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Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.
Nr. 2 g
Anterhaltungsteil.
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Lied vom Drohnenkönig.
Es war in einem Bienenstaat Ein edler Drohnenkönig, Der leckte Honig früh und spat, Hatt' Helfer gar nicht wenig. Er nippt' herum, er tippt' herum, Er machte nichts als Summ und Brumm— Der König, der war gar nicht dumm, Der feiste Drohnenkönig.
Da wurden auch die Bienen llug Und sprachen:„Drohnenkönig! Du frißt zwar Honig g'rad' genug, Doch schaffst Du viel zu wenig. Wir summen Dir auf Dein Gebrumm— Wir Völker sind nicht mehr so dumm, Du fauler Drohnenkönig!“
Die Völler spießten kurz und gut Den edlen Drohnenkönig, Verzehrten ihren Zuckerhut Und hatten nicht zu wenig. Sie brachten all' die Sippschaft um, Da half kein Summ, da half kein Brumm— Die hatten halt kein Christentum,
Du armer Drohnenkönig. Ludwig Pfau.
In Fesseln. 71 Novelle von Elise Schweichel.
Augen und Mund zusammenkneifend und die Rechnung nahe an das Licht haltend, studierte die Baronesse mit großer Aufmerksamkeit. Plötz⸗ lich ließ sie die Hand mit dem Blatte sch wer auf den Tisch sinken und schaute Johanna mit großen Augen an.
„Fräulein Storbeck, ich glaube, Sie träumen! Sechzig Mark? Nur für diese Arbeit? Das sind zwanzig Thaler. Ueberlegen Sie sich das nur. Zwanzig Thaler! Mit den Mark springt man so leicht um. Sechzig, siebzig Mark sind heutzutage gar nichts. Aber zwanzig Thaler, das klingt etwas anders.“
Johanna glaubte selbst zu träumen. Sie fand nicht gleich eine Antwort.
„Gnädige Frau“, sagte sie dann bescheiden, „wie man das Geld auch nennen mag, der Wert bleibt doch derselbe. Ich weiß, daß drei Mark auf einen Thaler gehen, aber auch, daß der Thaler nicht weiter reicht als drei Mark. Ohne die Zeichnung habe ich zwanzig Tage gearbeitet und zwar von früh bis spät; das macht den Tag drei Mark— kaum genug, um allen An⸗ forderungen gerecht werden zu können!“
„O, da sind Sie sehr anspruchsvoll. Ein Frauenzimmer lebt sehr gut von der Hälfte, und Tausende müssen sich mit noch weniger durch⸗ schlagen. Zu prassen hat niemand nötig. Und kurz und gut, ich zahle keine sechzig Mark. Nehmen Sie vierzig und wir sind auseinander.“
Johanna war außer sich vor Entrüstung. Die Kehle war ihr wie zugeschnürt, die Zunge klebte ihr am Gaumen.
„Das werde ich nicht thun“, stieß sie hervor. „Ich bin keine Betrügerin. Lassen Sie die Arbeit durch Unparteiische prüfen und taxieren. Bis die über meine Forderung entschieden, leben Sie wohl. Aber lassen Sie mich Ihnen noch eines sagen, gnädige Frau“, fügte sie vor der Thür, die sie bereits gewonnen, zurückkehrend, hinzu,„bevor Sie Tierschutzvereine und Hunde⸗ asyle gründen, lernen Sie den Menschen mensch⸗ lich behandeln.“
Außer sich eilte sie davon.
Wie sie nachhause gekommen war, sie wußte es nicht. Mit keuchender Brust trat sie sogleich bei Julius ein. Es fiel ihr in ihrer Erregtheit nicht auf, daß dieser in einer etwas verlegenen Haltung mitten im Zimmer stand, und daß eine gewisse Unordnung darin herrschte. Auf- und abschreitend, sprudelte sie das Erlebte heraus; sie mußte sich durch Mitteilung erleichtern. Als sie auf ihrer hastigen Wanderung an einem der
Fenster vorüberkam, bemerkte sie, daß dessen Vorhänge, gegen den sonstigen Gebrauch aus den Schnüren g⸗löst, gerade herunterhingen. Mechanisch hob sie einen der Flügel, um ihn in Ordnung zu bringen. Aber sofort ließ sie ihn wieder fallen und trat mit einem leisen Ausruf des Schreckens zurück.
