1 —
Colour& Grey Contros Chart
Blue
5* 1s= 1 l gcießen, Sonntag, den 1. Jannar 1899.
2 f— 7 e
——
6. Jahrg.
5 7 ee Sonn
Nedattion: 8 Kirchenplatz 11. Schloßgasse⸗
Mitteldeutsche
tügs⸗Jei
Nedaktionsschluß: Donnerstag Nachmittag 4 Uhr.
2
tung.
Abonnementspreis:
Cyan Steen Vell
Bestellungen
banes„die Ex pe⸗
ognes 1 s oßgasse die stanstalt und
Bed Magenta
White
Grey 1 Grey 2 Grey 3
Neujahrstage— 8 1
a die
um so eifriger für Zeitung“ agitieren. Aufklärung über alle wichtigen politischen und wirtschaftlichen Fragen zu verbreiten war von jeher das Be— streben unseres Blattes. Der n Anwalt der Kleinen in Dorf und Stadt zu sein, ist seine höchste Aufgabe. Pflicht aller Sozialdemokraten im Verbreiturgsgebiet der„Mitteld. Sonntags- Zeitung“ ist es, ihrem Parteiblatt unter allen Umständen die 3 weiteste Derbreitung zu sichern. Das aber kann nur geschehen durch die lebhafteste und unverdrossenste Einzelarbeit der Genossen.
CCC ĩ³·˙⸗
Eine sozialistische Kolonie.
el. Die Thatsache, daß eine Reihe kommu⸗ nistischer Kolonieen nach längerem oder kürzerem Bestehen wieder zugrunde gegangen ist, ist von unseren Gegnern als Beweis für die Behauptung
werden. dan de 7
Mitteldeutsche Sbuntags⸗
17
ee 0 Aaeanebenebd 1 1
2 4
10 1 nee
reben, haben diese Kolonieen nicht das geringste gemein. Die Mitglieder der nordamerikanischen Kolonieen bestanden aus den rückständigsten Schichten der Gesellschaft. Jene Vielgestaltigkeit der Berufs arten, wie sie heute besteht, fehlte in den Kolonieen gänzlich, und damit war den Kolonieen die Möglichkeit zu einem gedeihlichen Emporblühen genommen. Wurden sie von der modernen Gesellschaft berührt, dann flohen sie weiter hinaus in die Oede. Der moderne So⸗ zialismus hingegen ist die Fortsetzung der mo⸗ dernen Gesellschaft. Alle Errungenschaften der Kultur und Technik macht er sich zu eigen, sie regelnd und ordnend. Dadurch gewinnt die Produktion einen ungeahnten Aufschwung und die Mitglieder der sozialistischen Gesellschaft, die nicht in wilder Konkurrenz gegen einander, son⸗ dern einträchtiglich für einander arbeiten, genießen ein Leben, reich an Inhalt und Abwechselung, wie es heute nur die Bevorzugten unter den Menschen kennen, Leute, die aber in wahn⸗
sinnigem Luxus ihr Dasein verbringen auf Kosten
der rastlos Arbeitenden und deren größte Plage in ihrem Faulenzerleben die Langeweile ist.
.
Grey a
eee 1000 ee
AJuserate
finden in der„M. S.⸗Z.“ weiteste Verbreitung. Die ögespalt. Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. Bei mindesteng i Amal. Bestellung gewähren wir 25%, bei Gmal. Bestellung atal. 4312 a.)[33 ½8% und bei mindestens 12mal. Aufgabe 50% Rabatt.
Sc
0 Kolonieen Proletarier ns erstrebt. ꝛinem Werke gaften,„das iedenen Ge⸗
iN im unseren großen Sraoren vergreiche, so muß ich geslehen, daß das kommunistische Leben so viel freier von Sorge und Gefahr, so viel leichter nach vielen Richtungen hin und jedenfalls, was die materielle Seite angeht, so viel besser ist, daß ich aufrichtig wünsche, es möchte eine weitere Entwickelung in den Vereinigten Staaten haben.“ Und Hinds in seinem Werke über die ameri⸗ kanischen kommunistischen Gesellschaften äußert über denselben Punkt:„Die Vorteile in diesen Gemeinden sind groß und zahlreich. Alle Unter⸗ schiede zwischen arm und reich sind abgeschafft. Der Kommunismus sorgt für die Kranken, Schwachen, Unglücklichen in gleicher Weise. Bei Verlust durch Feuer oder Flut wird die Last, welche den Einzelnen ruinieren würde, von der Gesamtheit leicht getragen.“
In Nr. 558 vom 29. November v. J. be⸗ richtet sogar der„Hamburgische Korrespondent“, ein bürgerliches Blatt nationalliberaler Richtung, aus England von den großartigen Erfolgen einer sozialistischen Kolonie und straft damit seine eigenen öden Tiraden über den Widersinn sozia⸗ listischer Organisationen Lügen. Er schreibt: „Von den überraschenden Ergebnissen, die Fleiß, Intelligenz und Menschenverstand auch in Eng⸗ land erzielen, bietet ein Landgut in der Graf⸗ schaft Gloncestershire ein interessantes Beispiel.
