Ausgabe 
27.8.1899
 
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Nr. 35.

Mitteldeutsche Sonntags⸗Zeitung.

Seite 7.

daß dies die in Untersuchung stehenden Rappen waren; aber der Schäfer aus Wilsdruf hatte sie, wie Leute die dorther kamen, versicherten, schon wieder, man wußte nicht an wen verhandelt; und ein drittes Gerücht, dessen Urheber unentdeckt blieb, sagte gar aus, daß die Pferde bereits seitdem verschieden, und in der Knochengrube zu Wils druf begraben wären.

Die Herren Hinz und Kunz, denen diese Wendung der Dinge, wie man leicht begreift, die erwünschteste war, indem sie dadurch bei des Junkers ihres Vetters Ermangelung eigener Ställe, der Notwendigkeit die Rappen in den ihrigen aufzufüttern, überhoben waren, wünsch⸗

ten gleichwohl völliger Sicherheit wegen, diesen Umstand zu bewahrheiten. Herr Wenzel von Tronka erließ demnach, als Erb-,

Lehns⸗ und Gerichtsherr, ein Schreiben an die Gerichte zu Wilsdruf, worin dieselben nach einer weitläufigen Beschreibung der Rappen, die wie er sagte, ihm anvertraut und durch einen Uu⸗ fall abhanden gekommen wären, dienstfreundlichst ersuchte, den dermaligen Aufenthalt derselben zu erforschen, und den Eigner wer er auch sei aufzufordern und anzuhalten, sie gegen reichliche Wiedererstattung aller Kosten in den Ställen des Kämmerers Herrn Kunz zu Dresden abzuliefern. Demgemäß erschien auch wirklich wenige Tage darauf der Mann, an den sie der Schäfer aus Wilsdruf verhandelt hatte, und führte sie dürr und wankend, an die Runge seines Karrens gebunden, auf den Markt der Stadt; das Un⸗ glück aber Herrn Wenzels und noch mehr des ehrlichen Kohlhaas wollte, daß es der Abdecker aus Döbel war.

Sobald Herr Wenzel in der Gegenwart des Kämmerers seines Vetters durch ein un⸗ bestimmtes Gerücht vernommen hatte, daß ein Mann mit zwei schwarzen aus dem Brande der Tronkenburg entkommenen Pferden in der Stadt angelangt sei, begaben sich beide in Be⸗ gleitung einiger aus dem Hause zusammenge⸗ rafften Knechte auf den Schloßplatz, wo er staad, um sie demselben, falls es die dem Kohlhaas zugehörigen wären, gegen Erstattung der Kosten abzunehmen und nach Hause zu führen. Aber wie betreten waren die Ritter, als sie bereits einen von Augenblick zu Augenblick sich ver größernden Haufen von Menschen, den das Schauspiel herbeigezogen, um den zweirädrigen Karren, an dem die Thiere befestigt waren, er bickten; unter unendlichem Gelächter einander zurufend, daß die Pferde schon, um derenthalben der Staat wanke, an den Schinder gekommen wären! Der Junker, der um den Karren herumgegangen war und die jämmerlichen Thiere, die alle Augenblicke sterben zu wollen schienen, betrachtet hatte, sagte verlegen: das wären die Pferde nicht, die er dem Kohl⸗ haas abgenommen; doch Herr Kunz der Kämmerer einen Blick sprachlosen Grimms voll auf ihn werfend, der wenn er von Eisen ge⸗ wesen wäre ihn zerschmettert hätte, trat, indem er seinen Mantel, Orden und Kette entblößend zurückschlug, zu dem Abdecker v eran, und fragte: ob das die Rappen wären, die der Schafer von Wilsdruf an sich gebracht, und der Junker Wenzel von Tronka, dem sie gehörten, bei den Gerichten daselbst requirirt hätte? Der Abdecker, der einen Eimer Wasser in der Hand, beschäftigt war einen dicken wohlbeleibten Gaul, der seinen Karren zog, zu tränken, sagte:die schwarzen? Er streifte dem Gaul, nachdem er den Eimer niedergesetzt, das Gebiß aus dem Maul und sagte:die Rappen, die an die Runge gebunden wären, hätte ihm der Schweinehirte von Hai⸗ nichen verlauft; wo der sie her hätte und ob sie von dem Wilsdrufer Schäfer kämen, das wisse er nicht. Ihm hätte, sprach er, während er den Eimer wieder aufnahm und zwischen Deichsel und Knie stemmte:ihm hätte der Gerichtsbote aus Wilsdruf gesagt, daß er sie nach Dresden in das Haus derer von Tronka bringen solle; aber der Junker an den er ge⸗ wissen sei, heiße Kunz. Bei diesen Worten wandte er sich mit dem Rest des Wassers, den der Gaul im Eimer übrig gelassen hatte, und schüttete ihn auf das Pflaster der Straße aus. Der Kämmerer, der von den Blicken der hohn⸗ lachenden Menge umstellt, den Kerl der mit

