vor das Volk treten will, wie als Kaiser. Er trägt dann aber die Verantwortung nicht nur vor dem Reichstag, sondern vor der ganzen Welt und vor der Geschichte. Bei der Rede am 27. Juli mußte der Kaiser wissen, daß die Gesandten außer dem Freiherrn von Ketteler so gut wie gerettet seien. Die deutsche Kultur in die Welt tragen, ist eine schö ae und große Aufgabe, aber es kommt auf die Art an, wie man zu fremden Völkern kommt.
. Augen dul der
Aabeh,
1 geben
dafi
deer An
Aeltben!
Jalalge. Ou uusfen w.
A sche
Nachstor flu chen de Fefachen ulalio wdunehm hlulle de Ache sch chen z 5 f fei lle gr len 9 Juana i ut ju, wi ein Nutz llusgen ben En ht Aer ache hu di n f. dust hein diet g
— — —
——— 22 1


