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1.7.1900
 
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Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 3.

und sein Urteil ist als das eines unbefangenen Beobachters beachtenswert. Er sagte:Ich war

anfangs in Karlsruhe Vertreter der dritten Klasse im Bürgerausschuß. Dann mit dem steigenden Einfluß der Sozialdemokratie sind Sozialdemo⸗ kraten gewählt worden. Jetzt ist es soweit hier in Karlsruhe, daß in der Vertretung der dritten Klasse 32 Sozialdemokraten sitzen. Ich muß den Herren das Zeugnis geben, daß sie viel besser als so manche kur zsichtige Gewerbe treibende, wie die Städte sie auch vielfach bergen, die Sache verstehen, daß sie mit dem Bildungstrieb der Arbeiter sich über alle maß⸗ gebenden Fragen zu unterrichten suchen, daß sie auch den Mut haben, vor jedermann ihre Meinung zu vertreten, selbst gegenüber Oberbürgermeistern, wozu doch gewiß einiger Mut gehört(Heiterkeit). Da weiß ich, daß man das nur ausnahmsweise riskieren kann, auch den Oberbürgermeister selbst in das Angesichts zu widerspechen. Also sie vertreten ihre In⸗ teressen sehr gut und gehen von groß- artiger en Gesichtspunkten aus als manche andere. Unsere Parteigenossen in den Gemeinde vertretungen werden sich natürlich weder durch lobende noch tadelnde Beurteilung ihrer Thätig⸗ keit seitens der Gegner in der Verfolgung der im Interesse der Gesamtheit liegenden sozial demokratischen Forderungen irre machen lassen. Aber trotz ihrer Anerkenung der sozialdemo⸗ kratischen Thätigkeit sorgen die Nationalliberalen dafür, daß wir durch reaktionäre Wahlgesetze aus den örtlichen Vertretungskörpern möglichst fern gehalten werden.

Sozialdemokrat in der Handelskammer.

Im Amtsbezirk Jever wurde unser Genosse Hug in Bant mit 35 gegen 4 Stimmen in die Handelskammer gewählt. Das ist unseres Wissens der erste Sozialdemokrat, der Mitglied dieser Körperschaft geworden ist. Hoffentlich folgen weitere nach!

Einen glänzenden Sieg brachte unserer Partei die am Dienstag stattge⸗ fundene Reichstagsersatzwahl in Waldenburg in Schlesien. Genosse Sachse, der im Jahre 1898 in diesem Kreise in der Stichwahl mit nur geringer Mehrheit gewählt wurde, legte das Mandat nieder, weil der Reichstag seine Wahl wegen vorgekommener Formfehler voraussichtlich für ungültig erklärt hätte. Die Gegner suchten unter gewaltigen Anstrengungen unserer Partei das Mandat zu entreißen. Konservative, National⸗ liberale und Zentrum einigten sich auf einen Kuddel muddel⸗Kandidaten, um mit vereinten Kräften und den schofelsten Mitteln die Sozial⸗ demokraten zu vernichten. Mit welchem Erfolge? In der Hauptwahl 1898 erhielt Sachse 11403, die Gegner zusammen 14102 Stimmen. Nach den bis jetzt vorliegenden Ziffern fielen auf: Sachse(Soz.) 13167, Ritter(kons.) 11 761 und Feige(freis.) 1336 Stimmen. Mehrere Bezirke stehen noch aus und es ist noch nicht gesagt, daß unser Genosse schon im ersten Wahlgange gewählt ist. Dessenungeachtet bedeutet die Wahl für uns einen großartigen Erfolg. Unsere Stimmenzahl ist seit zwei Jahren um 2500 gestiegen, die der Gegner zurückgegangen! Neuere Meldungen be⸗

stätigen Sachse's Wahl im ersten Wahl⸗

gange. Bravo!

Außergewöhnliche Fürstenrede.

Der neue Großherzog von Olden burg hielt anläßlich seines Regierungsantritts an die Beamten eine Ansprache, welche sich in ihrem Inhalte vortheilhaft von den Reden

unterscheidet, die wir sonst von hohen Stellen

aus zu hören gewohnt sind.

Der Redner meinte u. A.Ich liebe ein offenes Wort und bitte Sie, mit mir zu sprechen, wie sie denken, selbst wenn es mir unange⸗

nehm ist; ob ich dann immer so handeln werde

ist allerdings etwas anderes; ich kann nicht eines

jeden Wunsch befriedigen, aber ich möchte doch alle hören.