empfinduugslosem Eifer seine Geschäfte betrieb, nicht bewegen konnte, daß er ihn ansah, sagte: daß er der Kämmerer Kunz von Tronka wäre; die Rappen aber, die er an sich bringen solle, müßten dem Junker seinem Vetter gehören, von einem Knecht, der bei Gelegenheit des Brandes aus der Tronkenburg entwichen, an den Schäfer zu Wilsdruf gekommen, und ursprünglich zwei dem Roßhändler Kohlhaas zugehörige Pferde sein! Er fragte den Kerl, der mit gespreizten Beinen dastand und sich die Hosen in die Höhe zog: ob er davon nichts wisse? Und ob sie der Schweinehirte von Hainichen nicht vielleicht, auf welchen Umstand Alles ankomme, von dem Wilsdrufer Schäfer oder von einem Dritten, bat fte F erseits von demselben gekauft, erstanden ätte?

Der Abdecker, der sich an den Wagen gestellt und sein Wasser abgeschlagen hatte, sagte:er wäre mit den Rappen nach Dresden bestellt, um in dem Hause derer von Tronka sein Geld dafür zu empfangen. Was er da vorbrächte, verstände er nicht, und ob sie vor dem Schweine⸗ hirten aus Hainichen Peter oder Paul besessen hätte, oder der Schäfer aus Wilsdruf, gelte ihm, da sie ihm nicht gestohlen wären gleich. Und damit ging er, die Peitsche quer über seinem breitem Rücken nach einer Kneipe die auf dem Platze lag, in der Absicht hungrig wie er war ein Frühstück einzunehmen.

Der Kämmerer, der anf der Welt Gottes nicht wußte, was er mit den Pferden, die der Schweinehirte von Hainichen an den Schinder in Döbel verkauft, machen solle, falls es nicht diejenigen en, auf welchen der Teufel durch Sachsen ritt, forderte den Junker auf ein Wort zu sprechen; doch da dieser mit bleichen, beben⸗ den Lippen erwiderte: das Ratsamste wäre, daß man die Rappen kaufe, sie möchten dem Kohlhaas gehören oder nicht: so trat der Käm⸗ merer, Vater und Mutter die ihn geboren ver⸗ fluchend, indem er sich den Mantel zurückschlug, gänzlich unwissend was er zu thun oder zu lassen habe, aus dem Haufen des Volks zurück. Er rief den Freiherrn von Wenk, einen Be⸗ kannten der über die Straße ritt zu sich heran, und trotzig den Platz nicht zu verlassen, eben weil das Gesindel höhnisch auf ihn einblickte, und mit vor dem Mund zusammengedrückten Schnupftüchern nur auf seine Entfernung zu warten schien, um loszuplatzen, bat er ihn, bei dem Großk inzler Grafen Wrede abzusteigen, und durch dessen Vermutelung den Kohlhaas zur Besichtigung der Rappen herbeizuschaffen.

Es traf sich, daß Kohlhaas eben durch einenGe⸗ richtsboten herbeigerufen in demGemach des Groß kanzlers, gewisser die Deposition in Lützen be treffender Erläuterungen wegen, die man von ihm bedurfte, gegenwärtig war, als der Frei⸗ herr in der eben erwähnten Absicht zu ihm in's Zimmer trat, und während der Großkanzler sich mit einem verdrießlich en Gesicht vom Sessel erhob, und den Roßhändler dessen Person jenem unbekannt war mit den Papieren die er in der Hand hielt zur Seite stehen ließ, stellte der Freiherr ihm die Verlegenheit in welcher sich die Herren von Tronka befanden vor. Der Abdecker von Döbel sei auf mangelhafte Requisition der Wilsdru er Gerichte mit Pferden erschienen, deren Zustand so heillos beschaffen wäre, daß der Junker Wenzel austehen müsse, sie für die dem Kohlhaas gehörigen anzuerkennen; derge⸗ stalt, daß falls man sie gleichwohl dem Ab- decker abnehmen solle, um in den Ställen der Ritter zu ihrer Wiederherstelung einen Vesuch zu machen, vorher eine Qcular- Inspection des Kohlhaas, um den besagten Umstand außer Zweifel zu setzen, nothwendig sei.Habt dem⸗ nach die Güte, schloß er, den Roßhändler durch eine Wache aus seinem Hause abholen und auf den Markt, wo die Pferde stehen hinführen zu lassen. Der Großkanzler, indem er sich eine Brille von der Nase nahm, sagte: daß er in einem doppelten Irrtum stünde; einmal, weng er glaube, daß der in der Rede stehende Umstand anders nicht, als durch eine Ocular-Inspection des Kohlhaas auszumitteln sei; und dann, wenn er sich einbilde, er der Kanzler sei befugt, den Kohlhaas durch eine Wache, wohin es dem Junker beliebe, abführen zu lassen. Dabei

