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1.7.1900
 
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Gutenberg als armen Mann.

Nr. 27.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 7.

unsere Parteigenossen nicht nehmen lassen, des Mannes ehrend zu gedenken, durch dessen Er⸗ findung jeglicher Fortschritt und schließlich auch die Entwickelung der Sozialdemokratie erst ermöglicht wurde!

So fand schon einige Zeit vorher in Stutt- gart eine größere Jeier zu Ehren Gutenbergs statt, an welcher sich ebenfalls die Arbeiter be⸗ teiligten. Bei dieser Gelegenheit hielt Professor Schanzenbach eine Rede, in der er das Verdienst Gutenbergs um die kulturelle Ent⸗ wicktlung der Menschheit feierte. Diese Rede dürfte auch für unsere Leser von Interesse sein und wir geben sie deshalb im Auszuge wieder. Prof. Schanzenbach sagte:

Der Sprößling der mainzischen Patrizier⸗ familie der Gensfleisch, Johannes Gensfleisch ist in der Geschichte unter den Namen Gute n⸗ berg bekannt. Woher er diesen Namen hatte, ist mit völliger Sicherheit nicht zu ermitteln. Man nimmt an, daß seine Mutter, Else zum Gutenberg, die letzte ihres Geschlechts gewesen, daß der Sohn der Mutter Namen dem seinigen beifügte, und daß dieser ihm schließlich als Haupt⸗ name blieb. Alles was man von dem Geburts- haus des Meisters erzählt, beruht auf Vermutungen und über seinen Bildungsgang fehlt leider jegliche Nachricht. Urkundlich nachweisbar ist sein Aufent⸗ halt in Straßburg 1434. Hier erscheint er mit mechanischen Studien und mit mancherlei Metall- arbeiten beschäftigt, mit Anfertigung von Spiegeln aber auch mit Versuchen typographischer Art, da bei einem gegen ihn geführten Prozeß von einer Presse die Rede ift, während man bisher mit dem Reiber gearbeitet und das Papier nur auf einer Seite bedruckt hatte. Auf Grund hiervon machte denn auch Straßburg Anspruch auf die Ehre, die erste Geburtsstätte der Buchdruckerkunst zu sein. Mit Unrecht. Die genauesten Untersuchungen lassen es als ausgemacht erscheinen, daß diese Ehre der alten Bischofstadt Mainz gebührt. Hier finden wir Gutenberg im Jahre 1448 wieder; hier hat er seine Versuche sofort wieder aufgenommen; hier ist er aber, wie schon in Straßburg, in jene Geldverlegenheiten gekommen, aus denen er zeit⸗ lebens sich nicht wieder herauswinden sollte. Der Erfinder war kein Finanzgenie. Es ist all⸗ gemein bekannt, wie der reiche Kapitalist und Goldschmied Johann Fust, mit dem Guten⸗ berg um 1450 in Verbindung kam, und Fust's Schwiegersohn, der Kleriker oder Schönschreiber

Peter Schöffer, den mit einer geordneten

Buchführung unbekannten Mann in ihre Hände bekamen: mit gänzlichem finanziellen Ruin, mit dem Verlust seines verpfändeten Druckgeräts, seiner schönen Typen, wahrscheinlich auch der vorhandene Exemplare der sogenannten 42zeiligen lateinischen Bibel, und schließlich mit dem Verrat seines Kunstgeheimnisses ging Gutenberg aus dem Streit mit seinen Geschäftsteilhabern hervor, eines der vielen Beispiele, wo der über reiche Geldmittel Verfügende die dem Genius reifenden Früchte einerntet. Das Jahr 1458 findet Noch einmal lächelt ihm indeß das Glück: Der Mainzer Jurist und Theologe Dr. Conrad Hu mery schießt ihm das Geld für neues Druckgerät vor. Mit neuen Typen druckt er 1460 das Catholikon, ein latei⸗ nisches Realwörterbuch, und einige andere Schriften. Allein er darf sich auf diesen Druckwerken so wenig nennen wie bei seiner 42zeiligen Bibel und anderen, weil er bei seiner Verschuldung sich so⸗ sort der Gefahr der Pfändung ausgesetzt hätte.

Gutenberg selbst, in seiner Erwerbsthätigkeit

mann des Herzogs von Nassau.

lahm gelegt, von Sorgen und Alter gebeugt, sindet ein Gnadenbrot als kurfürstlicher Hofdienst⸗ Seinen Lebens⸗ abend scheint er in der herzoglichien Residenz Eltville zugebracht zu haben; aber über seinen Todestag weiß Niemand etwas, und seine letzte stuhestätte ist nicht mehr zu finden.

