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Nr. 5.
Gießen, Sonntag, den 29. Jannar 1899.
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Redaktion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse.
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Mitteldeutsche
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Redaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr.
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Verlag der„M. S.⸗Ztg.“
Eure Pflicht! Eine Mahnung an das arbeitende Volk.
* Wacher Kämpfer bedarf die Zeit, Kämpfer, deren Willen gestählt ist, deren Geist gelernt hat, die Wege zu erkennen, die zu einer höheren Zukunft führen.
All' die Schlaffen und Schlafenden, die Urteilslosen und Urteilsfeigen, die Unwissenden und Willenserweichten, sie alle hemmen den gewaltigen Befreiungskampf, in dem das Proletariat der Welt die Erlösung erstreitet. Die Stunden rinnen unaufhaltsam, aber wehe der leeren Stunde, die nichts enthält an fruchtbarer Arbeit, die der Kultur nicht ge⸗ dient und die Menschen vorwärts, aufwärts gedrängt hat. Das ist die heiligste Aufgabe: die Zeit zu erfüllen, ihren Sinn zu erkennen, ihrem Drängen zu dienen, sie zu erfüllen mit jener mühsamen, aber auch verheißungsvollen und beglückenden Arbeit, die niemals verloren sein kann, weil sie notwendig ist für das Neue, Größere und Reinere, das werden muß.
Mehr denn je ist der kulturelle Müßig⸗
gang, das blöde Hindämmern, die lärmend⸗
geschäftige Nichtsthuerei, heute das Schand—⸗ zeichen einer sinkenden Welt, einer verlorenen Gesellschaft. Mit glatten Phrasen, fahlen Scherzen und schneidigen Exerzier⸗ platzwendungen suchen die Herrschenden den Schein zu erwecken, als ob sie ihre Aufgaben erkennten, als ob sie erleuchtet wären, über das, was not thut.
Sie regieren von Tag zu Tag, von Fall zu Fall, von der Hand in den Mund, vielleicht auch vom Mund in die Hand. Das Plötzliche
wird das einzige Prinzip dessen, was sie handeln
nennen. Täglich wird die Unschlüssigkeit, die Zerrissenheit, die Ziellosigkeit größer. Kein neuer Gedanke, kein sicheres Wo aber die Idee fehlt, da stellt sich das rücksichtslose gierige Interesse als Herr und Leiter aller Entscheidungen ein.
Darum mehren sie unablässig den kultur⸗ vernichtenden Militarismus, der neuer⸗ dings im Marinismus einen gleich hungrigen
Gefährten erhalten hat, und indem des Christentums frömmelnd preisen, rüsten sie in riesigem Umfange die Organisation des legitimen Totschlags.
Darum thun sie nichts, um der Verelendung des Volkes, dem unter das Joch des Kapitalis⸗ mus gezwängten Proletariat das schwere Los zu erleichtern, soweit es unter den Bedingungen
der heutigen Gesellschaft möglich ist. Die Sozialreform, von der man einst Hymnen sang, ist verstummt. Sie hat
sich als nicht rentabel für den politischen Stimmen⸗ fang erwiesen— also weg mit dem Plunder! Der Profit darf nicht genieret werden.
Dabei fühlen sie schaudernd, wie eine neue gewaltige Macht über sie hinauswächst, und ihr Haß und ihre Ohnmacht denunziert die Freiheits- kämpfer, auf deren Erfolge doch alle Hoffnung beruht, als den inneren Feind.
Gegen den inneren Feind werden die Bayonette geschmiedet, die Richter und die Verwaltungsbeamten scharf gemacht. Mit blinder Leidenschaft suchen sie die Quellen zu zertreten, aus denen der innere Feind seine unüberwindliche Kraft zieht: das freie Wort, das Versammlungs⸗ und Vereinsrecht, das Reichstagswahlrecht und das Streben nach Besserung der Lebens erhaltung. Das verhaßte Koalitions recht soll an den Mauern des Zuchthauses zer—⸗ schellen. Majestäts⸗Beleidigungs⸗ Prozesse, Ausweisungen, Konfiskationen, Maßregelungen, Hau- und Hieberlasse, reaktio⸗ näre Gesetzmacherei aller Art— das sind die Ruhmesthaten des Feldzuges gegen den inneren Feind.
