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Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Nr. 36.
zingelt und erlitten schwere Verluste. Ein Offi⸗ zier und zwölf Mann fielen, vier Offiziere und 57 Mann wurden verwandet, 33 werden vermißt.
Am 26. haben heftige Gefechte bei Belfast und Bergendal, östlich von Pretoria, stattge⸗ funden. Die Buren setzten dem Vordringen der Engländer hartnäckigen Widerstand entgegen, sie hatten viel Artillerie und unterhielten das Feuer den ganzen Tag. Die Verluste der Engländer sollen nicht schwer, die der Buren jedoch be⸗ deutend sein.
300 in Johannisburg und Pretoria ver⸗ haftete und nach Holland abgeschobene Aus⸗ länder, zum größten Theile Deutsche, beklagten sich bitter über die empörende Behandlung, die ihnen seitens der Engländer zu Teil geworden ist und vor welcher sie auch der deutsche Konsul nicht geschützt habe. Von einigen Betroffenen werden schauderhafte Einzelheiten über ihre Verhaftung und Transport veröffentlicht.
Von 11 Fern.
Zur Nachahmung empfohlen.
Seit einiger Zeit führen unsere Frankfurter Genossen einen lebhaften Kampf gegen den „Frankfurter Generalanzeiger“. Dieses„partei⸗ lose“ Schmierblatt hatte unseren verstorbenen Genossen Liebknecht in gemeiner Weise be— schimpft. Unter Anderem entblödete sich der Schmock nicht, zu schreiben, Liebknecht sei von den Genossen„nur mehr anstandshalber durchgeschleppt“ worden; die Sozialdemo— kratie habe ihn nur noch als Dekoration behandelt!! Schon früher, als Liebknecht noch lebte, wurde er in diesem erbärmlichen Blatte stets verhöhnt und der Berliner Korre- spondent desselben suchte ihn bei jeder Gelegen— heit zu verspotten und herabzusetzen.„Unaus— stehlicher Schwätzer“,„Literarische Ohr— feigen-Phisiognomie“ und ähnlich lauteten die Beschimpfungen, mit denen Liebknecht be— dacht wurde!— Und dieses Blatt, das die öffentliche Meinung fälscht, die Ar- beiter⸗Interessen stets mit Füßen tritt, besitzt die größte Zahl seiner Abonnenten in Arbeiterkreisen! Auch in unserer Gegend giebt es sicher noch Arbeiter, die den„General-An⸗ zeiger“ unterstützen. Wir müssen aber unseren Frankfurter Genossen in ihrem Kampfe bei— stehen. Heraus mit diesem byzantinischen, ser— vilen Sudelblatt aus den Arbeiter-Wohnungen! Eine derartige gewissenlose Presse muß aus den Kreisen des Volkes verschwinden! Arbeite jeder Genosse zu seinem Theile daran, daß dies geschieht!
Watzenborn⸗Steinberg.
Zu der Landeskonferenz in Isenburg entsenden die hiesigen Parteimitglieder den Ge⸗ nossen J. Schmandt als Delegierten.
Die Wetzlarer Stadtväter scheinen für die Pflege und Förderung der Volks⸗Gesundheit und für Einrichtungen, die solchen Zwecken dienen sollen, verteufelt wenig übrig zu haben. Stand da in der vorletzten Sitzung der Stadtverordneten eine Zuschrift des Landrats, in der zum Beitritt in den Verein zur Errichtung von Heilstätten für Lungen⸗ kranke oder zur Leistung eines Beitrages auf⸗ gefordert wird, zur Beratung. Nun braucht man solche Anstalten als Kampfmittel gegen die Tuberkulose gewiß nicht zu über schätzen— wir haben schon früher einmal darauf hingewiesen, daß zur nachdrücklichen Bekämpfung der Seuche in erster Linie die Besserung der Lebens⸗ haltung der arbeitenden Klassen notwendig ist— aber immerhin muß ihre segensreiche Wirkung auf diesem Gebiete unbedingt anerkannt werden. Man sollte meinen, daß keine ein⸗ sichtige Gemeindevertretung sich dem verschließen und mit Vergnügen ausreichende Mittel für solche gemeinnützige Einrichtungen zur Verfügung stellen sollte. Die wohlweisen Räte der Stadt Wetzlar bewilligten denn auch einen jährlichen Beitrag von— einem ganzen Pfennig pro Kopf der Einwohnerschaft! Wetzlar hat etwa 8000 Einwohner, macht also
der ganze Jahresbeitrag der Stadt Wetzlar schäbige achtzig Mark! Das auch noch „auf Wiederruf“! Ja, hätte es sich um eine
Forderung für ein Bismasck⸗Denkmal oder für
Dekoration der Stadt anläßlich eines„hohen Besuches“ gehandelt, so hätte man gewiß etwas tiefer in den Stadtsäckel gegriffen! Dabei kann aber auch der Herr X. eine Rede schwingen und Herr Y einen Orden bekommen.