14
Terrassengarten, der die lieblichste Fernsicht bietet, enthält eine Fülle der schönsten Blumen; nebenan, etwas tiefer gelegen, ist ein großer, vortrefflicher Gemüsegarten, und seitwärts führt eine Allee uralter Eiben, die im heißesten Sommer herr⸗ liche Kühle gewährte und in der Hängematten und Ruhesessel zu beschaulicher Rast einluden, nach den höher gelegenen Teilen der parkartigen Besitzung. Aehnliche Ueberraschungen erwarteten uns im Hause selbst. Das Wohnhaus, früher ein gewöhnliches, Farmgebäude, jetzt mit Gloire de Dijon⸗Rosen, Clematis und anderen Schling⸗ gewächsen reich umrankt, bot im Innern die eigenartigste Mischung einfacher, fast primitiver Emrichtung und gewählter, künstlerischer Ver⸗ feinerung. Ueberall herrschte einfache Behaglich⸗ keit ohne eigentlichen Luxus; nirgends war auch nur ein Stückchen Teppich zu sehen, der Fuß⸗ boden glänzte so blank und rein, daß man von ihm hätte speisen können, der Herd war jener weite, einfache der altenglischen Küchen, die, wie diese hier, zugleich als Wohnzimmer dienten. Auf dem Kaminsims und an den Wänden blinkte glänzendes Kupfer⸗ und Messinggerät, unter dem
ca
Querbalken des ziemlich niederen Zimmers stand auf einfach weißgestrichenen Holzregalen eine Anzahl Bücher, die fast die Zimmerdecke be⸗ rührten, hier und da sah man einen schön⸗ geformten Krug oder Topf von Porzellan oder Thon, eine Skizze, altertümlichen Hausrat, eine geschnitzte Truhe, einen kunstvoll gearbeiteten Tisch oder sonst ein altes Möbel— alles schien sich harmonisch in ben einfachen Rahmen dieser Kolonie der Einrichtung einzufügen. Die der übrigen dieser Kolonie zugehörigen Wohnungen waren dieser ersten ähnlich.“
Wo können uns die Gegner ein ähnliches Bild aus der kapitalistischen Gesellschaft vor⸗ führen?
Politische Bundschau.
* Gießen, den 30. Dezember.
Das freie Wort und der Reichstag.
Das Reichs⸗Parlament wird sich in dieser Session vielfach mit der Presse zu befassen haben. Von fast allen Parteien des Reichstages sind Anträge vorbereitet, die sich mit Abänderungen alter oder Hinzufügung neuer Paragraphen zum Strafgesetzbuch befassen, die die Presse in erster Linie angehen. Auch der Antrag unserer Frak⸗ tion auf Streichung des Majestätsbelei⸗ digungsparagraphen ist von höchstem Interesse und größter Wichtigkeit für die Frei⸗ heit der Kritik in Deutschland. Hoffentlich er⸗ möglicht es die Geschäftslage des Reichstages, daß dieser schon in der vorigen Legislaturperiode eingebrachte Antrag recht bald zur Verhandlung kommt. Die Anklagen wegen Majestätsbeleidi⸗
emed wonmambandenboddenddddedd
. 0
ö 0 0
Häupter vorgesehen sind, gestrichen werden. Die Debatten, die dieser Antrag im Reichstage hervorrufen wird, werden sich jedenfalls zu einer umfassenden Aussprache über die Monarchie und ihre Stellung im öffentlichen Leben unseres Volkes gestalten.
Von großer Bedeutung für die Presse sind weiter die Anträge der freisinnigen Partei auf Abänderung des Groben Unfug ⸗Para⸗ graphen und auf Beseitigung des Zeug nis⸗ zwanges gegen den verantwortlichen Redakteur und die sonst bei der Herstellung eines Preß⸗ erzeugnisses thätigen Personen. Der Grobe Un⸗ fugparagraph ift zu einem bequemen Mittel ge⸗ worden, da zu strafen, wo auf Grund anderer Paragraphen eine Bestrafung unmöglich wäre. Es ist wirklich an der Zeit, daß den juristischen Auslegungskünsten ein Ende gemacht und dem Paragraphen sein ursprünglicher Sinn wieder⸗ gegeben werde, der sich gegen nächtliche Lärm⸗ szenen auf der Straße, gegen die Streiche über⸗ mütiger Burschen richtet. Ebenso notwendig ist die Beseitigung des Zeugniszwangsverfahrens gegen die Presse. Der verantwortliche Redakteur