Und nicht besser wie die Offiziere sind die Truppen. Um das Banner wider den inneren Feind scharen sich die Junker und die Großindustriellen. Eigentlich ist ihnen alles gleichgiltig. Der Inbegriff ihres Sinnens ist der Profit und nichts als der Profit. Billige und willige Knechte, billige und willige Arbeiter wollen sie. Sie suchen den inneren Feind auszuhungern. Regie⸗ rung und Staat ist ihnen nichts weiter, als Organ zur Sättigung ihrer Begierden, und die ekle Nacktheit ihrer Selbstsucht hüllt sich nur notdürftig in den Flittermantel byzantinischer Heuchelei.
Einst gab es noch ein aufrechtes Bürger⸗ tum, das den reaktionären Gelüsten Widerstand leistete. Wohin ist diese Bürgerherrlichkeit ge⸗ schwunden? Der Klein bürger wird erdrückt durch die Last seiner Sorgen, und in stumpfem Groll erwartet er von Wundern und Zaubertränken die Rettung vor der kapitalistischen Konkurrenz, er erwartet, unklar und thöricht, Hilfe von einer Besteuerung der Warenhäuser, wenn nicht gar von einem Verbot der— Maschinen. ö
Der Großbürger schmunzelt müde in feistem Behagen. Was geht ihn Kampf und Streit an! Hat man nicht schon genug Auf⸗ regungen mit der Frau, den Kindern, dem Dienstmädchen, von den Strapazen der Früh⸗ und Dämmerschoppen, den kleinen Krakehlereien im„Museum“,„Klub“ oder„Kasino“ ganz zu schweigen.
sie die Liebe
ei Emal. Bestellung lufgabe 50% Rabatt.
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Feinde ringsum!
Wachsam und pflichtbewußt zu sein, ist jetzt die oberste Aufgabe aller derer, die an einer besseren Zukunft mitarbeiten wollen.
Tagtäglich ziehen die Steifleinenen in den Amtsblättern vom Leder gegen das arbeitende Volk. Für die fetten Bissen, die ihnen in Gestalt von Inseraten zugeworfen werden, müssen sie alles loben, was von oben kommt, alles verunglimpfen, was im Interesse der unteren Volkskreise verlangt wird.
Andere Blätter machen in„Unparteilich⸗ keit“. Sie schmeicheln heute nach unten und winseln morgen um die Gunst der oberen. Das Geschäft geht ihnen über alles, sie wollen Geld verdienen, viel Geld. Und für Geld ver⸗ raten sie alles, was dem arbeitenden Volke lieb und teuer ist.
Wieder andere Zeitungen umschmeicheln das Volk, geben zu, daß die werkthätige Bevölkerung unter der furchtbaren Last, die uns der Milita⸗ rismus auferlegt, schier zusammenbricht. Und als Abhilfs mittel empfehlen sie dann— mehr Soldaten, mehr Kanonen, mehr Panzerschiffe. Sie wollen Deutschland größer machen, das Reich soll Kolonial⸗ politik treiben, Millionen für Sandwüsten opfern, damit es besser werde für das ar⸗ beitende Volk!
Alle diese Blätter können nur bestehen, weil sie auch Eingang in den Kreisen des arbeitenden Volkes gefunden haben. Arbeiter lesen und bezahlen Zeitungen, in denen sie verhöhnt und beschimpft, in denen sie sozusagen täglich geohrfeigt werden.
Und Arbeiter, die im Militarismus und Marinismus die furchtbarsten Volksgeißeln er⸗ kannt haben, bezahlen und lesen Zei⸗ tungen, die Reklame für neue Mord⸗ waffen machen! e
Sie spicken die Kriegskasse ihrer schlimmsten Feinde! Es ist traurig, aber wahr, und die Wahrheit muß unter allen Um⸗ ständen gesagt werden, auch wenn sie unangenehm klingt..
And warum finden jene feindlichen Blätter auch in Arbeiterkreisen so viele Leser? Weil sie allen Stadtklatsch bringen und weil sie jeden Samstag erzählen, wer geboren, wer ge⸗ storben ist und wer sich verheiratet hat. Es wäre ja auch schrecklich, wenn in Wetzlar, Marburg
EPE ˙ Acc Bestell⸗Zettel. Ich bestelle hiermit die „Mitteld. Jonntags⸗Zeitung.“
Dieselbe soll in meine Wohnung gebracht werden. (Nicht zutreffendes durchstreichen.)
Ich will dieselbe abholen und zwar
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