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Gießen, Sonntag, den 24. September 1899.
5. Jahrg.
Redaltion: Kirchenplatz 11, Schloßgasse.
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Redaktionsschluß
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Antisemitische Arbeiterfreundlichkeit.
* Wenn die antisemitischen Führer auf dem Lande ihren Unsinn vom Stapel lassen, dann spielen sie sich als die patentierten Bauern⸗ politiker auf. Sie raisonieren auf die Sozial⸗ demokraten, die angeblich nichts von der Land⸗ wirtschaft verstehen und suchen den Anschein zu erwecken, als ob sie, die Herren Antisemiten nämlich, den landwirtschaftlichen Betrieb aus dem ff studiert hätten. Dabei kann man 100 gegen 1 wetten, daß die meisten dieser antisemiti⸗ schen Weisheitsapostel, ehemalige Leutnants, Architekten, Maler u. s. w., weder Hafer von Gerste, noch Häckselmaschinen von Nähmaschinen unterscheiden können. Sie schimpfen auf die unverschämten Arbeiter, die den Hals nie voll kriegen könnten, erzählen, daß es den Arbeitern so gut in den Großstädten gehe, daß sie schon den Champagner aus Schoppengläsern getrunken und sich in Equipagen an die Arbeit hätten fahren lassen. Außerdem wird auf den Zwischen⸗ handel geschimpft, der meist in jüdischen Händen fel
Der Bauernstand wird als der beste und dabei am stlefmütterlichsten behandelte hingestellt und dann von der„einzigen“ wahrhaftenBauern⸗ partei, nämlich der antisemitischen, das Blaue vom Himmel heruntergeschwindelt. Die Anti⸗ semiten fordern hohe Schutzzölle und Grenz⸗ sperre für Vieh, um die landwirtschaftlichen Produkte, also die Lebensmittel künstlich zu verteuern, und erzählen von dem schreck⸗ lichen, Margarine genannten, Oeltalg“, durch das die Landwirtschaft ruiniert wird. Allerdings hindert das nachher z. B. das Organ des antisemitischen Reichstags⸗ Abgeordneten Raab nicht im geringsten, Reklame zu machen für — holländische Margarine!
Glauben dieselben Antisemiten dann in der
Stadt im Trüben fischen zu können, so machen sie in Mittelstandspolitik. Dem Mittel⸗ stand, dem festesten Bollwerk gegen den Um⸗ sturz, müsse geholfen werden, er habe es am nötigsten. Die unverschämten Arbeiter bedrängten ihn immer mehr, indem sie die Löhne fort⸗ gesetzt in die Höhe schraubten und weniger arbeiten wollten. Andererseits werde dem Hand⸗ werkerstand durch die jüdischen Fabrikanten— Schuh⸗ uud Kleiderfabriken ꝛc.— die Existenz abgeschnitten und die Kleinkaufleute würden durch die jüdischen Bazare und Waarenhäuser ruiniert. — Das hindert dann allerdings wieder die oberantisemitische„Staatsbürger⸗Ztg.“ nicht, die jüdischen Geschäftsinserate aufzunehmen.
Aber— tamtam!— wir, die Antisemiten — hurrah!— wird sind doch— hepp hepp!— die einzige wahrhaftige Mittelstandspartei! Heilo! Heilo!
Aber die Antisemiten können noch mehr, oder glauben wenigstens es zu können. Trotz⸗ dem sie nämlich, um erfolgreich Bauern⸗ und Mittelstandspolitik treiben zu können, unbe⸗
dingt auf die Arbeiterschaft schimpfen gmüssen und das auch im ausgiebigsten Maaße thun, haben sie doch die Frechheit, dort, wo
sie wissen, daß die Arbeiterschaft in der großen Mehrheit ist, auch von ihrer Arbeiterfreundlich⸗
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keit zu lügen. Wie's trefft, denken sie. Heute gegen, morgen für die Weinsteuer; heute für, morgen gegen Feldbereinigung; heute Dorf,, morgen Staatspolitik; heute Bauern⸗, morgen Handwerker⸗ und warum nicht übermorgen Arbeiterpolitik?
Allerdings ist die Arbeiterschaft politisch weit besser geschult als der Bauern- und Mittel- stand. Die Arbeiter lassen sich kein X für ein U vormachen.
Und wenn jetzt die Antisemiten im Land⸗ kreis Gießen von ihrer Arbeiterfreund⸗ lichkeit schwatzen, dann lachen die Arbeits⸗ leute herzhaft auf.
Sehen wir uns einmal kurz die Arbeiter- freundlichkeit der Antisemiten an.
Auf dem vor wenigen Wochen in Hamburg stattgefundenen Parteitag der Antisemiten hat deren Höchstkommandierender Liebermann von Sonnenberg laut der antisemitischen Staats⸗ bürger⸗Zeitung gesagt:
„Wir müssen bestrebt sein, ein freundnachbarliches Verhältnis mit Parteien und Organisationen zu pflegen, die ähnliche Ziele verfolgen, wie wir: mit den Christlichsozialen, den Deutschkonservativen und dem Bund der Landwirte
Auf der im Januar 1898 in Cassel abge⸗
haltenen Generalversammlung des Bundes der
Landwirte hatte derselbe Liebermann schon ver⸗ kündigt, daß Bund der Landwirte, Konservative und Deutschsoziale Hand in Hand gehen würden.
Wer sind aber diese Konservativen und Bündler, mit denen die Antisemiten Hand in Hand gehen?