stellte er ihm den Roßhändler der hinter ihm stand vor, und bat ihn, indem er sich niederließ und seine Brille wieder aufsetzte, sich in dieser Sache an ihn selbst zu wenden.

Kohlhaas, der mit keiner Miene was in seiner Seele vorging zu erkennen gab, sagte: daß er bereit wäre ihm zur Besichtigung der Rappen, die der Abdecker in die Stadt ge⸗ bracht, auf den Markt zu folgen. Er trat, während der Freiherr sich betroffen umkehrte wieder an den Tisch des Großkanzlers heran, und nachdem er demselben noch aus den Papieren seiner Brieftasche mehrere, die Deposition in Lützen betreffende Nachrichten gegeben hatte, beurlaubte er sich von ihm; der Freiherr, der über das ganze Gesicht rot an's Fenster getreten war, empfahl sich ihm gleichsfalls, und beide gingen begleitet von den drei durch den Prinzen von Meißen eingesetzten Landsknechten, unter dem Troß einer Menge von Menschen nach dem Schloßplatz hin.(Fortsetzung folgt).

3

Sprüche zur Lebensweisheit. Von Wolfgang Goethe.

Wie sie klingeln, die Pfaffen! Wie angelegen sie's machen,

Daß man komme, nur ja plappre, wie gestern so heut!

Scheltet mir nicht die Pfaffen! sie kennen des Menschen Bedürfnis:

Denn wie ist er beglückt, plappert er morgen wie heut!

*

Sage, thun wir nicht recht? Wir müssen den Pöbel betrügen.

Sieh nur, wie ungeschickt, sich nur, wie wild er sich zeigt!

Ungeschickt und wild sind alle rohe Betrogenen;

Seid nur redlich, und so führt ihn zum Menschlichen an.

*

Die Religion, sagt man, sei nur ein prächtiger Teppich, hinter dem man jeden gefährlichen Anschlag nur desto leichter ausdenkt. Das Volk liegt auf den Knieen betet die heiligen gewirkten Zeichen an, und hinten lauscht der Vogelsteller, der sie berücken will.(Egmont.)

*

Zum Beginn der großen Revolution in Paris.

Denn wer leugnet es wohl, daß hoch sich das Herz ihm erhoben,

Ihm die freiere Brust mit reineren Pulsen geschlagen,

Als sich der erste Glanz der neuen Sonne heranhob,

Als man hörte vom Rechte der Menschen, das allen ge⸗ mein sei, 1

Von der begeisternden Freiheit und von der löblichen Gleichheit!

Damals hoffte jeder, sich selbst zu leben; es schien sich

Aufzulösen das Band, das viele Länder umstrickte,

Das der Müßiggang und der Eigennutz in der Hand hielt.

Schauten nicht alle Völker in jenen draͤngenden Tagen

Nach der Hauptstadt der Welt, die es schon so lange gewesen

Und jetzt mehr als je den herrlichen Namen verdiente?

Waren nicht jener Männer, der ersten Verkünder der Botschaft,

Namen den höchsten gleich, die unter die Sterne ge⸗ setzt sind?

Wuchs nicht jeglichem Menschen der Mut und der Geist und die Sprache?

Beschwerden mige J.

stellung derM. S.⸗Ztg. bitten wir an die Expedition, Sonnenstraße 25,(Buchhandlung) zu richten. In Gießen muß dieM. S.⸗Ztg. bis spätestens Samstag Abend in den Händen unserer Abonnenten sein, da die Drucklegung und Ausgabe an unsere Austräger bereits Freitag Nachmittag erfolgt.

Zum Monatswechsel

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