Ausgabe 
30.4.1899
 
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Gießen, Sonntag, den 30. April 1899.

6. Jahrg.

Nr. 18.

Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse.

Sonn

Mitteldeutsche

tügs⸗Zeitung.

Redaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr.

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Das Dölkerfest am J. Mai.

n Ende neigt sich das Jahrhundert, Und mancher helle Stern verblich, Der lang vergöttert, lang bewundert Am Seitenhimmel sonnte sich.

Doch aus der Wolken düsterm Schleier Ein neuer Stern erhob sich frei Er kündet leuchtend uns die Feier Des Völkertags, des ersten Mai!

Wenn dieser Tag emporgestiegen Am Morgenhimmel, flammend rot, Sieht man des Volkes Fahnen fliegen, Hört man der Arbeit Aufgebot; Da wird begraben jedes Hassen, Das die Nationen feindlich trennt, Da winkt ein einiges Umfassen, Der Mensch den Menschen Bruder nennt.

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Druckerei, Schloßg. 13, sowie jede Postanstalt und

Von Max Kegel.

Da geben alle Völker Runde: Nicht Schlachtenruhm ist ihr Begehr, Ihr Heil beruht im Menschheitsbunde, Den keine Macht soll brechen mehr. Und alles Streben, alles Ringen, Dem Heil der Arbeit soll sich's weih'n, Es soll ihr die Erlösung bringen Aus Sklaventum, aus Hungerpein!

Die Kunde tönt als helles Mahnen An Jeden, der zum Volk sich zählt; Die Kunde weckt ein dunkles Ahnen Den Rittern auch der alten Welt. Sie sehn von siegenden Gedanken Ihr altes Herrschsystem bedroht,

Sie sehen Mammons Säulen wanken, Und sehn der Zukunft Morgenroth.

jeder Landbriefträger entgegen.(Post⸗Z.⸗Kat. 43 12a.) 33½% und bei mindestens 12 mal. Aufgabe 50

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So ist er diesmal auch gekommen, Der Maientag voll Glanz und Licht, Und die Philister, angstbeklommen, Verhüllten scheu ihr Angesicht.

Und wie sie auch es hindern wollten, Und bang nach Unterdrückung schrien Der Freiheit laute Donner rollten

Stolz über Land und Meere hin.

Von Spaniens sonnigem Gelände Bis in des Faren Machtgebiet Ein Brudergruß, ein Druck der Hände, Sin Banner, Losungswort und Lied. Das ist das stärkste Machtbekunden, Das je der Erdball hat gesehn, Und fest in Einigkeit verbunden Wird einst die Arbeit siegreich stehn.

Zur Feier des I. Mai.

* Zum zehnten Male schickt sich das klassen⸗ bewußte Proletariat der ganzen Welt an, den Weltfeiertag der Arbeit zu begehen.

Diesseits und jenseits des Ozeans, in Nord und Süd, in Ost und West, wo immer der Kapitalismus dem Samen der sozialistischen Ideen den Boden zubereitet, ist eine herrliche Saat, ein klassenbewußtes Proletariat hervor gewachsen. Und der tagtäglich fortschreitenden kapitalistischen Produktions- und Wirtschafts⸗ weise entsprechend, mehren sich Jahr für Jahr die Reihen der bereits zu gewaltigen Dimensionen angeschwollenen Armee der Arbeiter, der Ent⸗ erbten. Da giebt es kein Halt, kein Stillestehen. Denn die Uhr des Kapitalismus ist noch nicht abgelaufen. Doch je kürzer die Spanne Zeit, die dem Kapitalismus noch beschieden ist, um so schrecklicher, um so verheerender wird er in seinen letzten Wirkungen sein. Allein um so erschreckender für die Kapttalisten, auch die rapide Zunahme derer, die unter diesen

Wirkungen zu leiden haben, die durch die gleiche

Not zum Bewußtsein der gleichen, hilflosen Lage, der gleichen Interessen aufgeweckt, zu einer mächtigen, unüberwindlichen Masse zusammen⸗ geschweißt, der heutigen Wirschaftsweise als Todfeinde gegenüberstehen. Und mögen Unver⸗ stand und Selbstsucht der Herrschenden der wirtschaftlichen Ausbeutung auch die politische Entrechtung der Massen zu⸗ gesellen, mag auch die Bourgeoiste in thörichter Verblendung mit allen ihr zu Gebote stehenden

Mitteln äußerer Macht die wirtschaftlich Schwachen

danieder halten, mag sie dieselben zum Danke

5 freien Wahlrechts und des Koa⸗

1 litionsrechtes berauben, möge die herrschende . Die heutige Nummer ist zehn Seiten stark.