Die Beamten sollen mit dem Publikum leben und ihm näher

treten; sie kennen deshalb seine Wünsche am

besten. Meine Herren ich werde nun in der

nächsten Zeit auch viel im Lande herumkommen. Ich werde mich sehr freuen, wenn die Leute zu mir kommen; ich bin ein Freund von einem Kranz oder einer Blume, ich wünsche aber nicht besondere Empfänge und Fest⸗ lichkeiten, denn erstens schickt sich das nicht im Trauerjahr, und dann wünsche ich auch nicht, daß dafür Ausgaben gemacht werden; wenn ich aber zum Beispiel Blumen erhalte, dann freue ich mich. Ich kann keine lange Rede halten, und was ich hier sage, ist auch keine Rede, sondern nur eine Gefühlsäußerung. Vor⸗ aussichtlich werden also die Oldenburger ihre Fürstenliebe nicht so theuer zu bezahlen brauchen, wie die Patrioten anderwärts, wo lange Reden gehalten werden und die Empfänge mehrere Zehntausende Mark kosten.

Von dem j;üngst verstorbenen Vater des Großherzogs, Peter, erzählt unser Züricher Parteiorgan, daß er der Sozialdemokratie be sonderes Interesse entgegengebracht habe. Während des Sozialistengesetzes wäre er Abonnent des verbotenen ZüricherSozialdemokrat gewesen und hätte regelmäßig den Abonnementsbetrag etwasaufgerundet bezahlt.

Ausländisches. Von der belgischen sozialistischen Fraktion.

Die 32 sozialdemokratischen Mitglieder der belgischen Kam ner sind ihrem Berufe nach: 15 ehemalige Industrie-Arbeiter, 3 Rechtsan⸗ wälte, 2 Universitätsprofessoren, 2 Warenhaus⸗ angestellte, 2 Beamte von Konsum-Vereinen, 2 Lehrer, 2 Aerzte, 3 Journalisten, je ein Werk führer und Industrieller.

Am Tage der Eröffz ung des Parlaments (3. Juli) beabsichtigen unsere Genossen eine Riesendemonstration zu Gunsten des allgemeinen Stimmrechts ins Werk zu setzen. Sozialpolitische Fortschritte in Frankreich.

Der französische oberste Arbeitsrat, eine auf Anregung Millerand's geschaffene Körper⸗ schaft hat seine erste Session beendet. Die letzte Sitzung fand unter dem Präsidium des Handels- ministers Millerand statt und beschäftigte sich zunächst mit der Frage, ob die Arbeiter in staatlichen Betrieben den Gewerbege⸗ richten zu unterstellen seien. Der Arbeitsrat sprach sich dahin aus, daß alle im Dienste des Staates, der De artements und der Gemeinden stehenden Arbeiter den Gewerbegerichten unterstehensollen also z. B. auch die Eisenbahnarbeiter, auf welche besonders hingewiesen wurde. Was sagt wohl Herr v. Thielen zu dieserUmsturzthat?

Weiter erklärte der Arbeitsrat sich für die Wählbarkeit der Frauen zu den Ge⸗ werbegerichten.

Der ständigen Kommission des Arbeitsrats wurde der Auftrag erteilt, folgende Enqueten vorzunehmen: 1) über kommunale oder gewerk⸗ schaftliche Einrichtungen gegen Arbeitslosigkeit; 2) über die Arbeitsverhältnisse der von der gegenwärtigen Gesetzgebung nicht geschützten Per⸗ sonen; 3) über Mittel und Wege, Streiks zu verhüten. Obgleich der Arbeitsrat nur beratende Befugnisse hat, stellen doch seine Beschlüsse recht erfreuliche Fortschritte dar.

Der Krieg mit China. Ohne daß es einer Kriegserklärung bedurft hätte, hat sich aus dem Aufstand derBoxer thatsächlich der Krieg zwischen den europälschen Mächten und China entwickelt. Die deutsche

Politik dergepanzerten Faust trägt die ersten

nicht sehr schmackhaften Früchte. DieBoxer, der allchinesische Verband, auf dessen Thatkraft und Vaterlandsliebe ihre alldeutschen Kollegen mit Neid blicken sollten, haben sich im offen⸗ sichtlichen Bunde mit ihrer Regierung in letzter Stunde zur gewaltsamen Verteidigung ihrer heiligsten Güter entschlossen. Darob großer Verdruß und höchste Erbitterung im Konzert der europäischen Regierungen, die ihre Schnaps⸗, Pulver⸗ und Opiumkultur nicht schnell genug über das Weltmeer nach dem Osten verpflanzen können.