Mit solchem Verhalten vergleiche man die Thätigkeit unserer Genossen in verschiedenen französischen Gemeinden, wie sie in unserer heutigen Rundschau nach bürgerlichen Blättern geschildert ist! Man blicke aach Offen⸗ bach, wie dort die sozialdemokratischen Stadt⸗ verordneten das Gemeinwohl nach jeder Richtung hin zu fördern suchen! Wahrlich höchste Zeit, daß endlich einmal die Arbeiter mehr Einfluß auf die städtischen Angelegenheiten zu gewinnen suchen. Und zwar überall. th.
Schlechter Trost.
Zu dem Unglücksfall, der sich vor kurzem auf der Grube„Amanda“ ereignete und dem der Bergmann Müller VII aus Nauborn zum Opfer fiel— wir haben dieses Vorkommnis in der letzten Nummer mitgeteilt— bemerkt der „Wetzl. Anz.“ u. a.: Möge Gott seinen Hinter⸗ bliebenen Trost verleihen und mögen sich wohl⸗ thätige Hände derselben annehmen.“ Letzteres wäre wohl in erster Linie Sache des Unter ⸗ nehmers, dem der Verunglückte seine Arbeits⸗ kraft zur Verfügung stellte. Dann aber wäre es für die Hinterbliebenen ein viel besserer Trost, ihren Ernährer gegen Unfälle dieser Art durch geeignete Vorkehrungen genügend geschützt zu wissen. Aber gerade daran mangelt es auf den Gruben vielfach; die„opferwilligen“ Unter⸗ nehmer unterlassen aus Sparsamkeitsrücksichten die vorgeschriebenen Schutzmaßregeln.— Der Verunglückte versah außerdem noch, wie mitgeteilt wird, die Nachtwächterstelle. Auch das ist charakteristisch. Man denke, ein Mann, der am Tage die schwere Arbeit eines Bergmanns verrichtete, hat auch des Nachts noch Dienst, kommt also kaum zum Schlafen! Dazu kann der Mann nur durch äußerst erbärmliche Be⸗ zahlung genötigt worden sein.
Nationalliberale Obstruktion in Offenbach.
Als kürzlich in einer Sitzung der Offenbacher Stadtverordneten Genosse Ulrich Gelegenheit nahm, das wiederholte inkorrekte Verhalten des Oberbürgermeisters Brink in Sachen des Beige⸗ ordneten Wolff zu bemängeln, standen die national liberalen Stadtväter auf und verließen die Sitzung! Herr Brink schloß hierauf die Sitzung wegen Beschlußunfäbhigkeit.„Nun gut, es soll Ihnen nichts geschenkt werden“, rief Ulrich den Ob⸗ stcuktionisten nach. Wir sind überzeugt, die Ge⸗ nossen in der Offenbacher Stadtvertretung werden Wort halten.
Die Hunnen wollen nicht.
Drei Reservisten des Bamberger Infanterie— Regiments, die als Freiwillige die Reise nach China angetreten hatten, sind in Darmstadt de— sertirt. Sie wurden auf einem Heuboden ver— steckt durch die Polizei aufgefunden und ver— ha
Wünschenswerte Bekämpfung der Sozial⸗
demokratie.
Der Spandauer Stadtverordnete Hallecker, der dort ein Haus besitzt, erhielt, wie wir in der „Kl. Pr.“ lesen, als kürzlich dort Militär einquartirt wurde, auch drei Mann Einquar⸗ tirung. Die Leute hatten es sich bereits etwa 2 Stunden bequem gemacht, als ein Polizei⸗ beamter erschien, der die drei Mann auf An- ordnung der Kommandantur wieder wegholte und anderswo unterbrachte. Herr Hall⸗ ecker bekennt sich zur sozialdemokra⸗ tischen Partei. Wenn alle Behörden in gleicher Weise bemüht sind, die Armee vor der Berührung mit der Sozialdemokratie zu be— schützen, so kommen wir vielleicht noch dahin, daß Leute, die sich zur Sozialdemokratie be— kennen, vom Militärdienst grundsätzlich befreit werden.— Wir haben gegen eine derartige Be⸗ kämpfung nichts einzuwenden.