Welche Tragik in dem Leben eines Manes, sessen Wirken an das Goethe'sche Wort erinnert: Es kann die Spur von meinen Erdentagen nicht in Aeonen untergehn! Welcher Gegensatz

wischen der Armut des Erfinders und dem Reichtum seiner Erfindung!

Man nennt Gutenberg den Erfinder der Zuchdruckerkunst eine für sein Werk

höchst unglückliche Bezeichnung, die freilich nicht mehr leicht zu entfernen ist, die aber mit dazu beigetr igen hat, seinen Ruhm bei der Nachwelt zu schmälern oder gar ihm denselben zu Gunsten Anderer, zum Beispiel des Harlemer Lorenz Koster, streitig zu machen. Es wäre wahrlich an der Zeit, jedem Kind in der Schule schon deutlich zu machen, daß es vor Gutenberg gedruckte Schriften gegeben hat. Wir haben aus dem 15. Jahrhundert eine stattliche Anzahl von Holztafeln abgedruckter Bücher, sogenannte Block bücher, Fluchblätter, Spielkarten und dergleichen. Ja, Bürstenabzüge von Holzplatten finden sich in China schon im 10. Jahrhundert, und die Kunst des Druckens überhaupt, d. h. das Ver⸗ fahren, vermittelst gewisser Formen und Farben, Gestalten, Bilder, Schriftzeichen und dergleichen durch Drucken auf andere weiche Körper zu übertragen, ist gerade uralt, wie man aus den Keilinschriften von Ninive sehen kann. Was aber das großartige Erwachen des geistigen Lebens auf allen Gebieten im 15. Jahrhundert, was ins⸗ besondere der gewaltige Flügelschlag des Huma⸗ nismus verlangte, und was alle Schreibkünstler und Briefmaler, alle Graveure und Xylographen nicht verschaffen konnten, eine rasche und massenhafte Vervielfältigung der Schrift, das erstrebte der große Mainzer, darüber sann dieser rheinische Prometheus bei Tag und bei Nacht, dafür opferte er Vermögen und Ruhe und Lebensglück. Es ist eine ganz falsche Vorstellung, daß man große Ent⸗ deckungen, weltbewegende, ja weltumschaffende Erfindungen dem Zufall verdanke. Das gilt weder von dem Pulver noch von dem Kompaß, noch von dem Linnenpapier, welch letzteres un⸗ serm Bücherdruck vorangehen mußte. Die intensivste Geistes arbeit, die opferfähigste Ausdauer und Geduld, die Hingabe des ganzen Menschen machen den Erfinder, sie haben auch Gutenberg zu einem solchen gemacht.

Worin bestand denn aber schließlich seine Er⸗ findung, wenn es nicht der Schriftendruck im weitesten Sinne war? Man hat gesagt, Guten⸗ berg habe die beweglichen Lettern erfunden, d. h. die Möglichkeit, durch Versetzung der einzelnen Buchstaben unendlich viele Wörter zu bilden. Auch das trifft nicht den Kern der Sache, trifft ihn nicht vollständig. Das Wesentliche dergöttlichen Kunst, deswunderbaren Geheimnisses mit solchen Benennungen beehrten die Zeitgenossen die Erfindung, das Wesentliche ist, das weiß man jetzt, die Verwendung einzel ner beweglicher gegossener Metalltypen und vor Allem die wichtige Art der Typenbildung durchPatrize undMatrize. Unter Patrize verfteht man den verkehrt und erhaben in Stahl ausgearbeiteten Stempel eines Buch⸗ stabens. Gutenberg selbst hat das, worin er den Kern seiner Kunst sah, in der Unterschrift eines seiner Hauptwerke, des schon genannten Catholikon, so klar wie schön ausgedrückt:Unter dem Beistand des Allerhöchsten, sagt er,auf dessen Wink der Unmündigen Zungen beredt werden und der oftmals den Kleinen offenbart, was den Weisen er verhehlt, ist dieses vortreff⸗ liche BuchCatholikon im Jahre der Mensch⸗ werdung des Herrn 1460 in dem gesegneten Mainz, einer Stadt der berühmten deutschen Nation, welche Gottes Huld durch ein so hohes Geisteslicht und freies Gnadengeschenk den übrigen Nationen der Erde vorzuziehen und auszuzeichnen gewürdigt hat, gedruckt und vollendet worden, nicht mit Hilfe von Rohr, Grigel oder Feder, sondern durch das wunderbare Zu⸗ sam men stimmen, Verhältniß und Eben⸗ maß der Patronen und Formen(5. h. der Patrizen und Matrizen). Da haben wir's: Das Schneiden und Gießen der Metalltypen, also das, was jetzt das selbständige Fach der Schriftgießerei bildet, sowie der Druck von Einzelblättern und Büchern vermittelst solcher Typen jetzt gleichfalls ein Geschäft für sich das bildet das Wesen der Kunst Gutenberg's seiner unsterblichen Erfindung.