Ueber die jüngsten Ereignisse liegt zwar eine Fülle von Nachrichten vor, doch lauten dieselben einander widersprechend und gestatten keinen klaren Ueberblick über die Lage. Sicher scheint, daß der Aufstand im Wachsen begriffen ist und daß von Seiten der chinesischen Regierung nicht nur nichts zur Unterdrückung der Unruhen gethan wird, sondern daß im Gegenteil reguläre Truppen mit den Anfständischen zum Angriff auf die Europäer übergegangen sind. Be⸗ stimmtes weiß man auch noch nicht über das Schicksal der aus wärtigen Gesandtschaften in Peking. Während frühere Meldungen die Zerstörung der Gesandtschaftsgebäude und Ge⸗ fangennahme der Europäer berichteten, besagen neuere Nachrichten, daß die fremden Gesandten Peking unter dem Schutze einer Eskorte chinesischer Soldaten verlassen hätten, man wisse aber nicht, wo sie sich befinden. Ueber den Verbleib Lord Seymours, der mit einer aus allen Nationalitäten bestehenden Truppenabteilung in der Richtung nach Peking vorrückte, liegen eben⸗ falls keine genauen Nachrichten vor. Ein Tele⸗ gramm des amerikanischen Admirals besagt, daß Seymour gefangen sei. Vom deutschen Konsul in Tschifu wird dagegen gemeldet, Seymour be⸗ finde sich 20 Kilometer von Tientsind mit den Gesandten und werde von den Chinesen hart bedrängt.

Tientsin wurde von den vereinigten euro⸗ päischen Truppen nach hartem Kampfe besetzt. An diesem Kampfe waren 8720 Mann euro- päischer Truppen mit 36 Geschützen beteiligt. Gerüchtweise verlautet, daß 4000 Chinesen hierbei getötet wurden. Wie aus Tientsin offiziell nach London berichtet wird, soll die Stadt einen gräßlichen Anblick gewähren. Die Leichen der massakrierten Fremden aller Nationen bedecken die Straßen. Die deutsche und die englische Chartered Bank sind eingeäschert

Unterdeß werden die Rüstungen von allen Mächten fortgesetzt. Aus Berlin wird gemeldet: In militärischen Kreisen erhält sich das Gerücht, daß außer den beiden auf Kriegsstärke gebrachten Seebataillonen weitere Truppenabteilungen in die chinesischen Gewässer entsandt werden sollen. Man spricht von 6000 Mann.

Der Krieg in Südafrika.

Trotz mancher Verluste, welche die Buren in den letzten Tagen erlitten, ist ihr Widerstand noch nicht vollständig gebrochen. Von einer zweitägigen Schlacht bei Prätoria wird berichtet: Nachdem die fünftägige Waffenruhe abgelaufen war, machte die Armee Lord Roberts' einen allgemeinen Vorstoß, um Botha, der mit 8000 Mann eine fast unangreifbare Stellung auf einem Höhenzuge, 12 Meilen ostwärts von Pretoria inne hatte, anzugreifen. Die Buren leisteten an jedem Punkte hartnäckigen, zuweilen verzweifelten Widerstand, aber die britischen Truppen drangen unwiderstehlich vor, Stellung um Stellung wurde genommen und die Buren wurden auf allen Punkten mit ä empfindlichen Verlusten geschlagen. Sie kämpfen aber

entschlossen. Ein Nachhutgefecht fand bei Bronk⸗ horstspruit statt. Die Buren nahmen deu Kampf entschlossen auf. Hamiltons Kavallerie und

Huttons berittene Infanterie umgingen indessen die Stellung wiederum, worauf sich die Buren zurückzogen. Einen neuen Erfolg der Buren melden die Zentral New aus Standerton: Dewet umzingelte 140 Mann der Hochländerbrigade welche eine Proviantkolonne von 61 Wagen es⸗ kortierte. Die Hochländer ergaben sich zwischen Roodeval und Heilbronn den zehnfach über legenen Buren.

Nach einer englischen Meldung habe der Burengeneral Botha erklärt, er sei geneigt, die Uebergabe zu vollziehen, doch stelle sich Präsident Krüger dem entgegen. Die Truppenmacht, die dem Präsidenten Krüger jetzt zur Verfügung steht, wird auf englischer Seite auf 1520 000 Mann geschätzt. Krügers einziger Gedanke soll sein, den Krieg bis zu den amerikanischen Prä⸗ sidentschaftswahlen fortzuführen, da er hoffe, daß dann eine Intervention erfolgen werde.