Krieg im Frieden.
Bei einer Felddienstübung, die einige Bat⸗ terien Artillerie in der Nähe von Dresden abhielten, kippte ein in voller Fahrt befiadliches Geschütz um, wodurch ein Artillerist einen kom⸗ plizierten Beinbruch, ein anderer einen Schädel⸗ bruch und schwere innere Verletzungen erlitt.— Ein weiteres entsetzliches Unglück ereignete sich am Freitag, 24. Aug., bei Dessau. Dort hatte eine Batterie des 4. Magzdeburgischen Ar⸗ tillerie-Regiments 4 Haubitzen aufgestellt, welche von Groß und Klein besichtigt wurden. Freitag Nachmittag wurden die Geschütze gereinigt, als bei einem Geschütz, in dem die Kattusche stecken geblieben war, ein Schuß losging. Vor der Mündung der Kanone stand der Sohn des Berg⸗ manns Proft, dem der Schuß an den Kopf ging. Dieser wurde vollständig gespalten, sodaß das Gehirn umherspritzte. Auch siebzehn andere Kinder wurden mehr oder weniger schwer verletzt.
Friedrich Nietzsche 1.
In Weimar starb am 25. August der in der letzten Zeit vielgenannte philosophische Schrift⸗ steller Friedrich Wilhelm Nitzsche an einem Schlaganfall. N. war schon seit Jahren geisteskrank. Er war geboren am 15. Oktober 1844, studirte 1864—67 in Bonn klassische Philologie und wurde schon im Alter von 25 Jahren Professor in Basel. Am Kriege von 1870 beteiligte er sich als freiwilliger Kranken⸗ pfleger.— Aus seinen Werken sind hervorzu⸗ heben:„Unzeitgemäße Betrachtungen“,„Jen⸗ seits von Gut und Böse“,„Also sprach Zara⸗ thustra“,„Menschliches, Allzumenschliches“. Bei Ausgestaltung seines Hauptwerkes„Umwertung aller Werte“ wurde er von der Geistesumnachtung befallen.
Zum Morde in Konitz.
Wegen Begünstigung beim Morde Winters soll Anklage erhoben werden gegen den Abdecker Is— raelski. Dieser soll, wie der Botenmeister Fiedler vom dasigen Landgericht behauptet, am Char- freitag Vormittag einen kopfähnlichen Gegen— stand in einem Sack nach der Stelle, wo am ersten Osterfeiertag der Kopf des ermordeten Winter gefunden wurde, getragen haben. Is⸗ raelski, der noch immer in Untersuchungshaft sitzt, bestreitet, mit dem Morde in irgend welcher Beziehung gestanden zu haben. Die Verhand— lung wird, wie die„Magdeburgische Zeitung“ berichtet, in allernächster Zeit vor der Straf- kammer des Konitzer Landgerichts stattfinden. Vertheidiger Israelski's wird Rechtsanwalt Maschke dortselbst.
Ein sittlich entgleister Minister in der Schweiz. Auch die Schweiz liefert einen Beitrag zur Gallerie frommer Sittenhelden. Es ist der kleine Kanton Zug, in dem der klerikale Justiz⸗ minister Weber als Spezialität die Ueber⸗ wachung der wegen Sittlichkeitsdelikte verurteilten Insassen der Strafanstalten betrieb und dabei Handlungen beging, die seine Ministerkollegen, worunter ein Sozialdemokrat und zwei Liberale, veranlaßten, ihn zur Demission zu zwingen. Außerdem übergab die Regierung die Sache auch der Staatsanwaltschaft. Nach dem„Grütlianer“ war Weber seit Jahrzehnten einer der einfluß⸗ reichsten und thätigsten Führer der ultra⸗ montanen Partei und bekleidete als solcher wiederholt die höchsten kantonalen Amts- und Ehrenstellen. Dabei führte er ein wahres Diktatorenregiment, sodaß sein Sturz von allen kantonalen Angestellten als Erlösung von dem Unterdrückungssystem begrüßt wurde.
Prozeß Bresei. Vom Mainländer Schwurgericht wurde der
Attentäter Bresci zu lebenslänglichem Kerker, ver⸗ schärft mit 7 Jahren Einzelhaft verurteilt.
Aus dem Wahlkreise Marburg⸗ Kirchhain. W. Marburg, 30. August. W. Ein prügelnder Seelenhirt a. D. Am 25. August hatte sich vor der hies. Strafkammer der Pfarrer a. D. W. Klingel-
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