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Klasse auch mit dem Zuchthaus drohen das nützt alles nichts. Die Masse ihrer Feinde wird darum nicht geringer. Im Gegenteil. Unter dem Doppeldruck ökonomischer Knechtung und politischer Entrechtung wächst sie nur um so rascher. Wächst, wächst und wächst bis sie dem immer kleiner werdenden Häuflein der Herrschenden über den Kopf gewachsen ist. Darum auch immer gewaltiger die Zahl der⸗ jenigen, die am Weltfeiertag der Arbeit, am 1. Mai, sich um das Banner des Sozialismus scharen, die am 1. Mai laut und vernehmlich ihre Stimme erheben zu millionenfachem, ein⸗ stimmigem Protest gegen Ausbeutung und Unter⸗ drückung, in welcher Form und Gestalt es auch immer sei.

8 Stunden Arbeit! 8 Stunden Er⸗

holung! 8 Stunden Schlaf!

das ist die Forderung, die am 1. Mai von Millionen und Abermillionen in erster Linie gestellt wird. Doch nicht genug damit. Denn wäre die Forderung des Achtstundentages auch erfüllt, Ausbeutung und Unterdrückung wären damit nicht aus der Welt geschafft, das sehnende Verlangen des arbeitenden Volkes mitzusitzen an der reich gedeckten Tafel des Lebens nicht gestillt. Nein, nur ein nächstes Ziel, mir eine Etappe auf dem langen, mühreichen Wege bis zum Endziel des Sozialismus ist der Acht⸗ stundentag. Nur dazu dienend, die Widerstands⸗ kraft der Kämpfer zu erhöhen, das kommende Geschlecht zu neuem Ringen und Kämpfen stark zu machen.

Denn daß die heutige Generation den Kampf gegen die zerstörenden Mächte des Kapitalismus nicht mehr zu Ende führen wird, wer gäbe sich darüber thörichten Illusionen hin? Allein darum giebt es kein Stillestehen, kein Weichen,

kein Ermatten. Schritt für Schritt heißt es den herrschenden Gewalten Terrain abzugewinnen. Und die Gewißheit des endlichen, unzweifel haften Sieges und das Bewußtsein, die Träger neuer Menschheitsideen, die Schöpfer einer höheren Kultur zu sein läßt die Hand auch des ärmsten Proletariers nicht im Kampfe sinken. Es ist der Idealismus, der ihn aufrecht er⸗ hält, der Idealismus, der der Bourgeoisie schon längst entschwunden und dessen Erbe die klassen⸗ bewußte Arbeiterschaft angetreten hat, so sicher als sie dereinst auch den übrigen, den materiellen Besitzstand der Bourgeoisie erben wird.

Das aber ist es, was das Proletariat zu seiner festen, unerschütterlichen Siegeszuversicht berechtigt. Denn immer noch in der Weltge⸗ schichte waren es die absterbenden, abbaukenden Klassen, die lange schon vor ihrem Ende nichts mehr von ihren alten Idealen mochten die⸗ selben nun religiöser, politischer oder sonst welcher Art sein wußten, und waren es die von neuen Zielen, neuen Menschheitsidealen er⸗ füllten Klassen, die als die Sieger aus dem je⸗ weiligen Klassenkampf hervorgingen.

Doch das ist nicht das einzige, was dem Kampf der Besitzlosen von heute, und zugleich ihrem schöusten und größten Feiertag vor ähn⸗ lichen vergangenen Zeiten auszeichnet, ihm be⸗ sondere, weittragende Bedeutung verleiht. Das ist vielmehr sein weltumspannender, inter⸗ nationaler Charakter.

Der Kapitalismus, der ebenfalls keine Grenze kennt, der längst auch in seinem Zusammen⸗ wirken, seinen Aktionen den engen nationalen Rahmen überschritten, hat die gesamte Menusch⸗ heit gewissermaßen in zwei Völker gespalten, das Volk der Ausbeuter auf der einen, das Volk der Ausgebeuteten auf der anderen