Das sind die Brodwucherer und Wahlrechtsräuber!
Die Freunde der Zuchthausvorlage!
Nun stellt sich der Aeppelwein⸗Architekt Hirschel in seinem Arizona⸗Kicker an, als wenn seine Parteigenossen gegenüber der Zuchthaus⸗ vorlage noch wunder wie arbeiterfreundlich ge⸗ wesen wären. Hören wir einmal eine kleine Viertelstunde den Reden der Antisemiten auf ihrem letzten Parteitag, der vor 14 Tagen stattfand, zu:
Antisemit Graf Reventlow:... Einen herben Tadel verdient die Fraktion wegen ihrer Haltung zum „Zuchthausgesetz““. Nach diesen letzten Leistungen kann man von der Fraktion in dieser Beziehung kaum noch etwas erwarten. Koalitionsrecht der Arbeiter steht in unserem Programm und man stimmt für Kom⸗ missionsberatung des Zuchthausgesetzes? Wie paßt das zusammen?... Die Partei durfte nicht für Ueberweisung der Vorlage an die Kommission stimmen. Wenn es der Regierung inzwischen gepaßt hätte, dem Centrum ein paar Jesuiten zu geben, dann hätten wir das schönste Zuchthausgesetz gehabt. Machen wir weiter solche Sachen, so hat kein Arbeiter mehr Zutrauen zu uns. Bloß mit antisemiti⸗ schem Trompetengeschmetter oder bloß mit Mittelstands⸗ politik bringen wir noch nicht den Beweis für unsere Existenzberechtigung. Unsere Partei wird nur lebens- fähig sein, wenn sie sozial ist!(Beifall.) Redner bean⸗ tragt folgende Erklärung:„Der Parteitag erwartet von der Fraktion, daß sie den Entwurf des Gesetzes zum Schutze des gewerblichen Arbeitsverhältnisses in 2. und 3. Lesung ablehnen werde.“
Antisemit Rechtsanwalt Vielha ben:... Den Standpunkt des Grafen Reventlow zur Zuchthausvorlage
teile ich nicht. Diese Vorlage soll dem Mittel⸗
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finden in der„M. S.⸗Ztg“ weiteste Verbreitung. Die 5gespalt Petitzeile oder deren Raum kostet 10 Pfg. 4 mal. Bestellung gewähren wir 25%,
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stande helfen, soll ihn befreien von dem Streik⸗ terrorismus der Sozialdemokratie. Deshalb muß etwas geschehen. Der Versuch der Regierung mag ein schlechter gewesen sein, wir werden ihn verbessern müssen.
Antisemit Bruhn ⸗Berlin:... Sie(die Zucht⸗ hausvorlage) will etwas durchaus Gutes. Sie will dem Mittelstande helfen, der am meisten unter dem Streikterrorismus leidet.(Beifall). Ich freue mich, daß Herr von Liebermann für die weitere Beratung der Vorlage eingetreten und bereit ist, dem guten Gedanken zum Siege zu verhelfen. Fragen Sie mal die Gewerbe⸗ treibenden, wie die über die Vorlage denken. Das jetzige Recht gewährt nicht genügenden Schutz, da eine Verfol⸗ gung des Streikterrorismus nur auf Antrag geschieht. Ich bitte Sie, eine Erklärung dahin abzugeben, daß die Fraktion den Gedanken der Vorlage aufnimmt, um auf seiner Grundlage ein brauchbares Gesetz zum Schutze des Mittelstandes zu schaffen.(Beifall.)
Nachdem auch der von den Dresdenern aus dem Reichstag bugsierte Autisemit Zimmer⸗ mann gegen Reventlow gesprochen hatte, nahm der antisemitische Parteitag eine Reso⸗ lution an, in der das Verhalten der Reichs⸗ tagsfraktion gutgeheißen wird.
Also für Weiterberatung der Zuchthaus⸗ vorlage sind die Antisemiten!
Und solche Leute haben die Frechheit, sich im Gießener Landkreis, in dem Tausende Arbeiter auf das entschiedenste gegen die Zucht⸗ haus vorlage protestiert haben, um ein Land⸗ tagsmandat zu bewerben.
Aber noch ein Beispiel aus der engsten Heimat für die Arbeiterfeindlichkeit der Antisemiten.
Als im hessischen Landtag unser Genosse Haas von Mainz im Interesse derjenigen Ar⸗ beiter, welche Brücken passieren müssen, um an ihren Arbeitsplatz zu gelangen, das Ver⸗ langen stellte, das Brückengeld zu beseitigen, da stand im Blatte des Architekten Hirschel:
„Wenn für großstädtische Schlamm m⸗ beißer ein Kreuzer Brückengeld gespart werden soll, da schreit man Zeder und Mordio.“
In den Augen der Hirschel und Kon⸗ sorten sind die
Arbeiter also Schlammbeißer!
Damit mag es für heute genug sein. Wir können, wenn es nötig wird, noch mehr Be⸗ weismaterial für die Arbeiterfeindlichkeit der Antisemiten beibringen.
Für heute nur das eine: Ihr Arbeitsbienen, die ihr euch jahraus jahrein für wenig Lohn schwer plagen müßt, tränkt es den Gesellen, die euch
Schlammbeiße r nennen und für die Weiterberatung der Zuchthausvorlage eintreten, am Tage der Landtagswahl ein.
Zeigt dem antisemitischen Schimpfspezialisten Hirschel, wo Barthel den Most holt! ZET 2222.0:!:!!! An unsere Leser!
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