„O Gott, dort steht Jemand!“
Schnell gefaßt sprang dieser Jemand hervor. „Ha, ha, ha, ich bin's ja nur!“ erschallte Sus⸗ chens Stimme, während Julius die Schwester umschlang und begütigend sagte:
„Mein Gott, Du hast Dich so erschreckt. Das war ein dummer Scherz von uns.“
Johanna sah starr von einem zum andern.
„Das war kein Scherz, Ihr wolltet mich täuschen. Ich sollte nicht wissen, daß— Fräulein Champagner hier sei. Und ich muß sagen, ich finde Ihre wiederholte Anwesenheit in diesem Zimmer höchst unschicklich.“
„Nun, liebe Schwester, dann will ich Dir nur die Wahrheit sagen“, nahm Julius das Wort.„Suschen ist meine Braut.“
Dabei umfaßte er das neben ihm stehende Mädchen und drückte es zärtlich an sich.
Johanna sah ihren Bruder weit geöffneten Argen an; dann schlossen sich dieselben. Sie ward leichenblaß und taumelte. Die Schlag auf Schlag sich folgenden Erregungen waren selbst für das starke Mädchen zu viel. Julius geleitete sie nach seinem Lehnstuhl und ließ sie in denselben nieder, während Suschen in die Küche nach Wasser lief, um der Halbohnmäch⸗ tigen die Schläfen zu netzen. Diese bog jedoch den Kopf unwillig weg.
Julius flüsterte Suschen zu, daß es besser wäre, wenn sie jetzt ginge, und begleitete sie hinaus. In das Zimmer zurückkehrend, schritt er eine Weile langsam auf und ab. Endlich blieb er neben Johanna stehen.
„Ist Dir jetzt besser?“ fragte er, indem er sich über sie beugte.
Johanna griff nach seiner Hand und sah ihm angstvoll in die Augen.
„Ist es wirklich wahr?“ hauchte sie.
„Wirklich wahr. Ich wußte wohl, daß ich bei Dir auf Widerstand stoßen würde und zögerte daher, es Dir mitzuteilen. Ich gebe zu, es ist gewissermaßen eine Mesalliance. Ein Mädchen vom Theater, Ballettänzecin, die Tochter armer Leute— aber bei Dir sollte das doch am wenigsteu Ar stoß erregen, die Du durch Anton mit Gleichheitsideen durchtränkt bist.“
„Ach, das ist es nicht, das ist es nicht!“
schüttelte Johanna traurig den Kopf.
„Nun, was sonst, was sonst?“ fragte Julius mit Lebhaftigkeit.„Ist es denn so unerhört, daß ich auch einmal glücklich zu sein verlange? Freilich, Du mit Deinem kühlen Herzen, die Du alles nur mit dem Verstand erwägst, Du hast Mühe, zu begreifen, daß mir das Leben, wie ich es jetzt führe, nicht genügt. Weil Du Dich zufrieden und glücklich fühlst, muß ich es darum auch sein? Und was geht Dir denn auch ab? Du kannst Dich frei bewegen, nach Belieben kommen und gehen, hast Deine ge⸗ sunden Glieder, Deine Häuslichkeit. Darüber gehen Deine Wünsche nicht hinaus. Ich glaube, Dein Puls hat noch keine Minute Deines Lebens schneller als gewöhnlich geschlagen. Ich dagegen bin durch mein Gebrechen auf meine vier Wände angewiesen, während alle Eindrücke lebhafter auf mich wirken. Ich bin ein ganz anderer Mensch, seit ich das Mädchen kenne. Sie hat neues Blut in meine Adern gegossen. Es drängen sich tausend Ideen in meinem Hirn, ich fühle mich zum Schaffen angeregt, und Du sollst sehen, was ich zu stande bringe, wenn ich erst einen Zweck habe, für den ich schaffe.“
Johanna hatte während seiner Rede mehr⸗ mals die Lippen geöffnet, aber keinen Ton hervorgebracht. Der Mund war ihr wie aus⸗ gedörrt; in ihren Schläfen hämmerte es, eine eisige Kälte durchschauerte ihre Glieder.