Alles Andere, was im Laufe der Zeit in die Säle der Druckereien eingeführt worden, die zahlreichen Hilfsmittel, deren sich die Typographie jetzt bedient, z. B. Maschinen zur massenhaften

Herstellung satzfertiger Typen, Schnellpressen, Stereotypie, Galvanoplastik, Autotypie, Drei⸗ farbendruck, all diese bewundernswerten und ungeheuer leistungsfähigen Verbesserungen, an der eigentlichen Erfindung Gutenberg's haben sie nichts ändern können. Man druckt im Wesent⸗ lichen, wenn auch z. B. der Schnitt der Lettern dem Zeitgeschmack huldigen mag, heute noch so wie vor 450 Jahren.

Hatte der Menschengeist in der Sprache sich für seine Gedanken einen Körper geschaffen, hatte er später in der Schrift ein Werkzeug der Mit⸗ teilung und Ueberlieferung gefunden, so war ihm jetzt erst, in der Anwendung dieser winzigen beweglichen Metalltypen, ein Universalmittel der Verständigung gegeben, wo nicht mehr bloß Einer mit dem Andern, Auserwählte mit Auserwählten, sondern wo Jeder mit Jedem geistig verkehren, Gedanken geben und empfangen konnte. Noch mehr, der Geist hatte eine Waffe gewonnen, scharf und schneidig, des Freien Wehr zu Schutz und Trutz, wie gemacht zur Eroberung der Welt.

So ist und bleibt Johannes Guten⸗ berg einer der größten Wohlthäter der Menschheit, und seine Jünger sind dazu berufen, alle seiner Erfindung würdige Gaben uns zu vermitteln.

Aus vollem Herzen schließen wir uns den Worten Prof. Dr. Schanzenbach's an, mit wel⸗ chen er seinen Vortrag schloß:Wie Deine Kunst verklärter Meister, seit Jahrhunderten die Welt belehrt, erfreut, beleuchtet, wie sie des Weisen Lehre, des Forschers Entdeckung, des Dichters Schöpfung, der Völker Gesetze und Recht, des Tages Geschehnisse über den Erdkreis trägt, so möge sie auch unter uns und bei den spätesten Geschlechtern blühen und hochgehalten werden, nie ron der Lüge entweiht, nie von der Gemein⸗ heit entwürdigt, nie von knechtischer Furcht ge⸗ fesselt, all zeiteine Priester in der Wahr⸗ heit, der Schönheit, der Freiheit!

Sprüche zur Lebensweisheit. Wir können nie sicher sein, daß eine Meinung, die wir zu erdrosseln bemüht sind, eine falsche Meinung ist; und wenn wir auch dessen sicher wären, so blieb die Erdrosselung doch ein Uebel. *

Unsere Feinde vermögen nichts über uns, denn sie können uns nicht verwehren, zu denken und ehrenhaft zu handeln. Chamfort.

Die wahre Regierung muß einem fruchtbaren Sommerregen gleichen, der das trockene Land befruchtet, ohne daß man ihn hört. Es haben Regenten gelebt, die die Staatsmaschine mit solchem Gepolter, Gerassel, Geräusch, Geklapper und Ungestüm herumtrieben, daß jeden Augen⸗ blick zu befürchten war, sie oder die Maschine müßten davon zertrümmert werden.

F. M. Klinger.

Die Zivilisation ist in den Völkern, die Barbarei in den Regierungen. Viktor Hugo. *

Wo die meiste sogenannte positive Religion ist, war immer die wenigste Moralität. Man

sehe die Geschichte. Humoristisches.

Moderne Frömmigkeit. Englischer Gentle⸗ man(auf der Straße ein Extrablatt vorlesend):Tau⸗ send Buren getötet und verwundet!

Die Umstehenden(im Chorus): Dank! 5

Ersatz.Wo soll das hinführen, Herr Amtsrichter! Das Volk hat keinen Funken Religion und fürchtet sich vor Hölle und Teufel nicht mehr!Braucht's auch nicht dafür haben wir Polizei und Staatsanwalt.

*

Gott sei

Gutenberg⸗G'stanzeln.(Bayrisch.) Mein Schatz is a Drucker, A wildfescher Bua, Der druckt mir auf's Goscherl Ja Busserl grad gnua. Auf's pünktlichste hält er Dös Preßgesetz ein, Wennst ein Nachdruck versuchtest Der b'sorgets Dir fein.(Igd.)

80 51 0 1 3 35 99 1

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