Sie erhob sich mit Anstrengung, und als Julius noch etwas sagen wollte, winkte sie ihm mit der Hand, zu schweigen und schwankte hin⸗ aus.—
Sie sollte die Stube ihres Bruders nicht 10 bald wieder betreten. In der Nacht erkrankte sie. Ein hitziges Fieber stellte sich ein und fesselte sie mehrere Wochen ans Bett. Erst.
gegen das Ende derselben sah sie die Gestalten
der Frau Bartels und der Wäscherin wie in einem Traum, sich abwechselnd um sie bewegen. Als sie mit klaren Sinnen endlich erwachte, saß die letztere an ihrem Bett. Es war Nacht und sie befand sich nicht in ihrem Stübchen. Frau Bartels hatte sie dem Geräusch des Hofes ent⸗ rückt und nach ihrer eigenen, nach der Straße gelegenen Wohnung im Erdgeschoß bringen lassen.
Johanna war, als sie von dieser Güte hörte, bis zu Thränen gerührt. Alles, was vor ihrer Krankheit geschehen, der Schimpf, den ihr die Baronesse angethan, die leichtfertige Verlobung ihres Bruders und sein grausames Verkennen
ihres innersten Wesens, alles dieses kehrte jetzt
wie eine zurückgestaute Flut in breiten Sturz⸗ wellen in ihre Erinnerung zurück. Das gute alte Gesicht der Wäscherin flößte ihr einen Augenblick Widerwillen ein; aber als diese ihr nun erzählte, wie sie allnächtlich bei ihr gewacht und sich nur am Tage, wo sie ihrem Geschäfte nachgehen mußte, von Frau Bartels hatte ab⸗ lösen lassen; wie sie für Julius gesorgt, dessen. Wohnung rein gehalten und ihn beköstigt hatte, da legte Johanna ihre abgezehrte, blasse Hand in die harte knochige der braven Wäscherin.
„Ach, mein gutes, liebes Fräuleinchen“, sagte diese,„Gott sei Dank, daß Sie endlich wieder bei Besinnung sind. Ach, das war doch schreck⸗ lich. Sie haben zwar immer so fromm und sanft wie ein Engel dagelegen, aber die stieren Augen und das schmerzliche Stöhnen— Sie glauben nicht, wie mir das das Herz zerriß.“ Sie wischte sich mit dem Rücken der Hand die Thränen aus den Augen.
„Was macht mein Bruder und wie— wie—
„Ich versteh', ich versteh'. Regen Sie sich man bloß nicht auf. Ach, ich wollt' ja auch gar nichts davon wissen; Sie wissen schon, was ich mein'. Daß ein Mann, wie der Herr Bruder, für die Suse zu schade ist, das muß jeder sehen, und ich dachte, er sponsierte nur ein bischen mit ihr, und das Fräuleinchen wären doch immer
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dabei, und kurz und gut, ich hatt' keine Ahnung.
Als ich die Geschichte endlich hört'— es war an dem Morgen, als das Fieber Sie gepackt hat, Sie glühten wie eine Kohle, und der
Herr Bruder wußt' sich keinen Rat und kam uns rufen, und dabei kam's heraus— Herr
Gott, als ich das anhört', ich dacht', der Schlag Das hätte das Fräuleinchen
soll mich rühren.
auch krank gemacht, sagt' ich gleich, und der Herr Bruder sollt' es sich doch noch überlegen,
die Suse paßte nicht für solchen feinen Herrn. Aber, Gott bewahr', er wollt' nicht von ihr
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lassen; es ging' keinem was an, sagt' er, und er
hätt' es mit der Suse allein zu thun und er wollt' nur die Einwilligung von den Eltern, nachher wollt' er von den ganzen Verwandten nichts weiter wissen. t kann er ruhig sein. Wir wissen, wo wir hin⸗ gehören, und wir haben auch unsern Stolz.
Na, was das anlangt, da
Und die Suse hat ja auch was besseres kennen
gelernt als unsereins. feinen Haus erzogen, und Sie wird noch an⸗ nehmen und Ihnen keine Schande machen. Und am Ende muß der liebe Gott doch auch wissen, was er thut, denn wir lernen dach schon in der Kinderlehr', daß alles, was er thut, zu unserem Besten dient.“(Fortsetzung folgt.)
Johannes Gutenberg.
In einer großen Anzahl Städte haben dieser Tage Festlichkeiten zu Ehren des Erfinders der Buchdruckerkunst anläßlich seines 500 jährigen Geburtstags stattgefunden. Besonders großartig war die Feier in Mainz, der Geburtsstadt
des Erfinders; hier beteiligte sich auch unsere Partei im Verein mit den Gewerkschaften, den Mainzer und auswärtigen Buchdruckern und der gesammten Arbeiterschaft in hervorragender Weise.
Aber auch vielen andern Orten haben es sich
Sie ist ja doch in einem
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